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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Seite 597 hiesigen jüdischen Gemeinwesens, immer wachse und erstarke. Wer wird es leugnen wollen, daß trotz alles Optimismus, der uns beseelt, dennoch die Befürchtung ausgesprochen werden muß. es könnten infolge gewisser bedauerlicher Zeitströmungen uns gar manche, namentlich jüngere Mitglieder unsererGemeinschaft abwendig gemacht werden. Es wird Aufgabe derer sein, die sich wirklich mit Treue und Wahrhaftigkeit der Sache des Judentums widmen, Mittel und Maßregeln zu ergreifen, um insbesondere dem Abfalle vom Judentume entgegenzuarbeiten und den sehr zu beklagenden Jndifferentismus in Sachen des Judentums wachzurütteln. Wir stehen im Zeichen sozialer Tätigkeit, und hier wird der Hebel anzusetzen sein, um in wirklich wohltätiger Weise für die Verbesserung der Lage unserer armen Glaubensgenossen Sorge zu tragen. Erweiterung des Gebietes der Tätigkeit, aber immer im Rahmen der Kultusgemeinde, das ist es, was wir allen Denkenden und Tatkräftigen in unserer Gemeinschaft zur Erwägung vorlegen. An gutem Willen fehlt es den Führern unserer Gemeinde wahrlich nicht, und wenn auch manche zwiespältige Meinungen unter ihnen herrschen, sie werden zum Wohle unserer Glaubensgenossen alles Scheidende übersehen und sich zu wahrhaft guten Werken vereinen. Ein jüdisches Spital, jüdische Krankenpflege, die Sorge für die Arbeitslosen, aber Arbeitswilligen, das find zunächst Aufgaben, denen nähergerückt werden sollte. Ein neuer Tempel soll erbaut werden, es wird gut sein, wenn man, den geänderten Zeitverhältnissen gemäß, darauf sehen wird, wie der Gottesdienst eingerichtet werden soll, damit er in Wirklichkeit das Andachtsbedürfnis von Tausenden, die in anderen Anschauungen aufgewachsen sind, als die frühere Generation, befriedige. Der Religionsunterricht bedarf der steten Obsorge. Eine eingehende Revision des Lehrplanes, unter Rücksicht auf die praktischen Anforderungen des Tages, wäre wohl sehr am Platze. Wir empfehlen dies den maßgebenden Faktoren auf das Nachdrücklichste. Wie es bei den anderen Konfessionen schon der Fall ist, sollte man sich auch in unserer Mitte um diejenigen unglücklichen Glaubensgenossen kümmern, die mit den Gesetzen des Staates in Konflikt kamen und deshalb, fern von der Gesellschaft, die Freiheit entbehren müssen, sowie auch derjenigen bedacht sein, die in geistiger Umnachtung ihr Leben verbringen müssen. Auch auf die jüdischen Soldaten möge man die nötige Aufmerksamkeit erstrecken. Wie man sieht, sind dies nur leise Anregungen, aber der Einsichtige wird sie verstehen. Und so hoffen wir denn, daß, we:.n unsere Nachkommen wieder ein Jubiläum feiern werden, dies geschehen wird in dem Bewußtsein, daß sie an treuer Anhänglichkeit ans Judentum ihren Vorfahren in nichts nachgeben, und, erfüllt von dieser starken Zuversicht, wollen wir den Wunsch aussprechen: Möge der zweite Tempel bald erstehen und ein leuchtendes Zeichen sein für die in unserer Gemeinde auf allen bezeichneten Gebieten fortwirkende Opferwilligkeit. I e h u d i. Nikolsburg. (Installation.) Dienstag am 30. August hielt der neuernannte Rabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. M. L e w i n aus Malacka seinen feierlichen Einzug in unsere altehrwürdige Gemeinde. Vertreter der hiesigen Kultus- und der politischen Gemeinde hatten sich zum Empfang schon in Lundenburg eingefunden, während am Nikolsburger Bahnhof der Gesamtvorstand den Rabbiner, sowie die mit ihm aus Malacka erschienene Deputation, bestehend aus den Herren Kultusvorsteher Leopold Wein wurm, Vize-Präses Adolf Spitzer und dem königlichen Notar Dr. Albert L u x, ferner den ehrwürdigen Vater des Rabbiners Ehrw. D. L e w i n aus Jllava, .dessen Gattin, sowie Se. Ehrwürden Dr. Groß aus Lundenburg, begrüßte. Um halb 7 Uhr wurde der Rabbiner aus seiner Wohnung unter dem Vorantritt der vier ältesten Gemeindemitglieder, welche Thorarollen in ihren Armen trugen, unter einem Baldachin in die herrlich dekorierte Altschul-Synagoge geführt, die in allen ihren Räumen von einem höchstdistinguierten Publikum gefüllt war. Es hatten sich u. A. eingefunden: Der k. k. Bezirkshauptmann K u n t s ch n e r, die Stadträte R a d d a und L a h n e r in Vertretung der hiesigen Christengemeinde, Bezirksschulinspektor K o r g e r, Gymnasialdirektor S ch w e r t a s s e k, Gymnasialprofessor Roller, Bürgerschuldirektor Prinz, Oberlehrer Grzybek; sodann Deputationen der Kultusgemeinden Lundenburg, Auspitz, Pohrlitz, Eisgrub, Kostet, Mieslitz.Nachdem Oberkantor F