Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blocb’s MocvenscdrM. Seite 665 Wien. (Spende.) Laut Aufruf in Nummer 38 unseres Blattes sind uns ferner für den armen Flickschuster Leiser Graf in Wien, II., Odeongasse 7, II. Stock, Tür 9 wohnhaft, der das Unglück hat, zwei blinde, taubstumme Kinder zu besitzen, von Herrn Leo Herzberg-Fränkel in Teplitz K. I.— zugekommen. Floridsdorf. (S e f e r - T k> o r a - S p e u d e.i Am Vorabende des Schemini-Azereth vor dem Gottesdienste war der Sitzungssaal unserer Kultusgemeinde der Schauplatz einer erbebenden und erfreulichen Feier. Herr Samuel Deutsch, ein la gjähriges. treues Mitglied unserer Gemeinde, war der Mittelpunkt verdienter Ehrungen, da er anläßlich der Wiedergenesung seiner Frau dem hiesigen Tempel ein herrlich geschriebenes Sefer-Thora mit geschmackvoll gesticktem Paramente und reich ziseliertem und vergoldetem Silberschmuck zum Geschenke gemacht hatte. Herr Bezirksrabbiner Dr. Nos e nm an n gedachte in einer formvollendeten Ansprache der zahlreichen Verdienste des hochherzigen Spenders und pries es als besondere göttliche Gnade, daß es Herrn Deutsch noch bei vorgerücktem Lebensalter vergönnt sei, im liebevollen Kreise seiner glücklichen Kinder und Enkel solch ein schönes Fest feiern zu können. Hierauf wurde die gespendete Thorarolle in den Tempel getragen, an dessen Eingang sie Präses Dr. König in Begleitung der Herren Vorsteher Max Neumann und Gabriel Dukes, die mit zwei anderen Thorarollen entgegengekommen, übernahm, um sie Herrn Bezirksrabbiner Doktor Rosenmanu in Obhut zu übergeben, welcher sie sodann in die Bundeslade brachte. Krems. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den Heimgang unseres alten ehrw. Rabbiners Herrn Dr. David Weiß. Der Heimgegangene, ein Mann von hoher Gelehrsamkeit, ungeheuchelter Frömmigkeit und wahrer Humanität, erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und Verehrung in allen Kreisen der Gemeinde. Der Vorstand hat folgende Anzeige publiziert: ■ „Die Vertretung der israel. Kultusgemeinde in Krems gibt hiermit die traurige Nachricht von dem Hinscheiden ihres Seelsorgers des Herrn Dr. David Weiß, Rabbiner, Religionslehrer, Seelsorger der k. k. Strafanstalt Stein, Mitglied des Bezirksschulrates rc., welcher, nach 24jährigem verdienstvollen Wirken, nach kurzem Leiden Sonntag den 2. d. M. um halb 7 Uhr- Früh im 81. Lebensjahre ohne Todeskampf entschlummert ist. Die irdische Hülle des teuren Verblichenen wird Dienstag den 4. d. M., um '/40 Uhr nachmittags vom Trauerhause (Dinstlstraße In) gehoben und auf den israel. Friedhofe im eigenen Grabe zur ewigen Ruhe bestattet. Die Trauerfeier wird Sonntag den 9. d. M. um */4 5 Uhr nachmittags im israelitischen Tempel abgehalten werden. Krems, am 2. Oktober 1902. Der Kultus-Vorstand." Reichenberg. Herrn Rabbiner Dr. Emil H 0 f f m a n n, israelitischer Religionslehrer in Reichenberg, wurde der Titel „Professor" verliehen. Sissek. Am ersten Neujahrstag hielt Herr Dr. David Spitzer, unser neugewählter Rabbiner, seine Antrittspredigt. In warmer, zum Herzen gehender, gehaltvoller Rede entwickelte er sein Programm, das in den Worten unserer Weisen gipfelt: „Sich beglücken und Andere erfreuen — ist alles, was der Herr geboten". Andere zu beglücken und sich dadurch zu erfreuen, das werde auch sein Streben sein in seinem Friedensamte. Nicht zu dieser, nicht zu jener Partei gehörig. Der Herold des Friedens in der Gemeinde sei der Verkünder der göttlichen Lehre! Seine bedeutsamste Aufgabe aber sei es, das Heranwachsende Geschlecht für die Erhabenheit unseres Gesetzes, für die Lieder unserer Sänger, für die Geschichte unserer Väter zu begeistern. Denn der Sieg unserer Sache kann, nach des Psalmisten Wort, nur aus dem Lallen des Kindermundes erblühen.