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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Blocb’s MocdenscorLN. Teile 545 Beteiligen sie sich daher durch Ihren Beitritt, und Sie werden zeitlebens sich mit Freude und Genugtuung dieses Aktes erinnern. Das provisorische Komitee des israelitischen Vereins zur Kolonisation Palästinas: Rabbiner Elias Guttmacher in Grätz, Rabbiner Hirsch K a l i s ch e r in Thorn, Rabbinatskandidat L. S. S k u t s ch in Frankfurt a. M., z. Z. Schriftführer. Bon einer jüdischen Berliner Hofsängerin aus dem 17. Jahrhundert erzäht folgender Briefwechsel, der im „Berliner Börsen-Courier" mitgeteilt wird: Der Kurfürst Friedrich III. schrieb am 16. Juli 1690 aus Wesel an den Fürsten von Anhalt und die Geheimen Räte in Berlin; „Marcus Jsaac Juden sambt Seiner bey sich habenden Tochter Brentgen Marcus von hier nach Berlin gehen zu lassen, damit gedachte Brentgen bey Unsrer hochgeliebten Gemahlin mit singen aufwarten und nach derselben gutfinden sich weiter in der Music üben und perfectionieren, auch Ihre habende ungemeine stimme nach der Kunst und methode einrichten und employren lerne." Die Antwort des Fürsten von Anhalt lautet wörtlich: „Der Jud ist angekommen, weil aber E. h. d. Gemahlin sich anitzo nicht hier, sondern zu Hannover befindet, so werde deroselben Ich von dieses Juden Tochter Brentgen Marcus und ihrer unge meinen Stimme, die Ich selbsten gehöret und admiriret habe, alsoforth Nachricht geben und dero gnädigsten Befehl erwarten, ob sich diese Jüdinn dorthin begeben oder bis zu dero Gott gebe! glücklicher Zurückkunfft sich allhier aufhalten soll" . . . Von den weiteren Schicksalen der jüdischen Hofsängerin Brentgen Marcus ist nichts bekannt. Schleiermacher und Spinoza. Anläßlich der am 3. Juli erfolgten Enthüllung des Denkmals Schleiermacher's vor der Trinitatiskirche in Berlin brachte das zweite Juliheft des „Freien Wort" einen Artikel über den freisinnigen Theologen, worin es (S. 313) heißt: „Und Cbristus ist ihm nur e i n religiöser Heros, nickt der größte, ja wo Schleiermacher den eigentlichen Ausdruck für das tiefste Wesen der Religion sucht, da findet er ihn nicht bei Christus, ja überhaupt nicht in den Aufzeichnungen der heiligen Schrift, von der ihm auch eben dasselbe gilt, was er allgemein mit den Worten ausspricht „von allem, was ich als das Werk der reinen Religion preise und fühle, steht wohl wenig in heiligen Büchern", sondern er findet diesen reifsten und reinsten Ausdruck des Wesens der Religion bei Benedikt Spinoza! „Ihn durchdrang der hohe Weltengeist, das Unendliche war sein Anfang und sein Ende das Universum seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demut spiegelte er sich in der ewigen Welt um sah zu, wie auch Er ihr liebenswürdigster Spiegel war, voller Religion war er und voll heiligen Geistes; und darum steht er auch da, allein und unerreicht, Meister in seiner Kunst, aber erhaben über die profane Zunft, ohne Jünger und ohne Bürgerrecht." — Schleiermacher steht mit der hohen Wertung Spinoza's nicht allein, sondern begegnet sich darin mit Goethe, Lessing, Herder, während es Moses Mendelssohn einen tiefen Schmerz verursachte, daß Lessing Spinozist war. Das hindert natürlich nicht Houston Stewart Chamberlain, Spinoza durch Fälschung eines Zitates als krassen Utilitaristen hinzustellen, was ihm Prof. Werner S o m b a r t und in weiterer Folge der Sekretär der Handelskammer in Prag Dr. Schuster gläubig nachgeschrieben haben. Wenn Chamberlain mehr klassische Literatur und namentlich mehr Goethe studiert hätte, anstatt ihn lediglich als Garderobe zu betrachten, der man Zitatenflicken entnimmt, um seine geistige Blöße zu bedecken, so hätte er wissen müssen, daß Goethe Spinozist war. Ludwig Feuerbach und das Judentum. In seinem Werke „Das Wesen des Christentums" (3. Aust., Leipzig 1849, S. 163 ff.) hat Feuerbach ausführlich dargelegt, daß die jüdische Religion eine utilistische ist. „Der Gott der Juden ist der Egoismus in der Form der Religion." Welche Art Egoismus Feuerbach meint, hat er selbst klargelegt. („Vorlesungen über das Wesen der Religion", Leipzig 1851, S. 63): „Ich verstehe unter Egoismus die Liebe des Menschen zu sich selbst, d. h. die Liebe zum menschlichen