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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 696 Dr, Mocb's MocbenscbrM. Nr. 43 Regierung mit allen gesetzlichen Mitteln an ihre Pflicht zu mahnen. Zu der erwähnten Versammlung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union", zu welcher auch alle Angehörigen der jüdischen Berufsintelligenz, namentlich die Aerzte, Advokaten und Lehrer, geladen wurden, steht jedem Glaubensgenossen der Zutritt offen. Wien. (Auszeichnung eines Wiener Universitäts Professors.) Der Präsident der französischen Republik hat über Antrag des französischen Unterrichtsministers Monsieur Chaumiä dem Hofrate Professor A. Pollitzer in Wien für seine hervorragenden Verdienste um die Förderung der othologischen Wissenschaft das Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion verliehen. Wien. (V e rlob ung.) Frl. Cäcilie Kun st a d t, Tochter des Herrn Salomon K u n st a d t, Restaurateur in Wien, hat sich mit Herrn Leonhard M u k d e n, Leinen- und Jutewaren- Erzeuger, Brünn-Gewitsch, verlobt. 2Vren. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltet auch in der bevorstehenden Saison einen Zyklus von Vorträgen, und zwar wird Herr Dr. Paul W e i s e n g r ü n Mittwoch den 26. d. M. mit einem solchen unter dem Titel: „Was soll uns Spinoza sein?" den Anfang machen. Der Vortrag findet halb 8 Uhr abends im Saale des Wissenschaftlichen Klubs, I., Eschenbachgasse 9, statt. Eintritt nur gegen Eintritts- oder Mitgliedskarten. Wien—Währing. Von Samstag den 15. Oktober angefangen findet im Wintertempel der Gemeindesynagoge, XVIII., Schopenhauerstraße 39 an jedem zweiten Sabbat nach dem Minchagottesdienste ein Vortrag über die laufende Pcreschah statt. Vom November an wird daselbst an jedem Montag und Donnerstag abends nach dem Gebete Talmud gelernt. Die Raffe Ernst Schneiders. Aus Mödling wird uns berichtet: Vor ungefähr vierzehn Tagen heiratete der Südbahnbeamte Ernst Schneider, der Sohn des Neichsratsabgeordneten Schneider, die Tochter eines wohlhabenden Hausbesitzers in Mödling, Fräulein Mizzi G. Trotzdem es eine Liebesheirat war, kam es infolge von Geldansprüchen Schneiders zwischen diesem und der Mutter der jungen Frau zu heftigen Differenzen, die am 11. d. M. einen großen Skandal hervorriefen. Schneider mißhandelte seine Schwiegermutter derart, daß sie laut um Hilfe rief und blutend zusammenstürzte. Er selbst begab sich dann ins Wirtshaus und provozierte auch dort durch sein heftiges Schimpfen gegen die Schwiegermutter einen großen Skandal. Die junge Frau, die sich zur Zeit der Vorfälle in Wien befunden hatte, wollte sich, nach Mödling zurückgekehrt, aus Verzweiflung über die Geschehnisse in den hochangeschwollenen Mödlingbach werfen und konnte nur mtt Mühe vom Selbstmord zurückgehalten werden. Schneider hatte ein Messer hervorgezogen und gedroht, seine Schwiegermutter zu erstechen. Er war um diese Zeit bereits volltrunken, so daß man ihm das Messer leicht entwinden konnte. Der Beamte wurde hierauf in seine Wohnung gebracht. Hr. G., der Schwiegervater Schneidens, hat bereits um die Scheidung der Ehe angesucht. Gegen Schneider ist von seiten der Südbahndirektion eine Disziplinaruntersuchung im Zuge. Prag. Die Prager israelilische Kultusgcmeinderepräsentanz eröffnet einen Zyklus jüdisch-wissenschaftlicher Vorträge für Erwachsene, zu denen der Zutritt unentgeltlich gegen in der Amtskanzlei erhältliche, auf Namen lautende, nicht übertragbare Eintritskatten stattfindet. Dieselben werden im Hause Poric Nr 6. neu, I.Hof, 2. Stiege, >. Stock abgehaltcn, und zwar: I. beginnend mit Montag den 17. Oktober, 6 Uhr nachmittags, an jedeni Montag von 6 7 Uhr nachmittags der Vortrag des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenfcld über: Jüdische Religionsphilosophie 2. beginnend mit Montag den 17. Oktober, 7 Uhr abends, an jeden Montag von 7—8 Uhr abends der Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Klotz: Besprechung über den laufenden Wochenabschnitt der Thora. 3. beginnend mit Dienstag den 18. Oktober 7 Uhr abends, an jedem Dienstag und Donnerstag von 7—8 Uhr abends der Vortrag des Herrn Dr. Isidor Pollak: Geschichte der Juden in Spanien. 