Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 660 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 4L b) Jerus. Kilaim f. 32 coL e. mnapab mnanp kot -an r^rn man na Kan an ava nar» an mana bin bpn aKHK nK nns' a " nann amo ,'pana Kinn jn ba naben ■"naapD’K pnnnrwi kjnin'bn .jan ,Kb ina -pna ,man npbj ,Kbbna faan nba nvK ,rrea prim ja banca Kma *jKba Kan Knpr Kinn b°K ,mbapb -p™ na mKp kdk ,jan ja jinawi biK -jnn-bKb acrn Kann b°K? jb -pro nK jroi •pnoa pnn'K Kmin ,prana nabnenn jnb pb'K 'b an' srra mneKi Kbbn ja n"NKi .jan ja ja bamKi biK pnirnbr mapn jaa ja napab *pba am „Rabbi Jonah (sagte) im Namen R. Chama bar Chauinas: Die Füße des Menschen bringen ihn, beziehungsweise sind seine Bürgen, daß sie ihn bringen überallhm, wo er (d. h. seine Seele) abverlangt wird, denn I. Könige 22, 20 heißt es: „Der Herr sprach: „Wer überredet Acliab, daß er hinaufziehe und falle auf Ramotli-G-ilead" und dort sterbe. In seinem Hause also nicht, sondern dort. Von Elichoref und Achijah, den beiden Schreibern Salomos. Dieser bemerkte, wie der Todesengel zähneknirschend den Blick auf sie gerichtet hatte, da sprach er ein Wort und versetzte sie in die Luft. Von dort holte sie aber der Todesengel und stellte sich sodann lachend vor Salomo. Auf des Königs Frage, warum er vorhin zähneknirschend, jetzt aber lachend erschien, antwortete der Tvdeseugel: Gott gab mir den Befehl, Elichoref und Achijah aus der Luft zu holen. Da dachte ich, wer bringt sie mir dorthin, von wo sie zu holen ich beauftragt bin? Und er gab dir in den Sinn, dies zu tun, damit ich meine Sendung ausführe. Ich ging und schloß mich ihnen dort an". Abgesehen von einigen Ausdrücken. die eine Zweideutigkeit zulasseu, ist in dieser Version nichts derart Abstruses, daß sie den Namen Sage verdiente. Aber auch die zweideutigen Wendungen erweisen sich bald als nichts anderes, denn eine ornamentale Gewandung, in die sich schließlich die Haggada, die Poesie des Talmud, gleich jeder andern Poesie hüllen darf. -nra» pnm ja banan Kma *]Kba Karr als poetischer Ausdruck der Personifikation leicht erkennbar, läßt sich mit: „er sah sie vom Tode sehr bedroht", und das hyperbolische «Kbbna pann nba nöK° mit: „er gab einen Befehl, vermittelst dessen er sie in eine andere Luft (oder Gegend) brachte" übersetzen. Das Wort mba-p mb cp -pm kdk, sowie Salomos Fragen und des Todesengels Antworten können den Sinn haben: Die Nachricht von ihrem Tode klang Salomo wie Hohn, so daß er zum Nachdenken über seine vereitelte Absicht gezwungen wurde, und seine eigenen Restexionen wären in Rede und Gegenrede gekleidet. Endlich wird auch das nbbn ku ja im Munde des Todesengels, welches Wort erst eigentlich dem Ganzen ein sagenartiges Gepräge aufdrückt, abgeschwächt, wenn es mit: „sie aus eben jener Luft zu holen" wiedergegeben wird. Das zweite Kia steht nämlich sicherlich für ma und ist eine talmudisch beliebte Emphase. Ganz anders nimmt sich diese Haggada in der babylonischen Version aus. Hier ist sie nur einmal vertreten und lautet in babylonisch Sukkah 63a folgendermaßen: jan aarnan ->nKb na pa->p pirK trrK nan mbn j:nr an narr spimbK nab© *ap a^p um 'rwia mn irnn -mm pbaia mm man -jKbab mn nn Kar ,rn naben ansic Kirr -a mtiKi ann *>Ktrc 'nnn *;n 'Kra ipa Kpn b“K?na ap 'Karr b“K -aap Kp .iaar nbn rrrnab aa a ,r.bn Kiinab inrnnr nn'prb inmaa »Kan p an nnrra b*K? nnna ’kck b°K ,nnap mnn man “jaba Knn nnab jitk v'NK nan nmbrn naKi nabr r.re na /inrnnnr jan 'Kra ♦mm j’baa jan -paman nnnb „na janp „Rabbi Jochanan sagte: Die (eigenen) Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Ort, wo er abgefordert wird. Von jenen beiden Mohren, die zur Umgebung Salomo's gehörten, (gemeint sind) Elichoref und Achijah, die Söhne Scheschas, welche Salomos Schreiber waren. Eines Tages sah er den Todesengel, der traurig war, und sprach zu ihm: Warum bist du traurig? Darauf sagte dieser: Weil die beiden Mohren hier von mir verlangt werden. Da übergab er sie den Seirim und schickte sie an die Stadt Lus. Als sie dort