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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 688 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. srr. 43 zur Zeit der großen russischen Emigration in den Jahren Achtzig und Einundachtzig glänzend bewährt und dürfte auch ferner nicht zurückbleiben. Selbstverständlich müßte die Jewish Colonisation Association zu einer tatkräftigen Mitwirkung herangezogen und für ausgiebige Unterstützung gewonnen werden. Damit soll nicht gesagt sein, daß für sämtliche Auswanderer eine Unterkunft in Amerika gesucht werden soll; denn auch dort wird die Konkurrenz der Arbeit täglich drückender, der Erwerb schwieriger und der Einlaß mittelloser Fremder seitens der Union restringierter, so daß viele Leute, die dem Elend entrinnen wollten, dem Jammer in die Arme rennen. Ebenso wenig steht mein Sinn nach Palästina, wo der Boden teuer, wenig fruchtbar, viel umstritten und von einem Heere rauflustiger Pfaffen eifersüchtig bewacht ist. Es wäre hohe Zeit, von diesen beiden breitgetretenen Richtungen, Amerika und Palästina, abzusehen und nach einer anderen, lohnenderen und vorläufig noch leicht zugänglichen Gegend auszublicken, nämlich nach dem so fruchtbaren Gebiete zwischen dem Euphrat und dem Tigris, wo einst die Wiege unseres Volkes stand und wo der Boden ehemals reich bedeckt war von Feldfrüchten und Viehherden. Ein Kenner Syriens ersten Ranges, der das Land wiederholt bereiste und durchforschte, seine Bewohner, ihre Sprachen, die agrikolen Verhältnisse und die Bodenbeschaffenheit genau kennt, Professor Sprenger von der Hochschule in Kalkutta, der auch Palästina genau kennt, schreibt in seinem lesenswerten Buche „Babylonien" wörtlich folgendes: „Während Palästina und die Meeresküste teilweise ungesund sind und sich für europäische Kolonisten nicht gut eignen, weil die besten Parzellen sich im Besitze der Landeskinder befinden, überdies die neuen Ansiedler nicht in kompakter Masse beisammen leben könnten, was doch für den wechselseitigen Schutz eine unerläßliche Bedingung ist, gibt es unter allen Ländern der Erde keines, das zur Kolonisation so sehr ein ladet als, Syrien und Assyrien. Hier gibt es keinen Urwald auszuroden, keine Naturschwierigkeiten zu überwinden, hier braucht man bloß den Boden aufzukratzen, zu säen und zu ernten. Um jene Gaben zu sammeln, welche die Natur so verschwenderisch über die Ebene östlich vom Tigris und Mesopotamien ausgebreitet, bedarf es zehn bis fünfzehn Millionen Kolonisten, die alle einen herrlichen ErtragundeinesorgenfreieExi stenzhätten!" Und dies herrliche Land, dieser fruchtbare Boden liegt seit Jahrhunderten brach, ist um eine Guinee per Acker zu haben! Schon lange hat Rußland sein begehrliches Auge auf Syrien geworfen, das jedenfalls ein lohnenderer Erwerb gewesen wäre, als die schlechtbekömmliche Mandschurei, und wenn der gegenwärtige Krieg es nicht geschwächt und sein Verdauungsvermögen nicht gestört hätte, wer weiß, ob nicht demnächst schon Kosaken und Kazapen, Tschinowniks und Gendarmen am Fuße Libanons ihre Peitschen knallen und ihre Knuten schwirren ließen! So lange dies Land im Besitze der türkischen Regierung ist, wäre die Erwerbung eines weiten Gebietes zu Kolonisationszwecken möglich und billig. Wenn, wie zu hoffen steht, die Emigration der Juden aus Rumänien und Rußland von geschickter Hand organisiert und reguliert sein wird, da wäre es dann eine unerläßliche Pflicht^der leitenden Komitees, für die Auswanderer einen Wegweiser mit der ragenden Auffchrift aufzurichten: „Nach Babylonien!" Allerdings sollten zur Erlangung größerer Sicherheit und weitgehendster Informationen, einige unterrichtete Männer in jenes gelobte Land entsendet werden — Meraglim — und entsprechen ihre Darstellungen jenen des Professors Sprenger und ist der Sultan, wie ganz unzweifelhaft, geneigt, ein großes, zusammenhängendes Stück von Syrien der