Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 36 (2.9.1904)
- Date
- 1904-09-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021584--13872-3038548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 684 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 36 die große Hafthora vortrug. Am feierlichen Akte beteiligten sich außer der stattlichen Anzahl der Tempelbefucher auch der Bruder des Konfirmanden Herr Leopold Freiherr v. Popper, der Prokurist des Hauses Herr Paul Keller; der in diesen Tagen fein 25jähriges Amtsjubiläum feiernde und verdienstvoll wirkende Disponent des Popper'schen Hauses Herr Eduard Ernst Ungar, Herr kaiserl. Rat Bacher, der verdienstvolle Mentor des Konfirmanen, Herr Hermann Lemberg er u. A. Wieu. (Kaiser Franz Josephs-Ferienheim.) Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in den vom Vereine „Ferienheim" erhaltenen Kolonien: Tischnowitz, Petrau, Austerlitz und Bad Hall in würdiger und imposanter Weise begangen. Besonders feierlich gestaltete sich das Fest im eigenen Heim, im „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" zu Vorkloster - Tischnowitz. Das Schloß, das sich inmitten eines grandiosen Parkes erhebt, beherbergt gegenwärtig 135 Knaben. Am 17. August Abends erstrahlten alle Fenster des auf einer Anhöhe stehenden, weithin sichtbaren, mit Fahnen und Reisig dekorierten Gebäudes in hellem Lichterglanze. Die Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät bestand in Vergnügungen und Belustigungen aller Art, die den Kolonisten geboten wurden. Am nächsten Tage fand eine überaus schöne und erhebende Kaiserfeier statt, die den Schützlingen des „Ferienheim" gewiß stets in Erinnerung bleiben wird. — Gleichwie in den anderen Kolonien wurde die Feier durch einen Festgottesdienst eingeleitet. Namens des Vorstandes richtete nun die Schriftführerin Frau Dr. Zins an die Kolonisten eine schwunghafte, der Gelegenheit trefflich angepaßte Ansprache, an die sich die Festrede des Kommandanten der nach militärischem Muster als „Kompagnie" organisierten Kolonie schloß. Sodann sangen die Anwesenden die Volkshymne. Nachmittags wurde „Befehl" abgehalten und die braven Kolonisten wurden zu „Chargen" befördert. Sodann defilierten die kleinen Schützlinge mit Fahnen und Trommel vor den Gästen und sangen unter Leitung des Präfekten patriotische Lieder. Militärische Exerzitien überraschten durch die Präzision der Ausführung. Nun produzierten sich einzelne Kolonisten als Sänger, Deklamatoren, Klowns rc. und fanden mit ihren Darbietungen reichen Beifall. Als die Dunkelheit eintrat, marschierten die Zöglinge unter Trommelwirbel durch den herrlichen Park. Die Gäste, die das Heim verließen, konnten die Ueberzeugung mitnehmen, daß hier nicht nur bezüglich der körperlichen Wohlfahrt Mustergiltiges geleistet wird, sondern daß auch in religiös-sittlicher Erziehung bewundernswerte Resultate erziett werden. Wien. (Todesfall.) Herr Kultusvorsteher Emil Horner hat einen schweren Verlust erlitten. Seine Mutter, Frau Amalia Horner, ist am Samstag den 27. August im Atter von 77 Jahren in Ebensee nach kurzem Leiden verschieden. Das Leichenbegängnis, welches Mittwoch den 31. August unter großer Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung stattsand, gab Zeugnis davon, welch großer Verehrung die Verstorbene sich erstellte. Wien. (Verlobung.) Fräulein Luise S u s ch i tz k y aus Jnzersdorf bei Wien hat sich mit Herrn Eduard Weiß aus Wien verlobt. Wien- (Verlobung.) Fräulein Sidonie Pollak, Tochter der Frau Rabbiner Pollak, hat sich mit Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner D. Rudolfer in Amstetten verlobt. Wieu-Josefstadt. Im neuerbauten Tempel des achten Bezirkes, Neudeggergasse 12, findet am 5. September d. I. 725 Uhr nachmittags die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel an weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth statt. Prag. (Vermählung.) Dienstag den 30. v. M. fand im „Hotel Bristol" in Prag die Trauung des Fräulein Malvine Goldreich aus. Brüx, mit Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. I. Eisen berg aus Waidhofen a. A. statt. Sauerbrunn. Unter allgemeiner Teilnahme fand am 18. August das Leichenbegängnis der hier verstorbenen Frau Anna Knopf, Kaufmannsgattin