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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L Seite 532 Dr. Dlocb's Wocbenscbritt Nr. 33 jüdische Religion abgibt, muß erst die jüdische Religion verstehen und gründlich kennen, sonst ladet man eine unverzeihliche Unverantwortlichkeit auf sich. Ob aber meine Anfrage: „Erkläret mir, Graf Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur" „etwas unüberlegt" war, möge der Leser selbst entscheiden, indem ich hier die Meinungen von Lothar Brieger-Wasservogel einander gegenüberstelle. (Spinoza), der arme Brillenschleifer, welcher noch dazu das Pech hatte, ein Jude zu sein, also der allermateriellsten Kirche anzugehören, hatte für den Augenblick freilich wenig Erfolg. Swedenborg, Theol. Schriften, S. 14. Nur gegen die Juden zeigt er (Swedenborg) einen gewissen Haß, wohl weil er richtig erkennt, daß ihr Glauben das materialistische aller Bekenntnisse ist. idlä. S. 29. „In Christus wurde nur Gott, der alte unsichtbare Gott der Juden,welcher, von uns jetzt maßlos mißverstanden, in Wahrheit nichts gewesen war, als ein Rückfall, als der ins Unermeßliche erhobene Tiermensch, zu einem wahrhaften Gottmenschen, in dem das Geistige das Tier völlig überwand und vernichtete." a. a. 0. S. 13. Brüx. „Seitdem Moses der Gedanke des Gottesstaates auftauchte .sind wir Märtyrer der Phantasie gewesen." . „Die Zeiten könnten vorüber sein, da man dem Juden, dem duldendsten aller Gottesträumer vorwarf, er habe keinen Sinn für die Kunst, sondern sein Streben ginge nur nach dem Rohen der Materie! „Ost und West", März 1904. In einem Auffatze über „E. I. Guenzburg" und nicht über Käthe Münzer, wie L. Brieger - Wasservogel fälschlich in seiner Entgegnung bemerkt. Dr. B i a ch. Korrespondenzen. Der internationale Sozialistenkongreß. Vom 14. bis zum 20. August wird in Amsterdam der internationale Sozialistenkongreß tagen. Er ist der sechste in der Reihe, die mit dem Pariser Kongreß von 1889 beginnt und die Kongresse der alten internationalen Arbeiterassoziation in der dem Wachstum der Arbeiterbewegung entsprechenden Weise erneuert. Seit dem ersten Pariser Kongreß haben die Vertreter des internationalen sozialistischen Proletariats in Brüssel (1891), Zürich (1891), London (1896) und wieder in Paris (1900) getagt und jede dieser Versammlungen konnte von einer weiteren Entwicklung der sozialistischen Organisation Kenntnis nehmen. Dem Amsterdamer Kongreß, der seine Sitzungen im größten Konzertlokal der Stadt, dem „Concertgebouw", abhalten wird, kommt schon durch seine Tagesordnung eine ungewöhnliche Bedeutung zu. Unter den Fragen, die den „Internationalen Kongreß der Sozialdemokratie" beschäftigen werden, ist auch die des Schicksals der Juden in Rußland und Rumänien zu erwarten. In diesem Sinne sind die Ausführungen Ed. Bernstein's, des bekannten sozialistischen Abgeordneten, in dem neuesten Heft der „Soz. Monatshefte" gehalten, die in den Worten ausklingen: „Die überaus grauenhaften Bluttaten in Kischenew haben nur einen Zipfel der schändlichen Willkür aufgedeckt, der in Rußland Millionen von Juden, in ihrer übergroßen Maste Proletarier unter den Proletariern, ausgesetzt find, und nicht minder schreiend ist die Rechtlosigkeit und das Elend der armen, unterproletarisch lebenden Juden in Rumänien. Hier sind energische Aeußerungen der Sozialdemokratie unbedingt am Platze. Eingehender behandelt in demselben Hefte Ladislaus Gumplowitz das Kapitel des russischen Judentums. Er schreibt: „Soll ich nun auch noch alle djx niederträchtigen Schikanen, Jntriguen und Mißhandlungen aufzählen, denen die Juden im Zarenreiche auf Schritt und Tritt ausgesetzt sind? Ich will es mir ersparen. Ein Wort genügt: Kischenew! Allerdings, in gewisser Hinsicht verfährt die russische Regierung mit den Juden gerade umgekehrt, wie mit den Polen und Litauern. Die letzteren möchte sie gerne aus ihrer Heimat hinausdrängen; die Juden aber hat das Zarentum aus dem eigentlichen Rußland vertrieben, um sie nach Polen oder Litauen hineinzudräugen. Sie sind ein fremdartiges Element, unter den jetzigen Verhältnissen nur schwer oder gar nicht zu assimilieren Vom Standpunkt einer zentralisierungswütigen Regierung aus gesehen, muß also ihre Anwesenheit als eine Schwächung der Volkskraft