Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 661 Das will auch schließlich „nabv nna *vn sogleich Hub Salomo an" bezwecken, indem Salomo selbst etwa im Sinne von Prediger 11, 9: „Folge nur den Wegen deines Herzens und dem Scheine deiner Augen, aber wisse, daß dich Gott am Ende für alles zu Gericht fordern wird" das Fazit zieht: „die Füße des Menschen führen ihn. wohin er verlangt wird". Und noch eines ist bemerkenswert. Während in der palästinensischen Version die Wahrheit der der Halacha entnommenen, als Lebensregel angewendeten Sentenz „vrfcjr," lediglich mit der Geschichte von Achabs Tod bewiesen und die Erzählung von den Schreibern nur lose angehäugt wird, entbehrt die babylonische Version des Beweises von Achab vollständig. Der Beweis von Salomo ist der einzige, der auch obendrein den ganzen Haggadateil ausfüllt. Dieser Umstand belehrt, wie die Salomohaggada immer mehr ausgebildet wird, beziehungsweise wie die babylonische Haggada im Verhältnis zur palästinensischen die Legende von Salomo um ein Bedeutendes mehr in den Vordergrund stellt und zur Historie hinaufrückt. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Warnung für Auswanderer. Wir erhalten von befreundeter Seite folgende Zuschrift: Für die schon ohnehin geplagten jüdischen Auswanderer aus dem Osten sind in letzter Zeit noch neue schwere Unzuträglichkeiten an den deutschen Grenzen entstanden. Ein erbitterter Konkurrenzkampf, der gegenwärtig zwischen den deutschen Schiffahrtsgesellschaften und der englischen Cunardlinie wütet, einerseits und die in Folge dieses wirtschaftlichen Kampfes verschärften polizeilichen Vorschriften andererseits sind die Ursachen dieser Schwierigkeiten. Es ist vorgekommen, daß Einwanderer, die Schiffskarten für deutsche Linien nicht hatten, an der Grenze in Deutschland zurückgewiesen worden sind. Die Vorfälle mit jüdischen Auswanderern in Königsberg. Eydtkuhnen und Leipzig sind durch die Tagespreffe hinlänglich bekannt geworden. Der Hilssverein der deutschen Juden hat sich die erheblichste Mühe gegeben, um unter Aufrechterhaltung der nötigen hygienischen Vorsichtsmaßregeln im Interesse des Staates diesen Auswanderern den Durchzug durch Deutschland zu ermöglichen. Die Verhandlungen schweben noch, aber sie haben bisher zu einem Resultat nicht geführt. Unter diesen Umständen müssen Auswanderer aus Rußland, aus Galizien, aus Rumänien, die Fahrkarten für die deutschen Dampfergesellschaften nicht besitzen, auf die großen Schwierigkeiten, die ihnen beim Eintritt in das deutsche Staatsgebiet bevorstehen, aufmerksam gemacht werden. Diese Auswanderer werden an der Grenze zurückgewiesen, selbst wenn sie Uebersahrtskarten nach Amerika für die Cunardlinie besitzen, und selbst dann, unter Umständen, wenn sie über erhebliche Barmittel verfügen. Somit ist allen denen, die die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktiengesellschaft, den Bremer Lloyd und die ihnen alliierten Linien nicht benutzen wollen, dringend zu raten, so lange bis eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten erzielt worden ist, den Weg durch Deutschland unter keinen Umständen zu nehmen. Wie „Ritualmorde" gemacht werden.^? ” Aus Hlinsko (Böhmen) wird geschrieben: Am 26. September wurde in dem Orte Kamenicek bei Hlinsko in Böhmen die Leiche eines zirka 17jährigen Mädchens mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Auch das Gesicht wies zahlreiche Schnittwunden auf und der Körper, der offenbar mehrere Schritte weit geschleift worden war, war fast blutleer. In der Toten wurde die im Orte ansässige Stephanie Pospischil agnosziert und es gelang auch der energischen Tätigkeit der Gendarmerie, am selben Tage des Mörders in der Person des 22jährigen Webers Anton Tlusty habhaft zu werden. Dieser hatte das Mädchen nachmittags vom Tanzboden fortgelockt und dasselbe in ein kleines Wäldchen, welches nur einige Schritte vom Dorfe entfernt ist, geführt, wo er das Verbrechen verübte. Charakteristisch ist folgender Umstand: Als die Leiche gefunden wurde, befand sich auch der Mörder unter den Zuschauern und war bemüht, das Verbrechen mit dem Hinweise auf den