Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 43 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021591--13987-3038670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 692 Dr. Dlocb's MLocbenscbrM. 'Itr. 43 eine Stunde. Abgesehen davon, daß dieser Tempelbesuch mit großem Zeitverlust verbunden ist, erscheint es auch vom sanitären Standpunkte bedenklich, daß 10- oder 11jährige Kinder gezwungen sind, an jedem Sabbath, auch bei Sonnenbrand, Regen und Schneegestörber eine so weite Strecke zu Fuß hin und zurücklegen zu müssen. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, hat sich unser Tempelverein an den löblichen Kultusvorstand mit der Bitte gewendet, den Jugen< gottesdienst im Betsaale des israelitischen Blindeninstitutes abhalten zu lassen. Das Ansuchen fand die Zustimmung des löblichen Kultusvorstandes und wurde auch im günstigen Sinne erledigt; aber warum mit der Installierung dennoch gezögert wird und der endgiltig gefaßte Beschluß nicht zur Ausführung gelangt, erscheint unserem beschränkten Untertanenverstand unfaßbar . . . Sowohl Eltern als Kinder wünschen sehnlichst, daß der Beschluß, den Jugendgottesdienst für die Bewohner des 19. Bezirkes in Döbling abzuhalten, möglichst bald verwirklicht werde, damit all die Widerwärtigkeiten, die mit der großen Entfernung vom Währinger Gotteshaufe verbunden sind, beseitigt werden und die Kinder nicht Schaden an ihrer Gesundheit erleiden, wie es in der Tat und nachweisbar schon hie und da vorgekommen ist. Wien. Der Verein „Tefilas Haneorim" hat an den verflossenen hohen Festtagen an vier Stellen unentgeltliche Gottesdienste für die dein obligaten Jugendgottesdienste entwachsenen Jünglinge, Lehrlinge und Arbeiter, abgehalten und zwar: Im I. Bezirk, Scitenstettengasse 2 (Religionsschule) für Handelspraktikanten und Lehrt iige. Im II. Bezirk, Tempelgafse 3 (Beth-Hamidrasch) für die studierende Jugend. Im VI. Bezirk, Kollergcrngasse 1 für Handlungspraktikanten (Angestellte) und Handwerker-Lehrlinge. Im XX. Bezirk für Handwerker und Handlungspraktikanten. Insgesamt dürste 450 bis 500 jungen Glaubensgenoffen, die sonst in Gotteshäusern nirgends unentgeltlich Einlatz gefunden hätten, Gelegenheit geboten worden sein, an den hohen Festtagen einem feierlichen und erhebenden Gottesdienste beizuwohnen. In jeder dieser Andachtsstätten lagen über 100 vom Vereine begestellte, einheitliche Gebetbücher auf und Lehrer sowie Ordner, zumeist aus der Mitte des Vorstandes, unterwiesen die Jugend in der Gebetfolge. Es herrschte, den Berichten der Sektionsvorstände zufolge, überall musterhafte, wohltuende Ruhe und feierliche Andacht. Um die Erhaltung dieser Institution hat sich in erster Linie der verehrliche Vorstand unserer Kultnsgemeinde verdient gemacht, welcher, der erhöhten Werktätigkeit des Vereines Rechnung tragend, die demselben bewilligte Subvention im heurigen Jabre enrsprechend erhöhte, und der Sekretär Herr Julius Brau n. Ihre persönlichen Tätigkeit stellten folgende Herren in den Dienst der guten Sache: Herr Religionslehrer Hermann Ascher, der mit seiner klanqreichen Stimme der Jugend die Gebete vortrug; Herr Religionslebrer Max Deutsch, welcher in einer weihevollen Predigt die Jugend ermabnte, an dem Glauben unserer Väter festzübalten; die Herren Religionslehrer Max Rindskopf und Wilhelm Toch, die in würdiger und erhebender Weise vorbeteten; Herr Waisen-Jnspektor und Bürge schnldirektor Jakob Manthner, der in gleicher Weise fungierte und sich in organisatorischer Hinsicht außerordentlich betätigte; weiters Herr I. Oehler, welcher in Vertretuug des damals erkrankten Obmannes, des Herrn I. Gollerstcpper, alle für sämtliche Gottesdienste nötigen Verfügungen in umsichtiger Weise traf und überdies an beiden Festtagen erhebende Pr-digten abhielt, endlich Herr Leopold Gollerstepper, der, unterstützt von Herrn Philipp Weiß und Herrn Samu Kugel, den festlichen Gottesdienst in Mariahilf leitete, das „Libouo «edel Olarn“ sowie das Maskir-Gebet in ergreifender Weise vortrug und sich durch Gründung unserer Sektion Mariahilf-Neubau verdient machte. Die Notwendigkeit der Existenz des Vereines „Tefilas Haneorim", welcher vor vier Jahren von dem greisen Obmanne Herrn Joachim Gollerstepper gegründet und mit außerordentlicher Tatkraft lebensfähig g-macht wurde, erhellt deutlich aus dem Umstande, daß der Andrang zu den Gottesdiensten im heurigen Jahre ein sehr bedeutender war, so daß leider sehr vielen Ansuchen um Betsitzen nicht entsprochen werden konnte. Das Bestreben des rührigen Vorstandes geht dahin, nahezu alle Wiener Bezirke in len Bereich seiner Tätigkeit etnzubeziehen und es liegt daher im jüdischen Jntereffe, die Intentionen dieser segensreich wirkenden Vereinigung durch Vergrößerungseiner Mitgliederzahl zu unterstützen. Der Mindestbeitrag p^r Jahr beträgt K 3.