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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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masmssmmäs^i crwwpiwiKi UL'iwiirnnw Nr. 38 Dr. Mocb s Moebens. )rm. ^eüe 615 Singer und durch die bedeutende Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder, die zum Baue die Summe von mehr als 60.000 fl. aus Eigenem aufbrachten. An der Feier der Einweihung nahmen zahlreiche Deputationen benachbarter Kultusgemeiuden aus O l m ü tz teil. In den ersten Sitzreihen hatten die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, die Gemeindevertreter von Proßnitz mit dem Bürgermeister Dr. Horak an der Svitze, sowie Abgeordneter Skala Platz genommen. Nach einem Orgel-Präludium erfolgte die feierliche Schlußsteinlegung. Dr. Zweig, der Bürgermeister der Proßnitzer Jsraeliten- Gemeinde, hielt eine Ansprache, in welcher er die Geschichte des Baues rekapitulierte, in gehaltvollen Worten die Bestimmung des Baues auseinandersetzte und in herzlicher Weise Allen dankte, die durch ihr Zusammenwirken den Bau ermöglicht hatten, sowie Allen, welche zu dessen Schlußsteinlegung heute erschienen waren. Rabbiner Dr. Goldschmidt tat hierauf die ersten Hammerschläge. Ihm folgten die Vertreter der Behörden und der Gemeinde, sowie die Vorstände der Proßnitzer Jsraeliten-Gemeinde und Architekt Gärtner. Sie alle begleiteten dieselben mit Sprüche und Wünsche in deutscher Sprache; der Spruch Dr. Horak's erfolgte in tschechischer, jener des Vertreters des Gerichtes in lateinischer Sprache. Das Weihefest nahm dann seinen programmgemäßen Fortgang mit einer geistvollen Predigt des Rabbiners und schloß mit dem Kaisergebete und der vom Tempelchore gesungenen Volkshymne. Am Abende fand sodann beim Kultusvorsteher Meyer, der sich um die Vollendung des Baues große Verdienste erworben hatte, ein Festmahl statt, bei welchem es an zahlreichen schönen Trinksprüchen nicht fehlte. Leipnik. (Ein frommer Abtrünniger.) Der Gottesdienst im israelitischen Tempel in Leipnik mußte Samstag, am jüdischen Neujahrstage, um halb 8 Uhr morgens auf fünfzehn Minuten unterbrochen werden. Während dieser Pause forderte der Tempeldiener im Namen des Kultnsvorstehers Dr. Rokotnitz den Tempelbesucher Josef Pollack auf, das Gotteshaus zu verlassen. Als dieser der Aufforderung nicht nachkam, wurden die vor der Synagoge postierten zwei Gendarmen requiriert, durch die Herr Pollack aus dem Tempel geschafft wurde. Josef Pollack ist einer der fanatischesten Führer der Leipniker Tschechen, der infolge seines Auftretens in der Oeffentlichkeit schon mehrmals die Gerichte beschäftigt hat. Bis vor etwa drei Jahren war er Jude, was ihn aber nicht hinderte, in den umliegenden Dörfern den Boykott gegen die Juden zu predigen. Vor etwa drei Jahren ließ er sich wegen zu hoher Kultussteuer konfessionslos erklären. Seine Andacht verrichtete er aber dennoch an den hohen israelitischen Feiertagen während dieser Jahre im Tempel in Olmütz, wo man ihm einen Sitz verpachtete, weil man ihn für einen Juden hielt. Heuer aber wurde er in Olmütz abgewiesen, da man ihn inzwischen auch dort kennen gelernt hatte. Darum kaufte er von einer in Ostrau lebenden Leipnikerin einen Sitz im Leipniker Tempel und wollte denselben nunmehr benützen. Kultusvorsteher Dr. Rokotnitz, der das Recht eines Konfessionslosen, dem Gottesdienste im Tempel beiznwohnen, bestritt, ließ am äußeren Tempeltore schriftlich verlautbaren, daß Konfessionslosen der Eintritt verboten sei. Samstag abends und Sonntag vormittags patrouillierte Pollack vor dem Tempel und Sonntag versuchte er neuerdings, in den Tempel einzudringen, was ihm jedoch durch die vor dem Gotteshause aufgestellten Polizeiorgane verwehrt wurde. Nagy-Kanizsa. Der Großgrundbesitzer, Kommerzialrat Herr Leopold E l e k, Direktor des Nagy-Kanizsaer Kasinos, der Nagy- Kanizsaer Sparkassa und des Bankvereines, Obmann mehrerer Sektionen im Stadtrate, Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde rc., welcher vor kurzem in den Adelsstand mit dem Prädikate seines Besitztumes Ustiep erhoben wurde, war am Losell haschono als Sch’lischi zur Thora vorgerufen, wo er die hiesigen Wohltätigkeitsvereine mit reichlichen Gaben bedacht und zur sofortigen Verteilung an Arme einen namhaften Betrag gespendet hat. — Das Kasino wird demnächst die Erhebung seines langjährigen verdienstreichen Direktors durch ein Festbankett feiern. Drohobyez. Während des Aufenthaltes des Ministerpräsidenten in Drohobyez nahm auch an dem Empfange die Vertretung der hiesigen jüdischen Gemeinde teil. Der Kultusvorsteher Herr E. F e u e r st e i n begrüßte den Ministerpräsidenten im Namen der Kultusgemeinde, worauf Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. M a r g u l i e s an den Ministerpräsidenten eine herzliche