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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-10-07 · 41 (7.10.1904) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 666 Dr. Llocv's MocvenscbrM. Stt. 41 rePräfMÜeren verstand. Palmengruppen, Blumen, allegorische Statuen und Reliefs, welche die Verbindung von Kunst und Wissenschaft darstellten, schmückten Nischen, Wände und Türen. Heute hatte das Haus eine ganz besondere Festtagskleidung angelegt, um den Regierenden würdig zu empfangen. Eine Anzahl glattrasierter befrackter Diener, die zum Teile die fürstliche Livrse trugen, standen mit Amtsmiene bereit, den Ankommenden beim Ablegen zu helfen und sie in den Saal des ersten Stockes zu geleiten. Dort war die Tafel mit herrlichen Blumen geschmückt, Rosen, Schneeball und Flieder, Hyazinthen und Maiglöckchen standen in herrlichen Basen, aber auch die Blüten der Tropenkinder in herrlichen Farben und Zeichnungen in absonderlichsten Formen und von köstlichem Dufte, bezaubernd schöne Orchideen standen in der Ecke des Speisezimmers auf kunstvoll geschnitzten Blumentischen. Bon dem in Gold und Weiß getönten Stückwerke hing ein großer Gasluster herab, der helles Licht verbreitete, an den Seitenwänden waren alte silberne Girandols angebracht, in welchen Wachskerzen brannten. Die Wände des Saales, bis in die Mitte mit Eichenholzschnitzereien getäfelt, waren mit Fresken bemalt, die heitere Fest- und Jagdszenen aus dem Leben der Renaissance darstellten, daneben Stillleben in kostbaren Goldrahmen aus erster Künstlerhand. Ein Flucht hellerleuchteter Zimmer reihte sich dem Speisesaale an, alle Türen waren geöffnet, so daß man alle Räumlichkeiten überblicken konnte. An der Eingangstüre stand der Hausherr mit seiner Tochter und machte die Honneurs. Ricke Schwarz war ein junges Mädchen mit einem pikanten brünetten Gesichtchen, die schwellenden Lippen waren ein wenig geöffnet, die Nase war fein geschwungen und über die etwas niedrige Stirn kräuselte sich das tiefschwarze Haar. Die jugendliche Mädchengestalt hatte etwas Lebhaftes in ihrem Wesen, es schien, als hätte sie Quecksilber in den Adern, das ganze Gesichtchen schien ein einziges Lachen. Die Augen leuchteten in kindlichem Uebermut und zwischen den schwellenden Lippen schimmerten die Zähne. Heute abend war sie besonders schön, die Freude verlieh ihr die Frische einer Rosenblüte, die sich soeben voll entfaltet hat, und die Freude war berechtigt. War ja doch alles, was in D. zur guten Gesellschaft gehörte, im gastlichen Hause ihres Vaters erschienen. Kurz vor der festgesetzten Souperstunde kam der Regierende, vom Hausherrn und seiner Tochter im Vestibüle ehrfurchtsvoll begrüßt. Zu beiden Seiten des Speisezimmers standen die Gäste in bunter Reihe und verneigten sich stumm und tief vor dem durchlauchtigsten Landesfürsten, der mit huldvollstem Lächeln bald nach der Rechten, bald nach der Linken mit leichten: Kopfnicken grüßte. Der Fürst war eine gedrungene, wohlbeleibte Gestalt mit buschigem Schnurrbart, der an den Spitzen schon ergraut war. Aus dem freundlichen Gesichte sahen kluge Augen, von denen eines mit einem Monocle bewaffnet war. Sein Lächeln hatte eine fröhliche Selbstgefälligkeit, deutete aber auch auf eine gewisse Gutmütigkeit. Wenige Minuten nach dem Erscheinen des Regierenden wurde das Glockenzeichen zum Souper gegeben. Serenissimus selbst führte die Tochter des Hauses zu Tische. Zu ihrer Linken saß Baron Egon v. Brinkmann auf Traunstein. Er war eine schlanke biegsame Gestalt, der man den früheren Kavallerieoffizier ansäh. Das blonde Haar war gescheitelt, aus dem blassen, etwas verlebten Gesichte blickten ein paar helleuchtende Augen, die Funken sprühen konnten. Die schmale, weiße, aristokratische Hand mit den langen rosigen Nägeln spielte mit dem keck aufgewirbetten Schnurrbart. Egon war ein schöner und eleganter Mann, der wußte, wie man Frauen fesselt. Er war, als ihm der Kommiß nicht mehr gefiel, in den Staatsdienst getreten und hatte es mehr seiner Unwiderstehlichkeit, als seinen Geistesfähigkeiten zu danken, daß er es in kurzer Zeit zum Regierungsasseffor gebracht. Heute ließ er alle