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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-02 · 36 (2.9.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Dlocb's Mlocbenscbrttt. Seite 583 Judenhetzen in Rußland. Die russische Regierung Hai die Nachricht, daß sich im Gouvernement Lublin Judenhetzen ereignet hätten, dementieren lassen. Der offiziösen Darstellung gegenüber veröffentlicht das „Berliner Tageblatt" eine Polemik, in der es folgendermaßen heißt: „Was diese offiziösen Auslassungen im Einzelnen betrifft, so sehen wir gern ab von der auf gewisse Kreise berechneten, aber allzu lächerlichen Darstellung der Vorgänge in Ostrowicz, als wären sie ein Racheakt für Schläge, die ein jüdischer Knabe einem „strenggläubigen" Katholiken versetzt haben soll. Tatsache ist, daß in Ostrowicz eine strenge Untersuchung eingeleitet wurde, wenn auch nicht den Juden zuliebe, so doch wegen des Gendarmeriehauptmannes, der während der Krawalle von den Arbeitern durch Stockhiebe und Fußtritte schwer verwundet wurde; jedenfalls ist da einige Aussicht aus Ahndung der Verbrechen vorhanden. Den eingezogenen Erkundigungen über den Vorfall in Parczew müssen wir jedoch entschieden entgegentrcten. Es handelt sich zunächst nicht um einen getauften Juden, sondern um eine Jüdin und nicht um eine Erwachsene, sondern um ein 13jähriges Mädchen, Hanne Korn aus Czenstochow, Gouvernement Lublin, und Niemand wollte sie „verbergen", sondern ihre Eltern Chaim und Myriam Korn wollten sie am hellichten Tage vor Gericht aus den Klauen der Jesuiten reißen. Dies verursachte wohl einen „Auflauf" von Christen sowohl wie von Inden, aber die einen und die anderen sahen anscheinend teilnahmslos dem stillen Kampfe von Eltern und wildfremden Leuten um ein Kind zu. Erst als der Vertreter des Jesuiten Klopotowski den christlichen Hausen haranguierte und der Polizeigewaltige des Ortes Maxim Tokarski drein ries: „Nun los, Jungens, nach Kischenewer Art!", während sein Gehilfe Osmalski fünf Revolverschüsse abgab, dann erst warfen sich die Christen, allerdings mit Herrn Tokarski und den Gendarmen Melnikow, Zizkin und Golod an der Spitze, auf die Juden. Daß kein einziger Christ zur Verantwortung gezogen wird, nicht einmal der famose Maxim Tokarski, dem übrigens eine der Zeuginnen vor dem Staatsanwalt Nicolai Domochowski und dem Untersuchungsrichter Alexander Karpinski den Versuch einer Notzüchtigung auf den Kopf zusagte —, darüber schweigt sich der offiziöse Telegraph natürlich aus. Dagegen sollten sechzig Juden eingekerkert werden — wenn sie nicht bei Zeiten entflohen wären; nur neun befinden sich vorläufig im Gefängnis zu Siedlez, nämlich D. Adler, M. Liebermann, A. Rappoport, I. Pankiewitz, M. Feigenbaum, I. Feigenbaum, M. Oelbaum, I. Weinberg, B. Wildbaum. Welchen Vergehens sie eigentlich angeklagt werden, weiß kein Mensch." Tapferkeit zweier jüdischer Soldaten. Die „Nowoje Wremja" erzählt aus der Schlacht bei Kiulientschön folgende Episode: Wie bekannt, hat in der Schlacht bei Kiulientschön' ber griechisch-orthodoxe Priester Szczerbakowski mit dem Kreuze in der Hand die russischen Truppen gegen die Japaner angeführt und wurde von einer feindlichen Kugel getroffen. Er drohte zusammenzusinken und rief um Hilfe. Da sprangen ihm zwei Hornisten bei und stützten den Priester, der, von den beiden Soldaten gehalten, das Kreuz hochhaltend, noch eine Strecke weit der Truppe vvranging. Die beiden Hornisten waren Söhne jüdischer Famlien aus dem Moskauer Gouvernement. Das genannte Blatt fügt diesem Berichte hinzu: Solche Vorkommnisse, die nicht vereinzelt sind, sollten denn doch Veranlassung sein, die maßgebenden Kreise in Rußland zum Nachdenken über die Stellung der Juden in Rußland zu veranlassen." Vermischtes. Wien. N2D rwb (Enthebung von Neujahrswünschen.) Aus Anlaß der religiösen Jahreswende ' findet auch in diesem Jahre eine Ablösung der Neujahrswünsche zum Besten der C h e w r a-K a d i s ch a durch uns statt. Die Namen der Spender werden in der „Oesterreichischen Wochenschrift" publiziert. — Zum Zwecke der Ablösung jener Neujahrs- Gratulationen senden uns eine Spende von X 10.— für die Chewra-Kadischa Herr kais. Rat Dr. Theodor Lieben und Herr Schriftenmaler D. Schwarz in Wien K 2.