Halsschnitt und das Fehlen des Blutes als „Ritui.lmord" darzustellen. „Das kann kein Christ getan haben", rief er aus. Der Mörder wurde dem Bezirksgerichte in Hlinsko eingeliefert. Dem Gerichtsadjunkten Dr. Pardus gelang es nach dreitägigem Verhöre, den Mörder zum Geständnis zu bringen. Moritz Mautner. Einer der gediegensten Schulmänner und Lehrer Böhmens, einer der vorzüglichsten, charaktervollsten und humansten Menschen, die unser engeres Vaterland hervorgebracht hat, ist am 22. Juli d. I. in Prag nach längerem, schweren Leiden verschieden — es war dies Herr Moritz Mautner, Direktor der Altstädter deutschen Knaben-Volks- und Bürgerschule, Inhaber des goldenen Verdienstkreuzes, Mitglied des k. k. deutschen Bezirksschulrates und der k. k. Prüfungskommission für allgemeine Volks- und Bürgerschulen in Prag. Mautner wurde am 24. Februar 1850 zu Koschetitz (Bezirk Ledetsch) in Böhmen geboren, besuchte die llnterrealschule, hierauf die k. k. deutsche Lehrerbildungsanstalt in Prag, die er im Jahre 1871 mit vorzüglichem Erfolge absolvierte. Er erhielt eine Stelle an der israelitischen, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Privatvolksschule in Nachod, um deren Hebung er sich große Verdienste erwarb, so daß er nach mit Auszeichnung abgelegter Lehrbefähigungsprüfung zum Oberlehrer an der genannten Anstalt designiert wurde. Nachdem er bald darauf ein Zeugnis Nummer Eins für Bürgerschulen erworben, war er als Bürgerschullehrer in Friedland und Gablonz mit sehr gutem Erfolge tätig, wovon einige Belobungsdekrete zeugen. Seit dem 1. September 1896 wirkte er als Direktor der Altstädter deutschen Knaben-Volks- und Bürgerschule. Mautner war eine eminente Arbeitskraft. Fast ein Vierteljahrhundert gehörte er dem engeren Ausschüsse des deutschen Landeslehrervereines an, um dessen Aufblühen er sich unsterbliche Verdienste erworben hat; der Organisation und wirtschaftlichen Erstarkung des Lehrerstandes war sein Hauptaugenmerk gewidmet und die Erfolge blieben nicht aus. Der Verblichene redigierte den Lehrerkalender, den Personalstandsausweis, gab ein vorzügliches Schulgesetzbuch heraus, schrieb ausgezeichnete pädagogische Aussätze in die „Reichenberger Freie Schulzeitung", lieferte gediegene Beiträge für „Oesterreichs deutsche Jugend" u. s. w. Die vortrefflichen Einrichtungen im Weinberger israel. Knabenwaisenhause find auf seine Initiative zurückzuführen; er war ein äußerst gewissenhaftes Mitglied des Direktoriums dieser Anstalt. Auch zahlreichen anderen jüdischen Vereinen gehörte er an; dem israelitischen Landeslehrervereine in Böhmen war er ein treuer Genosse, ein steter Berater und Freund; erst im Frühjahre nahm er an einer Enquete behufs Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes lebhaften Anteil. Möge dem nunmehr im kühlen Schoße der Erde Ruhenden die letztere leicht sein! A. Baum, Klattau. * -i- * lieber das Leichenbegängnis des allzufrüh verstorbenen Bürgerschuldirektors Moritz Mautner brachte die „Freie Schulzeitung" folgenden Bericht: Am 24. Juli um 3 Uhr Nachmittags fand vom israelitischen Badhofe in Prag aus das Leichenbegängnis M a u t n e r's statt. Die große Wertschätzung des Schulmannes kam bei dieser Gelegenheit so recht zum Ausdrucke. Seitens des k. k. Landesschulrates beteiligten sich an dem Begräbnisse der k. k. Statthaltereirat v. Campe, k. k. Schulrat Neubauer, Josef Heinrich und die Abgeordneten Dr. Maly und Legler, weiters der k. k. Bezirksschulinspektor Prof. Michalitschke, der Präses der israel. Kultusgemeinde Dr. Rosenbacher, die Rabbiner Prof. Dr. Kisch, Dr. Grün, Dr. Fischer, Dr. Thieberger, Dr Deutsch nnd Dr. Klotz, als Bertreter des D. Landeslehrervereins 1 B. der I. Obmann-Stellvertreter Direktor Julius Pohl, zahlreiche Lehrer und Professoreli Prags und der Umgebung, unter ihnen der Direktor- Stellvertreter an der Altstädter Knabenbürgerschule B.-L. Borisek, dann Lehrer August Malley als Obmann des deutschen päd. Vereins, endlich eine große Zahl Industrieller, Advokaten, Aerzte, Kaufleute und — eine Ausnahme bei israel. Leichenbegängnissen — auch zahlreiche Damen. Am Leichenwagen waren — trotzdem Kranzspenden