aus Wien, statt, und waren u. a. Herr Weil, Vorstand aus Wien, Herr Lettner, Vorstand aus Mattersdorf, anwesend. Die Verblichene, eine aufrichtig fromme und choschewc Frau, wurde in Mattersdorf beerdigt. Ehre ihrem Angedenken! Brünn. Herr Max Hickl, Herausgeber^ und Redakteur der „Jüdischen Volksstimme", hat sich mit Fräulein A u r e l i e R e i ch-Buchlowitz verlobt. Prerau. In der Bevölkerung wird es mit großer Genugtuung aufgenommen, daß seit fast 35 Jahren jüdische Schüler das hiesige böhmische k. k. Obergymnasium besuchen und mit größtem Wohlwollen behandelt werden. Eine stattliche Anzahl ans dieser Anstalt hervorgegangener Absolventen erfreut sich angesehener Stellung als Advokaten, Aerzte, k. k. Beamte und Kansteute in der Gesellschaft. Eltern, die in Dörfer wohnen oder in Orten mit böhmischer Unterrichtssprache, wissen vor Beginn des Schuljahres oft nicht, wohin sie ihre Knaben zur Fortbildung schicken sollen, damit sie auch Hebräisch lernen können und religiös herangebildct werden. Diejenigen Eltern können ihre Knaben beruhigt in das Gymnasium in Prerau schicken. Daselbst werden sie auch Gelegenheit haben, beim Herrn Rabbiner in Hebräisch und jüdischer Literatur unterrichtet zu werden. Wohlhabende Schüler finden billige Kosthäuser und arme werden allseitig unterstützt, damit sie ohne Nahrungssorgen den Studien obliegen können. Auch auf religiöse Erziehung wird ein wachsames Augenmerk gerichtet. — Der neuernannte k. k. Sektionsrat Dr. Theobald Pollak, ein sein Judentum hochhaltender Glaubensgenosse, gehört einer vornehmen, patriotischen hiesigen Familie an. Paris. (Doktor Henri de Rothschild.) Auf Antrag des Ministers des Innern wurde Herr Doktor Henri de Rothschild zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Das „Journal Osficiel" motiviert diese Ernennung wie folgt: „Besondere Nechtstitel: Gründer der Armenapotheke Piepus, der Milchtrinkhalle für Arme, der Poliklinik und des Hospitals auf der Nue Marcadet, des Dispensatoriums von Berck-sur-Mer. Verfasser zahlreicher Arbeiten über die Hygiene der Ernährung und die Pathologie des Säuglings." Berlin. (Suspendierung vom Amt.) Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat den Gemeindebibliothekar Dr. Frommer vom Amt suspendiert, nachdem dieser der Aufforderung nicht nachgekommen war, die öffentlich aufgestellte Behauptung zu dementieren, daß er der Verfasser eines in der „Zukunft" erschienenen Artikels sei, der den Juden „unterzutauchen", d.M. sich taufen zu lassen, anriet. Feuilleton. Glänzende Kahne«. S k i z z e n ans dem Leben unbedeutender M e n s ch e n- Von R. M« Chi«. Uebersetzt von Malwina Blumherg. (Fortsetzung.) Ich vermied es, bei diesen Familien zu verkehren, weil die Langeweile dort eine unbeschreibliche. Die Hauptrolle in diesem aristokratischen Kreise spielte eine meiner Patientinnen, Frau Cypkin, die nicht mehr junge Witwe eines Lieferanten. Sie ist nicht dumm, liest russische und deutsche Bücher, kennt das Ausland, war zweimal in Karlsbad und macht den Eindruck einer Dame. Besagte Persönlichkeit beschloß, sich mit meinem Schicksal zu befassen. So fragte sie mich denn eines Tages: „Sie wohnen noch immer bei Wolf, Herr Doktor?" Ich war ganz erstaunt. „Natürlich, wo denn sonst?" „Und was gefällt Ihnen besser", fährt sie zu fragen fort, „die Wohnung oder die Wirte?" Ich lachte. „Eines und das Andere. Die Zimmer sind angenehm und behaglich und die Wirte sind rechtschaffene, gute Leute und behandeln mich wie einen Verwandten." Frau Cypkin zuckte die Achseln. „Vielleicht denken Sie wirklich an eine Verschwägerung. Nun, sind Sie etwa eine schlechte Partie für die Tochter eines Uhrmachers . . .? Wem will sie denn sonst?" „Ich versichere Sie, daß ihnen derartiges gar nicht in den Sinn kommt." „Nun, was das anbetrifft, so erlaube ich mir anderer Meinung zu sein. Ich lebe länger als Sie auf der Welt und kenne die Menschen besser. Wolf ist ein durchtriebener Kerl. Apropos, Doktor, man erzählte mir, Sie hätten das Mädchen lesen gelehrt und daß sie jetzt ganze Tage mit Romanlesen zubringt. Ist das wahr?" „Nein", entgegnete ich, „nicht Romane liest sie, sondern Geschichte und Reisebeschreibungen; und nicht ganze Tage, sondern nur ihre Mußestunden bringt sie damit zu."