seine Künste spielen, des Doktors Tochter war nicht zu verwerfen, Geld wie Heu und auch ganz annehmbar. Kostete ihm ja die Soubrette Medea Nolle mehr als sein verschuldeter Herrensitz abwarf. Bei diesem Klirren der Teller und Gläser, dem Geklapper der Messer und Gabeln konnte ein Zwiegespräch unbeachtet geführt werden. Es waren ja nur gewöhnliche Höflichkeitsphrasen, die er an sie richtete, doch der warme Ton, das Geflüster, in dem er diese vorbrachte, und das Blitzen der Augen, mit dem er sie begleitete, brachten Riekes Herz in Aufruhr. Der Sekt perlte im Spitzglase, sie schlürfte mtt zierlich geschürzten Lippen den Schaum, nippte wieder und dazwischen glitt ihr Blick auf einen Moment zu Egon hin, und sie fühlte jedesmal, daß er auf diesen Augenblick gewartet hatte, denu jedesmal, wenn sie ihn ansah, leuchteten seine Augen auf. Der Fürst, selbst ein Freund lukullischer Genüsse, hatte, eifrig kauend seine Tischnachbarin vergessen und richtete nur ab und zu ein paar Worte an den vis-a-vis sitzenden Hofmedikus. Dieser selbst war heute glücklich, ein Strahl der fürstlichen Glorie war auf ihn übergegangen. Wohliges Behagen durchrieselte seinen ganzen Körper, daß er, der Sohn des armen Tempeldieners aus dem Dorfe P., einen wirklichen Fürsten an seiner Tafel bewirten konnte. Das hatte er auch in seinen kühnsten Jugendillusionen nicht geahnt. Gnädiger Herr, ein Mann wartet im Vorzimmer, der sich durchaus nicht abweisen lassen will, weil er noch heute mit Ihnen sprechen müsse. So sprach der Diener des Arztes zu seinem Gebieter. Der Fürst, der den fragenden Blick des Doktors bemerkte, gab ihm zu verstehen, daß er sich seiner Pflichten nicht entziehen dürfe, es könne vielleicht ein Schwerkranker sein, der seinen Beistand verlange. Geärgert betrat Schwarz sein Sprechzimmer. Es war Justizrat Jakubowitsch, der seiner harrte. „Was verschafft mir in so später Nachtstunde das Vergnügen Ihres Besuches, geehrter Justizrat." Dieser trat einen Schritt zurück. „Ich muß Ihnen die Mitteilung machen, daß Ihre Frau den unabänderlichen Entschluß gefaßt, sich von Ihnen ganz loszusagen. Sie wissen doch, daß Glaubenswechsel ein Scheidungsgrund. Auch verbietet sich Ihre Frau Ihre ferneren Besuche". Dann empfahl sich der Justizrat, ohne dem Doktor auch nur die Hand zum Abschiede zu reichen. Jakob Schwarz sank in einen Stuhl, bedeckte sein Antlitz mit den Händen und stöhnte laut. Doch bald ermannte er sich und eilte zur Gesellschaft zurück. Die Freude dieses Abends ward ihm vergällt. Zitternd und blaß vor Erregung, betrat er den Speisesaal, den er so wohlgemut verlassen. Als auch das Dessert eingenommen war, hob der Fürst die Tafel auf und verließ wenige Minuten später die Gesellschaft. Auch die übrigen Gäste verabschiedeten sich und nur einige wenige Intime, darunter der Regierungsassessor, blieben im gastlichen Hause im trauten Geplauder bis nach Mitternacht zurück. Als auch die letzten Gäste gegangen waren, schob der D.ktor feinen Arm in den feiner Tochter, um sie ins Hinterhaus zu geleiten. Die Schneeflocken flogen ihnen ins Gesicht, als der Portier ihnen öffnete. „Ein wahres Hundewetter", murmelte er in den Bart, aber auch Rieke hüllte sich fester in ihren Mantel. „Ich habe mich vortrefflich amüsiert, es war heute so schön, ich bin so froh und danke Dir, lieber Papa, für die angenehmen Stunden." „Diesem Geständnisse schenke ich unbedingt Glauben", antwortete der Vater, und ich wäre glücklich, wenn Dein ganzes Leben so freudig und sorgenlos wie der heutige Abend Dir dahinfließen würde". „Wie hat Dir der Regierungsassessor gefallen? Rieke, Rieke!" dabei blieb er stehen und drohte unter Lächeln mit den Fingern. „Ich glaube, der hat Dir's angetan. Na, meinen Segen sollst Du haben". Beim Aufflackern des Gaslichtes, das den freien Raum, den sie eben durchschritten, erleuchtete, sah er, daß sie bis an die Haarwurzeln errötete. Indessen waren sie an der Haustüre angelangt, zu der Rieke den Schlüssel besaß. Er küßte die Tochter auf die Stirne und schob sie sachte zur Türe hinein. Gerne hätte er sie auf ihr Zimmer begleitet und noch

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