Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 85 Dr. Mocb s Mocbenscbritt. Seite 585 Dirovitiea (Slavonien). Auch dieses JaKr wurde hier wie alljährlich am 18. August, als dem Geburtslage Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I.. im Tempel unserer Kultusgemeinde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Julius Reich und Herr Wilhelm Weiß empfingen die zu diesem Festgottesdienst erschienenen Festgäste und wiesen ihnen Ehrenplätze an. Erschienen waren: Herr Major v. Zwicker mit dem Offizierskorps, Herr Bezirksrichter Dr. Mavro Rein mit den richterlichen Beamten wie das Beamtenpersonal der königl. Bezirksbehörde. Vertreten waren das Steueramt, das Postamt, wie überhaupt was zur besseren Gesellschaft gehört, war im Tempel erschienen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch der fürstl. Schaumburg-.Lippe'sche Direktor, Herr v. Beck samt Frau Gemahlin und königl. Forstrat Müller erschienen waren. Nachdem Herr Kantor Freudes mit dem Chor das „Ma-towu“ und den Königspsalm gesungen hatte, bestieg Herr Rabbiner Dr. Kaufmann die Kanzel und feierte in einer begeisternden Rede Se. Majestät als Fürsten des Friedens und der Liebe. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde unser Herr Rabbiner von allen Seiten beglückwünscht. PoLeqa. Am 18. August fand im hiesigen Tempel ein Feiergottesdienst für unfern König statt. Zu dielem Anlasse versammelten sich alle Spitzen der Behörden, so namentlich der Obergespan v. Kuseviv in Vertretung des hiesigen Obergespans Dr. v. Jurk o v i o. Vizegespan v. 6 u v a j, Herr A. D a w i l a, Präsident des hiesigen Obergerichtshofes. Erzpriester I. K o n st a n t i n o v i e, Sekretär der Obergespanschaft, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter C i r a k i, der gesamte Lehrkörper des hiesigen Obergymnasiums unter der Führung des Herrn Direktors Mazek, Ritter des Franz Josef- Ordens, in Vertretung der hiesigen Finanzdirektion unter Leitung des königl. Rates und Finanzdirektors v. Oreskovia mit allen Beamten, die Repräsentanz der hiesigen Kultusgemeinde nebst zahlreichen Gemeindemitgliedern. Der Gottesdienst gestaltete sich sehr feierlich; derselbe wurde mit einem Sulzer'schen Ma towu von unfern Herrn Oberkantor Josef Weißmann in Begleitung eines gemischten Chores mit Harmoniumbegleitung eingeleitet. Sodann betrat Se. Ehrwürden Herr Dr. M. M a r g e l die Kanzel und hielt eine wohldurchdachte Rede, die bei allen Anwesenden einen besonderen Eindruck machte. Nach einem von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Marge! vorgetragenen kroatischen Gebete für Se. Majestät sang der Chor mit Harmoniumbegleitung Psalm 21. Mit der Absingung der Volkshymne schloß der schöne Gottesdienst. A. Kutina. (Croatien.) Mit besonderer Feierlichkeit wurde der Geburtstag Sr. Majestät im hiesigen Tempel begangen. Erschienen waren der Bezirksvorstand Dr. Mühlstein und der ganze Beamtenkörper. Die Festrede hielt unser Rabbiner I. M. Tauber. — Im Jahre 1905 feiert die hiesige Kultusgemeinde das Jubiläum ihres einhundertjährigen Bestandes und hofft, diese Feier mit der Einweihung eines neuen, würdigen Gotteshauses begehen zu können. Prag. Der jüngst hier verstorbene Regierungsrat Universitätsdirektor Dr. Scherer verfolgte mit besonderem Interesse die historische Entwicklung des Judenrechtes, und seinen umfassenden Untersuchungen über diese Frage entsprang das groß angelegte Werk „Beiträge zur Geschichte des Judenrechtes im Mittelalter mit besonderer Bedachtnahme auf die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie". Der erste Band erschien 1901 in Leipzig bei Dunker und Humblot und behandelte die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern mit einer Einleitung über die Prinzipien der Judengesetzgebung in Europa während des Mittelalters. Die Kritik nahm die wertvolle Arbeit mit Beifall und lebhafter Anerkennung auf. Regierungsrat Scherer förderte das Werk mit emsigem Fleiße und die erste Abteilung des zweiten Bandes ist soeben im Drucke. Ihr Erscheinen sollte der Gelehrte nicht mehr erleben. Budapest. (Erzbischof und Rabbiner.) Der Erzbischof von Eger, Dr. Josef Samassa, war zur Einweihung der dank seiner Munifizenz erbauten neuen Kirche persönlich nach Nyiregyhaza gekommen. Bei dieser Gelegenheit empfing der Kirchenfürst zahlreiche Deputationen, darunter auch die vom Oberrabbiner Dr. Adolf K e l e m e n geführte gemeinsame Deputation der Nyiregyhazaer