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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-09 · 37 (9.9.1904) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
37 (9.9.1904)
Date
1904-09-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 590 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Sir. 37 Wir können hier nicht alle mit solcher Motivierung gebrochenen Eide von Monarchen, noch weniger die von Privatpersonen auMhren und müssen uns mit einigen der eklatantesten Falle begnügen. Schon Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser, war, wie der Historiker Zosimus sagt, nicht gewohnt, Eide und Verträge zu halten. So hatte er den besiegten Kaiser Licinius gegen dessen Verzicht auf alle seine Rechte — unter feierlichem Eide — Leben und Freiheit zugesichert, und — ein Jahr später (a. 324) ließ er ihn, unter dem Vorgeben, er habe gegen ihn konspiriert, ohne Verhör und Urteil töten. Ooutra rsllgiousm sacramenti heißt es bei Eutropius X 4. Besonders häufig waren die Eidbrüche während der Kreuzzüge: König Balduin II. von Jerusalem war in die Gefangenschaft der Mohammedaner geraten und erlangte seine Freiheit im Jahre 1124 gegen Abschließung eines Vertrages unter Eid mit dem Fürsten Timurtasch. Kaum fteigelassen, schrieb er diesem, der Patriarch Bernhard habe ihm auf das Strengste die Erfüllung der Bedingungen verboten, unter denen er die Freiheit erlangt habe, der Patriarch habe ihn auch von seinem Eide entbunden und die Sünde des Eidbruches auf sich genommen, wenn er seinem Gebote folge. Vergebens mahnte der Mohammedaner den König an seinen Eid, Balduin begann wieder den Krieg, in dem er wohl viele Grausamkeiten begehen und mohammedanische Heiligtümer entweihen ließ, aber sonst keine Erfolge erlangte?) In ähnlicher Weise ward König Amalrich wortbrüchig, der mit Sultan Schawer von Egypten einen beiderseits beschworenen Vertrag geschlossen hatte. Obwohl der Sultan seinerseits den Vertrag genau beobachtete, wie selbst der Erzbischof von Tyrus bezeugt, suchte Amalrich nach Vorwänden, ihn zu brechen, und fand sie auchZ— nachdem er Verstärkungen aus Europa erhalten hatte. So begann er wieder den Krieg, an dem aber die Tempelritter, aus Abscheu gegen seine Wortbrüchigkeit, nicht teilnehmen wollten. Auch Amalrich machte nach anfänglichen Erfolgen Fiasko und kehrte (a. 1169) beschämt und mit getäuschten Hoffnungen nach Jerusalem zurück?) Nicht besser machte es König Guido, der bei seiner Entlastung aus der Gefangenschaft dem Sultan Saladin mit feierlichem Eide gelobt hatte, niemals wieder gegen ihn die Waffen zu führen, sondern baldigst das Morgenland zu verlassen.. Kaum waren er und seine Mitgefangenen, die dasselbe beschworen hatten, fteigeworden, als sie sich von den Geistlichen ihrer den „Heiden" geschworenen Eide entbinden ließen. „Die Gründe, aus welchen die christlichen Geistlichen den Eid für nichtig erklärten, lasten sich so ziemlich auf jeden Eid anwenden, mit welchem ein für den einen oder anderen Teil ungünstiger politischer Vertrag bekräftigt wird", bemerkt dazu der Geschichtsschreiber der Kreuzzüge?) Und in Bezug auf den vierten Kreuzzug sagt der ftanzösische Historiker, man habe die geschworenen Eide und das Völkerrecht auf's Schmählichste mißachtet. Kaum hatte ein Friedensschluß die Christen aus einer gefährlichen Lage bestell, als der Papst schon zum Bruch und neuem Kriege aufforderte?) Und schließlich ahmten die Mohammedaner das böse Beispiel der Christen nach. Das System des Eidbruches gegen die „Ungläubigen" wurde auch nach den eigentlichen Kreuzzügen von christlicher Seite fortgesetzt. Man nannte auch jeden Krieg gegen die Türken einen Kreuzzug. Nach einem solchen hatte König Wladislaus von Ungarn und Polen mit Sultan Murad im Juli 1444 auf zehn Jahre Frieden geschlossen. Der König beschwor ihn auf dem Evangelium, der Sultan auf dem Koran. Letzterer brach im Vertrauen auf den geschloffenen Frieden mit seinem Heere nach Asien auf. Da ließ der Papst Eugen dem Könige durch seinen Legaten Kardinal Julian Cesarini erklären, der ohne ') Friedrich Willen, Geschichte der Kreuzzüge. H 516 22. s) Willen III, 111—121; Mich and, Histoire des Croisades IV, 275 -282. 