Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 633 Anläßlich des Ablebens der sel. Rosalia Bauer: Ungenannt K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Olga K o h n : Von I. B. K 2 —, Samuel Gerstl K 2.—, Alois Kohn K 20.—. Zusammen: K 24.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Otto H i r s ch f e l d: Von Familie Josef Offer K 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Katharina Spitzer: Von Moriz Brammer K 5.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Sofie H o r n st e i n : Von Klara Weißmann K 5.—, Rosa Hornstein K 5.-, Rosa Kleinberg K 5.—. Zusammen K 15.—. Anläßlich des Ablebens des Herrn Sigmund Fröhlich: Von Ignaz Fröhlich K. 40.—, Jrcne Mandl K 20.-. Zusammen K 60. . Anläßlich des Ablebens des ft!. Herrn Saul P i n e l e s : Von Etka Herzig und Broncia Koller K 30.—. Spenden: Von Josef Nußbaum K 4.—, N. N. durch H.nrn S Heit K 10.—. Zusammen K 14.—. Wien. (Verlobung.) Die Malerin Anni Straus, Nichte des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern, hat sich mit dem Dr. med. Moriz Goldberger in Baden verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 9. Oktober l. I. um 3 Uhr nachmittags findet im Tempel I'., Tempelgasse die Trauung des Fräulein Hedwig R i e s z, Tochter des Herrn Karl Riesz, mit Herrn Alfred Grün, Sohn des Fabrikanten Herrn Karl Grün, statt. Wien. Herr Rabbiner Dr. Gelb ha ns hat am Versöhnungstage in seiner Predigt an die andächtige Versammlung einen warmen Appell gerichtet, die edlen humanen Bestrebungen des israelitischen Wöchnerinnen-Vereines in Wien nach Möglichkeit durch Unterstützung zu fördern. Wien. Am Sukkotfeste findet im Lst-Hamickraseb II., Tempelgasse 3, ein Gottesdienst für die Jugend statt. Beginn abends 6 Uhr, morgens halb 9 Uhr. Wien. (Spenden.) Laut Aufruf in der vorigen Nummer unseres Blattes sind uns für den armen Flickschuster Leiser Graf in Wien, II., Odeongasse 7, II. Stock, Tür 9 wohnhaft, der das Unglück hat, zwei blinde, taubstumme Kinder zu besitzen, von Herrn Dr. Jakob Ornstein, Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, K 10.—, von Herrn Dr. Ernst Franz Weist, Hofu. Gerichtsadvokaten in Wien K 55. — zugekommen. Brünn. Herr Dr. Ludwig Levy aus Breslau wurde berufen, an Schemini Azereth und Simchas Thora Probepredigten abzuhalten. — Wie wir erfahren, haben die Vorstandsmitglieder, die Herren Siegmund Schwarz, Alois Witrofsky und Adolf Weinberger ihre Mandate niedergelegt. Diese Herren sind Gegner des projektierten Tempelbaues. Theresienstadt. Herr Otto Pick, Bahnassistent in P o l e p p hat sich konfessionslos erklären lassen. Der Austritt aus dem Judentum im militürärztlichen Korps wird hier allgemein auf eine Inspektion eines getauften Chefarztes zurückgeführt. Czernowitz. Löbliche Redaktion! Ich erlaube mir, zu Ihrem Berichte aus „Czernowitz, 3. September. (Feierliche Einweihung des israelitischen Waisenhauses)" berichtigend zu bemerken, daß es in dem Berichte statt „feierliche Einweihung" richtig „feierliche Uebergabe" heißen soll. Es mußte nämlich von einer eigentlichen Einweihung und Weiherede abgesehen werden, da die Feier in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. von Körber stattfinden sollte und von der Landesregierung ersucht wurde, daß die Feier nicht länger als 2u—25 Minuten dauern möge. R. Budapest. Ueber die Familie des russischen Generals S t ö s s e l berichten hiesige Blätter: Um das Jahr 1830 kamen mit anderen jüdischen Einwanderern aus Mähren auch zwei Brüder, Chaim und Joise S t ö s s e l nach Ober-Ungarn, um sich dort ein neues Heim zu gründen. Ein dritter Bruder, Avram Stössel, war in der alten mährischen Heimat, in Meseritsch, zurückgeblieben. Chaim Stössel ließ sich in Lipto- Szt.