Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 34 Bloch’s Jahrgang XXI Centralvrgsn für die grsammten Interessen des Iudenlhums. X =X B. ft. PostspLrcsyen-Nrnt Clearing-Verkehr Ar. 810.976. Lrdartton und Administrstton wir« ix/r. Verggapfr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wen- 19. August 1904. -^- Lrsch eint jeden Freitag. -.»- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. X - . - .- — Srpigsprri, für Srstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Mr'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * - - - m Inhalt: Leitartikel: Eine Kundmachung des Thronfolgers. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aus dem nationalen Narrenhause. Kampf um den Zionismus in Ungarn. Ein altes zionistisches Flugblatt. Von einer jüdischen Berliner Hofsängerin. Schleiermacher und Spinoza. Ludwig und das Judentum. Eine letzte Erwiderung. — Vom Religionsunterrichte. — Religionslehrer und Religionsunterricht. — Der Fall Ehamberlain. — Korrespondenzen: Zur Geschichte der Juden in Mödling. Von der zionistischen Bewegung. Komödianten? Prag, New-Uork. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu gunsten der Ehewra- Kadischa in Wien. Wien, Dobrisch. Proßnitz, Esacza, Temesvar, Budapest, Berlin. — Feuilleton: Glänzende Bahnen. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Eine Kimbgelmrrg des Thronfolgers. Gewiß ist es eine beklagenswerte Erscheinung, wenn mit kirchlichen Altertümern Schacher getrieben wird. Wenn schon sehr häufig bei profanen Kunstwerken zu dem gewöhnlichen Marktpreise ein mehr oder minder berechtigtes pretiim affectionis dazugeschlagen wird, wie erst bei den Denkmälern religiöser Kunst?! Wenn diese losgeschlagen werden, um einen kleinen Profit zu erzielen, — sonst täte man es ja nicht! — dann wird einfach Handel getrieben mit der Pietät, und die zartesten und heiligsten Gefühle gläubiger Gemüter werden aus recht unheiligen Motiven in klingende Münze umgesetzt. Es ist daher sehr löblich und erfreulich, wenn eine autoritative Stimme sich gegen einen so schnöden Handel erhebt, und darum werden alle Freunde wahrhaft vornehmer Denkungsart die Kundgebung mit ganz besonderer Befriedigung begrüßt haben, die Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand in dieser Angelegenheit veranlaßt hat. Im höchsten Aufträge hat nämlich sein Flügeladjutant Oberstlieutenant Karl v. Gelb an das Gurker fürstbischöfliche Ordinariat eine Zuschrift gerichtet, die sich in diesem Sinne äußert. Man muß sich da Verschiedenes vor Augen halten. Die kirchlichen Kunstwerke und Devotionalien spielen für keine Kirche eine so bedeutsame Rolle, wie für die katholische. Sie hat kirchlichen Prunk und künstlerische Prachtentfaltung vor allen anderen Riten voraus, und der fromme Sinn ihrer Anhänger hängt sich oft auch an die äußeren Sinnbilder der Gegenstände der Verehrung. Mehr als sonstwo werden also da Altertümer und Reliquien, Bilderschmuck und geweihte Kostbarkeiten in andächtiger Hingebung in Ehren gehalten, und es begreift sich sehr wohl, daß feiner organisierte Naturen sich im Innersten verletzt fühlen müssen, wenn mit solchen Dingen unheilige Geschäfte gemacht werden. Der genannte Flügeladjutant hat denn auch in seiner Zuschrift dieser Empfindung in höchstem Auftrag sehr unzweideutigen Ausdruck geliehen und es unumwunden ausgesprochen, daß „Seine kaiserliche und königliche Hoheit stets sehr unangenehm berührt werde, bei Juden und ausländischen Antiquitätenhändlern aus Kirchen stammende Kunstgegenstände zu finden." Unter den „Kirchen" sind hier natürlich in erster Linie und wohl hauptsächlich ausschließlich katholische zu verstehen. Denn diese liegen dem hohen Auftraggeber zunächst am Herzen und die Zuschrift ist ja an ein fürstbischöfliches Ordinariat gerichtet. In der Sache selbst trifft der hier zum Ausdruck gelangende Unmut den Nagel aus den Kopf, während die Form in der spezialisierenden Fassung, wo vielleicht die generalisierende eindringlicher und überzeugender gewirkt hätte, die erwünschte Wirkung einigermaßen zu beeinträchtigen geeignet erscheint. Denn nicht das ist hier die Hauptsache, daß Juden oder Ausländer die Käufer gewesen find, sondern daß überhaupt verkauft worden ist. So wird die Entrüstung einerseits auf die „ausländischen Antiquitätenhändler", andererseits auf die Juden gelenkt. Während aber die ersteren bei dieser recht allgemeinen und unbestimmten Bezeichnung nicht allzuschwer zu leiden haben werden, haben die Juden alle Ursache, den direkten Hinweis mit einiger Besorgnis anzusehen. Die ungebildeten und rohen Massen haben heutzutage mehr denn je die Neigung, ihre brutalen Instinkte wider die Juden spielen zu lassen. Die seinen Unterscheidungen sind nicht ihre Sache, und es könnte wohl geschehen, daß eine vielleicht nur stilistisch nicht ganz geglückte Form des Ausdruckes auf sie einen Eindruck übt, der kaum im Einklang sein dürste mit den Intentionen des hohen Freundes und Beschützers der katholischen Kirche. Denn es liegt ja klar aus der Hand, daß der Unwille sich unmöglich in erster Linie gegen die Juden und die ausländischen Kunsthändler richten kann. Wie zu jedem Geschäft, so gehören auch zum Schacher mit Heiligtümern immer zwei, Käufer und Verkäufer. Es fällt aus, daß bei den pietätlosen, auch von uns verurteilten Handelsgeschäften der Verkäufer gar nicht gedacht ist. Diese Verkäufer sind aber naturgemäß katholische Geistliche und katholische Verwaltungen katholischer Kirchen. Die Juden und die „ausländischen Antiquitätenhändler" sind nicht verpflichtet, sich von denselben tiefen Gefühlen der Pietät für Devotionalien durchdringen zu lassen, wie die Diener jenes Bekenntnisses, das ihnen über den sachlichen Kaufwert noch eine ideale, und andachtsvolle Bedeutung beimißt. Wenn es da also einen sträflichen Schacher gibt, so wären in erster Linie die Verkäufer zu tadeln, bei denen Rücksichten und Bedenken maßgebend zu sein hätten, für welche die Käufer kaum die richtige Empfindung, nicht immer auch das rechte Verständnis haben dürften. Dieser Tadel fehlt. Der direkte Hinweis auf die Juden könnte mißverstanden und zu einer ungerechtfertigten Mißstimmung und Agitation gegen