israelitischen Status qno-Gemeinde und der autonomen orthodoxen Gemeinde. Der Sprecher der Deputation, Oberrabbiner Dr. Adolf Kelemen, hielt an den Erzbischof eine gehaltvolle Ansprache, welche auf den Ausspruch des Psalmisten: „Haben wir doch alle einen Vater, hat uns doch ein Gott geschaffen! Warum sollen wir treulos handeln einer an dem anderen und den Bund unserer Väter entweihen?" basiert war und die aufrichtigsten Segenswünsche für die neue katholische Kirche enthielt. Auf diese Rede antwortete der Erzbischof: „Die geoffenbarten Wahrheiten müssen Gemeingut der Menschheit werden; sie fino es, die die beiden geoffenbarten Religionen aneinander knüpfen. Wohl ist es wahr, daß das Werk der Liebe noch nicht vollständig ist. Vom Berge Sinai ist die erobernde Kraft des Rechtes, des Gesetzes und der Wahrheit zum Heile des- Menschengeschlechtes ausgegangen. In allen Lagern ist dagegen oft und viel gesündigt worden, aus verständlichen Gründen: die Menschen find eben schwach! Ich selbst bin ein alter Mann, zähle 76 Jahre, 66 davon in Arbeit verbracht. Mich kann Lob nicht mehr erhöhen, Tadel und Verkennung nicht mehr schrecken. Mir gaben meine Religion und die Liebe zum Vaterlande die Kraft zum Kampfe des Lebens; wen diese beiden Gefühle beseelen, der wird diesen Kampf siegreich bestehen. Ich danke für Ihr freundliches Erscheinen. Gott segne Sie!" London. (EinneuesjüdischesParlaments- Mitglied.) Der wegen seiner großen Tüchtigkeit bekannte Advokat und Kings Counsul (Justizrat) Rufus Daniel Jsaacs ist im Wahlkreis Reading zum Mitglied des Unterhauses gewählt worden. Mr. Rufus Jsaacs gehört der liberalen Partei an, sein konservativer Gegner Mr. C. E. Keyser ist in Reading außerordentlich beliebt, so daß man allgemein seine Wahl als gesichert betrachtet hatte. Die Wahlbeteiligung war bei der diesmaligen Wahl außerordentlich lebhaft, die Majorität der Liberalen betrug nur 230 Stimmen. Rufus D. Jsaacs ist 1860 in London geboren und hat seine Ausbildung in London, Brüffel und Hannover genossen. Seit 1887 Advokat, hat er in ziemlich kurzer Frist eine glänzende Praxis gewonnen und wurde 1898 zum Kings Counsul ernannt. Vor vier Jahren hat er zum erstenmal für das Unterhaus kandidiert, ist aber in dem von den Liberalen als verlorener Posten erachteten Wahlkreis Nord- Kensington nicht gewählt worden. Rufus D. Jsaacs gehört der imperialistischen Richtung der Liberalen an, er hat bereits am Dienstag seinen Sitz im Unterhaus eingenommen. Mit ihm ist die Zahl der jüdischen Parlamentsmitglieder auf elf gestiegen, unter denen vier Liberale find. Lissabon. Eine eigenartige Gedenkfeier wird nächstes Jahr in der Hauptstadt Portugals begangen werden. Iw diesem Jahre werden 200 Jahre verflossen sein, als in dieser Stadt ein Jude, namens Antonio Jose, ein bedeutender Schauspieler und Dramatiker, von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Antonio Jose war ein Liebling des Theaterpublikums und wurde allgemein „O Judeo" (Der Jude) genannt. Zum Andenken an dieses unschuldige Opfer der Inquisition wird auf Anregung der hiesigen Preffe an dem Tage, an welchem vor 200 Jahren Jose verbrannt wurde, eine imposante Gedenkfeier stattfinden, wobei ein Monument zu Ehren dieses Märtyrers errichtet werden wird. Petersburg. (Ueber die Auswanderung der Juden aus Rußland) bringt das „Berliner Tageblatt" eine Mitteilung ihres Petersburger Korrespondenten, die in mancher Hinsicht Beachtung verdient. Die Auswanderung der Juden insbesondere aus dem ruffischen Westgebiet habe im Laufe dieses Jahres einen sehr großen Umfang angenommen. Sie richte sich hauptsächlich nach Amerika. Sehr selten jedoch hätten die auswandernden Familien einen festen Plan oder einen bestimmten Punkt im Auge, sondern sie überließen alles dem Zufall. Ebensowenig würden irgend welche Vorbereitungen für die weite Reise getroffen. So werde nur höchst selten ein Paß gelöst; man vertraue sich der Hilfe der zahlreichen Agenten an, die die Auswanderer heimlich über die Grenze bringen und sie alsdann nach Kräften aussaugen. Der Artikel fährt dann fort: In einzelnen Städten des Westens hat sich die jüdische Intelligenz zusammengeschloffen, um die Auswanderung der Juden zu ordnen und sie vor den räuberischen Agenten zu .schützen. So haben die gebildeten Juden Grodnos vor kurzem eine Versammlung abgehalten, die auch von anderen Städten aus beschickt war. Es wurde beschloffen, ein „Bureau zur Verbefferung der Auswanderung der Juden"