Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 Teltsch. In unserer Kultus gemeinde wurde am 2. September ein seit vielen Jahren ersehntes, mühevoll hergestelltes Werk feierlichst gekrönt. Die neuerbaute Synagoge stand endlich als beachtenswertes zierliches Gebäude der altertümlichen Stadt Teltsch vollendet da und konnte beim Abendgottesdienste feierlichst eingeweiht werden. Dr. M. L. Stern, Rabbiner für Triesch und Teltsch, hielt die Festrede, in welcher auch der andersgläubigen Bewohnerschaft der Stadt manch schmeichelhaftes Wort gewidmet war. Er gab auch der Ueberzeugung Ausdruck, daß das weithin sichtbare Gotteshaus als Zeuge der israelitischen Gottesverehrnng uns die Herzen der andersgläubigen Bevölkerung noch näher bringen werde. Großen Beifalles hatte sich der Damenchor unter Leitung des Herrn Kantors Freid zu erfreuen. Um die gelungene Ausführung des schönen Baues machte sich der gesamte Kultusvorstand mit Herrn Kultusvorsteher Ludwig Herrmann und Baurat Frischer verdient. Beim Entzünden des ewigen Lichtes hielt der Kultusvorsteher eine Ansprache. Feuilleton. Glanzende Kähnen. Skizzen aus dem Leben unbedeutender Menschen. Von R. M. Chm. Uebersetzt von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) Nach einem Monat war ich glücklicher Bräutigam der ungewöhnlichen Maid und auf Anraten meines Schutzgeistes, Frau Cypkin, borgte ich auf einen Wechsel die Summe von vierhundert Rubel, um meiner Braut ein Paar Brillantohrringe zu kaufen. Auf dieselbe Weise verschaffte ich mir noch tausend Rubel zur Einrichtung, denn „man kann doch ein Fräulein, das gewohnt ist, u. s. w. nicht in einen Stall hereinführen." „Was fürchten Sie denn eigentlich?" sagte Frau Cypkin. „Das Wort von Herrn Katz ist lauteres Gold. Jsabella's Mitgift wird Ihnen am Hochzeitstage eingehändigt werden." Indessen herrschte an diesem feierlichen Tage solch' ein Trubel im Hause, mein Schwiegervater war so aufgeregt und beweinte sein Kind, seinen Stolz, seinen Schatz so laut, daß man ein hartherziger Verbrecher hätte sein müssen, um in diesem Augenblick mit dem unglücklichen Vater von vergänglichen weltlichen Gütern zu sprechen. Ich bin kein hartherziger Verbrecher und schwieg. Später erklärte er mir, seine Geschäfte seien augenblicklich in's Schwanken geraten, doch sei dies eine Dummheit, ich könne ruhig schlafen, das Geld sei so sicher, als hätte ich's in der Tasche. Unter solchen Auspizien gründete ich eine Häuslichkeit. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß ich erwähnen, daß meine Gattin in den ersten zwei Monaten unseres Beisammenseins mir die heißeste Liebe entgegenbrachte. Nicht einen Augenblick wollte sie sich von mir trennen; wenn ich zu meinen Patienten über's Land fahren mußte, weinte sie bitterlich. Nachdem jedoch der Honigmond vorüber, zeigte sie sich mir in ihrer ganzen Herrlichkeit. Der erste Auftritt zwischen uns fand eines Mittagessens halber statt. Erfroren und hungrig wie ein Wolf war ich vom Lande heimgekehrt und erfuhr zu meinem Schrecken, ein Mittagessen sei nicht vorhanden, da die Gnädige sich mit der Köchin gezankt und Letztere aus dem Dienst entlassen habe. „Ich kann mir doch unmöglich von der ersten, besten Bäuerin Grobheiten bieten lassen." „Sicherlich nicht, meine Liebe. Nur hättest Du in diesem Falle selber etwas vorbereiten sollen." „Ich bitte um Verzeihung, habe nicht kochen gelernt. Wenn Euer Gnaden eine Köchin zur Frau wünschten, so hätten Sie Ihre Wirtin heiraten sollen; die hat, wie es scheint, Ihnen vorzüglich zu essen gegeben." „Die hat alles vorzüglich gemacht, und Du hättest Manches von ihr lernen können." Auf solch' eine Antwort war sie nicht vorbereitet, und um Aehnlichem. in Zukunft vorzubeugen, bekam sie Weinkrämpfe, deren eine wirkliche Dame sich nicht hätte zu schämen brauchen. Sette 601 Was mich jedoch anbetrifft, so hatte sie sich getäuscht. Ich begriff, daß hier die geringste Nachgiebigkeit genügen würde, um mich vollends unglücklich zu machen, und rührte mich