r ä n k e l, von einem Männerchor unterstützt, das „Lorueb habo“ intoniert hatte, bestieg Herr Doktor L e w i n die Kanzel, um in begeisterter, alle Herzen entflammender Rede sein Programm zu entwickeln. Herr Rabbiner Dr. Groß richtete im Gotteshause an den Gefeierten eine in klassischem Hebräisch stilisierte Ansprache; Oberkantor F r ä n k e l besorgte den gesanglichen Teil in vorzüglicher Weise. Abends fand im Saale des Hotel Schaffa ein Bankett statt, zu dem sich außer den Festgästen Vertreter sämtlicher Korporationen eingefunden hatten und das sich durch zahlreiche geistreiche Toaste sehr animiert gestaltete. Kultusvorsteher Philipp K o h n, der sich besondere Verdienste um die würdige Gestaltung der Feier erworben hatte, begrüßte in herzlicher Weise die Erschienenen, worauf Herr Bürgermeister Moritz A b e l e s den Kaisertoast sprach. Der ehrwürdige greise Rabbiner Josef Knöpfmacher feierte in glänzender Rede seinen neuen Amtskollegen Dr. L e w i n. Es sprachen ferner Herr Rabbiner Dr. G r o ß, Rabbiner David Lew in, Herr Lehrer Bernhard Krakauer, Kaufmann Josef Krakauer, Nathan O s e r, Obmann des Ortsschulrates Franz Deutsch, Religionsprofeffor Dr. Emil Krakauer aus Budweis, Lehrer Zwicker. Ein glänzendes Rededuell zwischen den Herren kgl. Notar Dr. Lux aus Malacka und dem Religionslehrer Wilhelm Breuer aus Wien gaben dem schönen Feste ein charakteristisches Gepräge. Herr Dr. L e w i n verstand es, in sehr schlagfertiger Weise den ihn feiernden Rednern zu erwidern. Lange nach Mitternacht schloß das schöne Fest, welches allen Anwesenden noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Czernowitz, 3. September. (Feierliche Einweihungdesisraelitischen Waisenhauses.) In Anwesenheit des Ministerpräsidenten wurde heute unser neues Waisenhaus seiner Bestimmung übergeben, welches eines der vornehmsten Wohlfahrtsinstitute unserer Gemeinde bildet. Lange vor Beginn der Feierlichkeit war der festlich dekorierte Festraum von zahlreichen Gästen, Damen und Herren, bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Doch der Saal konnte alle Erschienenen kaum fassen. Viele Gäste mußten in den Nebenräumen stehen. Auch auf der Straße harrte eine mehrtausendköpfige Menschenmenge gespannt der Dinge, die da kommen. Wir müssen Raummangels halber darauf verzichten, die Namen aller Gäste aufzuzählen. Sämtliche Spitzen der Behörden, der Geistlichkeit aller Riten, Vertreter des k. u. k. Militärs, sämtliche hier weilende Reichsrats- und Landtagsabgeordnete, viele Gemeinderäte mit Bürgermeister Baron Kochanowski, sämtliche Mitglieder des israelitischen Kultusrates u. v. A. waren zu dieser schönen Feier erschienen. Um 5 Uhr erschien Dr. von Koerber in Begleitung des Landespräsidenten, worauf Dr. Straucher Se. Exzellenz, den Landespräsidenten, Se. Eminenz Erzbischof v. Repta sowie alle zahlreich Erschienenen aufs Herzlichste willkommen hieß und folgende, von lebhafter Zustimmung unterbrochene Ansprache hielt: Eure Exzellenz! Eure Durchlaucht! „Namens der israelitischen Kultusgemeinde der Landeshauptstadt Czernowitz erlaube ich mir Eure Exzellenz und Eure Durchlaucht ehrfurchtsvoll zu begrüßen und für das Erscheinen zu unserem heutigen Festtage herzlicbst zu danken. Denn ein Festtag von weittragendster Bedeutung ist es für uns, ein Werk der Oeffentlichkeit zu übergeben, welches den Namen unseres erhabenen Monarchen trägt und dessen edlen Intentionen seine Entstehung dankt. Das Haus ist ein Waisenhaus. eine Stätte für jene Enterbten, denen ein herbes Geschick den Schutz der Jugend, die Eltern, entrissen. Die Sorge des Vaters, die Betreuung der Mutter sollen für die zarten Menschenknospen ersetzt werden. Unter dem Namen unseres erhabenen Kaisers sollen sie von frühester Ingerd an erfahren, daß ein Vater des Reiches über alle wacht, an Alle denkt, für Alle warm fühlt. Und indem wir den Keim des Patriotismus in diese jungen Seelen pflanzen, hoffen wir sie zu nützlichen Mitgliedern des Staates und der Gesellschaft erziehen zu können und damit einen Teil jenes in uns Juden mächtig pulsierenden Dankgefühles für unseren uns so wohlgesinnten Kaiser abstatten zu können. Wir freuen uns. daß wir Gelegenheit haben, diesen Gefühlen gegenüber dem ersten Ratgeber der Krone Worte leiben zu können. Wissen wir doch, daß gerade Se. Exzellenz der Staatsmann und Minister Dr. von Koerber sich die Pflege der gutösterreichischen Gesinnung wie nicht minder die Fürsorge für die verwahrloste Jugend mit hingebungsvollem Eifer angelegen sein läßt. Seine Anwesenheit

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