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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Biocb’s Wohltätigkeit einer jüdischen Frau, und die allgemeine Teilnahme der jüdischen und christlichen Bevölkerung am Leichenbegängnisse war ein Beweis der hohen Verehrung, welche die Heimgegangene durch ihr Leben und ihr edles Wirken sich erworben. Gemäß dem letzten Willen der Verstorbenen wurde die Leiche nach Lackenbach überführt. Die Heimgegangene wünschte an der Seite ihres seligen Vaters bestattet zu werden. Berlin. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" hat für unsere russischen Glaubensgenossen, die von der ökonomischen Krisis im Zarenreiche besonders hart betroffen sind, 50.000 Mk. bewilligt und bereits 10.000 Mk. für dringende Bedürfnisse nach Rußland gesandt. Es ist dafür Sorge getragen, daß die Unterstützungsgelder in rationeller Weise an die einzelnen Gemeinden verteilt werden. Ferner hat der „Hilfsverein der deutschen Juden" eine Bewilligung von 500 Rubel für das durch Feuer schwerheimgesuchte Wilkomir um 250 Rubel, auf 750 Rubel, erhöht und er hat weitere 1000 Mk., die ihm für diesen Zweck vom Hilfskomitee für die russischen Juden zu Frankfurt a. M. freundlichst zur Verfügung gestellt worden sind, zur gleichmäßigen Verteilung an die Abgebrannten von Wilkomir. Dombrovitza und Korostyschew überwiesen. Berlin. Durch die Neuorganisation, die der deutsche Zionismus im Juni 1904 auf dem Hamburger Delegiertentag empfangen hat, ist die gesamte zionistische Agitation in einem Berliner Zentralbureau vereinigt, anderseits sind aber in den neugegründeten Gruppenverbänden Stützpunkte geschaffen worden, von denen aus der Zionismus allmählich alle deutschen Gemeinden ergreifen kann. Das Zentralbureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist in Berlin, Friedrichstraße 58, II., Ecke der Leipzigerstraße, also im Mittelpunkt des Verkehrs, vor einigen Wochen eröffnet worden. Es hat Telephonanschluß (Amt I. 2604) und ist an den Wochentagen von 2 bis 8 Uhr geöffnet. Mit dem Bureau ist eine Lesehalle verbunden, die den ganzen Tag über (auch am Sonnabend) geöffnet ist und nicht nur zionistische Zeitungen enthält. Lesehalle und Zentralbureau sind mit dem Restaurant Baumann, das sich in demselben Hause befindet, verbunden. Das Restaurant Baumann steht unter der Aufsicht des Rabbinats der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher). So wird das Restaurant Baumann mit der Lesehalle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland der Mittelpunkt des zionistischen Lebens in Berlin. Durchreisende Zionisten und Freunde jüdischen Lebens werden dort stets Anregung und Aufschluß über jüdische Verhältnisse erhalten. Die Hanrwitz-Oper im Windsortheater in New-Aork. Der Direktor des Windsortheaters Herr M. Haurwitz weilte seit einigen Wochen in Wien, um ein Operetten-Ensemble für sein Unternehmen zu gewinnen. Das Publikum New-Aorks wird ihm dankbar sein, daß er eine zweite Oper etabliert und ermöglicht, zu billigeren Preisen als im Metropolitan-Opernhaus gute musikalische Darbietungen zu hören. Unter den engagierten Mitgliedern sind Namen von gutem Klang, wie die Primadonna Frl. Rosa Duce, die in Frankfurt a. M. künstlerisch tätig war, die Koloratursängerin Frl. Sophie Braun vom Hoftheater in Koburg und die Mezzosopranistin Frl. Amalia Windholz von Brünn. Als I. Tenor fungiert Herr Julian Wilensky, rühmlichst bekannt von seiner erfolgreichen Tätigkeit in Linz und Graz, ferner Herr Emil Krause von Berlin, ein Stimmheros. Als Bassist wurde Herr Leo G o l d h i r s ch vom Nationaltheater in Lemberg, als I. Bariton Herr Sigmund U r i ch vom Landestheater in Agram verpflichtet. Jüdische Künstler, welche der Antisemitismus in Europa boykottiert, finden derart in New-Iork für ihr erfolgreiches Wirken eine neue Heimstätte. Das ist die jüdisch-soziale Bedeutung des neuen Unternehmens. Als erste Oper wird Halevy's Meisterwerk „Die Jüdin" in Szene gehen. Eine neue Oper „Hiob", Text von M. Haurwitz, an deren Vertonung ein hervorragender Komponist arbeitet, wird in glänzender Ausstattung aufgeführt werden. Auch Gastspiele hervorragender Künstler sind geplant und diesbezügliche Unterhandlungen bereits eingeleitet. MocdenscdrM. Sette ss? Feuilleton. Unter indischen Settlrr«.