Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 664 Dr. Mocb's Miocbenscbrttt. Nr. 41 Sternenbanner geschmückte Rednertribüne gruppiert und lauschte andächtig den patriotischen Worten der Festredner. Die alten Kricgshelden kamen mit gesenkten Fahnen und unter gedämpftem Trommelklang angerückt, und nachdem zuvörderst die Jugendkapelle der „Hebrew Sheltering Guardian Society" einen Trauermarsch gespielt hatte, wies Herr Straus in passender Ansprache aus die weihevolle Bedeutung des Tages hin. „Wir haben uns hier an heiliger Stätte versammelt," Hub der Redner an, „um den tapferen Unionkämpfern, die unseres Glaubens waren, den ihnen gebührenden Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Wir wollen ein Monument errichten, das der Nachwelt ihre Heldentaten verkünden soll und damit gleichzeitig auch die allezeit opferwillige Vaterlandsliebe unserer Rasse. Und wie auf blutiger Wahlstatt, so haben wir Juden auch im Frieden als gute Bürger stets treu zum Sternenbanner gehalten. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr ferne, daß Kriege überhaupt nicht mehr geführt zu werden brauchen. Keine Regierung, welche es auch immer sein möge, hat das Recht, andere Nationen aus Eroberungssucht mit Krieg zu überziehen, und nur dem Volke allein steht es zu, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Den Gefallenen zum Gedächtnis sei das Monument geweiht, dessen Eckstein wir jetzt zu legen im Begriff stehen." Nachdem Herr Straus seine Ansprache geendet, sprach Rev. Dr. Samuel Schulman das Eröffnungsgebet, und weitere Ansprachen hielten sodann Schulkommissär Jacob W. Mack, General Daniel E. Sickles, General Horativn C. King und Stadtrats-Präsioent Chas. B. Fornes, während Ex-Register Ferdinand Levy die eigentliche Ecksteinlegung vornahm. Eip Schlußgebet von Rev. Dr. H. Pereira Mendes und ein Mufikvortrag der H. S. G. S.-Kapelle brachten die eindrucksvolle Feier zu Ende. Reiv-Aork. Im Hause des Herrn Meyer Goldberg, Nr. 157 Ost 74. Str., wurden unlängst Schritte zur Gründung einer „Hebrew Convalescent Home Association" eingeleitet. Ähnliche Methoden wie bei der Gründung der „Hebrew Free Loan Society" sollen dabei zur Anwendung kommen. Man beabsichtigt, Land in Westchester County zu kaufen und dort ein Heim für arme Rekonvaleszenten zu errichten. Etwa 1000 Personen sollen in der Anstalt Platz finden. Das Heim, obgleich von Israeliten geleitet, ist für Leute aller Glaubensbekentnisse offen. Etwa 500 Personen haben ihre Bereitwilligkeit, Mitglieder der Gesellschaft zu werden, erklärt. Vermischtes. Krmrzablöfurrgsfpende« zu guusteu der Chewra-Kadischa» Wie«, I., Seiteustetteugasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn David Steinhardt: Von einem Tourengenoffen aus dem Jahre 1891 X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jsak D. Pick: Von Hermann Weinberg X 20.—, Julius Wolf X 20.-, Isidor Mauthner X 20.—, M Elßler X 20.—. I. L. P. 10.—, Robert und Alice Eißler K 40.-, Ferdinand Kohn K 20.—, H. Eißler K 20.—, Ludwig Fischel, Prag X 20.—, Eduard Doktor K 20.-, Dr. Wurmfeld X 10.—, Familie Wiener K 20.—. Zusammen K 240. . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jonas Frankl: Von Leopold Klein K 1.—, David Buchmann X3.—. Zusammen K 4.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Albert Janowitzer: Von Ph. Fl. K 20.—, Leopold Hutter, k. k. Komm -R X 10 —, Dr. Adolf ©teilt K 30.—, Josef Winterstein X 30.—, A. Traub X 20.—, Malvine Ederer, Prag X 20.—. Zusammen X 13".-. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Wiener.- Von Dr. Julms Bermann, k. k. Notar X20.—, Ludwig Hammerschlag X 10.—, Sigismund Wiener X 10.- . Zusammen X 40.- Anläßlich des Ablebens der sel. Judith Bär: Von Jacques Modern X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Markus S p u tz: Von Max ZernerX5. , „Verein Jugendschutz" X 5.—. Zusammen X 10.—. Spen den: Frau M. L. statt eines Kranzes auf die Gruft des sel. Herrn Ignaz Lustig X ‘<0.—, M. B. X 4.—. Zusammen K. 24.—. Richtigstellung: Bei der im vorigen Ausweise veröffentlichten Spende soll es heißen: Anläßlich des Ablebens der sel. Regine Knicker: Helene MMer X 8.