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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Llocd's Mocvenscdrttt. Seite 691 220 eine zu geringe ist, um gegenüber der großen Wählerzahl von zirka 16.000 die Einsetzung eigener Wahlkommissionen nicht zu rechtsertigen. Die Wahlen für die allgemeine Kurie sind für Sonntag den 27. November, die eventuell engeren Wahlen für Sonntag den 4. Dezember 1904 anberaumt. Die Wahlen für die Kurie der Höherbesteuerten finden am 9., die eventuelle engere Wahl am 12. Dezember 1904 statt. Betreffs des finanziellen Ergebnisses des heurigen Jahres bis Ende September im Vergleiche zu derselben Periode des Vorjahres ist hervorzuheben, daß das Konto Kultussteuer und Jmmatrikulationsgebühren ein Plus von im Ganzen X 4452 gegenüber dem Vorjahre aufweist, welches Ergebnis im Verhältnisse zu dcm praliminierten Betrage als nicht günstig bezeichnet werden muß. Das Konto „Betsitze in den Gcmeindetempeln" weist ein Minderergebnis von X 3478 50 aus, was darauf zurückzuführen ist, daß die hohen Feiertage in diesem Jahre auf einen ungewöhnlich frühen Zeitpunkt fielen. Die Trauungstaxen ergaben — wie seit Jahren schon — eine Mindereinnahme, welche sich innerhalb der ersten 9 Monate mit X 2416 beziffert, welches Minus in der Konkurrenz der Vereinsbethäuser seinen Grund hat. Die Borgänge im niederösterreichische;; Landtag. Der Präsident Dr. Alfred Stern fährt fort: Hiermit wäre der Vierteljahresbericht, welchen Ihnen zu erstatten ich die Ehre habe, beendigt gewesen, wenn nicht unmittelbar vor unserer heutigen Zusammenkunft gerade in den letzten Tagen Ereignisse eingetreten wären, welche mit Stillschweigen zu übergehen als arge Pflichtverletzung hier in diesem Saale und außerhalb desselben mit vollem Rechte uns zur Last gelegt würde. Auch wenn wir hier Versammelten nicht Mitglieder des Kultusvorstandes wären, wenn in irgend welcher jüdischen Vereinigung aus was immer für einem Anlasse eine Zufammentretung unserer Glaubensbrüder stattfände, so wäre sie moralisch verpflichtet, es wäre für sie ein Gebot der Ehre, laut und vernehmlich Protest zu erheben gegen jene widrigen, auch unserem Vaterlande nicht zur Ehre gereichenden, vielmehr dessen Ansehen im In- und Auslande tief schädigenden Szenen, welche sich in einer öffentlichen, gesetzgebenden Körperschaft abspielten. — Daß dieselben vorbereitet waren, ergibt sich daraus, daß sie durch eine darauf berechnete Vorlage hervorgerufen wurden, welche verschiedene Stadien passiert haben mußte. Daß sie mit Haaren herbeigezogen waren, ergibt sich aus der Geringfügigkeit des Betrages, um den es sich handelte, und ergibt sich aus einer leider nur zu richtigen Bemerkung, welche einer der Redner machte, daß eine solche Vorlage überhaupt nicht nötig wäre, da ohnehin aus interkonfessionellen Stiftungen, Widmungen, Benefizien von der anttfemitifcfjeu Majorität in Stadt und Land Juden, auch wenn noch so qualifiziert, ausgeschlossen werden. Daß aber die berufenen Faktoren zu allem dem schwiegen, daß keiner derselben — im allgemeinen öffentlichen Interesse — ein Wort der Entgegnung fand, drängt uns die Frage auf. ob wir österreichische Juden rechtlos seien, ob die pöbelhafte Hetze gegen uns von regierungswegen sanktioniert werde, ob — wir wollen da gar nicht von feierlich beschworenen Staatsgrundgesetzen sprechen — das Sanktuarium der Gesetzgebung und der öffentlichen Verwaltung in der Residenz unseres heißgeliebten allverehrten Monarchen dazu mißbraucht werden dürfe, die seit so lange gegen uns betriebene Hetze fort und fort zu propagieren. Dagegen erheben wir laut und öffentlich Protest und wollen wir trotz Allem und Allem immer noch der Hoffnung Raum geben, daß derselbe an maßgebendem Orte nicht ungehört verhallen werde. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Kultusvorsteher Hermann E l t b o g e n interpelliert in Angelegenheit der Beschwerde des Tempelvereines „Beth Hachneteth", daß, diesem Vereine die angeblich bereits längst bewilligte Subvention pro 1904 aus einem Grunde, welcher mit der Subvention in keinem Zusammenhänge stehe, nicht ausbezahlt wurde. Der Präsident teilt in Beantwortung dieser Interpellation Folgendes mit: Das Subventionsansuchen des Tempelvereiues wurde bereits am 20. März 1904 in ein«r Bertretersitzung erledigt und für eine Plenarsitzung zur Beschlußfassung vorbereitet. Ehe es zu einer Beschlußfassung kam, zog der Tempelverein dieses Ansuchen zurück und brachte ein neues Gesuch um eine erhöhte Subvention ein. Dieses Gesuch mußte im Sinne der neuen Geschäftsordnung neuerlich die verschiedenen Instanzen passieren, so daß es nicht möglich war, die Angelegenheit der am 26. Juni 1904 stattgehabten letzten Plenarsitzung zu unterbreiten. ES liegt dieses Ansuchen der heutigen Sitzung zur Beschlußfassung vor. Wie unbegründet die Angabe des Vereinsvorstandes sei, daß aus irgend einem Grunde mit der Auszahlung der Subvention gezögert werde, geht daraus hervor, daß ich dem Vereine bis zum 15. Juli 1904 über sein Ansuchen und ohne daß das Plenum es bewilligt hätte, einen Betrag in der Hohe der vorjährigen Subvention, das ist X 2000.— anwies, wofür ich mir die Indemnität erbitte. Die Jnterpellativnsbeantwortung wird zur Kenntnis genommen. Es wird die Auslosung von vier Vorstandsmitgliedern aus der Kurie der Hvherbesteuerten, welche zum Austritte zu gelangen haben, vvrgenommen, und werden hiebei folgende Namen gezogen: David Ritter von G u t m a n n, Moriz Edler von Kuss n e r, Wilhelm K u s s n e r, Leopold von Lieben. Sekretär Dr. Lieben referiert namens des Vertreter- Kollegiums über die Subventionierung von Vereinen. Es werden bewilligt: Dem Bethausvereine „(Xmillw-OiiL-wä" eine Subvention von X 100.—. Dem Bethausvereine .. Beth-Hachneteth“ eine ordentliche Subvention von K 1000.—, eine außerordentliche Subvention von X 1400.— und als Beitrag zu größeren Adaptierungs- Arbeiten X 600.—. Dem Vereine „Kinderfreunde" in Ottakring behufs Beteilung armer jüdischer Schulkinder mit Schuhen eine Subvention von X 400.—. Dem Kindergarten in der Brigittenau wie im Vorjahre eine Subvention von X 2000.— mit der Bedingung, daß jederzeit mindestens 50 arme jüdische Kinder den Kindergarten frequentieren. Dem Vereine „Heilstätte für Lupuskranke" eine Subvention von X 100.—. (Schluß der öffentlichen Sitzung.) In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung wurden folgende Stiftungen verliehen: Die L. G. Gvtdstein-Witwenstiftung (3 Plätze ü X 400.—) an drei mittellose Witwen. Die Moriz Goldberger-Stiftung im Betrage von X 590.— an einen zur Anstellung vollkommen befähigten Rabbinats- Kandidaten. Die Therese Wertheitn-Ausstattuugsstistung im Betrage von X 300.— an ein armes mutterloses Mädchen. Für die Prüfungskommission für allgemeine Volks- und Bürgerschulen in Wien wird das Vorstandsmitglied Herr Doktor Maximilian Steiner als Kommissär und Herr Professor Dr. Heinrich P o l l a k als Examinator für die nächste dreijährige Funklivnsperiode berufen. Dem BethauSvorstande der Bezirke Xll—XV wird der Beitrag für die Beteilung Armer der Bezirke Xll—XV mit Geld und Mazzoth von X 3200.— auf X 4000.— erhöht und weiters für die am 2. Dezember 1904 stattfindende Kinderbekleidung und Armenbeteilung ein Betrag von X 1500.— bewilligt. Nach Erledigung von Personalien und Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. Wien. XIX. Bezirk. lEingesendete Die im 19. Bezirke wohnenden Mittelschulfrequentanten müssen jeden Sabbath dem Gottesdienste im Währinger Tempel — Schopenhanergaffe — beiwohnen. Der Weg dahin aber beansprucht für Kinder, die aus der Hohen Warte, Nußdorf rc. ihr Heinl haben, oft mehr als

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