—. Beitrittserklärungen werden cntgegengenommcn bei den Herren: Joachim Gollerstepper, ll.. Stefaniestraße 3. Hermann Ascher, Religionslebrer, II., Ezerningaffe 13, Max Deutsch, I., Mölkerbastei I, Manthner, Bürgerschuldirektor, I. Oehler, Leopold Gollerstepper, VI., Mariahilferstraße Nr. 113, Philipp Weiß, VII., Siebensterngaffe 46. Budapest. Die Tata-TvvLroscr (Totiscr) Kultusgemeinde beging am 18. d. das vierzigjährige Seelsorgerjubiläum ihres bei dieser Gemeinde s'it 23 Jahren wirkenden verdienstvollen Oberrabbiners Dr. Markus Händler. Aus diesem Anlasse fand an dem angegebenen Tage im Tempel ein Festgottesdienst statt, wobei nach einer Ansprache des Gefeierten dessen Sohn, der Lugoser Oberrabbiner Db. Simon Händler, die Festrede hielt. Um V24 Uhr Nachmittags fand sodann im Beratungssaale der Stadt Tata eine Festsitzung der Kultusgemeinde statt. — Aus Anlaß des Jubiläums haben die Söhne des Gefeierten, Oberrabbiner Dr. Händler (Hevesi) und Advokat Dr. Rudolf Händler, ein schön ausgestattetes Gedenkbuch (Jubiläris emlökmii) herausgegeben, welches die Biographie des Jubilars, drei Predigten desselben, Gedenkzeilen der Tataer isr. Gemeinde, ferner je eine Predigt des Debrecziner Oberrabbiners Wilhelm Krauß und des Tiroler Rabbiners Dr. A. Tänzer (deutsch), eine Studie Dr. Jllös Handler's (ebenfalls eines Sohnes des Jubilars), eine Studie des Oberrabbiners Dr. Simon Hevesi (Händler) über das Problem des Buches Hiob und die ungarische Uebertragung dieses biblischen Gedichtes von demselben enthält. Der Band ist mit dem Porträt des Jubilars geschmückt. Ein Dankschreiben des Königs von Italien. Breslau. Auf einen Gratulationsbrief zur Geburt des Thronfolgers ist an den Geschäftsführer der Firma Conrad Tack und Cie. in Breslau folgende Antwort eingegangen: Racconigi, 1. Oktober 1904. Sehr geehrter Herr! Aus Befehl des Königs, meines erhabenen Souveräns, danke ich Ihnen verbindlichst für die freundlichen Glückwünsche, die Sie anläßlich der Geburt des Thronerben von Italien ausgesprochen haben. Seine Majestät gedenkt Ihrer freundlichst und versichert Sie durch mich Seiner Gnade und Seines besonderen Wohlwollens. Mit aller Hochachtung! Der Minister des Königl. Hofes von Italien, gez. E. Bonzio Baglio. Eine. Beschwerde gegen Minister v. Einem. Berlin. Bon einer bemerkenswerten Beschwerde gegen den preußischen Kriegsminister weiß das „Berliner Tageblatt" folgendes zu berichten: Der Stabsarzt der Reserve, Dr. Lachmann in Berlin, hat im Mai dieses Jahres eine Beschwerdeschrift an das hiesige zuständige Bezirkskommando gerichtet. In dieser heißt es: „Am 7. März d. I. haben im Reichstag die Abgeordneten Lieberinami von Sonnenberg und Böckler gegen die jüdischen Soldaten, Offiziere, ja selbst gegen die jüdischen Veteranen, die im Besitze der höchsten Kriegsehrenzeichen sind, Schmähungen der gröblichsten Art gerichtet. Die Abgeordneten haben die jüdischen Soldaten der Kriegsuntüchtigkeit, Feigheit und Unlust am Heeresdienst geziehen und sie vor dem Reichstag und dem deutschen Volke der Lächerlichkeit preisgegeben. Seine Exzellenz der Kriegsminister v. Einem hat zu diesen schmählichen Angriffen, die bei ihrer Haltlosigkeit und Unwahrheit leicht zurückzuweisen waren, geschwiegen. Ich fühle mich als Stabsarzt der Reserve und der mosaischen Religion angehörig, durch dieses Schweigen des Kriegsministers in meiner Ehre gekränkt und erhebe Beschwerde darüber, daß ich als Angehöriger der Armee bei diesem schmachvollen Angriff von dem Vertreter der Armee im Reichstag nicht in Schutz genommen worden bin." Der Stabsarzt setzt dann weiter auseinander, daß er achtzehn Jahre lang dem Heere aktiv angehört habe, daß er mit eigener Lebensgefahr ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet und daß er sich im Jahre 1900 freiwillig nach China gemeldet habe, und fährt fort: „Das Verhalten des Herrn Kriegsministers ist für mich Grund, meinen Abschied zu erbitten. Wenn ich die Ehre habe, Sanitätsoffizier des Heeres zu sein, so glaube ich auch ein Anrecht darauf zu haben, bei so maßlosen Angriffen an einem Orte, wo ich mich nicht selbst verteidigen kann, von dem Vertreter der Armee verteidigt zu werden. Ich erhebe aus diesem Grunde Beschwerde gegen Seine Exzellenz den Kriegsminister von Einem und bitte ganz gehorsamst, diese meine Beschwerde höheren Orts unterbreiten und unterstützen zu wollen. Dr. Lachmann, Stabsarzt der Reserve."