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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 698 Dr. Llocb's MocvenscbrM. Rr. 43 V. In den ersten Morgenstunden schon, nach einer in lustiger Gesellschaft durchzechten Nacht war Egon im Empfangszimmer des zukünftigen Schwiegervaters mtt einem großen Blumendouqnet erschienen, um in dessen Gegenwart das Jawort der Braut nochmals zu hören. Wenige Minuten später kam Ricke, sie flog ihm glückstrahlend in die Arme. Jakob Schwarz legte seine Hand segnend auf das Haupt seiner Kinder. — Egon saß im trauten Geplauder an der Seite der Braut, dann verabschiedete er sich für einige Tage, um seine Verhältnisse in der Heimat in Ordnung zu bringen. „Ricke, Geliebte, ich scheide für einige Tage, um dann für immer mit dir vereint zu sein." Durch Josefs Brief an seine Mutter erhielt Sarah Schwarz die Nachricht von der bereits erfolgten Verlobung ihrer Tochter, zur Zeit als diese in der Wohnung des Vaters an der Seite ihres Bräutigams weilte. Sarah's Schmerz war unbeschreiblich. Als Ricke zurückkam, fiel die Mutter vor ihr aufs Knie und bat flehentlich, doch nicht vom Glauben der Väter abzufallen. Allein, alles Bitten war vergebens, Ricke blieb dafür taub, sowie für alle Vernunftgründe taub. Vier Wochen später, an einem sonnigen Frühlingstage, fand die Vermählungsfeier statt. Schwermütig blickte Sarah vor sich; heute war ja der schwerste Tag ihres Lebens angebrochen. „Siehst Du", sprach sie zu Rachel Thalheim, „jede Sünde zieht andere Vergehen nach sich. Die Leidenschaft für Doktor Schwarz hatte mich blind gemacht, ich dachte, daß ich ihn durch meine Liebe dem wahren Glauben näher bringen werde, oder daß er doch wenigstens tolerant genug sein würde, mich in meinen religiösen Anschauungen nicht zu kränken, doch so sind sie alle, die für sich alle Rücksichten verlangen, andere aber vor den Kopf stoßen. Mein ftommer Vater hat mich genug gewarnt, ich habe nicht gefolgt. Und nun sichst du den Fluch davon. Auf Erden schon rächt sich alles bitter, hinieden schon gibt es ein göttliches Strafgericht, das Böse straft sich in sich selbst. Auch das Kind verloren, für immer verloren; der ewige religiöse Konflitt zwischen mir und Jakob mußte solche Früchte zeitigen. Daß das Kind, welches ich unter meinem Herzen getragen, mit meinem Herzblute großgezogen, mir diesen unsäglichen Schmerz verursachen mußte, das ist die größte Strafe für m 'in Vergehen. „Ich habe gefehlt, gesündigt," dabei schlug sie sich an die Brust, „verzeihe mir Schuld und Missetat, du barmherziger Himmelsvater." „Ergehe dich doch nicht in Selbstanklagen, die das Herz noch mehr zerfleischen," antwortete Rachel, was Gott uns zugeschickt, müssen wir in Liebe empfangen." Als nahendes Schellengeläute die Rückkehr von der kirchlichen Trauung andeutete, setzte sich Sarah, wieder um einen Lebendigtoten trauernd, zur Erde. Ein großer Teil der illustren Hochzeitsgesellschaft gab dem jungen Ehepaare das Geleite zum Bahnhofe, um sich nochmals von ihm zu verabschieden, ehe es die Hochzeitsreise, die zugleich ein Abschied von der Heimat war, antrat. Die junge Frau lächelte ganz glückselig, während sie am Arme ihres Gatten von der einen zu der anderen ihrer Freundinnen schritt, um noch herzliche Worte des Abschieds zu wechseln. Jakob Schwarz, der hinter dem jungen Paare einherschritt, war in den letzten Wochen merklich gealtert und blickte ernst und traurig vor sich. Der Abschied von der Tochter schien ihm sehr nahe zu gehen. Egon sah etwas gelangweilt aus. Einige Minuten vor Abgang des Zuges löste er seinen Arm aus dem seiner jungen Frau mit dem Bemerken, daß er noch nach dem Gepäcke sehen müsse. Er eilte ins Foyer, dort stand eine dichtverschleierte Dame am Schalter, der er unbemertt die Worte zuflüsterte: King of England 39. Dann nahm er von seinem Diener Karten und Gepäckschein entgegen. Wenige Minuten später brauste der Expreßzug in die Halle ein und entführte das junge Paar nach dem Süden. Im Nebenkoupee saß die Soubrette des Hoftheaters, die schöne Medea Nolli; sie hatte dasselbe Reiseziel, wie das junge Paar. Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als das Ehepaar in der Grenzstadt O. angelangt war. Der Portter des Hotels King ok England öffnete schlaftrunken und wies die Herrschaften nach den bestellten Zimmern. Fünf Minuten später kam eine Dame an, sie nannte einen Namen und wurde auf Zimmer 39 geführt, welches nur durch eine Zwischentüre vom Salon des jungen Ehemannes getrennt und durch einen leichten, halbhohen Nippschrank verstellt war. In stiller Zurückgezogenheit, ganz sich allein lebend, verbrachte das junge Paar die Honigwochen, freilich fand Egon immer Ausflüchte genug, um sich in seine Appartements zurückzuziehen, d. h. den Weg zur Soubrette Medea zu finden — er mußte sich doch von der langweiligen Nocken, wie er die Gattin nannte, bei der Geliebten schadlos halten. Rieke fühlte sich an der Seite des genußsüchtigen, lebensfreudigen Gatten glücklich und zuftieden und die Briefe an ihren Vater — die Mutter hatte ja mit ihr gebrochen — atmeten Freude und Glück. Jakob Schwarz gewann dadurch wieder an Lebensmut. Er sah in den letzten Wochen nur Gespenster, fürchtete, daß sein Schwiegersohn, der ein leichtsinniger Patron, so niedrigen Charakters se'n könnte, daß er seine Tochter nur des Geldes halber geheiratet, und fand in dem Glücke seines Kindes wieder neuen Lebensmut. Die Honigwochen gingen vorüber und das junge Paar trat die Rückreise in die neue Heimat nach O. an. Einen Tag ftüher war die Soubrette Medea dort eingetroffen, um ihr dortiges Engagement anzutreten, das sie durch den Regierungsassessor am Stadttheater gefunden. Sie bezog außerhalb der Stadt eine für sie eingerichtete Wohnung. Der Regierungsassessor hatte im Zentrum ein elegantes Palais, das mit allem Komfort ausgestattet war, für sich und seine junge Frau käuflich an sich gebracht. In den ersten Wochen verbrachte Egon den größten Teil seiner freien Zeit und die Abende zuhause zu. Das wurde für die Dauer zu langweilig und er weilte immer kürzere Zeit bei seiner Gattin, desto häufiger war er an den Spieltischen des Klubs zu suchen. Seine Besuche bei Medea stellte er aber nicht ein. Jeden Tag fuhr sein Koupee bei Medea vor Und wartete auf ihn. Der Kutscher war sein ehemaliger Offiziersbursche und sehr verschwiegen. Der Regierungsassessor spielte, zechte und feierte im Hause der Soubrette mit gleichgesinnten Kumpanen wahre Orgien. Oft kam er erst am frühen Morgen schwer bezecht nach Hause. _ (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. M. Poppelauer, Inh.: I. Sa eng er, Verlagsbuchhandlung, Berlin 0. 59, Neue Friedrichstraße 59. Katalog 11. Inhalt: Judaica und Hebraica, Karäer, Handschriften. Nachtrag. Dr. L. Münz, Rabbiner in Kempen (Provinz Posen). Ein Buch für die jüdische Ehefrau. Mit einer Beigabe: Lehren unserer Weisen über die Erziehung der Kinder. Verlag von A. I. H o f m a n n, Frankfurt a. M. Altneuland. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, I. Jahrgang, Heft Nr. 10, Oktober 1904. Herausgegeben von F. Oppenheimer, S. Soskin, O. Marburg. Inhalt: Dr. Max Blankenhorn: Abriß der Geologie Syriens. Marinestabsarzt a. D. Dr. L. Sander. Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung. — Palästina und Nachbargebiete. Indische Kolonien. Neue Literatur. Vermischtes. Marktbericht. Sigmund Schott. Kapitalanlage. Anleitung zu zweckmäßiger und vorteilhafter Vermögensverwaltung für alle Stände. Zweite durchgesehene und ergänzte Auflage. Viertes bis siebentes Tausend. Verlag von Paul Waetzel, Freiburg i. B. und Leipzig 1904. Jewish Colonisation Association. Kapport de l’Administration central an conseil d’Administration pour l’annöe 1903, prdsentö aux Actionnaires a l’Assemblee Gönörale du 3 juiÜet 1904. Rabbiner Dr. I. Bondi. Der Siddur des Rabbi Saadia Gaon. Beilage zum Rechenschaftsbericht der Jüdisch- Literarischen Gesellschaft. Verlag vonI.Kauffmann, Frankfurt a. M. 1904.

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