Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 38 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 608 Dr. Llocv's Mocbenscbrttl. Kr. 88 Also die eine Rückendeckung, und was das Uebrige betrifft, so ist vorauszusetzen, daß weder der „russische Zar", noch der legendäre Rothschild dem „Korrespondenzblatt für den katholischen Klerus" eine Berichtigung auf Grund des § 19 des österreichischen Preßgesetzes zuschickcn werden. Und so tut denn die Geschichte ihre gewünschte Wirkung. Herr Dr. Schacher hat seinen Lesern die Mordgeschichte erzählt und es liegt absolut kein Grund zu der Annahme vor, daß sie ihm nicht glauben werden. Wh. Der amerikan sche Jude als Soldat. Mark Twain, der auch in Deutschland populär gewordene amerikanische Humorist und Essayist, läßt sich in einem siiner Werke auch über die amerikanischen Juden aus und spricht über die amerikanischen Israeliten als Soldaten in nachstehenden Ausführungen: Als ich kürzlich die offiziellen Statistiken der Vereinigten <Stai tat durchblätterte, fand ich, daß die Juden zu dem Bürgerkriege, dem Feldzug von 1812 und dem Mexikanischen Kriege viele Soldaten und hohe Offiziere gestellt Halen. Im Bürgerkriege kämpften sie im Heere und auf der Flitte, sowohl auf Seiten der Nordstaatcn, als auch auf der der Südstaaten, und zwar beteiligten sie sich nüt zehn Perzert ihrer numerischen Stärke an diesen Kämpfen, also mit demselben Perzentsatz, den die christlichen Amerikaner stellten. Die Tatsache sagt mehr, als sie zu sacen scheint; sie sagt klar und deutlich, daß der Patriotismus der Juden noch den der Christen übertraf. Denn wenn ein christlicher Freiwilliger ins Feldlager kam, so wurde er mit Beifall und Freudensbezeugungen begrüßt, während der Jude gewöhnlich beschimpft und beleidigt wurde. Man wünschte seine Gesellschaft nicht und ließ ihn das deutlich genug fühlen. Daß er trotzdem seinen verwundeten Stolz bezwang und sein Blut trotzdem für seine Fahne darbrachte, erhebt seinen Patriotismus über den des Mittelmaßes heraus. Im Felde hat er, wie irgend ein anderer Soldat, Fähigkeiten, Treue und Tapferkeit gezeigt. Das gilt von jüdischen Soldaten, wie von jüdischen Offizieren. Major — General O. O. Howard spricht von einem seiner jüdischen Stabsoffiziere in Ausdrücken wie: „der tapferste und beste"; un.« von einem anderen, der bei Clancellovsville getötet wurde, sagt er: „er war ein treuer Freund und ein tapferer Offizier". Ebenso lobt er zwei s iner jüdischen Brigadiers. Schließlich sagt er noch: „Es gibt in der Tat keine Soldaten, die mehr Patriotismus zeigen, als die hebräischer Abkunft, ob sie nun in höherer Stellung waren oder als gemeine Soldaten dienten". Vierzehn jüdische Familien schickten allein 51 Soldaten in den Krieg, unter diesen war ein Vater mit drei und ein Vater mit vier Söhnen. War Wagner jüdischer Abkunft? Das „Jewish Chronicle" wirft die schon früher einmal erörterte Frage auf, ob der Verfasser des „Judentum in der Musik ' jüdischer Abkunft gewesen sein könnte, und es findet diese Frage in dem neu erschienenen Buche von James G. Huneker „Over-Tones" bejahend beantwortet. In dem Kapitel des genannten Buches, welches „Parsifal" betitelt ist, heißt es: En berühmter Wagner-Dirigent, der kürzlich in New- Dorkgewesen sei (Mott l?), habe dort seinen Freunden erzählt, er habe in der Billa Wahnftied die handschriftliche Selbstbiographie Wagner's gesehen, welche erst nach Ablauf einer gewiffen Frist veröffentlicht werden dürfe, und darin gebe Wagner zu, der Sohn Ludwig Geyer's zu sein, welcher Maler, Dichter, Dramatiker, Komponist, Schauspieler und Regisseur — kurzum ein allseitig begabter Mann war, und dieser Ludwig Geyer war jüdischer Abkunft. Dann wird auch Nietzsche angeführt, der etwa im Jahre 1887/88 geschrieben haben soll, Wagners Vater sei der Schauspieler namens Geyer gewesen. Außerdem wird der Wagner-Biograph Henry D. Finck als Zeuge dafür angeführt, daß in der Villa Wahnfried wohl ein Portät von Wagners Mutter