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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»Kr. 34 Dr. Block s MocvenscdrM. Seite 543 zu Ende gehen lassen, um sich dann die Türe vor der Nase zuschlagen zu lassen. Das Deutschtum in Mähren hat, wie auch anderwärts, den Juden seine sestesten Fundamente, seine besten Erfolge zu danken. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie viele unserer mährischen Glaubensbrüder sich leider noch immer in höherem Maße als Deutsche, denn als Juden fühlen. Das wird ihnen allerdings nicht mehr lange möglich sein. Wir halten es für ehrenvoller, einem ungastlichen Hause freiwillig den Rücken zu kehren, als sich gewaltsam aus demselben entfernen zu lassen. Kampf um den Zionismus in Ungarn. Die „Misrachi", der Verband orthodoxer Zionisten, wird am 10., 11., 12. und 13. Elul, d. i. am 21., 22., 23. und 24. August in Preßburg eine Konferenz abhalten. Zu diesem Behufe hat sich unter Leitung des Herrn Samuel Bettelheim dort ein Vorbereitungskomitee gebildet. Die Führer der ungarischen Orthodoxie haben aus diesem Anlaß einen^ Aufruf veröffentlicht, in welchem in scharfer, eindringlicher Sprache vor dem Zionismus als einer Gefahr für das Judentum eindringlich gewarnt wird. „Die zionistische Bewegung", so beginnt der Aufruf, „bat in einem kleinen Teil des gesetzestreuen Lagers in Ungarn Anhänger gefunden und streckt nun ihre Arme aus, um noch Andere zu fangen. Zu diesem Zwecke haben sie eine allgemeine Versammlung nach einer Muttergemeinde Israels einberufen. Sie nennen sich wohl „Misrachi". aber sie sind voller Liebe für die Zionisten, über die das Urteil längst gesprochen ist, daß sie nicht auf Gott vertrauen und auf ihren König nicht warten wollen. Wer nun daher sieht, wie sich der „Misrachi" anschickt, in unser Lager einzudringen, um Seelen zu fangen, dem muß es heilige Pflicht sein, die Masken von ihren Gesichtern zu entfernen. Darum an Euch, Ihr Treuen in Israel, ergeht meine Stimme: iiiD dstos nnn vn obnpai r6«n D-taan biniD. Fliehet, fliehet diese Leute und in ihrer Versammlung werde nicht eingeschloffen Eure Ehre!" Dann wendet sich dieser Aufruf an die Preßburger Gemeinde mit den Worten des Propheten Maleachi: dvi1?"! ntiD’i naa "ö iai n *1ÖK aaa pan b pK wn ’naiö n-Kn. ..Heilige Gemeinde Preßburgs! Uebet das Wohlgefällige in den Augen Gottes und schließet die Tore der Stadt, daß die Zionisten nicht in Eure Kreise dringen. Rufet ihnen die Worte des Propheten Jesaias zu: gaYö nsr tapn ,ö 12'nzrn P'ttn. Wer fordert dies von Euch, daß Ihr unsere Höfe zertretet, unsere Höfe, die bis heute ein Heiligtum Israels waren." „Wir wenden uns zu den Treuen in Israel und erheben bittend unsere Stimme Unser Land war bis heute frei von der unseligen zionistischen Krankheit. Zu unserem größten Schmerze und zum Schmerze aller Gesetzestreuen beginnt diese Plage nsn nnbu&än sich auch bei uns zu verbreiten. Sie haben eine Versammlung in eine unserer Städte einberufen. Unser Herz trauert und unsere Seele ist in Angst, daß das Gift vnxn sich Bahn brechen könnte bei denen, die von der Tragweite der Dinge nicht unterrichtet sind. Darum dürfen wir nicht schweigen. Zion und die Thora sind in Gefahr. Wre Schofarstimme ergehe unser Ruf: Hütet Euch, daß Ihr nicht in dieses Netz geratet, das gegen den wahren Glauben ausgebreitet ist. Denn es ist uns bekannt, daß die zionistische Bewegung eine Kulturbewegung ist, ihre Grundlagen sind Abfall und Untreue und ihre Ziele, unsere Jugend zu verführen. Darum teuere Brüder, gehet nicht mit ihnen, haltet Eure Füße zurück von ihren Pfaden, denn ihre Füße laufen zum Bösen, sie erreichen die Pfade des Lebens nicht." Dieser Aufruf war unterzeichnet von den berühmten Oberrabbinen zuWaitzen, Hußt und Hunsdorf. Jetzt haben sich diesen drei Rabbinern noch folgende Koryphäen der ungarischen Orthodoxie angeschlossen, u. zw. die Oberrabbiner: Glück-Tolesva, Reinitz- Galszecs, Spiro-Munkacs, Kutna-Eisenstadt, Kahana-Szapinka, Grünfeld-Szt. Mihaly, Spiro-Tarczal, M. J.-Entredam, Kohn- N.