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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Llocb's WocvenscbrM. Seite 609 Dichter an, daß er von Hohenzollerns Aar gesagt, es möchten ihm die Nägel beschnitten werden, da er so viel zusammengerafft hätte. Da meinte Bismarck: „Hat denn Heine so unrecht gehabt?" Können wir leugnen, daß der Rechtstitel Friedrichs des Großen aus Schlesien nicht einwandfrei war?" Man klagte Heine an, daß er Napoleon I. verherrlicht. „Ich kann es ihm nicht verargen", meinte Fürst Bismarck. „Ich hätte, wäre ich an seiner Stelle gewesen, kaum anders gehandelt. Hätte es mir, wenn ich wie Heine als Jude geboren wäre, gefallen können, daß man um 8 Uhr abends die Tore der Judenstadt abgesperrt, überhaupt die Juden unter die schwersten Ausnahmsgesetze gestellt hat? Ein Heine muß naturgemäß in dem Manne, der die französische Gesetzgebung in die Rheinlande brachte, die Ausnahmegesetze insgesamt aufhob, einen Erlöser von martervollem Drucke preisen." Am Schluffe des Vortrages bemerkte der Fürst: „Und vergessen die Herren denn ganz, daß Heine ein Liederdichter ist, neben dem nur noch Goethe genannt werden darf und daß das Lied gerade eine spezifisch deutsche Dichtungsform ist?" So konnte sich denn Fürst Bismarck mit vollster Ueberzeugung auf die Seite der Kaiserin Elisabeth stellen und für die Errichtung eines Heine-Denkmals eintreten. Das Vorurteil erwies sich freilich stärker, als selbst eine Kaiserin und ein deutscher Reichskanzler. „Heine", bemerkte Dr. v. Rottenburg, „hat — traurig genug — noch heute nicht sein Denkmal in Deutschland, und das ihm in New-Iork aufgerichtete ist von schnöden Buben nächtlicherweise beschädigt und besudelt worden." Verband der Korporationen jüdischer Emigranten aus Galizien und Bukowina in New-Hork. Herr Dr. S. N e u m a n n, 58 E. 7. Str. aus Ncw-Iork, schreibt der „Oesterr. Wochenschrift" : New-Iork besitzt gegenwärtig 80.000 bis 100.000 galizisch-bukowinische Juden, die trotz ihrer Intelligenz und ihrem sittlichen Werte infolge mangelhafter Bildung und Indolenz aus den unermeßlichen Hilfsquellen ihres neuen Vaterlandes und aus der absoluten politischen Gleichberechtigung einen im Vergleiche zu ihrer Zahl lächerlich geringen Nutzen ziehen. Dabei werden sie sogar von den aus anderen Ländern stammenden Juden über die Schulter angesehen, als minderwertig betrachtet. Die jüdischen Jargonblätter, die hier einen kolossalen Machtfaktor bilden, unter deren Mitarbeitern sich weltbedeutende Dichter und Denker — ich erinnere an Morris Roseufeld — befinden, liegen in den Händen der russischen Juden, die sie meist rücksichtslos im Partikularistischen Sinne führen. Während Juden aus anderen Ländern sich in großem Perzentsatze zu allerlei hohen privaten und staatlichen Stellungen emporarbeiten, sind unsere aus Ostösterreich kommenden Glaubensbrüder mit wenigen Ausnahmen Insassen der berüchtigten „sweatshops“, erwerben Kapitalien für Andere und leben in ihrer Mehrzahl in einer äußeren Not, die jeder Beschreibung spottet. Die Bilder des Elends, die ich bei Ausübung meines Berufes täglich wiederholt sehe, stellen alle Schilderungen, die ich über jämmerliche Zustände irgend einer unterdrückten und verelendeten Klasse gelesen habe, weit in den Hintergrund und machen mein Herz in ohnmächtiger Hilssbegehr zucken. Zu diesen hierortigen so traurigen Zuständen — Ausnahmen beweisen nichts — kommen von Zeit zu Zeit wie Blitzschläge die periodischen Brände in Galizien, an denen der in New-Dork lebende galizische Arbeiter durch seine daheim gebliebene Familie, durch seine Eltern und Geschwister direkt in Mitleidenschaft gezogen ist. In letzterer Sache habe ich ganz spezielle Erfahrung. Vor elf Monaten am Kol nidre-Abend kam in das improvisierte Bethaus, wo die Mitglieder des Monasterzyskaer Vereines zur Andacht sich versammelt hatten, die Bombe hereingeplatzt: „Monasterzyska ist eingeäschert, fast alle Häuser und Hütten der armen jüdischen Bevölkerung, die Synagogen mitsamt den Thorarollen find weggefegt, Männer, Frauen und Kinder wälzen sich notdürftigst bekleidet im Freien." Die Verzweiflung der armen Teufel, die schwer genug an der eigenen Kette schleppen, läßt sich leicht vorstellen. Am Abend nach llom-Kippur organisierte sich ein