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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 594 Dr. Dlocv's Mocvenscbrttt. Nr. 87 (15. Februar 1765) mit der Vollendung des siebenten Jahres festgesetzt. Nachdem die Kaiserin gestorben war, baten die Juden in Böhmen bei ihrem Nachfolger Kaiser Josef II. unter anderem darum, die Vernunftjahre mit der Vollendung des 24. Lebensjahres festzusetzen, da auch eine Novize das Ordensgelübde erst nach vollendetem 24. Jahre ablegen könne. Die Hofkanzlei, welche dieses Gesuch zur Begutachtung bekam, erstattete am 11. März 1782 Vortrag. Die Majorität der Stimmen sprach sich für die Vollendung des 18. Jahres aus und wurde dem Kaiser auch demgemäß Bericht erstattet. In der Resolution, in der sich der Kaiser dem Votum der Majorität anschloß, heißt es: „weil es der Religion an guten Christen, nicht aber an getauften Christen gelegen ist." In diesem Zusammenhang sei an ein „Ereignis" erinnert, welches sich bei der ersten Aufführung von Mozart's „Zauberflöte" in Prag (1795) zutrug und die Gemüter der Bewohner der Moldaustadt viele Wochen hindurch derart beschäftigte, daß selbst die „Prager Neue Ztg." dem allgemeinen Staunen in ihren Spalten Ausdruck zu verleihen veranlaßt wurde. Das sensationelle Ereignis bestand darin, daß ein — Jude als Sänger des Sarastro auftrat. Die „Prager Neue Zeitung" begleitete nun diesen Vorfall mit folgenden Worten: „Am 10. v. ward hier das bekannte Stück „Die Zauberflöte" gegeben. Ich eilte ins Theater, und — wie erstaunte ich nicht — als ich in der Person des Sarastro einen wohlgestalteten jungen Mann mit einer einnehmenden Stimme erblickte, von dem man mir sagte, daß er ein Israelit — ja, ein Israelit sei. Er erschrak anfänglich, als er auf der Bühne erschien, ein Beweis, daß er ein Mensch sei, den die Natur, um ihre Rechte zu beweisen, an seine Schwäche erinnerte. Das Publikum, so dies merkte, klatschte, um ihm Mut einzuflößen, Beifall zu und erreichte seinen Zweck; denn er sang und sprach nachher wiederholt mit wahrer Anmut und Würde. Ich lauerte aufs Ende, und man rief und klatschte ihn mit Beifall heraus. Kurz, ich fand das hiesige Publikum anders, als man es uns schilderte, fand, daß es selbst an Israeliten Anlagen und Verdienste zu befördern weiß ünd nur vielleicht gegen jene anders gesinnt ist, wider welche es vielleicht gerechte Klage führt. Hartung, so ist der Name dieses Israeliten, wird nächstens in anderen Rollen auftreten und den erhaltenen Beifall noch mehr zu rechtfertigen suchen." Kardinal Rampolla über den Ort des Martyriums und das Grab der Makkabäer. Unter den vielfachen Schwierigkeiten, welche manche Exegeten gegen die Authentizität des Buches der Makkabäer erheben, befindet sich der Vorwurf, daß die Geschichte der grausamen Hinrichtung der sieben makkabäischen Brüder mit ihrer Mutter und dem greisen Eleazar auf keinem historischen Grund beruhe. Unter anderem behauptet die Kritik, daß zur Zeit des Martyriums der Verfolger Antiochus Epiphanes nicht in Jerusalem anwesend fein konnte, weil man in der Tat mit Sicherheit bestätigen kann, daß derselbe damals in Antiochien verweilte. Also wäre die Geschichte falsch und man hätte mit Recht das Buch der Makkabäer aus dem Kanon der heiligen Schrift verworfen und als apokryph erklärt. Die meisten Exegeten haben die Frage über den Ort der Verurteilung und des Martyriums der sieben makkabäischen Brüder nur sehr flüchtig erwähnt und bisher kaum zu lösen gesucht. Vor einiger Zeit erschien aber im „Bessarione", einer römischen Zeitschrift, die besonders gelehrte Studien über orientalische Fragen veröffentlicht, ein Aufsatz, in welchem diese Frage vom Staatssekretär des Papstes, dem ehemaligen Kardinal Rampolla, mit besonderer Gelehrsamkeit erläutert wird. Mit größtem Eifer hat der Kardinal die schwierige Untersuchung über die Makkabäer unternommen, und wenn man seine Arbeit durchlieft, staunt man über das ungeheuere Verzeichnis der Texte, der Quellenangaben, die von außerordentlicher Arbeit zeugen. Im ersten Kapitel wird der Text des Buches der Makkabäer gründlich durchforscht und erklärt, daß die Behauptung, Jerusalem sei kein der Ort des Martyriums der Makkabäer, absolut auf keiner in dem Buche mitgeteilten Tatsache beruhe. Die