Ansprache hielt. Der Ministerpräsident gab seiner Freude Ausdruck, daß in unserer Stadt die verschiedenen Religivnsgenossenschaften Hand in Hand an der wirtschaftlichen Hebung arbeiten, was nur von Nutzen sein kann. Es freue ihn, aus dem Munde des Rabbiners zu vernehmen, daß es der Judenheit, die in der Tat stets treu und gewissenhaft ihre Pflichten als Bürger erfüllt, hier gut ergeht, und er bitte fernerhin, friedlich und gemeinschaftlich mit der anderen Bevölkerung zu arbeiten. Brüx. Dem israelitischen Religionslehrer am hiesigen Gymnasium, Herrn Rabbiner Dr. Bia ch, wurde der Titel „Professor" verliehen. Klattau. Am 7. August kam der Intendant aus Pilsen nach Silberberg (Ellischau), mn die Fleischlieferung für das durchziehende und in der Gegend zu dislozierende Militär zu vergeben. Die Lieferung übernahmen die Herren Leopold Ofner, Fleischhauer in Zamlekan und Karl Maxa, Fleischer in Silberberg. Der Letztere kam zu dem gräflich Taaffe'schen Verwalter Herrn Wenzel Born nach Kolinec mit der Frage, ob er nicht Vieh zu verkaufen hätte. Als der Verwalter erfuhr, zu welchem Zwecke Maxa das Fleisch brauche, sagte er vor mehreren Zeugen: „Mit Juden geht man nicht in Kompagnie; alle Juden sind Schwindler!" Herr Ofner fühlte sich durch diese Aeußcrung gekränkt und klagte den gräflich Taaffe'schen Verwalter beim zuständigen k. k. Bezirksgerichte in Planitz. Bei der Verhandlung am 2. d. M. bestätigten sämtliche Zeugen, daß Herr Born sich obiger Insulte bedient habe. Ter Einzelrichter, Herr Sekretär Hartmann, bemühte sich sehr, einen Ausgleich zustande zu bringen, was ihm auch gelang. Herr Verwalter Born widerrief seine Aussage, leistete Herrn Ofner Abbitte und bezahlte alle Gerichtskosten. Düsseldorf. Unter großer Anteilnahme der Gemeinde, der Behörden und der andern Konfessionen wurde die von Professor Kleesattel erbaute prächtige neue Synagoge eingeweiht. Am Eingang begrüßte im Namen des Gemeindevorstands Herr L e v i s o h n die geladenen Teilnehmer und Dr. Mayer trug die Baugeschichte vor. Darauf öffnete Oberregierungsrat v. Walter mit einem goldenen Schlüssel das Gotteshaus, worin alsdann der erste Gottesdienst vor sich ging. Strahbnrg. Von einem Falle klerikaler Intoleranz bei einem israelitischen Begräbnis in dem oberelsässischen Orte F e l l e r i n g e n wissen die Blätter folgendes zu berichten: Als in dem Hofe des Sterbehauses die Trauerfeier für eine israelitische Frau von dem Rabbiner am Sonntag zur Zeit des katholischen Gottesdienstes abgehalten wurde, erschien am Eingänge des Hofes der katholische Priester im Ornate und forderte die bei dem Begräbnis zahlreich anwesenden Katholiken mit lauter Stimme auf, den katholischen Gottesdienst zu besuchen. Aus der Versammlung wurden Kundgebungen der Empörung über diese taktlose Störung des israelitischen Gottesdienstes laut. Breslau. (Neuerliche Judenkrawalle in Rußland.) Die „Schlesische Zeitung" meldet aus Kattowitz: In dem benachbarten Grenzorte Sosnowice entstanden am jüdischen Neujahrsfeste Judenkrawalle. Junge Bursche bewarfen die Juden bei einer von ihnen vorgenommenen Zeremonie mit Steinen, wobei ein Kind leicht verletzt wurde. Dadurch ist das Gerücht entstanden, die Juden hätten ein Kind getötet. Abends durchzogen Arbeitergruppen die Straßen und zertrümmerten die Fensterscheiben der jüdischen Wohnungen und der Synagoge. Mehrere Juden wurden durch Sleinwürfe und Messerstiche verletzt. Zehn Exzedenten wurden verhaftet. Feuilleton. Das letzte K »1 IXidraj*) **) Aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt von R. H. Das düstere und rätselhafte Licht einer großen, in einem mit Sand gefüllten Mörser stehenden Wachskerze, deren flimmerndes Licht sich mit den zitternden Flämmchen vier kleinerer Stearinkerzen vereinigte, erleuchtet ein kleines, doch reinliches Stübchen des blinden Meschorer**) Jankiel. In dem Stübchen herrscht jene majestätische feierliche Stille, die selbst dem Gange des Zeigers der alten hölzernen Uhr Halt gebietet, und aus der krankhaften Brust des hier sterbenden Greises vernimmt man ein leises ängstliches Stöhnen, welches die kaum hörbaren Seufzer des jungen am Bette fitzenden Sohnes Abraham übertönt. Jankiel ist durch ein unheilbares Leiden und dessen brutalem Verlauf seit fast einem Jahre ans Bett gefesselt und erwartet ungeduldig den einzigen Erlöser — den Tod — denn er glaubt unumstößlich, daß der Tod eine Erlösung, daß mit demselben für die Tugendhaften und Frommen ein neuer Frühling, ein durch nichts getrübtes neues Leben beginne, voll Sonne, -Wahrheit und Licht! Denn er hat seit 40 Jahren — seit 40 wie die Ewigkeit langen Jahren das Licht der Welt nicht gesehen — er *) Rituelles Lied, gesungen am Vorabend des Versöhnungstages. **) Synagogenchorsänger.

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