New- Aorker Hilfskomitee, welches mich als Präsidenten, „Chairman”, berief. Nach dreimonatlicher Tätigkeit konnten wir etwas über 9000 Kronen nach Monasterzyska senden, aber der Betrag stand ganz außer Verhältnis zu unseren eigenen Opfern und zur aufgewandten Mühe, insbesondere da die jüdische Presse — in russisch-jüdischen Händen — uns im Allgemeinen wenig wohlgesinnt ist. Beim Brande von Buczacz war das Ergebnis rastloser Arbeit ein ähnliches. Die Zustände schreien nach Abhilse. Zusammen mit Herrn Pfeffer, einem der intelligentesten und tüchtigsten jüdischen Journalisten in New-Iork, der im sonst russisch-jüdischen „Jüdischen Tagblatt" eine leitende Rolle inne hat und der als geborener Galizianer mir bei der Aktion für Monasterzyska wesentliche Dienste geleistet hatte und zusammen mit anderen von gleicher Liebe und Begeisterung für unser Volk getragenen Männern arbeiteten wir den Plan aus, die vielen Hunderte galizischen Vereine, in denen der galizische Jude sich gegen die Riesen-Weltstadt und ihr öffentliches Leben absperrt und sein kleinstädtisches Dasein von daheim gewissermaßen fortsetzt, zu einer großen Organisation zu vereinigen, deren Tätigkeitsfeld die im weitesten Sinne verstandenen Interessen der Galizisch-Bukowinaer Juden, sei es in Amerika, sei es in ihrer alten Heimat, umfassen sollte. Unsere Solidarität mit den Brüdern aus andern Ländern bleibt nach unserer ausdrücklichen öffentlichen Erklärung unberührt und ist uns deren Sympathie und Mitwirkung durch Eintritt in unsern Verband sehr erwünscht. Der Plan hatte überraschenden Erfolg, unser Ausruf wirkte wie der Funke auf ein Pulverfaß, die veranstaltete, Konvention wurde sogleich von 51 Vereinen mit einer Mitgliederzahl von etwa 12.000 beschickt und unter den Delegaten herrschte einmütige Begeisterung und der feste Wille, den Schlummer aus den Augen;,n wischen und die Schlafenden zu wecken. Am 24. Juli d. I. — dieser Tag wird hoffentlich denkwürdig bleiben in der Geschichte der Juden New-Horks — wurde aus den erwähnten Vereinen der Verband gegründet, dreißig Vereine haben sich seither angeschloffen, andere Vereine warten, bis die Feiertage vorüber sein werden. Wir von der Exekutive — in der Konvention am 24. Juli gewählt — versammeln uns jede Woche, die Vertreter der Vereine — für jeden Verein Einer, „Direktor" genannt — einmal in zwei Wochen. Die Direktorenversammlungen sind öffentlich und Gäste als Zuhörer willkommen. Ich hätte gewünscht. Sie, verehrter Herr Doktor, wären vorgestern (17. August) bei unserer ersten Direktoren- Versammlung anwesend gewesen, Sie hätten uns Ihre Anerkennung gewiß nicht versagt. Der Verbandspräsident publizierte ein Programm in der Form einer Proklamation, welches in warmer eindringlicher und recht verständiger Sprache die Notwendigkeit und den Segen der neuen Vereinigung klar auseinandersetzt und zu gemeinsamer Hilfsarbeit auffordert. Die derzeitigen Beamten des Vereines sind: I. Pfeffer, President 2 Clinton Street. Dr. S. Neumann, Ist Vice-Pres. 58 East Seventh Street. D. Salpeter, 2d Vice-Pres. 124 Second Street. C. Luttwak, Ein. Sec’y, 310 East 4th Street. M. Reich, Ree. Sec’y- 10 Pitt Street. M. W. Schorr, Treasurer, 111 Cloerck Street. Comptroler, Dr. A. D. Lindemann, 154 Ri vington Street. Trustees, I. D ub l i r e r, 4 Clinton St., S. Kammerling, 188 Broome St., A. Hellman, 41 Bleecker St. Sollen und dürfen Juden mit Gegenständen fremder Kulte Handel treiben? Diese Frage bildete schon lange Zeit vor der Entstehung des Christentums, als es noch auf dem ganzen Erdenrund außer dem jüdischen nur heidnische Kulte gab, einen Gegenstand gründlicher und weitläufiger Erörterungen seitens der jüdischen Gesetzeslehrer. Ihre diesbezüglichen Aussprüche, Meinungen und Auseinandersetzungen bilden den Inhalt eines ganzen Talmudtraktates, der den Namen Aboda-sarah (fremder Kult) trägt. Ein christlicher Gelehrter hat diesen Traktat ins Deutsche übertragen und ihn dadurch für jedermann zugänglich gemacht. Gleichwohl wird es selbst unter den Juden nur wenige geben, die mit dessen Inhalt vertraut sind. Darum will ich hier in diesem vielgelesenen Blatte wenigstens die wesentlichsten Punkte hervorheben und zur allgemeinen Kenntnis bringen.

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