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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Mocb's MocbenscvrM. Gelte 641 der Konstitution, durch den alle Bürgschaften gegeben seien. Gegenwärtig liegt die Sache so, daß Juden in Spanien naturalisiert werden können, entweder durch Heirat mit einer Spanierin oder durch Begründung eines wichtigen Unternehmens, durch Landbesitz, oder durch besondere Verdienste, die sie dem Staate leisten. Der erste bekannte naturalisierte Jude in Spanien ist Mr. Cunningham Graham, ein sozialistischer Abgeordneter. So gingen 23 Jahre vorüber, bis die Lage der Juden in Spanien eine sichere wurde. Infolgedessen ist ihre Zahl nur eine geringe. Man schätzt sie auf 2500, also ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Eine ziemlich große Gemeinde ist in Sevilla, während in Madrids selbst und in Huelva, sowie in Barcelona höchstens zu den ^Feiertagen eine kleinere Zahl von dort Wohnenden sich zum Gottesdienst vereinigt. Es ist bekannt, daß in früheren Jahren, nach den russischen Verfolgungen, wiederholt von Spanien selbst aus Versuche gemacht worden sind, die Juden dort einzubürgern, aber sie haben bis setzt keinen Erfolg gehabt. In jedem Falle ist die Freiheit, dort zu wohnen und ihren Kultus zu pflegen, ihnen jetzt in dem Lande völlig gewährt, aus dem sie vor mehr als vier Jahrhunderten in so schmählicher Weise vertrieben wurden. Goethe, „ein hervorragender Typus des Semitentums". „Daß Herr Professor Flesch versucht, Goethe als Vertreter des Germanentums hinzustellen, zeugt zum mindesten von einem außerordentlichen Mangel an kritischem Urteil. Goethe war keineswegs ein Vollblut-Deutscher, sondern ein Mischling von hervorragend semitischem Typus." „Aber da sitzen nun die gelehrten Häupter an ihrem Schreibtisch und orakeln herüber und hinüber: „Warum ist Goethe nicht populär?" Und doch brauchten sie .ihm nur einmal forsch ins Gesicht zu sehen, dann würde sich ihnen dies schwierige Rätsel von selbst lösen. Goethe konnte niemals populär werden, er mußte dem deutschen Volke stets fremd bleiben, weil der Grundzug seines Wesens, Lebens und Schaffens absolut undeutsch war. Mit Schiller verhält es sich ganz anders: dieser ist wohl der populärste aller deutschen Dichter. Aber er war auch durch und durch ein deutscher Mann, und es ist eine Schande für die deutsche Nation, wenn sie es duldet, daß dieser unser größter Dramatiker, ein Mann von reinster und idealster deutscher Gesinnung, beständig von einem in jeder Hinsicht semitisierten Goethe in den Schatten gedrückt wird, zumal dieser, ohne den starken Antrieb, den er, tvie er selbst eingestanden hat, durch Schiller's feurigreinen Geist erhielt, es überhaupt nie zu irgend nennenswerten Schöpfungen gebracht haben würde." „Sieht man nun Goethe an: diese vorquellenden, dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, welchen selbst ein leicht wehmütiger Zug nicht fehlt, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns. Goethe war Mischling durch das Blut seiner Mutter und nicht nur in seinem Aeußern prägt sich seine Abstammung von dem alttestamentarischen Helden ab, sondern auch in seinem gesamten Wesen. Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe, der er erst ganz heimlich die Weihe geben ließ, als Napoleon, der gewiß kein Abstinenzler und Tugendbold war, sich eine etwas ironische, bezügliche Frage gestattet hatte; sein Servilismus gegen Fürsten, der seinem steifnackigen, deutsch gesinnten Vater so zuwider war, sein völliger Mangel an Vaterlandsliebe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge, die selbst Lewis, der seine Vergötterung Goethe's in jeder Zeile, die er schreibt, zu erkennen gibt, nicht verschweigen kann, reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr Semit als Deutscher war, ja, von der germanischen Eigenart, die uns bei Schiller sofort in die Augen springt, ein deutsches Gemüt erwärmt und hinreißt, nur sehr wenig besitzt. Goethe's dichterische Erzeugnisse find zum größten Teile durchtränkt von Sinnlichkeit, orientalischer Lüsternheit; im