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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L Seite 564 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 35 fach als unerhörte Frechheit, und durchwegs passiert es den unglücklichen Trägern dieser Namen, von Seite der Polizei Einwendungen, gemeine Spässe darüber zu hören. Daher nimmt die Polizei mit Vergnügen solche durch den Jargon und Spott verstümmelte biblische Namen in Schutz, und heute, wo jeder christliche Kaufmann auf seinen Schild den bloßen Familiennamen sogar ohne Anfangsbuchstaben seines Vor- und Vatersnamen schreiben kann, wird es dem Juden nicht gestattet, das Schild auszuhängen, solange er nicht den vollen Vor- und Vatersnamen anführt, und je verstümmelter und lächerlicher diese Namen, mit desto größerer Genauigkeit und Deutlichkeit müssen sie ausgeschrieben sein; Vor- und Vatersname müssen vollständig deutlich abgebildet sein und ebenso genau hervortreten wie der Famllieuname. In den Bescheiden des Moskauer Oberpolizeimeisters heißt es immer, daß die Genehmigung nur unter der Bedingung erteilt werde, daß der Vor- und Vatersname „jenes Juden" mit „fetter und auffallender Schrift" abgebildet werde. Das geht so weit, daß auf der Tafel einer Kommanditgesellschaft, deren Mitglieder aus Juden bestehen, alle Teilnehmer namentlich ausgeschrieben werden. So prangt auf der Tafel des Handelshauses Wyssotzki & Komp, folgende Aufschrift: Groß- Teehandlung des Hauses W. Wyssotzki & Komp., Gründer: Kaufmann 1. Gilde Josef Jacob Wyssotzki, Kommanditisten: Bürger Effet Schmerkow Zetlin und Geschäftsftau 1. Gilde Liba Wulfowna Gavronskaja. Es ist hier am Platze, 8 81 H.-G.-B anzuführen, aus dem ersichtlich ist, daß bei jeder Kommanditgesellschaft die Namen der Teilnehmer nicht auf dem Firmenschild angeführt, sondern durch das Wort „Kompagnie" ersetzt werden, aber wie der gewesene Moskauer Oberpolizeimeister Blassowski regelmäßig nach seiner Manier erklärte, gebe es für die Juden kein Gesetz. In allen offiziellen Erlässen, Anftagen, Antworten, Beschlüssen und anderen Schriftstücken ist es üblich, zu schreiben „der und der Jude", und durch dieses Zeichen allen eine Parole erteilend, die irrtümlich im Bittsteller oder Partner den Menschen und nicht den Juden erblicken sollten. Eine so systematische Beschimpfung einer ganzen Klasse von Mitbürgern erweckte ihrerseits bis heute keinen Protest, infolge des panischen Schreckens und der völligen Gewißheit, daß ein Kampf nutzlos und die Beschwerde jedes Kaufmannes im Einzelnen vielleicht nach einigen Jahren von irgend einer letzten Instanz gewürdigt werden kann, indessen finden die städtischen Behörden Mittel, das Gefühl der Menschenwürde zu ertöten, die sich gegen unverdiente Schmach und Gesetzlosigkeit empört. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Wie«. Das kaiserliche Geburtsfest wurde in Oesterreich in allen israelitischen Gotteshäusern in diesem Jahre mit besonderer Feierlichkeit begangen. Bei dem Gottesdienste in der Synagoge in der Seitenstettengasse intonierte Oberkantor Singer unter Assistenz des unter der Leitung des Direktors Professors Joseph Sulzer stehenden Tempelchores den großen Festpsalm 111 („Hallelujah"), eine Komposition des Altmeisters des Synagogengesanges weiland Oberkantors Salomon Sulzer. Hierauf wurde die Bundeslade geöffnet und Oberrabbiner Doktor Güdemann verrichtete das Kaisergebet, worauf die Volkshymne angestimmt wurde. Der Feier wohnten bei: Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfted Stern mit dem Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, dem Vorstandsmitgliede Moritz Eißler, dem Sekretärstellvertreter Dr. Emil Adler und vielen Beamten, Bethausvorsteher Karl Lemberger, der Vorsteher der Armenanstalt Josef Jellinek, Gemeinderat Ziff e re r, Religionsschulinspektor Dr. L a n g f e l d e r, Direktor Fischer von der Kinderbewahranstalt u. v. a. Im firaelitischen Tempel des II. Bezirkes, Tempelgaffe, hielt Herr Rabbiner Dr. Schmiedl in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums die Festpredigt und Herr Oberkantor Bela Güttmann sang, gleichfalls von dem unter Leitung des Direktors Prof. Sulzer stehenden Chore begleitet, den Kaiserpsalm. — Im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde, XV., Turnergasse hielt Herr Rabbiner Dr. David die Festpredigt und die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Jurberger. Im Gemeindetempel Währing, Schopenhauerstraße hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g die Festpredigt, die kantorale Funktion versah Herr Erster Kantor Silbermann. Im israelitischen Tempel in der Müllnergasse fand um 8 Uhr ein feierlicher Gottesdienst statt. Ihm wohnten der Präses Gottlieb Bettelheim mit den Vorstandsmitgliedern und zahlreiche Andächtige bei. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Gelbhaus. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Kläger, assistiert von dem Chore. Der Vorstand des neuerbauten Tempels, VIII. Bezirk, Josefstadt hat heuer das erste Mal den feierlichen Gottesdienst anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. vor geladenen Gästen in feierlicher Weise abgehalten. Aus der Provinz liegen folgende Mitteilungen vor: Baden. (F e st g o t t e s d i e n st.) Bei voller Beleuchtung und in Anwesenheit des Kultusvorstandes mit dem Präses Herrn Moriz Lettner an der Spitze, wie einiger Herren der Behörden und eines zahlreichen Publikums fand Donnerstag den 18. d., um halb 11 Uhr vormittags im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers ein solenner Festgottesdienst statt. Derselbe wurde vom Oberkantor M. Seifert unter Assistenz des geschulten Tempelchores mit dem Choräle „Ma-towu“ eingeleitet, woraus Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich die Kanzel bestieg und in einer erhebenden, schön durchdachten und von patriotischer Gesinnung hochgehaltenen Rede die Weihe des Tages zum Ausdrucke . brachte und schloß dieselbe mit dem Kaisergebete vor offener Bundeslade. Hieraus rezitierten Oberkantor und Chor den Königspsalm 21 von Sulzer. Mit der Exekutierung der Volkshymne schloß würdig und weihevoll die Kaiserfeier. Bisenz, 19. August. Die Feier anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät unseres huldreichsten Kaisers wurde gestern im Tempel der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde in Anwesenheit des Gesamtvorstandes, des Offizierskorps des hier garnisonierenden Dragonerregimentes, sowieeines zahlreichen distinguierten Publikums in würdiger Weise begangen. Nach erfolgtem einleitenden Choralgesang unter der bewährten Leitung der Kantoren Weiß und Schulz hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Josef Hoff eine schwungvolle, geschichtlich pointierte Festrede und schloß mit einem Gebet, worauf vor offener Bundeslade die Kaiserhymne von der gesamten Schuljugend gesungen wurde. Amschelberg. Auch in unserer Gemeinde wurde am Vorabende des Geburtsfestes des Kaisers im festlich beleuchteten und dekorierten Tempel ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Neligionslehrer S. Kohn sang die Königspsalmen. Sodann bestieg er die Kanzel und hielt eine gediegene patriotrische Rede und schloß diese mit dem Kaisergebete. Zum Schluffe wurde die Volkshymne gesungen, in welche alle Anwesenden mit einstimmten. Rokitzan. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers fand im israelitischen Tempel ein Festgottesdienst statt. Nachdem Rabbiner Fischer die Festrede und ein Gebet gesprochen hatte, sang die Schuljugend die Volkshymne, womit die würdige Feier schloß. Leitmeritz. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers fand am Vorabend den 17. d., abends, im hiesigen israelitischen Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, wobei Rabbiner Dr. S ch o r n st e i n die Andachtsrede hielt und vom Oberkantor Erzberg die üblichen Psalm- und Gesangsvorträge wie anch die Volkshymne unter Chorbegleitung rezitiert wurden. Skotschau. Im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde hielt Rabbiner Dr. D ob schütz eine gedankenreiche Festrede. Im Gotteshause gelangte auch die Volkshymne zur Absingung. Prag. Im neuen Tempel in der Geistgasse fand anläßlich des Geburtsfestes des Kaisers ein Festgottesdienst statt. Den gesanglichen Teil der Feier exekutierte Kantor M i r s k y mit dem Tempelchor, das Kaisergebet rezitierte Oberkantor Moor. Budweis. Am Vorabende fand im israelitischen Tempel ein Festgottesdienst statt, bei welchem der Tempelchor unter Leitung des Chordirigenten und Organisten Max Gans die Kaiserhymne von Sulzer zum Vortrage brachte. Nikolsburg. Im hiesigen israelitischen Tempel fand zu Ehren des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers eine solenne Feier statt. Der neuernannte Rabbiner D. Lewin hielt eine patriotische Rede, welche auf die Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machte. Den gesanglichen Teil leitete Oberkantor Fränkel.

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