Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Llocb's MlocbenscbrM. Seite 663 Mähr.-Schönberg, einen warm empfundenen Nachruf, in welchem er die Bedeutung des Verblichenen als Vorsteher und fein inniges Familienleben schilderte. Am Grabe sprach unser gegenwärtiger Vorsteher, Herr Jakob Stern aus Mähr.-Schönberg, tiefgefühlte Worte des Abschiedes und des Dankes an den Verewigten. Herr S. A. Wasservogl aus Wien widmete sodann, von tiefbewegter Rührung ergriffen, seinem verblichenen teuren Freunde liebevolles Gedenken, gab selbst als Kind der Gemeinde Aussee seiner innigen Anhänglichkeit an seine Heimatsgemeinde ergreifenden Ausdruck und gelobte, diese Gefühle stets zu bewahren und zu betätigen. Nachdem noch Herr Direktor Jahoda aus Wien dem Heimgegangenen Freunde Worte des Abschieds geweiht hatte, wurden die sterblichen Reste unseres hochverehrten Altvorstehers der Erde übergeben. Möge die trauernde Familie, seine liebenden Kinder, Trost finden in diesen Bezeigungen aufrichtigster Pietät, die ihrem hochseligen Vater erwiesen wurden. London. (Warnung vor den Missionären.) Im Ostend ist dieser Tage folgendes Zirkular in englischer Sprache und im Jargon zur Verteilung gelangt: „Eine Warnung an jüdische Eltern." Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß einige jüdische Kinder des Londoner Ostends gewohnheitsmäßig die Vorträge und Unterhaltungsabende der Missionsgesellschaften besuchen und an den von diesen Vereinen veranstalteten Landpartien teilnehmen. Ebenso verkehren sie in den Lesesälen der Missionsgesellschaften und werden bei allen diesen Gelegenheiten veranlaßt, an den Gebetsübungen teilzunehmen, die nicht mit unserem Glauben vereinbar sind. Wir haben Grund zu der Annahme, daß nicht nur Knaben und Mädchen, sondern sogar einige jüdische Männer und Frauen durch Geschenke dazu veranlaßt werden, gelegentlich gottesdienstlichen Uebungen beizuwohnen, die den jüdischen Lehren widersprechen. Jeder rechtlich denkende Mensch wird mit uns diese Praktiken beklagen. Wir richten an alle jüdischen Väter und Mütter und an die jüdischen Knaben und Mädchen die Bitte, von dem ferneren Besuch der Misfionshallen abzustehen, unter welchem Vorwand er auch vorher erfolgt sein mochte. Jüdische Eltern sollten ihren Kindern den Besuch von Zusammenkünften nicht gestatten, von denen sie sich nicht vergewissert haben, daß dort nichts gelehrt wird, was gegen das Judentum verstößt. Wir appellieren auch an alle unsere Brüder vom Haus Israel, daß sie, starken Charakters und eingedenk der glorreichen Traditionen unseres Glaubens, allen direkten und indirekten Versuchungen widerstehen, gegen die Vorschriften unserer heiligen Religion zu handeln." Dieses Zirkular ist unterzeichnet von den Chiefrabbis Dr. Adler und Dr. Gaster, von Lord Rothschild als Präsident der vereinigten Synagoge, Francis Montefiore als Präsident der spanisch-portugiesischen Synagoge, Samuel Montagu, Präsident, und A. Chaikin, Rabbiner des Synagogenverbandes. — Um diese Warnung besser zu verstehen, muß man bedenken, daß im Londoner Ostend 60.000 zumeist in ärmlichen Verhältnissen lebende Juden wohnen. Ein großer Teil von ihnen spricht nur unvollkommen englisch, lernt die Gewohnheiten und Bräuche des englischen Volkes erst allmählich kennen und der ewig neue Nachschub kennt von beiden fast gar nichts. Die verschiedenen Gesellschaften zur Bekehrung von Juden zu den verschiedensten Schattierungen des christlichen Glaubens wissen sehr gut, daß sie bei den besser situierten und bei den bereits anglisierten Juden keine Aussicht aus Erfolg haben, ihre Versprechungen und schönen Reden würden hier nur auf Hohngelächter und Verachtung zu rechnen haben, darum wählen sie das Ostend als Arbeitsfeld und haben hier in den letzten Jahren überaus reiche Ernten gehalten. Sie gelangen zur jüdischen Seele auf dem Umweg durch deren irdische Hülle, und da sie über bedeutende Mittel gebieten, finden sie auch den richtigen Weg. Die meisten Bekehrungsgesellschaften verfügen über stattliche Räume und beschäftigen ein zahlreiches Personal, dessen Besoldung ihrer Rechnungslegung gemäß ungefähr die Hälfte der gesamten Einnahme verschlingt. Es kommt vor, daß ein bekehrter Jude einer ihrer „Prediger" wird, den mit diest r Stelle verbundenen beträchtlichen Gehalt einstreicht und in den