4. beginnend mit Mittwoch den 19. Oktober, 7 Uhr abends, an jedem Mittwoch von 7—8 Uhr abends der Vortrag des Herrn Rabbiner Dr/ Deutsch: Die Prophetenbücher und die apokryphischen Schriften. Jsr. Kultusgemeinderepräsentanz. Ein Jude zum Bürgermeister gewählt. Die Stadt Oderberg, die sich rasch entwickelt, nahm am 3. d. M. die Bürgermeisterwahl vor. Der Gemeinderat gab bei dieser Gelegenheit Herrn Viktor L u st i g neun Stimmen, während der Gegenkandidat, der Christlich-Soziale Josef v. Portenschlag, acht Stimmen erhielt. Herr Lustig ist daher zum Bürgermeister gewählt. Linz. Unsere Kultusgemeinde hat durch das Hinscheiden des Herrn Max Bruder, Kaufmann in Linz, der Freitag den 14. d. M. knapp bei Eingang des Sabbaths durch Herzschlag plötzlich dahingerafft wurde, einen herben und schweren Verlust erlitten. Einen unserer besten und edelnen Männer hat der jähe Tod aus unserer Mitte gerissen und eine Lücke hinterlassen, die nicht so leicht auszufüllen sein wird. Der Verblichene gehörte noch der alten Garde an, d. h. er war konservativer Richtung und hatte ein religiöses für das Judentum besonders warmfühlendes Herz. Durch fast 30 Jahre gehörte er ununterbrochen dem Vorstande der hiesigen Gemeindevertretung an und durch 27 Jahre stand er dem Kranken- und Beerdigungsverein (Chewra-Kadischa) als Präses vor und hat sich durch sein strebsames, uneigennütziges Wirken große Verdienste um die hiesige Gemeinde erworben. Auch der Frauenverein, dessen Präsident der Verblichene durch eine Reihe von Jahren war, beklagt sein Hinscheiden auf das Tiefste, da derselbe um die Hebung und Förderung dieses Vereines sich sehr verdient gemacht hatte. Marienbad. (Trauung.) Sonntag, den 23. Oktober 1904 findet um 1i22 Uhr Nachmittags die Trauung des Fräulein Louise Schneider, Tochter des Herrn Siegmund Schneider, mit Se. Ehrwürd. Herrn Rabbiner Dr. Philipp Goldberger statt. Klattau. (Leichenbegängnis.) Am 13. Oktober wurde hier Frau Henriette L ö w y, die Gattin des Besitzers der hiesigen Brauerei und Malzfabrik Herrn Franz L ö w v und Tochter des kaiserl. Rates Herrn Adolf Salus in Pilsen, beerdigt. Die Verblichene, die erst im 29. Lebensjahre stand, zeichnete sich durch besondere Bescheidenheit und Wohltätigkeit aus; letztere übte sie nur im Stillen. Sie war eine Musterhausfrau, eine zärtliche und fürsorgliche Gattin und Mutter. Diese herrlichen Eigenschaften der Entschlafenen wußte unser ehrwürdiger Rabbiner Dr. S. B r e t in dem Nachrufe zu einem rührenden und ergreifenden Bilde zu vereinen. Die Trauergesänge rezitierte Oberkantor Leo Körnitz er in exakter Weise. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich der Kultusvorsteher Herr I. U. Dr. I. Fleischer mit allen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde und deren Damen, der Obmann der Chewra-Kadischa S. I. K r a u s k o p f mit den Mitgliedern dieser würdigen Korporation, der Bürgermeister Herr Johann Schott mit den Stadträten Ingenieur Schiffauer und Apotheker S ch i m a n n. Herr M.-U. Dr S a l z m a n n, der Vorstand und die Mitglieder des Chor- und Geselligkeitsvereines, der Obmann der Schänkerfraternität Herr S v o b o d a mit dem Gcsamtausschusse dieser Innung, die Gutsbesitzer der Umgebung mit Herrn Fürstl von Teicheck an der Spitze, das Arbeiter- und Beamtenpersonale der Firma L ö w y sowie unzählige andere Trauergäste. An Kranzablösnngsspenden wurden K 235 eingenommen, welche für wohltätige Zwecke verwendet werden. A. B. Brody. Bei der am 12 d. M. vorgenommenen Ersatzwahl der acht ausgelosten Kultnsräte wurden folgende sieben Herren wieder gewählt, und zwar: Herr Lasar Bloch, Dr. Jakob Byk, Jakob O. H o r w i tz, Israel Kamine r, Abraham Kluger, Adolf Mann und Elias R o s e n t h a l. Neugewählt wurde Herr Doktor Bernhard Groß, der durch sein vielseitiges humanitäres Wirken, besonders als langjähriger Schulinspektor sich große Verdienste erwirbt. Diesmal schied ans dem Kultusrate Herr Hirsch K a p e l u s ch, da seine Wiederwahl nicht erfolgte, wodurch an ihm von Seite der Wähler ein Unrecht begangen ward. Er ist ein älterer Mann, ein Ben Ir, ein Mann reich an Erfahrung, von viel* seitiger, hoher Bildung und von unabhängiger Stellung, der durch sein freies Auftreten nur imponieren kann. Ein solcher Mann, der nur die Zierde einer Körperschaft ist, dabei ein enormes Vermögen besitzend als kinderloser Witwer allein steht, wird angefeindet und in der Judengemeinde von Juden verdrängt, was bei der jetzigen Kultuswahl leider vor sich ging. Konstantinopel. (Todesfall) Vor Kurzem verschied in Berlin nach kurzer Krankheit die Gattin des hiesigen angesehenen Bazar-Inhabers Herrn Karl Karl mann, Frau Rachel Karlmann, geb. Blu m b erg im 45. Jahre ihres dem Wohle ihrer Familie gewidmeten Lebens Die Dahingeschiedene wurde in Berlin unter großer Teilnahme beerdigt. Der Todesfall hat in der hiesigen Gemeinde, wo sich die Familie Karlmann vieler Sympathien erfreut, tiefe Teilnahme wachgerufen.

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