erscheinen. Darum wünscht das offizielle Rußland seinem eigenen Volke möglichst wenig von diesem störenden Elemente, seinen Feinden, den Polen und Litauern, dagegen möglichst viel davon. Darum umfaßt der Ansiedlungsrayon, worin um 1890 herum die früher über ganz Rußland verbreiteten Juden verbannt wurden, im Wesentlichen Litauen und Polen nebst einigen Landstrichen im Südwesten. Aber auch hier ist ihnen eine gleichmäßige Ausbreitung über die ganze Fläche unmöglich gemacht. Da sie auf bisherigen Bauernland nicht wohnen dürf n und auch aus Herrenland nur bedingungsweise, so ist ihnen das platte Land tatsächlich verschlossen. Obendrein erlischt ihr Ansiedlungsrecht 50 Werst vor der Reichsgrenze. So pferchen sie sich denn in den Städten eines relativ schmalen Gebietes eng zusammen. Vor allem in Litauen, ganz besonders aber in Weißruthenien; in Städten wie Minsk, Mohilew, Homel ist die Bevölkerungszahl gewaltig angeschwollen durch die Einwanderung der vertriebenen russischen Juden Da aber das wirtschaftlich und kulturell noch sehr rückständige flache Land einfach noch keine so großen Städte braucht, da es eine so große Zahl von Händlern, Handwerkern und Industriearbeitern einfach nicht zu beschäftigen vermag, so ist die Folge dieser Zusammenpferchung ein grauenhaftes Elend. Ein Glück noch, daß die scharenweise Auswanderung des jüdischen Proletariats nach England und Amerika als Sicherheitsventil wirkt. Daß aber ein solches plötzliches und massenhaftes Zuströmen von größtenteils bettelarmen Fremden in bisdabin ziemlich stille Provinzstädte nicht wohl stattfinden konnte, atme sich den Einheimischen peinlich fühlbar zu machen, ist' klar; daß die russische Regierung dieses psychologische Moment ausnutzt und wozu sie es ausnutzt, ist bekannt." Baden. Es ist der Zweck dieser Zeilen, die Aufmerksamkeit aller zum Wohltun geneigten Herzen unserer Glaubensgenossen auf die Wohlfahrtsinstitutionen der israelitischen Kultusgemeinde Baden zu lenken. Der Kurort Baden, der sich des Weltruhmes erfreut, daß in seinen Heilquellen tausende und abertausende Leidende Aufrichtung und Genesung finden, ist zugleich auch der Anziehungspunkt für einen großen Teil unserer Glaubensgenossen, die das doppelte Gebrechen, Krankheit und Armut, zu tragen haben und die aus allen Ecken und Enden des österreichischen Staates und anderen Ländern hier zusammenströmen. Und alle diese Gebeugten und Gequälten eilen, kaum daß sie vom Zuge gestiegen sind, in die Kanzlei der Kultusgemeinde, zeigen ihre Gebrechen, ihre leeren Taschen und bitten mit tränenvollen Augen und Mitleid erregender-Stimme um Unterstützung für Kost, Bäder und Quartier. Welches Herz kann da hart bleiben, welcher Menschenmund kann solchen Armen zurufen: „Helfet euch selbst!" Um diese Humanitätsakte, welche Menschlichkeit und religiöser Sinn gebieten, auszuführen, haben sich die drei Wohltätigkeitsinstitutionen der Kultusgemeinde: die Gemeinde- Armenverwaltung, die „Chewra-Kadischa" und der „Frauenverein", zusammen getan, eine Zentrale zu schaffen, aus deren Kaste viele Patienten beteilt und noch mehr Kurbedürftige unterstützt werden. Einen großen Behelf für diese Unterstützungskaste bildeten Sammelbücher, mit welchen derselben viele Jahre hindurch, wenn auch nicht hinreichende, jedoch dem Bedürfnisse nahe kommende Mittel zugeführt werden konnten. Aber schon seit vorigem Jahre begann diese Quelle zu versiegen, es droht eine Unterstützungsstagnation einzutreten, was die Sache um so betrübender erscheinen läßt, da es sich zeigt, daß bei der stetigen Abnahme der fteiwilligen Spenden die Zahl der Hilfesuchenden ins Ungeheure wächst. Diesem Uebel teilweise zu steuern, legte die Chewra-Kadischa noch im vorigen Jahre ein Kranzablösungsspendenbuch an, was nach bewährtem Muster, den Pietätssinn mit Zwecken der Wohltätigkeit zu verbinden geeignet ist, da Almosenspenden der Pietät unbedingt mehr als verwelkende Blumen entspricht. Die erste Spende, die auf diesem Wege der Armenkasse zufloß, ist die von den Hinterbliebenen des hier am 6. d. M. verstorbenen Dr. Moriz Katz aus Teplitz im Betrage von 50 Kronen. Es ist zu hoffen, daß der Edelsinn unserer Glaubensgenossen selbst in diesen schweren Zeitläuften nicht

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