Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 602 Dr. Dlocb's Moedenscbrtkt. Nr. 87 zwingen versteht, ist eine Null". Gewöhnlich laste ich solche Bemerkungen schweigend an mir vorübergeh"n. Manchmal jedoch erwidere ich: „Nicht um den Mann handelt es sich hier. Wenn man eine Frau nicht achtet, so versteht sie es eben nicht, Achtung einzuslößen: wenn sic nicht gesällt, so versteht sie nicht, Interesse zu erwecken." Aus solchen Gedankenaustausch folgt gewöhnlich Stillschweigen und Schmollen, und dauert eine Woche, zwei, einen Monat. Plötzlich, ganz unverhofft, erscheint meine Frau eines Tages in meinem Kabine t und erklärt z. B., im Klub bereiten die Mitglieder eines Licl )abertheaters eine Vorstellung vor. „Ist mir gleich gilt >.g." „Aber ich will dab'i sein." „Nun, warum denn nicht." „Es langweilt mich, allein zwischen den vier Wänden zu sitzen." Selbstverständlich bin ich vorsichtig genug, um jeden Widerspruch zu vermeiden. „Du hörst, was ich sac:?" „Ich höre." „Warum antwortest Du mir also nicht?" „Weil ich es vicht für notwendig erachte." „Ach so! Uebr'.gens ist mir das einerlei ... Ich wollte Dir nur sagen, daß ich nichts anzuziehev habe." „So lass Dir ein Kleid machen d lautet meine mit Achselzucken erteilte Antwort. „Ich kann nicht in Fetzen g hen", erwidert sie, als hätte sie meine Worte gar nicht gehört. „Das hat Niemand von Dir verlangt, aber was willst Du eigentlich von mir? Ich bin doch keine Schneiderin und kann Dir kein Kleid anfcrtigen." „Im Hause meines Vaters waren die Dienstmädchen bester angekleidet als ich", fährt sie fort, die Taube zu spielen. Nun beginne ich die Gedu'd zu verliere:- und mache ihr die ziemlich boshafte Bemerkung, verhältnismäßig zu dem Vermögen, das sie von ihrem liebei Vater mitbekommen, sei ihr Anzug noch ein sehr anständiger. Das w> r es, was sie eigentlich gewollt hatte. Nun sie ihr Ziel erreicht, -ntseht ein entsetzlicher Skandal. Die Frau verschwindet, es bleibt nur die wütende Furie. Ich bedarf einer übermenschlichen Selbstbeherrschung, um mich auf meine zärtliche Lebensgefährtin nicht zu stürzen und sie nicht in Stücke zu reißen. Mit aller Kraft suche ich mir die letzten Erinnerungen an die Gebote von Anstand und Würde zu vergegenwärtigen, ich beiße die Zäk re zusammen, um nicht zu schreien, und sage: „Du weißt ja, daß ich beschäftigt bin. Lass mich in Ruhe. Ich muß arbeiten, um Dich und die Kinder zu ernähren." Sie schluchzt jämmerlich. „Er treibt mich hinaus! Ein Ungeheuer! Ein Verbrecher! Ich will mit Dir nicht leben! Ich gehe z. meinen Eltern zurück!" (Schluß folgt.) ptawtar. Zu« Andenken an Moriz Lnzaens. Zum 15. d. M-, als dem Geburtstage des verstorbenen Geheimrates Professor M. Lazarus, erscheint in dem seit 1755 bestehenden Verlag von A. Dürr in Leipzig eine zirka 7—8 Bogen starke Abhandlung vom Herrn Alfred Leicht in Meissen „Lazarus derBegründer der Völkerpsychologie", in welcher zum e r st e n Mal auf Grund authentischen Materials (Dokumente, Briefe re.) genau und gründlich, sachlich und wissenschaftlich festgestellt wird, daß Gedanke und Tat der B rgründung der Völkerpsy hologir von Lazarus stammt. Die V. Auflage der „Ethik' mit einigen Begleitwarten ist soeben in Druck gegeben ' orden. Briefkasten. Earid. Theol. Die Frage, ob einem Juden vom Religionsgesetze gestattet