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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 596 Dr. Dlocb's Mocbenscbritt. 67 Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef, die unvergeßliche, hochherzige Fürstin, deren Andenken gesegnet bleibt für alle Zeiten, errichtet im Jahre der Einweihung dieses Gotteshauses." Die Tafel ist eine echte Künstlerarbeit, würdig des genialen Max Fleischer, der auch den geeignetsten Platz für die Anbringung mit klugem Sinne erwählt hat. Es folgte der Vortrag eines Chorals, dessen Text von Isidor Mintz herrührt und der von Alfted Straßer komponiert worden ist. Mit einem Gebete für das Seelenheil der Kaiserin Elisabeth schloß Oberkantor Kwartin die Feier. Wien. Man schreibt uns: Eine empörende Szene spielte sich vorige Woche im hiesigen Dorotheum ab. Der die sogenannten „Ausrufungen" überwachende Beamte, der schon einen höheren Rang einnimmt, ist der Urheber desselben. In einer Ecke des Saales hatten einige Besucher eine etwas laute Unterhaltung geführt, als plötzlich die Stimme jenes Beamten laut ertönte und er gegen diese Gruppe gewendet rief: „Ich werde diesen zionistischen Kongreß gleich auflöfen!" Spruchs und waltete seines Amtes weiter. Mag nun in jener Saalecke wirklich ein überlautes, vielleicht störendes Gespräch geführt worden sein, diesen Herrn Beamten des k. k. Versteigerungsamtes steht absolut kein Recht zu, eine derartige höhnische, verspottende Aeußerung in den Saal hineinzurufen. Während der Ministerpräsident bei jeder Gelegenheit und zuletzt in Galizien immer und immer wieder das Recht und die Gerechtigkeit zu pflegen eindringlichst mahnt, erlaubt sich ein Beamter in einem k. k. Bureau vor hunderten von Zuhörern eine derart beleidigende hämische Aeußerung zu machen. Es steht zu erwarten, daß maßgebenderseits diesen Herrn ein Beamtenknigge mitgegeben wird, der ihn darüber belehren soll, sein beschworenes Amt nicht im parteipolitischen Sinne zu führen. Wie». (Die verkrachten Retter.) Das freiwillige Rettungskorps ist verkracht. Es war ursprünglich eine christlichsoziale Gründung, bestimmt, der Freiwilligen Rettungsgesellschast, die bei den modernen Heilshusaren nicht in Gnade stand, scharfe Konkurrenz zu bereiten und ihr langsam, doch sicher die Sympathien des Publikums abwendig zu machen. Eine Anzahl Gemeindefunktionäre erklärte sich bereit, Ehrenstellen bei dem Rettungskorps anzunehmen, antiliberale Parteigänger zogen mit dem Klingelbeutel herum, es flössen Beiträge und die Feinde der als verjudet ausgeschrieenen Rettungsgesellschaft rieben sich, heiter angeregt, die Hände. Man prophezeite dem rein arischen Unternehmen eine glänzende Zukunft. War zuerst die „Rettung" des von den Freisinnigen und Antichristen bedrängten Wien gelungen, war es geglückt, Land und Gemeinde von den Umklammerungen der Manchesterliberalen und der Anbeter des goldenen Kalbes zu befreien — sollten nun alle jene Schöpfungen ruiniert oder mindestens zu Boden gerungen werden, die aus der fortschrittlichen Aera datierten oder von Anhängern der verfehmten Partei begünstigt wurden. Man nahm den Volksbildungsverein die Vortragssälc in den städtischen Anstalten, man verweigerte der Rettungsgesellschaft die Subvention, man versuchte andere gemeinnützige Vereine zu garottieren und wandte Fürsorge den Korporationen zu, die mit der Rathausmajorität der alleinseligmachenden Lehre des Rassen- und Klassenhasses anhingcn oder nicht von der Pest der Ketzerei befallen sich zeigten. Da regte sich in einigen betriebsamen Köpfen der Gedanke, die Rettungsaktionen nach einer dem Geschmacke der Christlich-Sozialen zusagenderen Methode zu appretieren, die „Orientalen" auch aus diesem Lager zu verjagen. Die Gründer dachten sich, es würde einem auf der Straße zusammengebrochenen Greisler, einem versengten Milchmeier, einer von der „Elektrischen" niedergeworfenen Dürrkräutlerin weitaus angenehmer sein, von einem unverfälschten Arier, denn von Nachkommen der Leute verbunden zu werden, die trockenen Fußes durch das Rote Meer gewandert sind, was schon anno kllarao eine bodenlose jüdische Frechheit war. Wir konstatieren, daß diese Spekulation auf trübe Instinkte in der Volksseele mißlang. Institute, bei welchen es viel Geld zu verdienen gibt, prosperieren auch unter dem neuen Regime, desien