Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021589--13952-3038633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 41 Dr. Llocb's MocdenscbrM. Seite 859 Entwicklung der Sage nun Salomo und dem Todesengel, zugleich als Beitrag zur Charakteristik der palästinensischen und babylonischen Haggada*). Von Dr. Rubin Faerber in Witkowitz (Mähren). Die Blütezeit der Salomosagen, sowie ein großer Teil der haggadischen Bearbeitung derselben ist in die zweite Hälfte des zweiten und in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts zu setzen. Hauptsächlich in die Regierungszeit des Patriarchen Jehuda I., des letzten Taunaitenhauptes und Redaktors der Mischna, der wie kein anderer — besonders bei uns Juden — schon zu Lebzeiten einer ungeteilten Anerkennung sich erfreute und den die religionsgenössische Mitwelt wegen seiner eminenten Bedeutung in Regentschaft, Lehrtätigkeit und Frömmigkeit durch die höchsten Titel, die das Judentum damals zu vergeben hatte, wie: der Rabbi, der Heilige, der Fürst, die heilige Bnndeslade (cf. babl. Kethuboth 104 a u. a. O.) n. s. w. auszeichnete. Mit dem Ruhme dieses spätere:? Regenten aus dem Hanse Davids lebte auch der Ruhm des ersten Davididen noch einmal wieder auf. Wie einst Salomos glanzvoller Name die Welt erfüllte, so füllte jetzt sein Andenken die jüdische Welt, die nun seine Lehrhäuser bildeten. Mehr denn je beschäftigten sich nicht nur die Haggadisten, sondern selbst die Meister der Halacha mit der Verherrlichung dieses zweitgrößten israelitischen Königs. Die früheren Tannaitengeschlechter hatten etwas hart über ihn geurteilt, indem sie - ihm nicht vergessen konnten, daß er, auf seine Weisheit bauend, hinsichtlich der Königsgebote über das mosaische Gesetz sich hinauswagte und sich dann menschlich verging. In ihrer strengen Sittenreinheit, welche sie für die unbedingte Heilighaltung der biblischen Ethik kämpfen, die größten Opfer willig ertragen und zu begeisterten Märtyrern werden ließ, konnten sie sein Verschulden nur tadeln. Zumal das bedeutendste seiner Werke, der heilige Tempel, bis auf die letzte Spur grausam hinweggefegt war und sie die Ueberzeugung hatten, derselbe würde ewig bestanden haben, wenn sein Erbauer sich nicht vergangen hätte, mochten sie ihm nicht einmal mildernde Umstände zubilligen. Indessen zeigte es sich nach einem Zeiträume von ungefähr 1200 Jahren, daß Gott selbst seinem Lieblinge nicht ewig zürnen wollte. Denn Fürst Jehuda, der nicht nur in der Verwandtschaft mit Salomo Berührungspunkte aufwies, regierte nicht minder weise und segensreich, so daß Palästina unter seinem Szepter, obschon es nur ein römisches Vasallentum darstellte, von Neuem aufblühte und der getretene Rest Jakobs gleich der nach langen! Welksein ins Wasser getauchten Rose von Jericho zu frischem Leben erwachte. War das nicht ein Umstand, der die Anschauung der späteren Nachwelt ändern mußte? Und namentlich die Jünger Rabbis, die Interpreten göttlicher Zeichen. hätten diesen Wink von oben nicht verstehen, Hütten das himmlische Walten in der Geschichte nicht erfassen sollen? Aber auch der Fürst selbst ließ es oxompli causa an entsprechenden Hinweisen und Anleitungen zur Glorifizierung seiner Vorfahren nicht fehlen, so daß man sich in seiner Umgebung eifrig auch mit Salomo, beziehungsweise mit dessen Rechtfertigung zu beschäftigen begann. Bald schritt man auch, auf die Autorität Rabbis gestützt, zur Aufhebung des früher über ihn gefüllten Urteiles und gelangte schließlich unter Billigung seitens der damals bestehenden sogenannten „Heiligen Gemeinde" (cf. Hamburger, Realencykl. II, 368), deren angesehenstes Mitglied wieder Rabbi war, gleichsam zu seiner Heiligsprechung. Nun wurde über jeden Schritt des Rehabilitierten nachgedacht und hinter demselben nach religiösen Motiven gesucht. Was irgendwie aus seinem Leben bekannt war, *) Vergl. meine Schrift „König