Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Radom 2× ep/1000823
- Odesa 1× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
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Nr. 83 Dr. Klocb's MocbenscbrM. Seite 535 wohner deutscher Nationalität. In den baltischen Provinzen sind 300.000, im übrigen Rußland 600.000 Deutsche. Bor allem ist Riga überwiegend deutsch, denn es zählt unter 175.000 Einwohnern 102.000 Deutsche. Petersburg hat 60.000, Warschau 15.000, Odessa 12.000, Kiew 70.000 und das Gouvernement Samara 200.000 Deutsche. Anläßlich dieser amtlichen Statistik, die gegenwärtig herausgegeben wird, befürchtet die „Nowoje Wremja", daß das Uebergewicht des deutschen Elementes in gewissen Teilen Polens und der baltischen Provinzen eine bleibende Gefahr für Rußland bedeute und „Swjet" weist darauf hin, daß die Deutschen im Falle eines Krieges mit einem westeuropäischen Staate eine imminente Gefahr für Rußland bilden können. Das Blatt fordert, daß keinem russischen Untertanen deutscher Nationalität irgend ein öffentliches Amt verliehen werde. Vorstehende Meldung finden wir im „Deutschen Volksblatt" vom 5. August. Herr Bergani wagt nicht, die Hetze gegen die Deutschen auch nur mit einem Worte zu tadeln. Neue Antisemitenexzesse in Rnssisch-Polen. Man schreibt uns aus Warschau vom 29. Juli: Zwei Judenkrawalle, die sich in den letzten Tagen abspielten, zeigen von Neuem, wie sehr die Regierung trotz allen angeblichen Reformentwürfen bestrebt ist, durch Getvährenlassen der niedrigsten und rückständigsten Instinkte die einzelnen Klassen der Bevölkerung gegen einander auszuspielen. Sie scheint zu glauben, daß man über ein Chaos am sichersten und bequemsten zu herrschen vermag. Der eine der beiden charakteristischen Vorfälle hat seinen Ursprung in einer jesuitischen Organisation, die die Eingeweihten schon längst beunruhigte und die nunmehr ihre giftigen Früchte zeitigt. Der Sitz dieser Organisation ist ein unschuldiges katho- * lisches Frauenstift in einem ehemaligen Nonnenkloster der Warschauer Vorstadt Czerniakow. Die Damen des Stiftes betreiben seit einigen Jahren die Jagd auf kleine jüdische Mädchen, die sie zur heiligen Taufe erziehen. Die Erziehung geschieht teils durch körperliche und geistige Strafen, Kasteiungen, Züchtigungen und ähnliche jesuitische Kunststücke. Viele Opfer sind schon auf solche Weise spurlos verschwunden, doch gelang es auch manchen Eltern, durch List oder Gewalt ihre Kinder aus den Klauen der Jesuiten zu befreien. Was diese Kinder dann erzählten, ist unglaublich, aber leider nur zu wahr. Das Treiben der Stiftsdamen wurde mit der Zeit immer dreister, so daß selbst der Generalgouverneur davon erfahren mußte. — Die Polizei wußte schon immer darum und führt in ihrem Einwohnermeldeamt ein besonderes geheimes Buch über die aufgefangenen Kinder! — Aber auch der Vertreter des Zaren im Königreich Polen * lehnte rundweg jedes Eingreifen ab, da hinter dem Stift die höchste polnische Aristokratie steckt und da es, wie gesagt, der Sitz einer über den ganzen Rayon verbreiteten jesuitisch-antisemitischen Organisation ist, die nach dem Grundsätze divide et impera dem Generalgouverneur ganz willkommen ist. Eine Hauptstütze dieser Organisation in der Provinz ist der Probst Klvpotowski in Lublin, der zweiten hochkatholischen Stadt Russisch- Polens. Dieser Herr steht so eigentlich in der Mitte des folgenden Vorganges: Einem Juden in der Nähe von Parczew, Gouvernement Siedlez, war ein kleines Töchterchen verschwunden. Nach langem Suchen erfuhr man, daß sich das Kind beim Probst Klopotowski im „Taufunterricht" befinde. Da es kein anderes Mittel gab, das Kind herauszubekommen, so entschloß sich der Vater auf Anraten des Bürgermeisters, sein eigenes Kind wegen Diebstahls zu verklagen und benützte dabei als Vorwand die Tatsache, daß gleichzeitig mit demselben ihm auch einige Habseligkeiten abhanden gekommen waren; das Kind würde dann vor Gericht erscheinen und das Uebrige sich von selbst ergeben. Das Kind erschien wirklich vor dem Richter in Parczew, aber nicht