Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 542 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt. Nr. 34 sie ausgebeutet werden. Das Verletzende bei solchem vielleicht halbjüdischen, ganz gewiß aber halbkatholischen Schacher ist vornehmlich der Umstand, daß sich Objekte katholischer Andacht schließlich in akatholischen Händen befinden. Dabei ist es durchaus nicht von' erheblichem Belang, daß das gerade jüdische Hände seien. So mit Feuer und Schwert haben die Juden das Christentum niemals verfolgt, wie die Mohammedaner, und daß Luther's Reformation und der ganze Protestantismus bei Papsttum und Katholizismus jemals sonderlich beliebt gewesen seien, haben wir auch noch nie gehört. Demnach sollte der Unmut nicht geringer sein, wenn da auch andere akatholische Hände in's Spiel kämen. Unter diesem Gesichtswinkel erscheint die gewählte Spezialisierung auffällig. Vielleicht auch nicht ganz gerecht und billig. Erst läuft man zum Juden oder läßt sich ihn holen, nicht um seiner schönen Augen willen, sondern um ein Geschäft mit ihm zu machen, ein Geschäft, das er ohneweiters machen kann, das aber „man" nicht machen dürste. Ist es aber gemacht, dann folgt die fromme Entrüstung nicht wider den, der zum Juden gelaufen ist oder ihn geholt hat, nicht wider den, der Unrecht getan hat, als er sich auf ein Geschäft einließ, auf das er sich nie einlassen durfte, sondern wider den Juden, für den in diesem Falle k.incrlei Rücksichten der Frömmigkeit und Pietät ausschlaggebend sein konnten. Die Juden sind eine solche Behandlung gewohnt. Dem hohen Herrn aber, der für die Heiligtümer der Kunst seiner Kirche ein so warmes Herz offenbart hat. bleibt die schöne und hehre Aufgabe Vorbehalten, die irrtümliche Auffassung zu zerstreuen, die mehr den üblen Willen jener zur Grundlage hat, die nicht das Richtige sehen wollen, als die tatsächlichen Umstände. Die Legende'von den freisinnigen Kronprinzen und Thronfolgern, die, zur Herrschaft gelangt, ihre „jugendlichen Verirrungen" dann doch wieder vergessen, ist durch die neue Zeit längst widerlegt worden und es nicht schade um sie. Der Geist der Zeit ist ein anderer geworden. Die Heinriche, die sich mit Ritter Falstaff und Dortchen Lakenreißer vergnügen, um sich dann zu wohlweisen Herrschern zu entfalten, stehen nicht mehr auf der Tagesordnung. Die neue Zeit verlangt Ernst von ihren Prinzen und die Gesellschaft bringt willig ihren Tribut der Achtung und der Verehrung einem Thronanwärter dar, der wiederholt bekundet hat, wie ernst es ihm ist um die wichtigsten Aufgaben, die seiner harren. Er hat bekundet, wie ihm Schule und Kirche am Herzen liegen und Alles, was zur materiellen und ethischen Wohlfahrt der Völker beitragen mag. In allen Gauen der Monarchie hat das Judentum immer mit Vertrauen aufgeblickt zu dem Throne der Habsburger. Von daher ist ihm niemals Unrecht geschehen, nie Unbill widerfahren. Wie wild auch die Wogen der Erregungen einer irregeleiteten und übelberatenen Menge gingen, wie schwer auch die Bedrückungen waren, unter welchen die Juden zu leiden hatten und noch leiden, immer hatten sie doch auf Milde und auf Gerechtigkeit der Krone zu rechnen. Und so lassen wir unser Vertrauen nicht erschüttern, wenn auch die Schergen der antisemitischen Machthaber eine hohe Kundgebung, die bestimmt ist, in gleicher Weise der katholischen Kirche wie der Kunst zu Gute zu kommen, so wenden und umdeuten, bis sie den erwünschten Anlaß zu einer neuerlichen Hetze hat. Von ihnen haben wir Einsicht, Gerechtigkeit und Billigkeit niemals erwartet und so konnten sie niemals unser Vertrauen täuschen. Sie können aber noch etwas Anderes nicht: das Vertrauen erschüttern, das die Judenschast bisher erfüllt hat. Whig. Vom Jahrmarkt des Lebens. Aus dem nationale» Narrenhause Herr Schönerer ist lange Zeit ein stiller Mann gewesen. Man hörte von ihm in letzter Zeit nur dann, wenn er seine Donnerkeile gegen die eigenen Parteigenossen schleuderte und durch solche Reinigungsprozeffe mehr und mehr der Verwirklichung des Grundsatzes näherrückte, daß man durch Reinheit zur Einheit gelangen müsse. Er hat in der Tat die alldeutsche Partei so