—. Wien. (Trauung.) Sonntag den 9. Oktober l. I. um 2 Uhr nachmittags findet im Tempel, XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräulein Therese Taussig, Tochter des Herrn Alois Taussig, mit Herrn^Ludwig Sändor statt. Wien. (Museum für jüdischeAltertümer.) Das Museum ist nach erfolgter Neuaufstellung zahlreicher, im Laufe der letzten Monate eingelangter Objekte vom 8. d. M. wieder dem allgemeinen Besuche zugänglich und zwar allwöchentlich S a m s t a g von 11—1 Uhr mittags und Sonntag von 3—5 nachmittags. Die Besichtigung ist stets bei freiem Entree und werden Spenden während der erwähnten Stunden in Empfang genommen. Das Museum befindet sich im II. Bez., Praterstraße 23, gegenüber der Asperngasse. Wien. Der heutigen Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" liegt ein Katalog hervorragender jüdischer Geschenks- und B i b l i o t h e k s w e r k e aus dem Verlage von S. Calvary L Co., Berlin MV. 7, Neue Wilhelmstraße 1, bei. Derselbe enthält eine Fülle sehr interessanter, gediegener Werke, auf welche wir die Aufmerksamkeit unserer Leser besonders lenken. Wien. Der Bezirksvorsteher Herr Georg N i e b a u e r hat mit einem Schreiben vom 4. Oktober in einer „Berichtigung" an die „Arbeiter-Zeitung" erklärt, daß seine Adresse auf den Plakaten, welche zur Beteiligung an dem Fackelzuge zu Ehren des Bürgermeisters Dr. Lueger einladen, ohne seine vorhergehende Verständigung angegeben worden ist. Er sei vom Festkomite hierüber vorher gar nicht befragt worden. Wien. (Mädchen- und Frauen-Verein „Bikur- C h a u l i m" Wie n.) Sonntag den .->. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde I. Seitenstettengaffe 4, die II. ordentliche Generalversammlung statt mit der Tagesordnung: I. Entgegennahme des Jahresberichtes und des Rechnungsabschlusses. II. Wahlen in den Vorstand. III. Wahlen von 2 Revisoren. IV. Beschlußfassung über Anträge der Mitglieder. V. Eventuelles. Der Generalversamnilung vorangehend findet ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. M. Bauer statt. Beginn desselben halb 4 Uhr, Gäste sind herzlichst willkommen. — Dieser Verein, dessen edle Tendenz und humanes Wirken noch zn wenig gekannt und gewürdigt werden, verdient besonders erwähnt und erklärt zu werden: Eine kleine, schwache Mädchenschar ergriff vor etwa drei Jahren, von Nächstenliebe und jüdischer Barmherzigkeit geleitet, die Initiative, den in den Wiener Spitälern untergebrachten fremden, leidenden Glaubensgeschwistern ihre Teilnahme zuzuwenden; durch regelmäßige Besuche diesen Verlassenen, an ihr Leidenslager Gefesselten eine frohe Stunde zu bereiten und manchen Wunsch, manche Bitte zu erfüllen, ihnen üher manche Sorge hinwegzuhelfen. Mit vereinten Kräften und zunehmendem, wachsendem Willen fanden sie immer mehr Freude an diesem Wohltun. Ein inneres Glücksgefühl und Zufriedenheit überkam sie angesichts des mannigfachen Elends, in das sie Einblick taten; sie kamen sich wie Priesterinnen vor, die Gott ihre Opfer darbringen auf dem Altäre der Nächstenliebe. Aus den Wenigen wurden Viele, die ein Interesse an solch edler Betätigung der Menschenliebe fanden. Unbewußt fühlen doch Viele die klaffende Lücke, die unsere vielgerühmte Humanität an sich trägt: die Scheu nnd Zurückhaltung vor einem Krankenlager — vor dem Erkrankten! Entsetzen jagt uns die Pflicht der Krankenpflege ein — und doch ist dies der edelste Beruf und der notwendigste. Leider stehen die großen Massen unserer Glaubensgenossen nicht auf der Höhe des Verständnisses, um es anzustreben, sich durch Umgang mit den Kranken die Angst vor Krankheiten, denen wir ja alle unterworfen sind, abzugewöhnen. Daher kommt es, daß wir in der Zeit des Völker- und Rassenhasses, des Vorurteils und der Verrohung nicht in der Lage sind, aus unseren! Lager den Bedarf zu decken, wenn Krankheiten uns heimsuchen. Die wackere Schar des „Bikur-Chaulim-" Vereines legt den Keim zu heldenhafter Ueberwindung der Spitalsangst und Krankenscheu. Das edle, humane Empfinden umhüllt die zartesten Frauen und Mädchen mit dem goldenen Vließ der festen Zuversicht und Widerstandsfähigkeit und vielleicht kommt nach und nach die Zeit, wo wir in gemischter Alltagskleidung auch die edle Zukunft der Barmherzigen Schwestern in unseren Reihen haben werden. Wir haben ja bei allen Talenten auch Nachahmungstalent, wo es sich um Schönes und Edles handelt. X. 8t. Wien. (LiterarischerJargon-Abend.) Samstag den 8. d. M., 7 '/a Uhr abends, findet im Restaurant G ut h, Stefaniestraße, ein literarischer Jargon-Abend statt. Nebst einem Vortrage „über die neuere Jargonliteratur" werden Meisterwerke der Dichter, Perez, Frug, Reisen, Rosenfeld und Schulem-Aleichem vorgelesen werden. Eintrittskarten ä L 1.— (Familienkarten ä K 3.—) sind erhältlich im Kongreßbureau DL, Türkenstraße 9, und „Verlag Zion", II., Untere Augartenstraße 9, sowie vor der Eröffnung bei der Abendkassa.