daher, trotz Jsabella's Stöhnen, Schluchzen, Krämpfen, wildem Lachen, Händeringen und Jn-Stücke-Reißen ihrer Kleidung — nicht vom Fleck. Wenn ich diese Frau geliebt hätte, es wäre mir nicht möglich gewesen, diesen Gleichmut zu bewahren, und war' ich dessen, daß das Ganze eine gut gespielte Komödie war, auch noch so sicher. Während sie sich aber in scheinbaren Krämpfen wand, war mir, als ich sie anblickte, zu Mute, als sei mir eine Binde von den Augen gefallen. Und plötzlich ward mir alles klar ... ich wußte jetzt, daß ich diese Frau niemals geliebt, daß mein Herz einer anderen gehörte, jenem keuschen, wunderbaren Mädchen, das ich so mitleidslos von mir gestoßen, so grausam verletzt hatte. Ich erschrak vor meiner in Verblendung begangenen Handlung und schwor mir zu, Dinah nicht mehr zu sehen, und allen gegen meine Gattin übernommenen Pflichten getreulich nachzukommen. Aber was wollen unsere guten Vorsätze sagen! Der alte Uhrmacher wurde krank, ich besuchte ihn täglich, und wieder brachte ich, wie einst, ganze Stunden in Dinah's Gesellschaft zu. Sie war magerer geworden . . . Der Schmerz hatte ihrem schönen Antlitz einen durchgeistigten Ausdruck verliehen, aber dieses einfache Mädchen verstand es, ihr Leid mit Würde zu tragen. Sie pflegte ihren kranken Vater und vertrat ihn im Laden, wo sie musterhafte Ordnung hielt. Für mich hatte sie, wenn ich kam und ging, stets ein dankbares Lächeln, niemals jedoch erwähnte sie den Namen meiner Frau. So verfloß der ganze Winter, und als der Frühling ins Land kam, starb der alte Wolf. Obgleich ich Dinah aus die Möglichkeit einer Katastrophe vorbereitet hatte, traf sie der Schlag mit unendlicher Härte. Niemals hätte ich gedacht, daß sie, die sonst so Ruhige, Zurückhaltende sich solchem Ausbruch der Verzweiflung hingeben würde. Laut jammernd warf sie sich über den lebsosen Körper ihres Vaters, und Jeden, der sich ihr nähern wollte, stieß sie fort. Dann jedoch beruhigte fie sich in unglaublich kurzer Zeit, vermietete ihr Häuschen und fuhr nach Kiew. Von mir verabschiedete sie sich auf sehr kühle Weise; nach einigen Wochen jedoch erhielt ich einen Brief, in dem sie mir mitteilte, sie sei in ein Putzgeschäft eingetreten und hoffe binnen zwei Jahren ihre Kunst gründlich erlernt zu haben. Nach Verlaus dieser Zeit kehrte sie nach Zagnansk zurück. Sie war ebenso schön wie früher, und hatte sich obendrein in geistiger Beziehung sehr gut zu ihrem Vorteil entwickelt. Sie richtete sich wieder in ihrem Häuschen ein, eröffnete daselbst ein Modewarengeschäft, und hatte binnen Kurzem alle Damen der Stadt zu Klientinnen. Madame Dinah war in Zagnansk eine „Persönlichkeit" geworden. Mittlerweile gestaltete sich mein Leben immer schlimmer. Wäre Jsabella eine echte Frau, und nicht die Karikatur einer Weltdame gewesen, — ich hätte meine Lage noch ertragen. Aber nicht das war es. Sie hat es sich gleichsam zur Aufgabe gestellt, jeden Augenblick unseres Daseins zu vergiften. Durch die Kinder, (wir haben zwei Knaben) ist sie noch gereizter geworden. Ewig in übler Laune, ewig stöhnend, ewig ihr Schicksal beklagend, gegen die Dienstboten hoffärtig, in Kleinigkeiten ehrgeizig, — quält fie sich und Andere. Im Hause herrscht Unordnung; die Kinder sind kapriziös und unsauber, ihre Kleidung abgerissen. Sie selber liegt entweder tagelang auf dem Kanapee und liest dumme Romane, oder aber fie geht zu Besuch zu unserer Wohltäterin, Frau Cypkin, und macht ihrem Herzen Luft, indem fie über meine Tyrannei klagt. Ich versuchte es, fie in die christliche Gesellschaft einzuführen. Ihre eingebildete Sprache, ihr Selbstbewußtsein, ihre Schärfen riefen anfänglich Erstaunen hervor, bald jedoch hörte man aus, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Sie sah ein, daß fie sich blamiert hatte, und in ihrer Eigenliebe gekränkt, brach sie den Verkehr ab. Seit damals jedoch quält fie mich noch mehr. Jeden Augenblick höre ich. „Ein Mann, der für seine Frau die Achtung der Leute nicht zu er- Dr. Dlocb's Mocbenscbrm.