gründlich gereinigt, daß sie fast nur noch aus einer einzigen individuellen Einheit — nämlich ihm selbst — besteht. Zuletzt bleibt Herrn Schönerer nichts weiter übrig, als das Alldeutschtum auch von sich selbst zu reinigen, und es ist dringend notwendig, daß er dies tue, denn die Prinzipien des edlen Mannes, dessen weites Herz des unendlichsten Hasses fähig ist, der Kaiser und Reich, Rom und die Juden mit gleicher Heftigkeit befehdete, sind bedenklich ins Wanken geraten. Herr Schönerer überraschte in den letzten Tagen die Welt, die ihn vergessen zu wollen scheint, mit einem neuen Narrenstreiche: Er sendete an den Bürgernieister von Eger die Erklärung, daß er auf seine Würde als Ehrenbürger von Eger sofort Verzicht leisten würde, wenn die ehrsame Bürgerschaft von Eger sich beifallen ließe, dem Kaiser anläßlich seines Besuches in Marienbad und Karlsbad in österreichischem Patriotismus zu huldigen. Es scheint nun, als ob die Egerer diese unverhoffte Gelegenheit, sich eines solchen Ehrenbürgers zu entledigen, benützen wollten. Aber die Kriegserklärung Schönerer's mutet einigermaßen beftemdlich an, wenn man ihr die Tatsache gegenüberhält, daß an demselben Tage, an dem er seinen drohenden Schreibebrief nach Eger richtete, sein Leiborgan, das „Alldeutsche Tagblatt", ein Inserat des k. k. Versatz-, Verwahrungs¬ und Versteigerungsamtes veröffentlichte, ein Inserat, welches übrigens mit großer Regelmäßigkeit und Häufigkeit in den Spalten des „Alldeutschen Tagblatt" zu finden ist. Man muß zugeben, daß die antidinastischen Gefühle des Herrn Schönerer nicht sehr gefestigt sein müssen, wenn sie auch nur zeitweilig aus Gründen des praktischen Geschäftssinnes außer Kurs gesetzt werden können. Dabei ist nur verwunderlich, daß die Verwaltung des k. k. Versatz-, Verwahrungs- und Versteigerungsamtes es nicht unter der Würde einer österreichischen Behörde findet, einem Blatte von den Gesinnungen des „Alldeutschen Tagblatt" und seines Patrons Schönerer eine solche Einnahme aus k. k. Staatsmitteln zuzuwenden. * * * Einem mährischen Blatte entnehmen wir die interessante Mitteilung, daß es in diesem Kronlande noch immer deutsche Vereine gibt, aus denen die Juden nicht ausgeschlossen sind und daß daher an der Reinmachung weitergearbeitet wird. Im Nordmährerbunde sei die Frage bereits im Sinne der Ausschließung gelöst, im Bunde der Deutschen Südmährens wird derselbe Effekt erstrebt. Da die „deutschfreundlichen Israeliten" sich im Bunde selbst noch in der Majorität befinden, seien wohl die bezüglichen Anträge abgelehnt worden, allein man hat mit der Errichtung von judenreinen Bundesgruppen, wie sie bereits im deutschen Schulvereine eingeführt seien, den Anfang gemacht. Sogar in Nikolsburg organisiere die Ferialverbindung „Thaya" die antisemitische Agitation. Wir haben auf die diesbezüglichen Strömungen, namentlich in Südmähren, schon vor Jahren aufmerksam gemacht. Ja, wir konnten damals die interessante Tatsache mitteilen, daß die antisemitische Agitation in Nikolsburg eine sehr materielle Förderung durch den liberalen Bürgermeister und Abgeordneten Götz erfahren und daß einer der eiftigsten Vorkämpfer des Antisemitismus im Südmährerbunde ein k. k. Gerichtsbeamter in Nikolsburg sei. Es geht doch nichts über Vernunft in der Politik! Nord- und Südmährerbund kämpfen mit der Tapferkeit der alten Bärenhäuter für die Erhaltung des deutschen Besitzstandes in Mähren. Daß dabei die Juden einen wichtigen Faktor im Kalkül bilden, daß insbesondere unsere Glaubensgenossen in Nikolsburg, in Auspitz, in Lundenburg, in Brünn,in Olmütz, inLeipuiku.s. w. unentbehrlich sind für die Erhaltung der deutschen Mehrheit, ist ja durch die Bemerkung zugestanden, daß im Südmährerbunde die „deutschfteundlichen Israeliten" noch immer die Majorität bilden. Im Nordmährerbunde ist die Frage dahin gelöst worden, daß man den Juden eine fünffährige Schonzeit gewährte. Die selbstmörderische Tollheit, mit der die Deutschnationalen Mährens in ihrer eigenen Dezimierung arbeiten, haben sie ganz allein zu verantworten. Neugierig sind wir aber darauf, ob unsere Glaubensgenossen die ihnen gewährte fünffährige Frist werden