-Miklos nieder, während Joise nach Jassenova (Komitat Arva) kam. Aber auch der dritte Bruder, Avram, blieb nicht lange mehr in Meseritsch; im Jahre 1835 schrieb er seinen Brüdern, daß er nach Rußland ausgewandert sei. Ein Sohn dieses nach Rußland übersiedelten Avram Stössel, seines Zeichens ein Goldschmied, war nun im Laufe der Jahre in den Schoß der russischen orthodoxen Kirche übergetreten; sein Sohn trat in russische Kriegsdienste und avancierte nach und nach zum General. Dieser Sohn des Goldschmiedes ist nun der General Stössel. Ein einzigesmal erhielt die ungarländische Familie Stössel Nachricht von ihren russischen Angehörigen, und zwar geschah dies damals, als vor Jahren der Budapester Gerichtshof aus Anlaß des Ablebens des steinreichen Budapester Arztes Dr. Szelenyi (ehemals Stössel) die Angehörigen der Familie Stössel mittels Aufrufes aufforderte, sich als Erben des reichen Nachlaffes zu melden. Das zur Szelenyischen Erbschaft gehörende Szelenyi- Haus in Budapest („Cafe Emke") bildet noch jetzt das Streitobjekt zwischen der jüdischen Familie Stössel und der nun schon dem Christentum angehörenden Familie Szelenyi. Feuilleton. Gesühnt. Von Dr. F. Rich. Heinschel. I. Der fürstlich D.'sche Leibarzt Dr. Jacob Schwarz saß in seinem Empfangszimmer. Das wohlgenährte Gesicht trug keinerlei innerliche Erregung zur Schau, trotzdem er wenige Augenblicke vorher dem Glauben der Väter die Treue gebrochen. Mit stillem Behagen blickte er auf den ordensgeschmückten Frack, denn diese Zeichen fürstlicher Anerkennung wurden heute durch die höchste Auszeichnung gekrönt, die Serenissimus selbst dem Täufling, den er aus der Taufe gehoben, an die Brust geheftet. Jacob Schwarz gehörte zu jenen Indifferenten, die dem Glauben ohne Interesse gegenüberstehen. Es sind das Menschen, die Alles und auch Nichts glauben. Er nahm sich niemals Mühe, über die Ideen, die seiner angestammten Religion zu Grunde liegen, auch nur nachzudenken. Er stand dem jüdischen Pflichtenleben vollständig fern, war im Innersten so wenig Jude als Mohammedaner und gab dem Drängen seiner Freunde nach, als sie ihm nahelegten, in die herrschende Landeskirche einzutreten. Es gibt Charaktere, die nur dank eines gewissen Beharrungsvermögens dem Glauben der Väter die Treue wahren. So aber, wie gewiffe Körper durch das Trägheitsgesetz in ihrer Stellung verharren, bis Druck oder Stoß von außen sie die Stellung verändern lassen, so gibt es auch Menschen, die durch die Macht der Gewohnheit im angestammten Glauben leben, bis irgend ein Zwang, ein Druck von außen sie ihre Stellung verändern heißt. Der fürstliche Leibarzt stand wohl dem neuen Glauben so fern als dem angestammten; aber Sanguiniker, wie er war, ging ihm das körperliche Wohlbehagen, die leibliche Ruhe über Alles, und nachdem am D/schen Hofe ein Zug des Muckertums sich bemerkbar machte, der ihm Unbehagen verursachte, ließ er sich zum Glaubenswechsel überreden. Der Taufakt war mit allem möglichen Pomp vor sich gegangen; Alles, was hoffähig, war zur Feier erschienen. Pastor Voigt hielt eine salbungsvolle Rede, der er den Gedanken zu Grunde legte, daß es nie zu spät sei, die Jrrtümer des Lebens zu erkennen. Nun war die wohlgelungene Feier vorüber und Jacob Schwarz saß behaglich in seinem Lehnstuhl, an seine Tochter Ricke denkend, ob sie ihm gratulieren werde. Bei seiner Frau, die ja längst mit ihm nichts gemein hatte, das wußte er ja, wird die bestehende Kluft noch klaffender werden, wenn sie auch — so kalkulierte er — aus eine gänzliche Scheidung im Interesse ihres Kindes nicht drängen werde. Sarah, die Gattin des Leibarztes, hatte sich seit vielen Jahren schon in den Hintertrakt des Schwarz'schen Palais zurückgezogen. Als sie sah, wie ihr Gatte das Gottesgesetz mit Füßen trat, alles Heilige verspottete, wollte sie mit ihm nichts mehr gemein haben und führte von den Erträgnissen ihres Privatbefitzes ein Leben wahrer Frömmigkeit und Hochherzigkeit. Wie oft vergoß sie bittere Tränen, weil sie sich von dem Lebensretter ihres Vaters betören ließ. — Sie war die Tochter