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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-28 · 44 (28.10.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fi li Seite 706 Dr. Llocv's Mlocdenscbrifl. Nr. 44 °! ü) i | i | i I I I 'f welche genannt. So z. B. eines, das der Erzvater Jakob Beth-El nannte (cf. Genes. 26, 19), ein anderes in dem geographisch noch nicht festgestellten Lande der Chetiter (cf. Richter 1, 26). Nun kam es namentlich in der Sage zu einer Verwechslung, aus der man sich bis auf den heutigen Tag noch nicht herausgefunden hat. Sonach befremdet es nicht, im persischen Gedichte „Indien" (gleich einem Orte daselbst) für das undefinierbare Lus zu finden. Sonst bekundet die in der Rosen'schen Uebersetznug (das Original, das uns leider nicht zur Hand ist, würde vielleicht ein weiteres Resultat zeitigen?) uns vorliegende Bearbeitung des persischen Dichters eine ziemliche Vertiefung in den haggadischeu Sinn. Nicht zum Weuigsteu zeugt sie auch von einem Bedürfnisse nach Stoffen aus dem Leben Salomos, da sonst die rege Phantasie des Orientalen auf Benützung fremder Motive nicht angewiesen ist. Schließlich hat in der Neuzeit die Muse M. A. Tendlau's unsere Haggada in ihren Bereich gezogen. Doch legte Tendlan, sei es aus Unkenntnis der palästinensischen Version, sei es, weil die babylonische mehr Ausbeute gewährte, letztere seinem Gedichte zugrunde. Dasselbe wird außer in seinem Werke auch in Rimmouim von Dr. H. Jacobsohn, S. 248 ff., unter dem Titel: „Schelomoh und der Todesengel" gebracht und lautet: Es saß einmal David's weisester Sohn Auf seinem elfenbeinernen Thron, Und vor ihni, unter den Dienern des Staats, Zwei Jünglinge aus dem Aethiopierland, Achia und Elichoref genannt, Die beiden Schreiber des fürstlichen Rats; Von lieblicher Bildung und Schöne, Des Schischa edele Söhne. Da sah des Königs verschlossener Blick, Der vorwärts schaute, so klar als zurück. Dem selbst das Geisterreich offen stand, Den Engel des Todes, ungeseh'n Den Jünglingen traurig zur Seite steh'n; Er schien mit inn'gcm Bedauern, Ob einem Verluste zu trauern. Darob verwunderte Schelomoh sich Und sprach: „Gesandter des Todes! sprich, Was blickst Du so traurig und mutlos darein?" Er deutete auf die Jünglinge hin Und lispelte: „Weil ich gesendet bin, Zu führen hinweg die Lieblinge Dein. Zu Beiden bin ich geordert, Sie wurden zugleich mir gefordert." Kaum hörte der König ihr Leben bedroht, Als rasch er zwei Dämonen entbot, Seirim, die stürmenden Böcke, genannt, Auf daß sie behende und ohne Verzug Die Jünglinge trugen im Geistesflug Zur Rettung nach der Hethiter Land, Nach Lus, der vom Tode befreiten, Dem ewigen Gotte Geweihten. Und folgsam des Königs mächtigem Wort Enteilten mit Beiden im Sturm sie fort. Ins Land, wohin der Gebieter begehrt. Schon steigen sie aus den Lüften herab, Schon setzen sie vor der Höhle sie ab. Denn Lus ist auch Dämonen verwehrt; Da durchzuckt's der Jünglinge Glieder Und leblos stürzen sie nieder. Und wieder saß Davids weisester Sohn ' Den folgenden Morgen auf seinem Thron, Betrachtend das Wohl des mächtigen Staats, Und wieder des Todes Gesandter stund Mit lächelndem Aug' und höhnendem Mund In Mitte der Männer des fürstlichen Rats. „Was höhnst Du?" frägt ihn der König, „Gilt Menschenwohl Dir so wenig?" „Weil Du, o weisester Adamssohn! Der je gesessen auf Menschcnthron, Die beiden mir selbst in die Arme geführt. Denn eben im Hethiter Land, Wohin zur Erhaltung Du sie gesandt, Da wurden von meiner Hand sie berührt, Weil also die Gottheit es wollte, Daß dort ich liefern sic sollte." Da senkte der König das stolze Haupt, Als fühlt' er sich allen Mutes beraubt, Und sprach mit frommem, ergebenem Sinn: „Des Menschensohnes eigene