*) Es war an einem recht schönen, sonnigen Sommertage, als mich ein Wilnaer Freund, den ein langjähriger Aufenthalt in Deutschland mit den Lebens-, Arbeits- und Wohnungsverhältnissen unserer einheimischen Arbeiter vertraut gemacht hat, zu einem Rundgang durch die Ghettostraßen des Wilnaer Judenviertels einlud, und sehr gerne habe ich seiner Einladung Folge geleistet. War es ja ohnehin mein sehnlichster Wunsch, mit eigenen Augen das in ganz Rußland sprichwörtliche Massenelend der Wilnaer jüdischen Proletarier zu sehen und deren Lebensweise kennen zu lernen.... Es war ein sehr heißer Tag und die Wanderung durch die schmutzigen, engen, schlechtgepslasterten Ghettostraßen ward mir doch recht beschwerlich. Immer dasselbe graue Elend, nichts als zerlumpte Männer und Frauen und nackte, mit schmutzigen, zerrissenen Hemdchen herumlaufende Kinder zu sehen, wirkte so niederdrückend und entmutigend, daß man an der Hoffnung, jemals für diese Deklassierten eine bessere Zeit kommen zu sehen, schier verzweifeln mochte. Wie wohnen diese sich Menschen nennenden Wesen! In Räumen, die für das Vieh noch zu schlecht wären, hausen Tausende und Abertausende ohne Lust, Sonne und Licht. Ueberall wohnen und schlafen Erwachsene und Kinder beiderlei Geschlechtes mit fremden Familienangehörigen nebeneinander, niit- und beieinander. Das Wohnungselend erreicht in Wilna den höchsten Gipfel. So gelangten wir aus unserer Wanderung bis zum „Schulhof", dem alten historischen Platz der alten Synagoge, in welcher mancher bekannte jüdische Gelehrte seine Tätigkeit entfaltet hat, die der Schauplatz mancher brutalen Verfolgung gewesen ist. Dieser „Schulhof" bildet vorzüglich auch den natürlichen Aufenthaltsort aller derjenigen Bettler und Schnorrer, welche sich nicht einmal des Luxus einer Schlafstelle in den sogenannten menschlichen Behausungen erfreuen können und gezwungen find, von Tag zu Tag, je nach der Höhe der Barmittel, sich nach einer Schlafstütte umzusehen. Auf diesem „Schulhof" kampieren sie wenigstens tagsüber kostenlos und von der fürsorglichen Polizei ungestört, und manchmal gibt es auch einen fetten Brocken, wenn irgend ein menschlich denkender Glaubensgenosse oder ein Fremder des Weges kommt, der sich nicht schämt, den verlumpten Bettlern irgend eine Münze in den Schoß zu werfen. Mit jauchzendem Herzen und freudestrahlendem Gesicht wird jede noch so kleine Münze entgegengenommen und für alles herzlichst gedankt. Hier sind die Aermsten der Armen, die sogenannten „Luftmenschen", welche über keinen weiteren Besitz verfügen können, als über die Luft des Schulhofes, und auch diese wird ihnen manchmal noch durch Konkurrenten streitig gemacht. Unser Erscheinen aus dem Schulhof und unsere Besichtigung der Synagoge, sowie der vom jüdischen Verein für Volkswohl begründeten Bibliothek konnte in den Kreisen dieser Luftmenschen nicht unbemerkt bleiben. Es war für sie ein Ereignis. Wir hatten uns mit Kleingeld versehen und gaben jedem der Armen, je nachdem, eine größere oder kleinere Münze. Je mehr wir aber gaben, umso größer wurde die Zahl der Nehmenden. Schien uns beim Betreten des Schulhofes die Zahl der sich dort aushaltenden Bettler im ganzen vielleicht 5 bis 10, so wuchs sie bald auf 20 bis 30, und je länger unser Aufenthalt sich durch unseren Besuch in der Bibliothek hinzog, umso größer wurde auch die Zahl der Bettler, so daß wir im ersten Augenblick unser Erstaunen über diese rasche und zahlreiche Vermehrung nicht unterdrücken konnten. Und dennoch mußten wir uns über das Natürliche dieser Erscheinung eigentlich ganz klarfein. Diejenigen, welche bereits ihre Gabe hatten, holten schnell aus ihrer Nachbarschaft Bekannte heran und stellten sich mit den neuen Gästen nochmals in Reih und Glied, so daß manche, mit dem Handwerk des Schnorrens gut vertraute Bettler an *) Aus dem „Neuen Montagsblatt".

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