allein, sondern in Begleitung eines Rechtsanwalts von Seiten Klopotowski's und Genossen. Der Diebstahl konnte den: unglücklichen Kinde nicht nachgewiesen werden und so wurde es freigesprochen. Als aber nun die Eltern das Kind aufforderten, mit ihnen nach Hause zu ziehen, erklärte der Richter, er habe seine Schuldigkeit getan, die Sache gehe ihn weiter nichts an und verließ den Saal. So entstand im Gerichtsfaale selbst ein Tumult, in welchem es den Eltern gelang, mit dem Kinde zu entkommen. Der Advokat raste und reizte die inzwischen angesammelte große Menschenmenge durch eine Brandrede auf, „eine schon christliche Seele zu retten". Der Aufruhr war fertig. Die „Rettung" begann mit der gänzlichen Demolierung des Hauses, in welchem die Eltern mit dent Kinde Unterkunft gefunden hatten, und entwickelte sich zu einem regelrechten Judenkrmvall mit Revolverschüssen, denen über 20 Juden an Toten und Verwundeten zum Opfer fielen. Damit nun aber das Satyrfpiel nicht fehle, solle nach dem Muster von Homel den Juden der Prozeß gemacht werden, und zwar wegen Erstürmung des Gerichtsgebäudes. Ter zweite Vorgang hat nicht in demselben Maße einen religiösen Hintergrund. Schauplatz ist der Fabriksort Ostrowietz, Gouvernement Radom. Donnerstag den 21. Juli erschien in diesem Orte ein Vagabund. Betrunken, wie er war oder sich stellte, begann er gleich Händel mit einigen jüdischen Straßenkindern, fiel hin und begann sich konvulsivisch zu wälzen. Dies gab Anlaß zu dem Gerücht, die Juden Hütten am Hellen Tage einen Christen aus der Straße ermordet. Die Menge wollte den „Mord" sogleich rächen, es gelang aber der Polizei ohne besondere Mühe, die Haufen zu zerstreuen und den vielleicht fallsüchtigen Trunkenbold hinter Schloß und Riegel zu bringen. Die Aufregung hatte sich scheinbar gelegt. Aber am nächsten Tage erhielten einige Juden die Nachricht, daß die Fabriksarbeiter (Eisenfabriken, Hochöfen) für den Abend einen Ueberfall planten. Auch der Polizeivorsteher wurde davon benachrichtigt, maß aber angeblich diesen Gerüchten keinen Glauben bei und hinderte auch die Juden, irgendwelche Maßregeln zu ergreifen. Tatsächlich erschienen nach Fabriksschluß die Arbeiter in geschlossenen Reihen. Sie gaben erst politische Lieder zum Besten, dann Hurrahrufe und schrieen: Nieder mit den Juden! Im Laufe einer Stunde waren alle Fenster und die ärmeren jüdischen Läden zertrümmert und geplündert; dann hieß es: Auf die Synagoge! Aber dort begegneten ihnen schon die Juden mit Aexten, Eifenstäben, Stöcken und dergleichen. In der Schlägerei, die bis 3 Uhr Nachts währte, wurden 20 Juden leicht und 2 schwer verwundet. Von Letzteren ist einer. Jakob Robinstein, inzwischen seinen Wunden erlegen, der andere, Aron Subjekt, befindet sich in Todesgefahr. Dem telegraphischen Ersuchen des Polizeivorstehers um Hilfe konnte der Gouverneur von Radom nicht Genüge leisten, weil gerade am Tage des Krawalls das dort postierte Militär nach Ostasien transportiert wurde. Verrniscbles. Kranzablösungsspenden zu gunsten der Chelvra - Kadischa Wien, I-, Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Rosalia I e i t e l e s: Von Julius Heller, Teplitz K 20.—, Geschwister Foges K 20.—; zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Katharina Hauser: Von Adolf Weiß, Wieselburg K 1.—. Adolf Hauser K 10 —; zusammen Kll.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Heinrich Rauchberg: Seine Freunde K 20.-. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Leopold K ö ß l e r: Von Leopoldine Kößler K 10. , Prok. Heinrich Hatschek K 10.—; zusammen K 20.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Ignaz A u s ch: Von Markus Munk K 10.—, Philipp Munk K 5.—, Alexander Munk K 5.—; zusammen K 20.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Em. Phil. S t i a ß n y; Von Dr. Heinrich Graf 6 A).—. " Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Hermann Klei: : VonFrau und Sohn K 10.—, Rudolf Hauser K 3.—; zusammen K 1> Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn David Weiß: Von Famile Weiß, Jglau K 10.—.