—. Kranzablösungsspenden zu gunsten der Chewra-Kadischa Wien, I., Seitenstettengasse 4 sür arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Adolf G e r st mann» Bon Hermann Südfeld K 10.—, Ainalia Popper und Familie K 1i>.—, Dr. Josef und Dr. Jerüme Stern 8 30.—, Noe Strotz 8 40 — zusammen K 90. -. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Bernhard Beer: Bon Richard Landsberger und Ludwig Bendix 8 30.— . Anläßlich des Ablebens ves seligen Herrn Nathan Morgenstern: Bon Jakob Kann K 10.—, Leopold Otto 8 io.—, Edmund Schnabel K 10 -, Dr. Leopold Drucker 8 10.—, Karl Ehrenzweig K 10.— , Adolf Schrämet K 10.—, Rudolf Friedl K 10.—, Ludwig Pick K 10.—, S. Goldmann 8 10.—; zusammen K 90.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Regine Spitz: Bon Gabriel Dukes, Floridsdorf 8 4.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Salomon G r ü ub u t: Bon Michael Fleischmann K 4.—, Gisela Löwenfeld 8 2.—; zusammen K 6.-. Anläßlich des Ablebens der seligen Margarethe Weil: Bon Dr Moritz Weil 8 30.—, Sarah Alberti K 40.—, Friedrich und Julie Weil K 20.—; zusammen K 90.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Katharina H e r z l: Bon Bernhard Reicher 8 20.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Anna A p f e l g r ü n: Bon N. N. K 2.-. Anläßlich des Ablebens der seligen Philippine Baum garten: Bon S. P, 8, 5.— ■ Anläßlich des Ablebens der seligen Josefine D w o r s ch a k: Bon Samuel Biß K 4.—, Dr. Karl Klein und Frau 8 6.—; zusammen 8 10.—. Spenden: Bon Ungenannt 8 20.—, Rabbiner Wilhelm Sor 8 2.—, A. L. 8 2.—. M. L. statt eines Kranzes auf die Gruft des seligen Herrn Ignaz Lustig 8 10.—; zusammen 8 34.—. Wien, lieber Intervention des k. k. Landesschulrates und Vize-Präsidenten Herrn Dr. Gustav K o h n wurde von der k. k. Landesschulbehörde folgender Erlaß herausgegeben: „Die Direktion wird ausgefordert, bei Eröffnung des Schuljahres 1904/5 dem Umstande Rechnung zu tragen, daß am 19. September d. I. der israelitische Versöhnungstag fällt, an dem die Schüler israelitischer Konfession vom Schulbesuche und jeder Art von Prüfungen freizuhalten sind. Dieser Erlaß ergeht an die Direktionen sämtlicher Mittelschulen (Gymnasien und Realschulen) in Niederösterreich, dann der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Wien und Krems und der k. k. Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien. Vom k. k. niederösterr. Landesschulrate: Bienerth iv. p." Wien. (Erhebung in den Adelsstand.) Der Kaiser hat dem Großgrundbesitzer Dr. Moritz R o s e n st o ck in S k a l a t den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikate: Rozstocki verliehen. Herr Dr. v. Rosenst o ck, der viele Jahre hindurch Vertreter der Brodyer Handelskammer im Reichsrat war, ist für die jüdischen Gemeinden seines Gutsbezirkes ein stets opferwilliger Beschützer und seine Erhebung in den Adelsstand wird in diesen jüdischen Kreisen mit aufrichtiger Genugtuung begrüßt werden. Wien. (Barmizwah-Feier im Hause des Herrn Alexander Freiherrn von Popper de P o d h r a g y.) Samstag den 27. August fand im Rahmen des Hauptgottesdienstes in der Seitenstettenfynagoge die Barmizwah- Feier des jüngsten Sohnes des Herrn Alexander F r e i h e r r n v. Popper de Podhragy, Ernst Freiherrn v. Popper, nach althergebrachter Weise statt. Der Vater, Baron Alexander, wurde zur Thora gerufen und spendete für die Armenanstalt X 1000, Versorgungs- und Siechenhaus X 1000, Kinderbewahr-Anstalt X 1000, Frauenhort X 600, Therefienkreuzer-Verein X 400, Blindeninstitut X 500, Verein Handlungsangehöriger Israeliten X 300, Taubstummen-Jnstitut X 200, gelegentlich des Mifcheberach für die Tante Frau Josefine von Popper zur Verteilung an Arme in den HeimatsgemeindenHlinik und Kotescho X 600. Einen erhebenden Anblick gewährte es, als der Konfirmand Ernst Freiherr von Popper de Podhragy zur Thora gerufen wurde und nach dem üblichen Mifcheberach durch Oberkantor Singer und der Einsegnung durch Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n mit vernehmlicher Stimme und offenbarem Verständnisse des Textes

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