anlangten, starben sie. Tags darauf sah er den Todesengel, der lachte. Er sagte zu ihm: Warum lachst du? Und der erwiderte: Du schicktest sie gerade an den Ort, wo man sie von mir verlangte. Sogleich Hub Salomo an und sprach: Die (eigenen) Füße des Menschen bürgen für ihn, daß sie ihn bringen an den Orh woselbst er gewünscht wird." Gleich auf den ersten Blick fallen uns hier auf die klare Disposition, die mathematisch-strenge Durchführung bis züm quod erat demonstrandum, die reiche Szenerie, die abgerundete Form der Ausdrucksweise, mit einem Worte: das geradezu architektonische Gefüge, vermittelst dessen diese Version sich als ein nichtpalästinensisches Produkt erweist, da die palästinensische Haggada äußerst selten eine solche Diktion hat und durch welches sie zu der erstgenannten wie ein harmonisch geformter Mosaikbau zu einem schlichten Bauernhäuschen sich ausnimmt. Was ihr aber gerade ein babylonisches Speziale gibt, sind die konkreten, dem babylonischen Milieu entnommenen Daten, die ihr zugleich den Charakter des Sagenhaften verleihen. Zunächst — "cmprb mrnca er übergab sie den Seirim (d. h. Dämonen)" - die Angabe der Vollstrecker des salomonischen Befehles und ihre nähere Benennung als Dämonen, die zufolge babylonischer Tradition der weise König beherrschte und zu übermenschlichen Dienstverrichtungen heranzog. Dann — „nbn Kiinab inrnnr er schickte sie an die Stadt Lus" — die Lokalisierung des Rettungsortes und seine Identifizierung mit der mythischen Stadt Lus, über die nach einer babylonischen Borajtha (Sota 46b) der Todesengel keine Gewalt hatte, und deren Greise zur Stadtmauer hiuausgehen oder hinausgetragen werden mußten, wenn sie sterben wollten. Da aber auch Dämonen nicht hinein durften, setzten sie die Schreiber, so ist es offenbar gedacht, am Tore ab. Diese wären auch den Fängen des Todesengels beinahe entgangen, wenn er sie nicht eben an der kritischen Stelle schon erwartet und ihre schleunige Flucht in die Stadt verhindert hätte. Durch diese beiden^ so kühnen Auslegungen, denen gegenüber die Palästinenser sich entweder skeptisch verhielten und sie negierend mit Hyperbel und Personifikation sich begnügten, oder aber sie überhaupt nicht kannten, gewinnt eben die babylonische Version ihre mythische Gestalt. Es kann auch sein, daß dem Redaktor der babylonischen Version die palästinensische bereits Vorgelegen habe und er sie nur weiter ausgebaut hat. Denn dem „wo -nnn *mn jene beiden Mohren", als Kakophemismus für besonders schöne oder ausgezeichnete Menschen, wie der Ausdruck Knschi öfter gebraucht wird (ek. Grünbaum, Aufsätze zur Sprach- und Sagenkunde herausgegeben von Perles, S. 113 u. 155/66), könnte das Bestreben zugrunde liegen, Salomos Beginnen womöglich als ein gutes Werk erscheinen zu lassen und so seine gute Absicht augenfällig zu machen. Die mangelhafte Kommentierung in der palästinensischen Version konnte, bei der früheren Verurteilung Salomos als dem Leugner, der seine ihm von Gott gegebene Klugheit gegen den Spender selbst mißbrauchte, den Anschein erwecken, als ob er hiermit der Vorsehung einen Streich spielen wollte. Wenn sie aber so vortrefflich sind, so ist ihre Erhaltung ein Gebot der Billigkeit. Um die Würdigkeit der Schützlinge ins rechte Licht zu rücken und so die.Tat Salomos ferner zu rechtfertigen, dient wohl aüch die genealogische Angabe der beiden Schreiber als die Nachfolger im Amte ihres Vaters Schescha, dein Staatssekretär Davids. (Ueber diese Angabe, daß der bekannte Schescha der Vater der beiden Schreiber war, sind zu vergleichen: Sam. II. 8, 17; Sam. II. 20, 25; Kö. I. 4, 3 u. Chr. I. 18, 16.) Daß dem palästinensischen „nrra pnm ja vanca schaute auf sie zähneknirschend" hier bloß „aap er war traurig" und dem palästinensischen „mba'pb “pm er lachte ihm entgegen" ein bloßes „map er war heiter" gegenübersteht, mildert die Sache insofern, als damit keineswegs, wie es dort scheinen kann, der Todesengel Salomo verhöhnte und seine Schadenfreude hervorkehrte, sondern ihm in Devotion Rede stand