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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 598 Dr. Mocb's MiocdenscvrM. Str. 37 :T i fii gibt dem Werke des Patriotismus und der Humanität, welches der menschenfreundliche Sinn des Ehepaares Wagner, wie nicht minder die Opferwilligkeit der israelitischen Kultusgemeinde und viele ihrer Angehörigen zu errichten ermöglichten, eine besondere Weihe. In dieser Stimmung darf ich es nicht unterlassen, jenes Mannes hervorragend zu gedenken, dessen edle Gesinnung sich auch in einer nachhaltigen und wirksamen Förderung unseres Werkes betätigte. Seiner Durchlaucht, unserem allverehrten Landeschef Prinzen Hohenlohe ist es zu danken, daß wir heute endlich am Ziele unseres Strebens stehen. Indem ich diese Herzenspflicht freudig erfülle, ubergebe ich hiemit das Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Waisenhaus für Israeliten der Oeffentlichkeit mit dem innigen Wunsche, daß es stets eine Pflanzstätte des Patriotismus sei und bleibe daß humaner Sinn es derart fördere, damit sein Betätigungsgebiet sich erweitere und es in die Lage komme, immer mehr Elend, mehr Not lindern zu können. Ein gesunder Keim zeitigt gesunde Früchte, und der Menschheit zu nützen ist aller Menschen Pflicht. Dieser Pflicht wollen wir stets gerecht werden, ganz im Sinne und Geiste unseres Monarchen, der uns ein leuchtend Vorbild hiefür ist. So widme ich denn das Waisenhaus seiner Bestimmung mit dem Weihspruch aller Oesterreicher: Seine Majestät, unser allgeliebter Kaiser und Herr Franz Josef I lebe hoch! hoch! hoch l" Die Anwesenden stimmten begeistert in diese Hochrufe ein worauf der Tempelchor die Kaiserhymne absang. Der Ministerpräsident erwiderte auf die Rede Dr. Straucher's in wannen und von Herzen kommenden Worten, lobte die bekundete Opferwilligkeit für das zustandegekommene Werk und brachte die herzlichsten Wünsche für das Gedeihen desselben zum Ausdruck. Hierauf erfolgte die Besichtigung des ganzen Gebäudes unter Führung des Dr. Sträuchen Dr. v. Koerber nahm dabei wiederholt Gelegenheit, seiner höchsten Zufriedenheit Ausdruck zu verleihen, und sprach wiederholt seinen Dank für die Mühewaltung, den herzlichen Empfang, sowie all das Dargebotene aus. Dr. v. Koerber verabschiedete sich sodann vom Kuratorium in der denkbar liebenswürdigsten Weise. Zalaegerszeg. (T e m p e l e i n w e i h u n g.) Am 1. d. M. fand die Einweihung unseres herrlichen, vom Budapester Architekten Stern ausgeführten Tempels statt. Einbegleitet wurde das Fest durch eine im städtischen Rathaussaale abgehaltene Festversammlung, die unter dem Präsidium des Gemeindehauptes Dr. B o s ch a n einen überaus würdigen Verlauf nahm. Lange vor der angesetzten Stunde war der Prachtbau des neuen Tempels mit einem auserlesenen Publikum überfüllt. Es erschienen im Festkleide der Obergespan, der Vizegespan mit dem Oberbeamtenstab, der städtische Bürgermeister Varhid y, der Platzkommandant mit zahlreichen Offizieren, der Präsident des königl. Gerichtshofes, mit dem Richterkollegium, die Schulinspektoren, die Leitung der Finanzdirektion, die Abgeordneten des Komitats, die Geistlichkeit, der Profefforenkörper aller staatlichen und städtischen Anstalten, sämtliche Vereine und Abordnungen aller Körperschaften. Nun brausten die Akkorde der Orgel auf, die von Oberkantor Guttmann aus Wien unter Assistenz unseres Oberkantors S e i d n e r und seines geschulten Chores vermittelten Weiheklänge machten einen überwältigenden Eindruck, welcher auch durch die Festrede unseres Oberrabbiners Engelmann gefestigt wurde, während die eigentliche Weiherede Dr. Büchler's aus Keszthely in patriotisch begeisterter Form das ergänzte, was unser Oberrabbiner in jüdisch-inniger Forni über die Bedeutung der Synagoge im jüdischen Leben schwungvoll gelehrt hatte. Nach den hinreißenden Schlußgesängen fühlten sich Bürgermeister und Präsident der Gemeinde dankbarst veranlaßt, unserm verehrten Sängergast Oberkantor Guttmann aus Wien an der Spitze einer großen Deputation den unvergänglichen Dank der Stadt und ihrer Bewohner zum Ausdrucke zu bringen. Kundgebungen, welche bei dem in den Sälen des „Hotel Lamm" stattgehabten Festbankette von über 200 Teilnehmern häufige Wiederholung fanden. Uebte schon der durch den Präsidenten gesprochene Königstoast eine zündende Wirkung, so weckte die Rede des Bürgermeisters V ä. r h i d y, durch Schwung, Liberalismus und