und von Ludwig Geyer zu sehen sei, aber keines von dem Leipziger Polizeiaktuar Wagner, der als Vater des großen Musikers gilt. Heinrich Heine und die Stadt Köln. In der „Kölner Zeitung" lesen wir: „Die Rheinländer sind im allgemeinen nicht nur sehr dichterisch veranlagt, denn es werden wohl kaum irgendwo anders so viele Verse gemacht wie an den Ufern des Rheins, sondern sie sind auch überaus willig, den kleinsten Lokalpoeten üppige Lorberkränze zu reichen. Aber nur ihrem weitaus größten Dichter, der wie kein anderer den Ruhm des Rheins in die Welt gesungen hat, will es immer noch nicht gelingen, so recht bei seinen Landsleuten in Ehren zu kommen, obwohl er schon längst im Grabe ruht, was menschlich schwach an ihm war, niemanden mehr ärgert und der große künstlerische und kulturgeschichtliche Wert seiner Erscheinung von Tag zu Tag in glänzenderes Licht tritt. Wir meinen Heinrich Heine, den Vielgepriesenen und Vielverfolgten. Hat da die Stadt Köln irgendwo in der Neustadt ein Viertel zu einer Art Dichterwinkel eingerichtet, in dem man Gellert, Uhländ, Eichendorff, Freiligrath, Kinkel und anderen deutschen Poeten durch Straßenbenennungen eine kleine Ehrung erweisen will. Da war nun eine neue Querstraße zu benennen und die Stadtverwaltung kam auf den Gedanken, es wäre nicht vom Uebel, wenn man sich bei dieser Gelegenheit auch einmal nüt Heinrich Heine abfände. Ein Zentrumsmitglied machte dagegen in der Sitzung den Vorschlag, angesichts des Umstandes, daß gerade in dieser Straße ein israelitisches Krankenhaus errichtet werden solle, die Straße nach dem berühmten Naturforscher Professor Röntgen zu benennen. Auf eine Anfrage, ob man etwa an dem Namen Heines, der doch besser in das Dichterviertel passe als der Röntgens, Anstoß nehme, antwortete der Zentrumsredner, er habe Heines Name überhaupt nicht genannt, er übe nur das Recht jedes Stadtverordneten aus, eigene Vorschläge machen zu dürfen. Darauf sttmmten die Zentrumsmitglieder der Stadtverordnetenversammlung geschloffen für die Benennung Röntgenstraße. Daß es nun gerade wieder Heinrich Heine war, der diesmal sogar dem Umstande weichen mußte, daß in der Straße, die man nach ihm benennen wollte, ein israelitisches Krankenhaus zu stehen kommt, das ist allerdings eine wunderliche Ironie' des Schicksals. Der große Düsseldorfer Judensohn hat nun einmal Pech in seiner Heimat, die er so sehr geliebt und zu deren Ehren er so viel getan hat. Ueber Geschmack und persönliche Rechte ist 'freilich nicht zu streiten, und das Kölner Zentrum hat ja auch nur für den durchaus würdigen, hochberühmten Gelehrten Röntgen Sympathien gezeigt, aber mit keiner Silbe irgend etwas geäußert, was auf Mißgunst gegen Heinrich Heine schließen ließe. Nur die Israeliten mit ihrem Krankenhaus tragen natürlich die Schuld an seiner Zurücksetzung!" Aus einem Interview, das ein Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" mit dem langjährigen Mitarbeiter des Fürsten Bismarck, Geheimer Rat von Rottenburg, der bekanntlich lange Jahre hindurch Chef der Reichskanzlei unter dem ersten Reichskanzler war, in diesen Tagen in Norderney hatte, erfährt man jetzt zum ersten Male etwas Authentisches über die Stellung des Fürsten Bismarck zu dem Dichter. In der Zeit, als der Streit um das Heine-Denkmal in Deutschland tobte, wendete sich die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich an den Fürsten Bismarck mit der Bitte, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß das Denkmal in Heines Vaterstadt Düsseldorf errichtet würde. Die Majorität des Düsseldorfer Stadtrates, aus klerikalen Zentrumsleuten bestehend, hatte ihr Votum gegen das Denkmal abgegeben. Ein Mitglied dieser Mehrheit übersandte dem Fürsten Bismarck eine anonym verfaßte Denkschrift, in welcher der Protest gegen das Heine- Denkmal des langen und breiten motiviert war. Der Fürst bat Rottenburg, dies Memorandum durchzulesen, und dieser trug ihm dann die wesentlichsten Punkte desselben vor. Man klagte den