Bein', Sie stehen, ach, selber für ihn ein, Daß seinem Geschicke er nimmer entrinn'; Und will es den Tod ihm bereiten, Sie müssen zur Stell' ihn geleiten." Bei aller Gründlichkeit, die Tendlan auf sein Poem verwendete, ist einiges dermalen überholt. Wenn darin die Söhne Scheschus als „Jünglinge aus dem Aethiopierlande" bezeichnet werden, wogegen schon Grünbaum (ibiä. S. 113) richtig bemerkt: „In der Tat sieht man nicht ein, warum die hier genannten Schreiber Salomos auf einmal Aethivpier sein sollen." Kuschi bedeutet wohl ursprünglich de-. Mohr oder Aethiopier; doch ist dies Wort, wie etwa das Wort -invv. an vielen Stellen und auch hier, wie oben bereits nachgewiesen wurde, nur Per Antiphrasin gebraucht. Ferner, wenn Lus mit dem gleichnamigen Orte im Lande der Hethiter identifiziert wird. Seine sonst überaus genaue Wiedergabe der babylonischen Haggada bringt durch ihre metrische Darstellung alle die Feinheiten, die jener zueigen sind, besonders schön zum Ausdruck. Die zielbewußte Aufnahme der verschiedenen bunten Fäden einzelner Sagen, um sie zu einem harmonisch leuchtenden Bande zu vereinigen, mit welchem dem Ruhme Salomos ein unvergänglicher Schmuck verliehen werden soll, erscheint da in plastischer, darum greifbarer Gestalt. Doch auch die negative Seite der Haggada kann Zeugnis ablegen von der Sorgfältigkeit und Umsicht, mit welcher man in ihrer Werkstätte an die Arbeit ging. Die Sentenz: „Die Füße des Menschen führen ihn seiner Bestimmung zu" hätte mit einem Hinweise auf Saul, der, von seinem bevorstehenden Ende des Nachts unterrichtet, dennoch tags darauf gegen die Philister zieht und stirbt, viel wirksamer belegt werden können, als mit dem auf Achabs Tod. Während Achab vierhundert Baalspropheten den Sieg verkündeten und ihni gegen die Warnungen Michajehus Mut eiuflößten, waren die Verhältnisse an und um Saul so zugespitzt, daß er selbst auch sein tragisches Ende kommen sah. Aber der Hinweis auf Saul wird mir gutem Grunde unterlassen. Denn nicht mit blinder Wahl und ohne Prüfung holen die Haggadisten ihre Beweisargumente! Der Beweis von Saul würde einen dunklen Punkt aufs Tapet gebracht haben. Der israelitische König nahm seine Zuflucht zum Aberglauben, indem er die Zauberin von Endor aufsuchte. Und gerade um die Zeit Chauina bar Chqmas, in welche die Abfassung unserer Haggada fällt, sehen wir die Lehrer Israels im harten Kampfe gegen die Zauberei, an welcher das ganze damalige Altertum krankte (cf. u. A. Hamburger R. E. „Zauberei"). Oder sollte der Ansicht, die den Ursprung der Magie und der Zauberkunst auf Salomo hinaufführte, welcher schon Josepbus (ibiä. VIII. 2, 5 cf. Hamburger I. S. 1068, Anmerkung 4) gedenkt, keine neue Stütze gegeben werden. So dürfen wir betonen, daß es nicht angeht, die Haggada mit der Sage schlechtweg gleichzustellen. Sie ist vielmehr auch da, wo sie Sagen verarbeitet, ein Teil des großen Werkes der Talmudlehrer, welcher ein Denkmal ihrer unvergleichlichen Kunst in der Gewinnung und Popularisierung ethischer Lehrsätze bildet. Darum wird sie bei jedem, der sie nur einigermaßen kennt, Bewunderung und Sympathie erwecken. Darum auch bildet sie noch vielfach den Mittelpunkt der jüdischen Predigt, welchden Hörer entzückt und belehrt, indeß andere Sagen als Ueberbleibsel der Kindheit der Völker in der Kinderstube ihre Heimstätte gefunden haben. Und begreiflich nur ist es, wenn selbst Heine,, der moderne Achar, dem nichts heilig war, der mit seinem bitteren Hohne und beißendem Spotte nichts verschonte, der nur etwas zur Sonnenhöhe hinauftrug, um ß dann um so tiefer in den Staub sinken zu lassen, vor der Haggada aber wie gebannt stehen blieb. Die Haggada allein vermochte ihn

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