Berichten der Gesellschaft als ein jüdischer Bruder ausgesührt wird, der jetzt im „Weinberg des Herrn" tätig ist. Unter diesen Voraussetzungen fehlt es niemals an tätigen Kräften, die mit der Sprache, den Gebräuchen und den Anschauungen der ausländischen Juden vertraut find. Die Lesezimmer einer großen Anzahl von Missionshäusern find mit einem Luxus ausgestattet, der inn ton wenigen Carnegie- Stiftungen und großstädtischen Bibliotheken übertroffen wird. Sie sind im Winter behaglich geheizt, in: Sommer gut gelüstet, haben die bequemsten Tische und Stühle und sind mit allen Erzeugnissen der jüdischen Zeitichristenliteratur aufs Reichste versehen, so daß sie für die Mußestunden der ausländischen Juden einen sehr anziehenden Rendezvous-Platz bilden. Natürlich ist für eine Menge Bekehrungs-Literatur vorgesorgt. Hebräische und Jargon-Übersetzungen des Neuen Testaments mit Kommentaren liegen überall herum. En bebrillter, schwarzhaariger Prediger „lernt" in einem umfangreichen hebräischen Exemplar des 2. Buches Corinther in bewährtem Beth Hamidrasch-Stil und ist jeden Augenblick bereit, mit dem erst besten ihn anredenden Leser einen „Pilpul" über seine Lektüre zu beginnen. In den für den Gottesdienst bestimmten Sälen der Missivnsjünger wird an Samstagnac Mittagen A, incha gebetet mit hebräisch-m Gebeten und einer „ Drascha" im Jargon. Dann gibt es für die jüdischen Ausländer englischen Lese- und Schreibunterricht, der natürlich regelmäßig mit Gebetübnngen schließt. Für die Kinder werden Vorstellungen mit Lichtbildern veranstaltet, die selbstverständlich eine große Anziehungskraft für die Kinder besitzen. Aber auch auf anderem Weg kommen die Missionäre den Juden entgegen. Sie versorgen die Kranken mit freier Arznei, freier ärztlicher Behandlung und freien Krankenpflegern und -Pflegerinnen. Wenn die Patienten gesund werden, wird ihnen erklärt: „Wir sind nur die Werkzeuge des Herrn", „der wahre Arzt ist Christus" u. s. w. D,n armen Judenfrauen werden Arbeitskräfte zur Beihilfe für die Hausarbeit i t die Wohnungen geschickt, sie bekommen warme Kleider für de.: Winte und Brot für die hungernden Kinder. Besonders zu befürchten ist natürlich der Einfluß der Missionäre auf die Kinder selbst. Die Kinder sind natürlich nicht imstande, feine theologische Unterschiede zu begreifen, aber sie verstehen sich sehr gut aus die ihnen in den Missionshäusern angebotenen Erfrischungen und auf die Vergnüglichkeit von Laterna magica-ÜBitöern. Die behaglichen Räume der Missionshäuser find ihnen ein angenehmerer Aufenthalt als die unfreundlichen Elternhäuser, und so hat alle Mühe der Lehrer, ihre jüdischen Schüler von den Bekehrungszentren fernzuhalten, immer nur vorübergehenden Erfolg. Die jüdische Gemeinde sollte sich an dein Vorgehen der Missionäre ein Beispiel nehmen und ihrerseits für Lesezimmer, für freie Aerzte und Medikamente u. s. w. und für gelegentliche Kinderbelustigungen sorgen, dann würden die Miffionäre nicht so leichtes Spiel haben. New Aork den 6. September. Unter imposanten Feierlichkeiten ist gestern Nachmittag aus dem Salem Fields-Friedhos in Cypreß Hills der Grundstein zu einem Denkmal für jene israelitischen Soldaten gelegt worden, die während des Bürgerkrieges als wackere Unionstreiter den Heldentod gefunden haben oder später gestorben find. Die Feier fand unter den Auspizien der „Hebrew Union Veteran Affoication" statt, die im Jahre 1896 organisiert wurde, um das Gedächtnis an die gefallenen und zur großen Armee abberusenen Kameraden alle Zeit heilig zu halten und treue Vaterlandsliebe zu üben. Es war denn auch dieser Beteranen-Verband, der den ersten Anstoß zur Errichtung eines würdigen Monuments gab, und in heller Begeisterung hat seither die israelitische Bevölkerung der Metropole reichlich beigesteuert, um ihre Heldensöhne in dankbarer Erinnerung zu ehren. Das Denkmal wird nach einem Entwurf des Architekten I. F. Walsh hergestellt zu einem Kostenpunkt von 15.000 Dollars, während die Temple Emanu-El-Gemeinde das benötigte Grundstück auf dem Friedhof im Werte von 7000 Dollars angetanst und dem einschlägigen Komitee zur Verfügung gestellt hat. Bei der gestrigen Feier führte Herr Nathan Straus den Vorsitz. Außer den Veteranen in G. A. R.-Uniform hatte sich ein zahlreiches Publikum, darunter auch viele Damen, um die mit dem