durch das feierliche Gelöbnis, über die harmonische Einheit unter allen Kulten getreue Wacht zu halten, schrankenlose Begeisterung. Reden und Trinksprüche feierten den Tag und den Meister Guttmann, der dieses Ruhmesblatt in' der Geschichte seiner Wirksamkeit durch nichts anderes zu lohnen wußte als durch den Goldgehalt seiner Kehle und die Fülle ungarischer Volksgesänge, die mit rauschendem Jubel ausgenommen wurden. X. Y. Justizrat Staub gestorben. Berlin. Der bekannte Berliner Rechtsanwalt und Justizrat Dr. Hermann Staub ist im Alter von 48 Jahren gestorben. Justizrat Staub ist in weitesten deutschen Juristenkreisen durch seine vorzüglichen Kommentare zum deutschen Handelsgesetzbuch, sowie zu dem Gesetz, betreffend die Gesellschaft mit beschränkter Haftung, bekannt geworden. Ferner gehörte er seit der Begründung der „Deutschen Juristenzeitung" neben Stenglein und Labandt zu deren Herausgebern. Er pflegte in jeder einzelnen Nummer eine kurze Rundschau zu veröffentlichen, die zu allen juristischen Tagesfragen Stellung nahm und in freimütigem und liberalem Sinne oft eine scharfe Kritik an den Maßnahmen unserer Regierung oder ein Urteil unserer Gerichte übte. Justizrat Staub war durch ein schweres Leiden schon seit geraumer Zeit seiner Tätigkeit entzogen worden, und dieses Leiden, das schließlich eine Operation nötig machte, hat ihn in den besten Jahren dahingerafft. Auch für den in den nächsten Tagen in Innsbruck stattfindenden Juristentag hatte Staub ein Gutachten zu der Frage erstattet: Wie weit sich Recht und Pflicht des Aufsichtsrates und Vorstandes einer Aktiengesellschaft zur Einberufung einer Generalversammlung erstrecken. Leider sollte er die Beteiligung daran nicht erleben. — Außerordentlich groß war die Teilnahme an dem Leichenbegängnisse Staub's, dessen sterbliche Hülle auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet wurde. Die große Leichenhalle des Friedhofes war bis auf den letzten Platz gefüllt mit einer Trauerversammlung, der man wohl ansah, wie schmerzlich sie den Verlust des Mannes beklagte, an dessen Bahre sie stand, und daß hier nicht nur ein durch geistige Fähigkeiten und Gelehrsamkeit hervorragender Mann beweint wurde, sondern auch eine Persönlichkeit, die sich durch Eigenschaften des Herzens und des Gemütes eine Schar warmer Freunde zu schaffen verstanden hatte. Die Mitglieder der Anwaltskammer, deren Vorsitzender der Verstorbene gewesen, waren fast vollzählig erschienen, alle Richterkollegien waren durch Abordnungen vertreten, ferner das Justizministerium durch den Unterstaatssekretär K ü n tz e l, die verschiedenen Gesellschaften, denen der Verblichene angehört hatte, hatten Abordnungen entsandt. An der Spitze der Leidtragenden betrat die trauernde Witwe mit den Kindern und den übrigen Familienangehörigen des Entschlafenen die Leichenhalle. Der Sarg war bedeckt mit herrlichen Kränzen und stand, umgeben von anderen Blumenspenden, in der Mitte eines aus Lorbeerbäumen und prachtvollen Blattpflanzen gebildeten Haines, aus dessen Laub das Licht der Kerzen von hohen Kandelabern hervorleuchtete. Nachdem die Sänger der alten Synagoge unter Leitung ihres Kapellmeisters B l o ch den Choral: „Es ist bestimmt in Gottes Rat", gesungen, ergriff zunächst Rabbiner Dr. Weiße das Wort und schilderte die edle Eigenart der Persönlichkeit des Verewigten, seine arbeitsfrohe Natur, seinen weitblickenden Scharfsinn, die Liebe zu seinen Nächsten, die einen Grundzug seines Charakters bildete, und die Treue, die er den Seinen und seinem Volke bis zum letzten Augenblick gewahrt. Worte des Trostes rief der Redner den trauernden Familienangehörigen zu. Ungemein warm empfundene Worte rief Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau, ein Lehrer des Verewigten, dem einstigen Schüler nach, der sich zu einer großen Persönlichkeit entwickelt hatte, in der in einem Maße, wie man es nur selten findet, Eigenschaften des Geistes und des Herzens, Frohnatur und Ernst, große Gelehrsamkeit und scharfes Denkvermögen zu einem vornehmen Charakter vereint gewesen seien, dessen Großzügigkeit alle bewunderten, denen es vergönnt war, ihm näher zu treten. In kurzen Worten schilderte der Redner den Lebenslauf Staub's dessen Jugend ihm manches Schwere gebracht, so daß er gezwungen war, sich aus eigener Kraft zu entwickeln, was er mit zäher Energie getan. Im Namen

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