Verfolgung des syrischen Königs Antiochus Epiphanes gegen die Juden war nicht auf die palästinischen Juden beschränkt, sondern erstreckte sich auch auf die syrischen Städte, welche von Juden bewohnt waren. In Antiochien war eine starke jüdische Bevölkerung, wie Flavius Josephus bezeugt. Der biblische Text sagt uns nun, daß die Verurteilung und Hinrichtung der Makkabäer durch den Tyrannen Antiochus stattgefunden habe, und Daten, die Se. Eminenz als historisch nachweist, geben an, daß Antiochus zu der Zeit allerdings nicht in Jerusalem sein konnte, aber gerade in Antiochien weilte. Ferner erklärt der Verfasser, daß die Mutter mit ihren Kindern in syrischer Sprache den König anredet, während sie mit ihren Kindern und diese untereinander die Nationalsprache sprechen. Wäre die Gerichtsszene in Jerusalem vorgekommen, so hätte gewiß der Schreiber des Buches der Makkabäer nicht besonders bemerkt, daß diese jüdischen Glaubenshelden ihre Nationalsprache kannten. In Jerusalem wurden ferner die sieben makkabäischen Brüder nicht besonders verehrt, St. Augustinus wirft dies sogar den Juden vor; und wenn Hwronymus uns das Grab der Makkabäer in Modin bei Diospolis angibt, beruht auch dieses auf einem Irrtum. Es handelt sich dort um das Grab der tapferen Streiter, die mit Judas Makkabäus ihren Glauben und ihr Vaterland verteidigten. In Antiochien aber steht eine sichere Ueberlieferung über die sieben Makkabäer. St. Augustinus erwähnt die Basilika über dem Grabe der sieben Glaubenshelden, in welcher der aus Antiochien gebürtige Johannes Chrysostomus noch als Priester eine Homolie hält und seine Zuhörer auffordert, das Grab der Makkabäer zu besuchen. Se. Eminenz bespricht dann die alten Jtinerarien und Martyrologien, in welchen das Grab der Makkabäer immer in Antiochien angegeben ist. Im dritten Kapitel bestätigt der Verfasser durch Quellenangaben die Antiochienische Tradition. Er erklärt, daß die Makkabäer im Cerateum, dem von den Juden bewohnten Stadtviertel, verurteilt und auch begraben wurden, und zwar in einer Höhle des Berges Stauris. Dort hatten die Juden eine Synagoge, die später an die Christen überging und in eine Basilika umgewandelt wurde. Diese Basilika wurde mit den anderen Gebäuden Antiochiens gegen die Mitte des sechsten Jahrhunderts durch ein Erdbeben zerstört. Justinian wird wahrscheinlich gegen 551 die Ueberbleibsel der Makkabäer nach Konstantinopel übertragen haben, wo er in einem Stadtviertel, Sice genannt, eine Kirche zu Ehren dieser jüdischen Glaubensbekenner errichtete. Eine alte Inschrift in der Kirche San Pietro in Vinculis erwähnt, daß der Papst Pelagius diese Basilika restauriert und bei der neuen Konsekration dort die Reliquien der Makkabäer beigesetzt habe. Auf historischem Gebiet liegt hier nach Rampolla keine Schwierigkeit. Denn Pelagius hatte als Diakon den Papst Vigilius nach Konstantinopel begleitet. Dort erhielt Vigilius von Justinan besondere Privilegien für Rom und Italien und wahrscheinlich auch die Ueberbleibsel der Makkabäer. Vigilius starb auf der Rückreise in Sizilien und Pelagius kam nach Rom, wo er als Nachfolger erwählt wurde. Ein seltsamer Irrtum, der aber doch bezeugt, daß die Reliquien der Makkabäer einige Zeit in Konstantinopel aufbewahrt wurden, bezeichnet in den liturgischen Blättern der Konstantinopolitanischen Kirche immer Eleazar als Vater der Makkabäer. Dieser Irrtum beruht auf einer falschen Interpretation einer Homolie von Gregorius Nazianzenus. Als man im Jahre 1876 in Rom den Hochaltar von Sankt Peter oder Vincula abriß, um eine Konfessio zu erbauen, stieß man auf einen christlichen Sarkophag aus dem vierten oder fünften Jahrhundert, in welchem sich sieben Abteilungen befanden, und in jeder Abteilung fand man Asche und Gebeine. In der Nähe des Sarkophags, wie auch in dem Innern lagen zwei bleierne Tafeln, die angaben, daß dort die Ueberreste der sieben makkabäischen Brüder mit beiden Eltern aufbewahrt wären. Ein Zeichen, daß die Reliquien von Konstantinopel nach Rom überbracht wurden, denn weder in Rom noch in Antiochien, sagt Rampolla, hat man jemals den greisen Eleazar als Vater der Makkabäer angesehen, nur in Konstantinopel hat man diesen Irrtum begangen.

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