—Möge dem neuen Führer unserer Gemeinde reicher Erfolg in seinem Wirken beschieden sein und seine Hingabe in der Ausführung seines allseits mit Begeisterung begrüßten Programms auch stets freudige Unterstützung finden! Csakathurn. Herr I. A. Lustgarten, welcher im Oktober 1854 als Lehrer an der hiesigen israelitischen Schule angestellt und vor 2 Jahren pensioniert wurde, aber noch Privatunterricht erteilt, feiert in diesem Monate sein 50jähriges Lehrerjubiläum. Budapest. (Stiftung für jüdische lungenkranke Kinder.) Der Präsident des seit acht Jahren in Budapest bestehenden „Israelitischen Selbstbildungs- und Selbsthilfevereines" Bernhard Kattler errichtete zur Erinnerung an se'ne verstorbene Tochter Frau Elisabeth Kallos-Kattler eine Stiftung von 1000 Kronen mit der Bestimmung, daß deren Zinsen alljährlich zur Unterstützung armer, lungenkranker jüdischer Kinder verwendet werden. Damit der Verein diese Unterstützung bereits Heuer bewilligen könne, spendete Herr Kattler für diesen Zweck weitere 100 Kronen. Budapest. Dr. Berthold Edelstein, Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde in Budapest-Ofen, hat sich mit Fräulein Gisela P 0 r g e s, Tochter des Leipziger Oberrabbiners Dr. Nathan P 0 r g e s, verlobt. Berlin. (I ud e n exz esse in Rudnia.) Aus Warschau wird berichtet: In Rudnia im Gouvernement Mohilev brachen Exzesse gegen die Juden aus, gerade als eine Jnfanterie- Reserveabteilung durch das Städtchen marschierte. Die Bauern aus den Nachbardörfern beteiligten sich an den Exzessen. Sicherheitswache war nicht zu sehen. Die Juden wurden mißhandelt, die Fenster der Häuser, in denen Juden wohnten, wurden zertrümmert und die Laden geplündert. Als die Exzedenten in die Häuser eindrangen, setzten sich die Juden zur Wehr und drängten sie zurück. Petersburg. Der Minister des Innern hat gestattet, daß das im April sistierte jüdische Blatt „Woschod" wieder erscheine. — „London Leader" meldet aus Kopenhagen, die Firma Rothschild habe eine Anleihe übernommen, durch welche das Tabakmonopol gesichert wird. Eine Bedingung der Verhandlungen sei, daß die Behandlung der russischen Juden eine bessere werde. Der jüdische Gelehrte Beer Rathner in Wilna ist vom Zaren für seine Verdienste auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, am Bande des Stanislausordens um den Hals zu tragen, ausgezeichnet worden. Amsterdam. (Synagoge in Niederlündisch- Jndien.) In Batavia, der Hauptstadt der Insel Java, soll demnächst eine Synagoge gebaut werden, die schon längst als ein dringendes Bedürfnis empfunden worden ist. In Niederländisch-Jndien leben im ganzen 4000 Juden, ein großer Teil davon in Batavia. Die neue Synagoge soll 20.000 Gulden kosten; rund 15.000 Gulden sind bereits gesammelt, den Rest hofft man durch ein Wohltätigkeitsfest zusammenzubringen, so daß mit dem Bau bald begonnen werden kann. Feuilleton. Gesühnt. Von Dr. F. Rich. Heinschel. HI. Das Palais des Hofarztes lag in der Hauptstraße von D., gegenüber dem fürstlichen Schlosse. Es war ein einfacher gothischer Bau mit einem kleinen Turm. Das große Haus mit seinen einfachen Fachwerkmänden ruhte auf einem massiven Unterbau. Es machte von außen einen düstern Eindruck; die mit schweren vorspringenden Eisengittern versehenen Fenster des Parterre gaben ihm das Aussehen von Gerichtslokalitäten und Gefängnissen; der ehemalige Besitzer hatte diese zu seiner und seiner Klienten Sicherheit anbringen lassen. Der alte Kohn hatte es seinem Schwiegersöhne zum Geschenke gemacht und nach dem Tode des Banquiers hatte der neue Besitzer es innen gründlich umgemodelt. Ein prächtiges schmiedeeisernes Gitter führte ins Vestibüle; zum ersten Stockwerk gelangte man über glänzende Marmorstufen. Eine stilgerechte Ampel leuchtete den Besuchern. Das Mosaik, in Gold und Hellen Farben strahlend, das an den beiden Längswänden des Vestibüls angebracht war, die schweren Fauteuils, die von kostbaren Brokatstoffen im Baroquestil bedeckt warer», zeigten sofort, daß in diesem altertümlichen Hause ein neuer Geist eingezogen war, der in vornehmer Pracht zu