zweiten Teil des „Faust" paaren sich talmudische Spitzfindigkeit mit phantastischer Verschwommenheit, während selbst seine bei den Deutschen beliebtesten Lieder, wie das „Haideröslein" und der „ungetreue Knabe" nicht aus seinem Innern geschöpft wurden, sondern nur Nachbildungen bereits vorhandener deutscher Lieder sind und sich auch nur darum die Volkstümlichkeit erworben haben. Das deutsche Volk hat stets mit scharfem Instinkt hinausgefühlt, daß Goethe nicht zu ihm gehörte, für deutsche Art und deutsche Gesinnung nicht das rechte Verständnis besaß, und ihn darum abgelehnt. Seine Bewunderer, obwohl sie nicht anders können, als an seiner stark ausgeprägten, undeutfchen Sinnlichkeit einigen Anstoß zu nehmen, bedecken diese stets mit dem Mantel der Liebe, indem sie ihn in dieser Hinsicht als griechisch bezeichnen. Sie vergessen jedoch, daß die Griechen gerade in ihrer Sinnlichkeit den Beweis liefern, daß sie bereits völlig semitisiert waren und ihr Untergang demzufolge auch schon besiegelt war." Aus: Hans Hermann: Das Sanatorium der freien Liebe. Berlin-Steglitz, 1904. Seite 138—140. Gründlichkeit und Zuverlässigkeit antisemitischer Berichterstattung. Die „Schlesische Zeitung" läßt sich aus Budapest unterm 10. d. M. über das jüdische Neujahrsfest und den Versöhnungstag einen Bericht schreiben, der überaus bezeichnend für die Gründlichkeit und Zuverlässigkeit der Gewährsmänner dieses konservativ-antisemitischen Blattes ist und seine Leser belehren könnte, wenn sie noch der Belehrung zugänglich wären, was sie von den Informationen dieses Organs über jüdische Angelegenheiten zu halten haben. Dabei braucht man in Breslau, das ja eine größere jüdische Gemeinde hat, durchaus nicht so riesige Unkenntnis an den Tag zu legen. Die Redaktion hat sich durch Aufnahme des Berichtes gleichfalls ungewöhnliche Oberflächlichkeit zu Schulden kommen lassen. Oder wollte sie den Beweis liefern, wie wenig sie verjudet ist? Nach dem Bericht ist der Jom-Kippur das Laubhüttenfest der Juden, und der gewissenhafte Antisemitenschmock berichtet, daß fast alle Pester Wirte für ihr Stammpublikum an den beiden jüdischen Neujahrstagen große Scheiben „Mazzes", „diesen ungesäuerten, gebackenen Teig" bereit halten. Um Nichtjuden den Unsinn einigermaßen verständlich zu machen, fügen wir hinzu, daß es ungefähr dasselbe wäre, wenn wir berichten wollten, daß Himmelfahrt das Ostern ist und daß in allen Lokalen zu Ostern Wcihnachtsbäume angezündet werden. Es ist nun nicht zu verlangen, daß jeder nichtjüdische Zeitungsberichterstatter über die jüdischen Feiertage informiert sei. Aber wenn er über etwas berichtet, was nach seiner Behauptung in den Wirts- und Kaffeehäusern vorgeht, dann darf er dergleichen nicht schreiben. Nach dem Mitgeteilten wird man beurteilen können, wie viel man von den „Hunderttausenden jüdischer Einwohner Pests" abzuziehen hat, wird man wohl annehmen dürfen, daß doch nicht „fast alle Gefchäftsläden in der Stadt an diesen Tagen geschlossen find" und „Handel und Verkehr" nicht „vollständig ruhen". Die Volksschule und der Religionsunterricht. In einer Reihe von Artikeln wurde die Religionsunterrichtsfrage in diesen Blättern wiederholt behandelt. Merkwürdigerweise handelte es sich in denselben fast ausschließlich um den Religionsunterricht in der — Mittelschule. Die Vollsschule, welche, wie auf allen Gebieten, auch hier grundlegend zu wirken hat, wird hiebei kaum erwähnt. Und doch muß dieselbe in erst.r Linie ins Auge gefaßt werden, soll die io notwendige und angestrebte Gesundung eintreten. Erstens, weil jedes Nebel, so es gründlich geheilt werden soll, an der Wurzel gefaßt werden muß, dann aber auch, weil ein großer Teil der Jugend die Mittelschule ja gar nicht sieht. Daß auch die Erfolge im Religionsunterrichte in der Volksschule mangelhaft und nicht zufriedenstellend sind, ist feststehend. Die Ursachen liegen einerseits in Zuständen, deren Aenderung außerhalb unserer Machtsphäre liegt, nämlich in den geänderten sozialen Erwerbs-, Ernährungs- und Schul-

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