Wesen, die Liebe, welche der Anstoß zur Befriedigung und Ausbildung oller der Triebe und Anlagen ist, ohne deren Befriedigung und Ausbildung er kein wahrer, vollendeter Mensch ist und sein kann; ich verstehe unter dem Egoismus die Liebe iv's Individuums zu Individuen seinesgleichen; denn was bin lch ohne sie, was ohne die Liebe zu Wesen meinesgleichen?)" Feuerbach als Antisemiten hinzustellen, ist daher falsch- Er nennt sich selbst einen „Atheisten", der sich zur „Naturreligion" bekenne (s. Vorlesungen über das Wesen der Religion, Lpz. 1851, S. 44). So gesellen sich zu jenen Aeußerungen über das Judentum wirklich scharfe Angriffe gegen das Christentum. „Das heilige Mysterium der Trinität löst sich auf in Täuschungen, Phantasmen, Widersprüche und Sophismen." (s. das Wesen des Christentums, 3. Aust., Lpz. 1849, S. 317). „Die Abendmahlslehre ist Sophistik." (ebenda S. 331). „Alle Greuel der christlichen Religionsgeschichte find, weil aus dem Glauben, aus dem Christentum entsprungen." (Ebenda S. 345). Und schließlich ist ihm das Christentum nur „geistliches Judentum". So schreibt er im „Wesen des Christentums" (Lpz. 1849, S. 171 f): „Israel ist die historische Definition der eigentümlichen Natur des religiösen Bewußtseins, nur daß dieses hier noch mit der Schranke eines besonderen, des Nationalinteresses, behaftet war. Wir dürfen daher diese Schranke nur fallen lassen, so haben wir die christliche Religion. Das Judentum ist das weltliche Christentum, das Christentum das geistliche Judentum." . . . „Das Christentum hat den Egoismus des Judentums zur Subjektivität vergeistigt — obwohl sich auch innerhalb des Christentums diese Subjektivität wieder als purer Egoismus ausgesprochen — das Verlangen »ach irdischer Glückseligkeit, das Ziel der israelitischen Religion, in die Sehnsucht himmlrscher Seligkeit, das Ziel des Christentums ver» andelt." Feuerbach ist ein Bewunderer SPinoza's gewesen, über den er schreibt (Vorlesungen über das Wesen der Religion a. a. O. S. 9): „Er ist der Einzige unter den neueren Philosophen, der die ersten Elemente zu einer Kritik und Erkenntnis der Religion und Theologie gegeben hat; der Erste, der es auf eine klassische Weise ausgesprochen, daß die Welt nicht als eine Wirkung oder ein Werk eines persönlichen, nach Absichten und Zwecken wirkenden Wesens angesehen werden könne; der Erste, der die Natur in ihrer universellen, religions-philosophischen Bedeutung geltend machte. Ihm habe ich daher meine Bewunderung mit Freuden dargebracht." Die Antisemiten hätten es sicherlich unterlaffen, Feuerbach zu einem Gesinnungsgenossen zu stempeln, wenn sie gewußt hätten, daß seine Gattin, mit der er in überaus glücklicher Ehe lebte, eine Jüdin war. Eine letzte Erwiderung. Diskussionen bedeuten oft nicht mehr, als Wasser ins Meer schütten, und das umso mehr, wenn, wie im gegenwärtigen Falle, die Streitenden geradezu durch eine Mauer getrennt sind, die keiner von ihnen niederzureißen Lust hat. Ohne mich auf Weiteres einzulassen, möchte ich mich hier nur sehr energisch dagegen verwahren, daß mein Gegner versucht, eine sachlich wiffenschaftliche Diskussion auf persönliches Gebiet hinüber zu spielen. Ich gestehe Herrn Dr. Biach, der mir absolut ftemd ist, nicht das geringste Recht zu, ein Urteil über meine Kenntnis der jüdischen Religion abzugeben. Persönlich bemerkt, stamme ich von fanatisch gläubigen Eltern und bin erst verhältnismäßig spät, hauptsächlich durch Maimonides, zur wohlgeprüften und schwer erkämpften Anschauung gekommen, daß der jüdische Glaube ein Irrweg der jüdischen Rasse war, der ihre wesentlich ethischen Fähigkeiten in phantastischer Weise auslöste. Die von Herrn Dr. Biach gemachten Gegenüberstellungen bestätigen nur, was ich in meiner letzten Erwiderung sagte. Auch eine materialistische Religion kann ihre Bekenner zu ehrfurchtsgebietenden Träumen: und Märtyrern machen, und auch eine jolche Religion vermag an sich ein wunderbares Kunstwerk zu sein. Und es wäre traurig, wenn die Verurteilung eines Werkes die Bewunderung für die dahinter stehende Schöpferkraft ausschließen sollte. Damit wäre diese unfruchtbare Angelegenheit für mich erledigt. Lothar Brieger-Wasservogel.

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