3) Willen IV, 250, a. 1189. *) Michaud in, 102. seine Zustimmung abgeschlossene Frieden sei null und nichtig, der König dürfe ihn nicht halten und er dispensiere ihn von dem geleisteten Eide. Dem Aufträge des Papstes gemäß setzte der Kardinal seinen ganzen Einfluß und seine Beredsamkeit ein, um den König zum Friedens- und Eidbruch zu bewegen. Er legte dem Könige und seinen Räten dar, daß man zwar Eide halten solle, aber nicht wenn sie dem öffentlichen Wohle schädlich oder zum Verderben des Schwörenden ausfallen könnten, besonders wenn es sich um einen den Ungläubigen geleisteten Eid handle. Der König habe gar kein Recht gehabt, ohne Zustimmung seiner Verbündeten und des Papstes Frieden zu schließen. Dies sei Gott mißfälliger und größere Sünde und Verbrechen, als einen solchen Eid brechen, welcher der Religion schädlich sei. Uebrigens. um alle Skrupel zu beheben, entbinde er ihn kraft päpstlicher Vollmacht seines Eides. Mehr als diese religiösen (?) Motive mögen wohl auf den König und die Großen des Reichs die von seinen stüheren Verbündeten eintreffenden Zusicherungen kräftiger Unterstützung, sowie die Nachrichten von der Inanspruchnahme des Sultans durch Krieg und Aufstände in seinen asiatischen Besitzungen von Einfluß gewesen sein. So wurde der Eidbruch beschlossen und sonderbarerweise durch einen anderen Eid ersetzt. „Es waren noch nicht zehn Tage seit dem auf das Evangelium geleisteten Schwur verflossen", sagt Hammer-Purgstall'), „als der päpstliche Legat Kardinal Julian Cesarini den König und seine Räte von Neuem im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit und der glorreichsten Jungfrau Maria, der Heiligen Stephan und Ladislaus schwören ließ, den mit den Türken beschworenen Frieden zu brechen und am 1. September mit dem Heere vor Orsova zu erscheinen". Es war e i n Mann im ungarischen Rate, Johann Hunyady, welcher wenigstens Aufschub verlangte und erwirkte. Aus Gewissenhaftigkeit? Nein — nur um vorher in den Besitz der im Frieden abgetretenen serbischen Festungen zu gelangen, welche die Türken auch „mit getreuer Erfüllung des Vertrages ohne Verzug übergaben". Auch Drakul, der Fürst der Walachei, mahnte aus militärischen Gründen vom Friedensbruch ab; aber er wurde nicht gehört, noch beschimpft und bedroht. Kaum hatte der Sultan von dem Friedensbruch der Christen und dem Einfall ihrer Armee in sein Reich erfahren, als er, der sich schon mit der seinigen auf der asiatischen Seite des Bosporus befand, schnell nach Europa zurückkehrte und in Eilmärschen den Feinden entgegenzog. Bei Warna trafen die beiden Heere am 10. November aufeinander. Wie Bonfinus in seiner Geschichte Ungarns erzählt, ließ der Sultan die Friedensurkunde auf einer Lanze aufgespießt vor sich hertragen und rief aus: „Sieh Jesus Christus, den Vertrag, den die Christen mit mir geschlossen und mit deinem heiligen Namen beschworen haben; wenn du ein Gott bist, räche den dir und mir zugefügten Schimpf!" Und er wurde gerächt. Das christliche Heer erlitt eine furchtbare Niederlage und man sah bald auf einer zweiten Lanze den abgehauenen Kopf des Königs herumtragen. Auch der Kardinal Cesarini und zwei Bischöfe fanden den Tod. Hunyady rettete sich durch die Flucht. Weniger noch als den Ungläubigen fühlte man sich verpflichtet, den Ketzern Wort zu halten. Der berühmteste, von den weitreichendsten Folgen begleitete Fall dieser Art, der auch Gelegenheit zu einer allgemein giltigen Entscheidung der Kirche gegeben haben soll, betrifft die Verurteilung und Verbrennung des Johannes Huß (am 16. Juli 1415) durch die zum Konzil von Konstanz versammelten Vertreter der ganzen Geistlichkeit des katholischen Europa. Vom Konzil der Ketzerei angeklagt und vorgeladen, hatte sich Huß, seine Gegner und das Verfahren der Glaubensrichter kennend, erst nach Konstanz begeben, als ihm Kaiser Sigismund, *) Geschichte des Osmanischen Reiches, Elftes Buch, Band I., 353 ff. S. auch Katona Historia critica regum Hung. Bd. XIII. Fleury Histoire eecles. Livre CIX, ch. 72—87.

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