Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 40 2>r* Llocb's Mocbensebrttd Sette 643 „Ansche Wolosin" der armen, aber sehr frommen Juden, die nach dem Nussach Hvari (dem Ritus der Kabbalisten Lurja) beten. Ihre Bethäuser wurden nur mit 20.000, resp. 18.000 Dollars (der Dollar =- 4 20 Mark) eingeschätzt. Die vornehmen und kostbaren Synagogen gehören selbstredend ebenfalls den bereits akklimatisierten deutschen Juden an. Ebenso dürste die Wiege der Besucher der Synagoge Hand in Hand in Posen und Westpreußen gestanden haben. Die ungarischen besitzen 5, die rumänischen 2 Synagogen. Sehr zahlreich sind die von russischen Juden unterhaltenen Synagogen. Zu den 3 Zentralsynagogen „Kol Jsroel, Ansche/ Polen", kommen noch die Synagogen der „Ansche Czenstochau", der „Ansche Suwalki" und der „B'neh Israel Mikalwary". Endlich besitzen die Juden von Groß-New-Iork 16 Beerdigungsplätze im Gesamtwerte von 2 Millionen Mark. Im Ganzen repräsentiert der Grundbesitz aller jüdischen Anstalten Groß - New-Jorks einen Wert von 10,349.050 Dollars 43.466.000 Mark, wobei freilich manches Grundstück wohl mit Hypotheken belastet sein dürfte. Diplomatische Aktenstücke über die Indenfrage in Rumänien. In der Septembernummer der in New-Iork erscheinenden „Menorah" wird eine Serie von Aktenstücken, betreffend die rumänischen Inden, veröffentlicht. Dieselben sind dem amerikanischen Blaubuch oder wie es in Amerika heißt, Rotbuch entnommen und bestehen aus einem Briefwechsel zwischen Mr. Hay und dem Vertreter der Vereinigten Staaten in den Balkanländern, Mr. Jackson. Erst Letzterer informierte den Sekretär des Auswärtigen Amtes über eine Unterredung mit dem Vertreter Rumäniens am Hofe zu Athen, worin dieser im Namen des König Carol dem Repräsentanten der Vereinigten Staaten gegenüber sein Bedauern darüber aussprach, daß die Washingtoner Regierung es nicht für notwendig hält, in Bukarest einen eigenen Vertreter zu halten. In einem Schreiben vom 5. März 1903 informierte nun Mr. Hay seinen Gesandten über die zwischen den Vereinigten Staaten und Rumänien wegen der Judensrage entstandenen Differenzen und bezieht sich dabei auf die bekannte amerikanische Zirkularnote an die europäischen Mächte. „Es ist der Wunsch des Präsidenten", schreibt dann Mr. Hay, „daß Sie bei Ihrem nächsten Besuch in Rumänien sich vorsichtig darüber zu informieren versuchen, ob und welche Wirkung jene Note an die Vertragsmächte gehabt, respektive ob irgend eine Macht der rumänischen Regierung wegen ihrer schlechten Behandlung der Juden eine Vorstellung gemacht hat. Der Präsident nimmt ein sehr lebhaftes Interesse an dieser Angelegenheit." In seinem Antwortschreiben vom 23. März 1903 berichtet Mr. Jackson, daß „laut Mitteilung des amerikanischen Botschafters zu Berlin Herr v. Richthofen erklärt habe, die Angelegenheit werde von deutscher Seite mit der Beachtung behandelt werden, die ihr nach ihrer großer Bedeutung gebührt. Daß ferner die englische Regierung gleich nach Empfang der Note dieselbe, ohne eine eigene Meinung über dieselbe zu äußern, den anderen Mächten mitgeteilt und sich erkundigt hat, was sie in dieser Sache zu tun gedenken." „So viel ich jedoch erfahren konnte", schreibt weiter Mr. Jackson, „hat keine von den Signatarmächten bis jetzt etwas darin getan und selbst die Tatsache der Versendung der Zirkularnote ist der rumänischen Regierung offiziell von ihnen nicht bekannt gegeben worden." Des Weiteren sucht Mr. Jackson das Verhalten der rumänischen Regierung den Juden gegenüber durch folgende, von den Antisemiten aller Länder und zu allen Zeiten bis hinauf zum ersten Antisemiten Haman vorgebrachte Gründe zu erklären, resp. zu entschuldigen.! Umgeben von mächtigen, eroberungssüchtigen Staaten, muß die Regierung von Rumänien stets darauf bedacht sein, das rumänische Volk homogen und rassenrein zu erhalten. Daher haben sich die Rumänen von jeher gesträubt, die Juden, welche zwar in Rumänien geboren find, niemals aber den Wunsch gezeigt hätten, durch Sitten, Gewohnheiten und Sprache Rumänen zu sein, als