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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Dlocb's MocbenscvrM, Sette 539 der Verwertungsmethoden und versäumt die kritische Kontrolle der Werte, der Jude aber spielt im Geschäfte oft Schach mit solchen Leuten, die eines solchen Angriffes oft gar nicht gewärtig sind und die gar nicht daran denken können, mit dem Gegner in eine Konkurrenz des geschäftlichen Scharfsinnes zu treten. Das praktische Ergebnis fällt dann natürlich zu Ungunsten des Europäers aus; die Schuld liegt dann aber auf beiden Seiten, und die Übervorteilungen durch Juden und die Judenplünderungen durch Christen gleichen das Schuldkonto ziemlich aus. Wie sind die Europäer und Juden zu ihren merkwürdigen, gleich extremen, gleich einseitigen, gleich berechtigten, gleich sittlichen und doch so unverträglichen Standpunkten gekommen? Den Grund muß man in der Urgeschichte des Volkes suchen. Die Europäer waren in ihren Urzeiten dem Verkehre mit anderen Völkern ganz entrückt; jedes Volksstämmchen in seinen weiten Wald- und Weidengebieten war genötigt, alle Bedürfnisse aus Eigenem zu beftiedigen und es entwickelte sich in vielen Richtungen eine naive Vertrauensseligkeit, die namentlich dem Deutschen heute noch anhaftet. Die Juden aber entstanden in Palästina mitten im Tummelplatz von zwei uralten, hochentwickelten grundverschiedenen Kulturen, der babylonischen und egyptischen, in einer Zeit, als es ein hochentwickeltes Bankwesen gab, das sich mit dem heutigen wohl messen kann. Der Jude lernte ausschließlich sich selbst vertrauen, und den Besitz, der ihm so oft gewaltsam genommen wurde, nicht mit dem Heiden zu erfassen. Das jüdische Volk entstand inmitten des höchsten Kulturlebens und entfaltete darum Eigenschaften, die es zum höchsten Kulturleben befähigten, die Kultur lebt aber durch den Verkehr; die europäischen Völker hingegen entstanden inmitten des tiefsten Naturlebens, das Verkehr kaum kennt, und entwickelten Eigenschaften, die dem schlichten, schweren Dahinleben entsprechen.^ Was soll nun geschehen, wo die zwei Standpunkte aufeinander prallen? Die Antwort ist oft gegeben worden: der Europäer soll auch die Denkformen des Verkehrs, des Wechsels aufnehmen, und der Jude soll auch die Denkformcn des Verharrens würdigen lernen. VIII. Gewiß gibt es herzlose Juden, die „schinden"; das tun aber Einzelne auf eigene Gefahr und im eigenen Interesse, und diese werden von ihren eigenen Genossen verdammt. Man kann aber eine Frage aufwerfen: wer ruiniert jährlich mehr Familien, der Jude oder der Steuerexekutor? Man mag sagen, der Steuerexekutor sei nur das Organ, der das harte Gesetz vollstreckt. Gut, so schindet das Gesetz; wer aber hat das Gesetz gemacht, das jährlich so zahllose Familien an den Bettelstab bringt? Wahrlich nicht die Juden. Die Härte, die Grausamkeit ist bei den Schöpfern und Vollstreckern der Steuergesetze weit ärger, als bei den Juden. Die Schöpfer der Steuergesetze sind jeden Augenblick in der Lage, die Härten des Gesetzes zu mildern, sie tun es aber nicht. In Indien sterben Millionen buchstäblich vor Hunger, weil die Engländer sich weigern, Vorratshäuser für teure Jahre anzulegen, wie sie schon die alten Egypter hatten; sie weigern sich, weil sie das erforderliche Geld für sich behalten wollen. Seit ihrer Existenz, haben die Juden nicht so viel Elend erzeugt, wie die Engländer allein in Indien. Oder ist je ein Land durch Juden so elend gemacht und in Elend erhalten worden, wie Irland durch die Engländer? Spanien war einst das reichste, das mächtigste, das blühendste Land Europas; seit Jahrhunderten ist es arm, elend, ohnmächtig. Das haben aber nicht die Juden verursacht, nie ist ein Land durch Juden so ausgesaugt worden; das haben Europäer, das hat die allerchristlichste Macht getan. In Ostpreußen herrscht ein Elend, das Deutschland immer wieder mit Grauen erfüllt; das haben aber nicht die Juden verschuldet, sondern die sehr frommen adeligen Grundherren. Europa war einst von furchtbaren Bauernkriegen durchtobt, weil das Schinden der Bauern über alles menschliche Maß hinausging; die den Bauer schunden, waren aber nicht Juden, sondern