Salomo in der Tradition". Verlag von M. Poppelauer, Berlin, Neue Friedrichstraße 59. nicht bloß was die heilige Schrift verzeichnet, sondern was selbst der Volksmuud der Vergessenheit entrissen hatte, bestrebte man sich mit frommen Eifer in diesem Sinne auszulegen. Die Auslegungsbestrebungen führten wieder zur Bereicherung des alten Kapitels, indem viele Geschichten, die nur fragmentarisch auf diese Generation gekommen waren, jetzt erst ihre Vervollständigung und nicht selten ihre moralische Begründung erhielten. Manche unbedeutende Episoden wurden auch zu selbständigen Geschichten erweitert. Denn je kühner der Wille, umso furchtbarer ward seine Genossin Phantasie, die Mutter der Dichtung (hier: die Haggada), die nun, wie zur Entschädigung für die lange Zurücksetzung, dem Salomo ein großes über Palästina und Babylonien sich erstreckendes Reich, das Reich der Sage begründete. Dieses bevölkerte sie mit ihren Liebling^kindern: den Wundern, Märchen und Fabeln und startete es aus mit den Tropen und Figuren, den ewig reizenden Zwillingstöchtern ihrer Schwester, der Sprache, damit sein Name darin in Ehren und in gesegnetem Andenken hinfort lebe. Freilich konnte sich die Salomo-Haggada, trotz Gleichzeitigkeit und adäquater Bestrebungen der Haggadisten beider Länder, in Palästina nicht so gut entwickeln, wie in Babylonien. Denn während die-palästinensischen Juden, besonders unter dem bildnngsfreundlichen Rabbi, mit der klaren Denkweise des Philosophenvolkes der Griechen immer mehr in Fühlung traten und deshalb der Sage keinen breiten Raum schenkten, war in Babylonien der Boden für dieselbe geradezu wie geschaffen. Hier hatten sich Mystik und Dämonenglaube selbst unter den hellsten Geistern Anhänger verschafft und sich so den Eingang in die Lehrhäuser erzwungen. Indem nun in den palästinensischen Schulen eine Sage selten über das Natürliche hinansging, bildete sich dieselbe in Babylonien mitunter so ungeheuerlich transzendent, daß wirklich eine Mücke zum Elephanten wurde. Wir können es nun begreifen, wenn die nüchternen Palästinenser sich nicht nur über die babylonische Haggada, sondern selbst über die Halacha (cf. Sabb. 17a, Scheb. 34d: aanraa nbr iana, man lachte im Westen, Palästina, über babylonische Lehrsätze) lustig machten. Es kann uns auch nicht Wunder nehmen, wenn ein palästinensischer Lehrer seinem Widerpart, der ihn mit einer spitzfindigen halachischen Frage belästigt, zuruft: „Bist du etwa ans Pumbeditha (Stadt in Babylonien), wo man einen Elephanten durch ein Nadelöhr führt?“ (cf. Baba Mez. 83b.) Es ist daher selbstverständlich, daß die babylonische Haggada nach jeder Richtung hin viel reicher und sagengeschmückter ausgebaut ist, als die palästinensische. Das ist unter Anderem, wie noch nachgewiesen werden wird, ein charakterisierender Unterschied der palästinensischen einerseits und der babylonischen andererseits. Ein ferneres Merkmal der babylonischen Haggada ist die klare Disposition und ihre Durchführung bis auf die kleinsten Details, welcher die palästinensische Haggada relativ entbehrt. Aus folgender Vergleichung einer der gleichen Entstehungs- und Entwicklungszeit angehörenden, die Sage von Salomo und dem Todesengel betreffenden Haggada im palästinensischen und babylonischen Talmud läßt sich dies deutlich erkennen. Die palästinensische Version, die an zwei beinahe kongruenten Stellen erhalten ist, lautet im Text: a) Jerus. Kethuboth f. 35 col. b. ba mm pbaia pra r: na-r Tnbr-> ar:n -a «an -an cra rrar -an irba mana bim bin aana na nna' -a " man a'nai *rama-i p .naban ma’-pD'a pn rrnai =prrba .jan ,ab m-a -pna ,map .nbbna pam nb’a naa nrra prm pa bancn ama -jaba aart mm jtflpw arm b°a mba'p mb ap -pro ana -jan ja pnaan bia ,mnai prrbab spri aaam ’b naa bua?yra na pai nrwa pnna am ,p»aora mnban pnb pba ’b an' jaa paw nbbn ai: ja .jan ja pro bamai bta .mmb® Tarn paa ja najrab -pba