rumänische Bürger anzuerkennen. Selbst die den Juden wohlgesinnten Mächte haben es stets vermieden, auf die rumänische Regierung einen besonderen Druck im judenfreundlichen Sinne auszuüben. Es ist auch für die Zukunft kaum zu erwarten, daß die Mächte in dieser Beziehung mehr Eifer als in den letzten 25 Jahren entwickeln werden. In seinem Berichte vom 18. April desselben Jahres kann Mr. Jackson konstatieren, daß bis dato keine Macht die Initiative ergriffen habe. Deutschland habe absolut nichts getan und Frankreich und England haben die rumänische Regierung bloß von der Versendung der amerikanischen Zirkularnote informiert. Der Minister fährt dann fort, die rumänische Regierungzu entschuldigen: Daß es den Juden in Rumänien schlecht geht, läßt sich wohl kaum bestreiten. Dennoch muß es ihnen da beffer gehen als ihren Glaubensgenossen in Rußland und Galizien. Dieses wird durch die Tatsache (? Red.) bewiesen, daß jeder von durch die Auswanderung eines rumänischen Juden freigewordene Platz sofort von einem russischen oder galizischen Juden besetzt wird. Mr. Jackson hat sich da von der rumänischen Regierung einen netten Bären aufbinden lassen, wie aus folgender Bemerkung zu ersehen ist: Die rumänische Regierung begünstigt die Emigration der Juden nicht, weil sie weiß, daß die besser situierten auswandern und arme und ungebildete Juden an ihre Stelle einrücken. In seinem Schreiben vom 7. September 1903 berichtete Mr. Jackson über eine mit Premierminister Sturdza gehabte Unterredung. Es gibt in Rumänien zwei Arten Juden. Die spanischen Juden find von einer höheren Art, während die aus Oesterreich und Rußland eingewanderten minderwertiger seien. Pani Sturdza, der die Abstammung der Rumänen von den alten Römern keinen Moment bezweifelt, ist der Ansicht, daß die nichtspanifchen Juden überhaupt keine Juden sondern — Mongolen wären. Selbstredend denkt er nicht daran, den Juden in Rumänien Bürgerrechte zu gewähren. Wir haben nicht das türkische Joch abgeschüttelt, um uns unter das jüdische Joch zu begeben. Der Judenhaß sei in Rumänien absolut unbekannt, wobei Sturdza, um diese unverfrorene Behauptung zu bekräftigen, die Tatsache mitteilte, daß er selbst und einige seiner Ministerkollegen in voller Uniform und geschmückt mit sämtlichen Orden in der Synagoge einer jüdischen Trauung beigewohnt haben. Selbstredend unterließ es Herr Sturdza nicht, zur Begründung der Mißhandlung der Juden in Rumänien auch den — Zionismus zu zitieren. Die Juden dächten nicht daran, Rumänen zu werden, sondern träumten von der Errichtung eines eigenen Judenstaates in Palästina. Wiederum war es also das Karnikel, das angesangen hat! Nicht Sturdza und Genossen, sondern der Zionismus hatte den Juden das Leben in Rumänien verleidet! Herr Sturdza kam dann aus die Auswanderung zu sprechen, welche lediglich aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Der Sache wurde jedoch bald ein politischer Anstrich verliehen, da die Emigranten statt bequem mit der Bahn zu fahren, aus purer Niederträchtigkeit und rein um die rumänische Regierung zu ärgern, von Bukarest bis Hamburg zu Fuß gewandert sind .... Mr. Jackson schließt seinen Bericht mit der Behauptung, daß nach allgemein in Rumänien verbreiteter Ansicht die Naturalisation der Juden nur sehr langsam und nur in dem Maße, als die Juden in wirkliche Rumänen sich verwandeln würden, vor sich gehen kann. Zum Schluß veröffentlicht die „Menorah" noch einen Bericht eines Mr. Charles S. Wilson, der von der Regierung der Bereinigten Staaten speciell mit dem Studium der Lage der rumänischen Juden beauftragt wurde. Der Mann hat seinen Auftrag schlecht ausgeführt, da er seine Kenntnisse fast ausschließlich aus amtlichen Quellen geschöpft hat. Mr. Wilson ist auch über den bekannten Bericht des Major Evans Gordon sehr erbost, der nicht, wie er selber, den Bock zum Gärtner gemacht und sich über die Lage der rumänischen Juden nicht bei Herrn Sturzda erkundigt hat . . . Er habe cs sogar verschmäht, eine Audienz beim König Carol nachzusuchen, trotzdem ihm das ziem-