der europäische Adel. All diese Beispiele zeigen, daß im Schinden der Europäer unverhältnismäßig mehr leistet als der Jude, und wer dem Leutefchinden ein Ende machen wollte, müßte sich in erster Linie an ganz andere Mächte, als an die Juden wenden. Man sagt, daß der Europäer, der Andere arm macht, ein Recht ausübe, der Jude aber das Recht verdrehe. Daß es viele Juden gibt, die den Gesetzen sehr unerwartete Interpretationen geben können, das ist möglich; Größeres als europäische Juristen leisten sie aber nicht. Man lese doch, welche Deutung manche Staatsanwälte, die keine Juden find, den Gesetzen über Majestätsbeleidigung, über Aufreizung, über groben Unfug u. dgl. geben; man erinnere sich, welche Deutungen oft den Steuergesetzen gegeben werden; man erinnere sich der merkwürdigen Gesetzauslegungen, die oft englische Richter ans Tageslicht fördern; man wird dann über die Juden anders urteilen. Allerdings hat der Jude von Gesetzen eine andere Vorstellung als der Europäer; auf diesem Gebiete zeigt sich ein ähnlicher Gegensatz, wie auf dem Gebiete des Handels. Unter den Juristen hat es immer zwei Parteien gegeben; die eine Partei hält den Geist, die Tendenz des Gesetzes für maßgebend, die andere den Wortlaut. Den schärfften Kontrast in diesen zwei Richtungen bilden die Germanen und die Juden. Die ältesten germanischen Volksrechte sind bildliche Ausdrücke, Schlagworte, orientierende Kardinalsätze, und es blieb ganz den Richtern überlassen, wie weit sie die Geltung der Grundgedanken ausdehnen wollten. Der Germane neigt dazu, den Gesetzen eine sehr weite Geltung zuzuerkennen. Er hält es für Ehrenpflicht, vor den Gesetzen wie vor heiligen Stätten schon in weitem Abstand Halt zu machen und auch den Schein einer Gesetzantastung zu vermeiden: ein Herumdeuten an den Gesetzen erscheint dem Germanen geradezu frivol, etwa als wollte jemand seine Eltern kritisieren. Der Jude tut das Gegenteil; er hält sich an den Wortlaut, an den Buchstaben des Gesetzes, und zwar nicht nur bei fremden Gesetzen, auch bei seinen eigenen Gesetzen, dem Gesetze Moses. Haarscharf an die Grenzen des Gesetzes heranzutreten, erscheint dem Juden ebensowenig unstatthaft, als beim Schachspiel die Freiheiten aufs Aeußerste auszunutzen. Auf den ersten Blick würde man glauben, bei solcher Auffassung müsse alle Gesetzgebung illusorisch werden, da es doch unmöglich ist, ein verbotenes Gebiet so dicht mit Gesetzen zu umbegen, daß sich keine Lücke finden ließe. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Die jüdischen Gelehrten vergangener Zeiten haben den Geist der Gesetze in so edler, hoher Auffassung zur Geltung gebracht, daß auch die Germanen keine edleren Sätze aufgestellt haben; aber merkwürdigerweise taten das jene Gelehrten auf Grund allersubtilster, Haarspalterifchester Wort- und Buchstabeninterpretation. Uns Europäern ist es nicht möglich, uns in diese Gedankengänge einzuleben, aber daß die hebräische Literatur wunderbar schöne Gesetzauslegungen enthält, das müssen wir anerkennen. Das Gebäude des Christentums selber stützt sich auf Gesetzauslegungen zweier Juden: Jesus und Paulus. Wie beim Handel ist auch auf dem Gebiete des Gesetzes und Rechtes schwer eine Brücke zwischen den zwei diametral entgegengesetzten, aber gleich berechtigten und gleich edlen Standpunkten zu finden. Alle Augenblicke zeigt der Europäer eine naive Vertrauensseligkeit, der zufolge er geradezu versäumt, das Gesetz nachzulesen, während der Jude alle Augenblicke so scharf an die Grenzen des Gesetzes herantritt, daß der Europäer erschreckt. Auch hier wird im Laufe der Zeit ein Ausgleich stattfinden; der Europäer wird lernen, sich über den unzweifelhaften Sinn der Gesetze klar zu werden, und der Jude wird lernen, den Geist des Gesetzes auch ohne den Umweg über subtile Haarspaltereien zu respektieren. Vielleicht werden unsere Söhne diesen Ausgleich erleben. IX. Allein „der Jude verdrängt uns", ruft der Europäer. Die Wenigen verengen den Vielen den Weg. Verdrängt hat der Jude den Europäer wohl noch nirgends, aber er drängt ihn an vielen Orten zurück, er beschränkt ihn. Es könnte

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