Teilnehmer sich bereichern. Institute, welche Opferwilligkeit erfordern, deren Gedeihen vom Edelmut und Herzensgüte abhängen, gehen schmählich zugrunde. Bom I. Tempel bis zum zweiten. Brünn zum neuen Jahre 5665. Die Gemeinde Brünn feiert am heurigen Loseli-liaselwno- Feste ein Jubiläum, sie heiligt ein fünfzigstes Jahr, denn ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem Jsak Noah Mannheimer — gesegnet sei sein Angedenken — unserem Gotteshause auf der Kröna die priesterliche Weihe gegeben. Vielleicht wird der Aufschwung, den in diesem Zeitraum die hiesige Gemeinde genommen, dadurch am besten bezeichnet, daß man daran geht, ein zweites Gotteshaus zu errichten, wenn auch die Vorarbeiten dazu sich noch im allerersten Stadium befinden. Die Tatsache aber, daß sich die Notwendigkeit herausgestellt hat, einen zweiten Tempel zu erbauen, spricht für das Aufblühen der hiesigen Kultusgemeinde gewiß mit lauter Stimme: „Heiliget das 50. Jahr". — Vor 50 Jahren waren einige Hundert Judenfamilien in Brünn, heute leben hier ungefähr 10.000 Glaubensgenossen, und wie wir gleich bemerken wollen, sie leben im besten Frieden und herzlichem Einvernehmen mit den anderen Bürgern unserer Stadt. Vor 50 Jahren studierten an den hiesigen Mittelschulen kaum 50 israelitische Schüler, heute kann man an den zwei deutschen Gymnasien und zwei deutschen Realschulen 500 Israeliten zählen, von der Gewerbe- und Handelsschule und Technik ist hier vollständig abgesehen. Vor 50 Jahren befanden sich die Wohltätigkeitseinrichtungen unserer Gemeinde in sehr primitivem Zustande, ich leugne nicht, daß sie der Vermehrung und Verbesserung auch heute sehr bedürfen; nichts destoweniger wird auf diesem Gebiete in der hiesigen Gemeinde sehr Vieles und Ersprießliches geleistet, und ich verweise nur, um von anderem nicht zu sprechen, auf den hier seit einigen Jahren wahrhaft segensreich wirkenden israelitischen Freitischverein. Wie wurde dieser Verein anfangs bekämpft, wie hat man ihn als Brutstätte für das sogenannte „gebildete Proletariat", hingestellt, und nun sieht man, was Opferwilligkeit vermag. 140 Schüler, Techniker, Handels- und und Handwerksbeflissene, speiste dieser Verein im verflossenen Jahre, und er weist ein Ausgabe-Budget von 18.000 K jährlich aus. Tatsachen sprechen!, dies Wort gilt, wenn man die Wirksamkeit eines Wohltätigkeitsvereines richtig, ohne Vorurteil bemessen will. Durch die private Wohltätigkeit wurde ein Versorgungshaus für alte, arbeitsunfähige Glaubensgenossen begründet, eine Anstalt, die wahrhaft mustergiltig geleitet wird und in der Tat eine Heiligung des jüdischen Namens bedeutet. Was die C h e w r a - K a d i s ch a anbelangt, so kann ihre Leitung als eine vorbildliche bezeichnet werden. Die private Wohltätigkeit aber hat hier ein Werk geschaffen, auf das unsere Gemeinde stolz sein kann, ich meine die große Zeremonienhalle, in der die Leichenfeiern in wahrhaft erhebender, gemütvoller Weise abgehalten werden. Der Religionsunterricht wird an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen so erteilt, daß diejenigen Schüler, die wirklich den guten Willen zeigen, etwas zu lernen, nicht mit guten Erfolgen an ihm teilnehmen. Es wird im Hebräisch-Lesen, in Thora und hebräischer Grammatik, in Liturgik, in Religionsgeschichte und Religions- und Sittenlehre unterrichtet. Für die Teilnahme der Jugend am Gottesdien st e ist bestens gesorgt. Was den Gottesdienst überhaupt anbelangt, so wird die Art und Weise, wie er hier abgehalten wird, nicht verfehlen, auf das Gemüt und Herz der Andächtigen erbauend zu wirken. Dasselbe läßt sich auch von den gottesdienstlichen Kasualien sagen. Wie jedermann aus diesen trockenen, aber der Wahrheit entsprechenden Bemerkungen sehen kann, ist es mit den gottesdienstlichen und Wohltätigkeitseinrichtungen, mit dem Religionsunterrichte und den anderen religiösen Institutionen hier nicht schlecht bestellt, und man kann sagen, von der Zeit des ersten bis zu der des nun im Bau in Angriff zu nehmenden zweiten Tempels ist die Gemeinde im steten Aufblühen gewesen, und es wäre nur eines zu wünschen, daß die Opferfteudigkeit der Gemeindemitglieder nicht in Gleichgiltigkeit umschlage, nicht erkalte, sondern, getreu den Ueberlieferungen des

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