ist, auf die Jagd zu gehen, behandelt Rabbiner Jecheskel Landau lesebubotb des Noda bi’ Jehuda II, 10, zitiert in Pith’che Teschubah Joreh Deah, 28 unter Ziff. 10. W. N. Theodor M o m m s e n hat das von Ihnen zitierte Wort in einem Briefe an Hermann Bahr gebraucht. Er schrieb wörtlich: „Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, daß man da überhaupt etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer und immer wieder gegen die ungehörige Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst. Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Haß und den eigenen Neid, auf die schändlichen Instinkte. Alles Andere ist ihnen gleich. Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem Rektor aller Deutschen (Ahlwardt) folgt. Der ist nicht mehr zu retten. Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz, ob es nun der Pöbel aus der Straße oder der Pöbel im Salon ist; das macht keinen. Unterschied. Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille!" K. L. Die Mitteilung erschien zuerst in dem Graudenzer „Geselligen" und lautete folgendermaßen: „Dem Zaren träumte, er sehe drei Kühe: eine fette, eine magere und eine blinde. Nervös und auch abergläubisch, wie der Zar sein soll, ließ er nach dem Erwachen — gerade wie zu Josephs Zeiten — im Lande nach einem Traumdeuter suchen, welcher auch bald ermittelt wurde und den Traum folgendermaßen auslegte: Die fette Kuh, ist Deine Intendantur, die magere Deine Armee und die blinde Kuh bist Du, großer Zar selbst." — Es ist nicht gesagt worden, ob der Traumdeuter dafür so reichlich belohnt wurde wie Joseph in Egypten — verdient hätte er es. sicherlich." F. A h r o n b e n C h a s s o k h in Buchara ist ein sehr reicher Mann, dessen geschäftliche Beziehungen bis Moskau, Odessa, Teheran, Kabul, Herat, Kandahar, Chokand, Kaschgar rc. reichen. ,,Germanicus". Daß auch unsere „Deutschgesinnten" vor dem Zaren auf dem Bauche rutschen, ist durchaus nicht anffällig; denn es steht in der heiligen Schrift: „Auf dem Bauche sollst Du kriechen". L. P. Der Lehrer des Völkerrechts Asser wurde zum holländischen Staatsminister ernannt. Abonnent. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Nabb. Dr. Jos. Hoff in Bisenz. Wurde bereits in der „Oesterreichischen Wochenschrift" gemeldet. Joh. Hradil, Pfarrer in Sluschowitz, Obmann des Kirchenbauvereines. Wenden Sie sich an Pater Scheicher in St. Pölten, welcher in Wort und Schrift den idealen Gehalt der „christlichen Nächstenliebe" erläutert. L. Zur Erlangung einer Rabbinatsstelle in Galizien ist die Absolvierung eines Gymnasinms nötig. Notiz. Nene Palästina- und Orient- Ansichtspostkarten. Der jüdisch; Verlag (Berlin, Großbcerenstraße 75), gibt soeben eine Serie von Palästina- Ansichtspostkarten heraus. Die Karten sind in Schw arz- W e i ß-r Z e i ch n u n g mit zwei farbige «Tonplatten hergestellt und g'rm Preise von Mk. 1.20 (franko) für die Serie von 25 Stück ru h-.i.;r. Die Karten sinl vorzüglich ausgeführt und werden sicherlich vm.r dcu Freunde' jüdische.' Palästina-Bestrebungen großen Anklang f. u'.en — kauft, verkauft, tauscht — zu Ü211 coulantesten Bedingungen nur das Mipariat E0WI7, Wien, 1., flotenturwstr. 22. Schulbücher für Gymnasien, Real- und Handelsschulen, Privatschulen u. Privatunterricht. Jede Anfrage wird sofort beantwortet.