-Kapos, Winkler-H. Mad, Deutsch-B. Gyarmat, Wald-K. Helmez, Fried-B. Ujvaros, Paneth-Dees, Klein-Holmi, Prager-Ada, Strasser-Tokaj, Jungreiß-Abauj-Szanto, Pollak-Beltznyes, Brach- Magendorf, Tannenbaum-Torna, Altmann-M. Esüth, Fried-Szt. Peter, Heilprin-H. Nanas, Güns-H. Vöszörmeny, Schönfeld-E. Mihälyfalva. Güns-B. Kereßtur, Teitelbaum-M. Lapos, Weiß- Jpolysüg, Tigermann-Neuhäusel, Szofer-Paks, Braun-Brezewitz, Szofer-Brezna, Breuer-Tab, Bineth -Steinamanger, Duschinski- Galantha, Tschech-Abraham, Rosenberg-Nagyfalu. Der ehrw. Oberrabbiner von Preßburg, der Führer der orthodoxen Judenheit Ungarns, erklärt ebenfalls in einem Schreiben an den ehrw. Rabbiner von Waitzen, daß er mit dem Misrachi-Kongreß weder etwas zu tun hat, noch zu tun haben will. In gleicher Weise erläßt die Durchführungskommisfion als Zentralorgan aller orthodoxen Gemeinden und Gemeinde-Vorstände in Ungarn ihrerseits einen Aufruf gegen den „Misrachitag" in Preßburg. In einem zweiten Brief des Oberrabbiners von Preßburg warnt er alle Gefetzestreuen, besonders aber seine Schüler, sich den Zionisten anzufchließen und an der in Preßburg stattfindenden Versammlung teilzunehmen. -t Diesen 40 Rabbinern hat sich eine weitere Anzahl orthodoxer Oberrabbiner in Ungarn angeschlossen. Das Wiener offizielle Organ des zionistischen Aktionskomitees antwortete diese Woche mit einem Artikel, in welchem die bedeutsamsten Stellen lauten: „Wahrhaftig schlecht wird die Friedensliebe unseres teuren Toten vergolten, der in seiner echt jüdischen Bescheidenheit und Milde immer darauf gesehen hat, daß seine und des jüdischen Volkes jüdische Feinde geschont werden. Wir aber wollen nicht mehr schweigen zu der Ueberhebung und der maßlosen Unverschämtheit dieser Menschen." „Nun denn, wir haben wahrlich den Kamps nicht gesucht mit unseren eigenen Volksgenossen, wenn sie uns auch hundertmal gekränkt und in unserer Arbeit für unser Volk gestört haben. Wenn sie ihn uns aber ausdrüngen, so sollen sie endlich ihren Lohn erhalten. Sie hoffen wohl in dem Streite, den sie herausbeschworen haben, im Trüben fischen zu können. Sie sollen sich geirrt haben. Wir find nicht wie die Alten, die um ihrer Bequemlichkeit willen die Leute in ihren Schlupfwinkeln Unheil brauen ließen und sich mit der Hoffnung trösteten, daß die Zeit alle die Frömmlerlügen erbarmungslos zunichte machen werde. Das haben die Wühler übersehen. Wir haben so Wichtiges zu tun, daß es sich uns bisher nicht lohnte, uns mit dieser Sorte von Juden, die mit ihrem Frommsein religiösen Wucher treiben, näher zu beschäftigen. Wir wußten, daß die Verbreitung unserer Idee alle die unsauberen Elemente von selbst lahmlegen werde. Aber das ist es ja, was ihre Besorgnis erregt. Die Angst für unsere Thora schützen sie vor, diese augenverdrehenden Salbungsvollen, und um ihr kleines, schmutziges Wohlergehen handelt es sich ihnen zumeist." „Darum find sie besorgt, daß ihnen ihre Schäfchen entrinnen, daß die Schafschur nicht mehr den gewohnten Profit abwersen könnte. Nicht die Thora ist in Gefahr, nicht Zion, für das wir, wie unser Führer, unser Leben zu opfern bereit find, aber sie selbst sind in Gefahr, ihren verdummenden, irreführenden Einfluß zu verlieren, ihrer Eitelkeit und Anmaßung Grenzen gezogen zu sehen." „Wer sind die „Größen", die mit den Mainzer Verleumdern, die schon einmal ein schmähliches Eingeständnis ihrer Schlechtigkeit und Lügenhaftigkeit öffentlich ablegen mußten, damit sie einer gerichtlichen Strafe entgehen, gemeinsame Sache gemacht haben? Die weltberühmten jüdischen Zentren von Waitzen, Hußt und Hunsdorf bergen sie in ihren Mauern, diese erhabenen Männer, diese Rabbiner, die Feinde der jüdischen Erlösung, Verleumder unserer Bestrebungen find, deren Wirken nicht gedacht werden wird, wenn Herzl's Name noch immer in leuchtendem Glanze strahlen wird." „Oeffentlich wird seit sieben Jahren aus unseren Kongressen erörtert, was wir wollen. In zahlreichen offiziellen Kundgebungen wurde erläutert, wohin wir streben. Da gibt es nicht die Ausrede der Unkenntnis. Wenn sie fich hinter die Informationen des Mainzer Blattes verkriechen wollen, so wird ihnen das nichts nützen. Sie hätten die Pflicht gehabt, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören. Wenn fie es versäumt haben, so ist das ihre Schuld und läßt ihre Anmaßung noch ungeheuerlicher erscheinen." „Von solchen Rabbinern wollen wir unser Volk befreien. Sie haben es gewollt, sie sollen es haben. Hinaus mit ihnen, damit sie uns nicht Länger verunehren!" „Unsere strenggläubigen Gesinnungsgenossen werden ihrerseits sicher die Form finden, in der fie fich mit diesen Schädlingen der Orthodoxie auseinandersetzen werden. Diese Protestler haben es auf dem Gewissen, wenn die freisinnigen Elemente sich zum Kampfe organisieren, wenn die alten Streitigkeiten in Ungarn wieder beginnen werden. Und diesmal werden sie kaum

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