jüdischen Bebauung und Bewohnung abzutreten, dann sollte die alte Welt unsere neue Welt werden! Teplitz. Leo Herzberg-Fränkel. Brrtwicklutttz dee Sage von Salomo and dem Todesengel, zugleich als Beitrag zur Charakteristik der palästinensischen und babylonischen Haggada. Von Dr. Rubin Faerber in Witkowitz (Mähren). (Fortsetzung aus Nr. 41.) Was die Sentenz selbst anlangt, so ist sie dem juridischen Satze: pny «rr» -m vnosi die Güter des Menschen bürgen für ihn, indem sie zur Deckung seiner Verpflichtungen herhalten müssen" entsprungen. Seine Füße, so zeigt die Erfahrung, führen ihn gleich Bürgen in die Arme des Todes, mit welchem der Men'ch nach Ansicht der Mischnah seine im Leben begangene Schuld begleicht. Aboth 3, 20: „'Qi nvinL rnistüi 112-H2 phn s?2n Alles ist auf Bürgschaft gegeben und ein Netz ist ausgebreitet über alle Lebenden. Der Laden ist offen, der Kaufmann borgt, das Buch ist geöffnet, die Hand schreibt ein, wer leihen will, komme und leihe. Die Kassierer gehen beständig an jedem Tage herum und holen die Zahlung vom Menschen, mit oder auch ohne seine Zustimmung." Sind es aber die Füße, die ihn zur Sünde tragen (istt yb orr^n Jes. 59, 7 und Prov 1, 16) und ihn zur Schuld bringen, so bürgen sie andererseits auch für ihn, daß er der Bezahlung nicht entraten werde. Sie stehen gut für ihn, daß er seinem Schicksale nicht entgehen werde. Für noch Lebensfähige, die durch Zufall oder Krankheit sterben, ist dies sehr logisch gesagt. — (Grünbaum, ibid. S. 381, hat wohl Unrecht, wenn er den Zusammenhang der Sentenz '.iHz-, mit der Formel ,.-,1222 in Bechoroth 48 b bestreitet und ihre Aehnlichkeit für eine zufällige ansieht, indem er den Ausdruck pmy hier nur als bildlich gebraucht erachtet. Bildlich ist er allerdings; aber das schließt den Zusammenhang keineswegs aus. Auch Grünbaum's Bemerkung gegen Luzatto, daß die Endung ',-,1 nicht Pleonasmus, sondern zur Hervorhebung des possessiven Verhältnisses angefügt sei, trifft nicht auf alle Fälle zu, da die häufige Wiederkehr derselben auf Sprachgebrauch schließen läßt. Hier ausnahmsweise wäre die Emphase am Platze, wie wir sagen: des Menschen eigene Füße. Schwer hält es auch, Grünbaum beizupflichten, wenn er die den Tod herbeiführende Schuld, von der hier die Rede ist, im Sinne des arabischen „wfi", etwa als „'jiia-ipn m« nvn vom Menschengeschlechte abzutragende Schuld überhaupt" auffaßt, da dies zur persönlichen Zahlung und der Bürgschaft seiner eigenen Füße nicht recht paßt. Hat doch wohl jedermann, so lange er lebt, an selbständigen Schulden genug zu tragen, und wäre überdies die Ermahnung: „maia b'stn np-iat" durch gute Werke den Tod aufzuschiebeu, ganz sinnlos. Für die eigene Schuld sind die eigenen Füße Bürgen. Daß der Mensch überhaupt einmal sterben muß, darauf wird kaum in unserem Satze angespielt sein.) — Man ließ vielfach halachistischen Disputationen unmittelbar sinnverwandte Haggadoth folgen, sei es, um vom scharfen Pilpul auszuruhen, sei es zum Zwecke der Anwendung einer halachischen Regel auf die theoretische Seite des Lebens. Denn nicht selten begegnen wir haggadischen Betrachtungen, die erwiesenermaßen in der Halacha ihren Ursprung genommen haben. So würde denn die babylonische Version entweder eine selbständige oder eine zweite Bearbeitung der Legende von Salomo und dem Todesengel repräsentieren. Wiewohl die Kommentatoren des jerusalemischen Talmud nicht zurückstehen, auch die palästinensische Version ins Mytbische zu rücken, indem sie u. A. '.n^n2 psm rfra -iidk er sprach ein Wort und versetzte sie in die Luft" mit der Erklärung „av niabrc -ivttv visn oarui Salomo sprach den Gottesnamen aus und ließ sie in die Luft fliegen" begleiten, behauptet doch der Text seine Schlichtheit. # Um die Vergleichung vollständig durchzuführen, erübrigt noch, auf die Autorschaft beider Versionen einen prüfenden

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