Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 526 Dr. Dlocv's Mocvenscbrttt. Nr. 33 müsse, und gälte es auch das Leben oder die Existenz der Familie. Ich denke, ein Schwert, ein Schild, an dem noch das Beste der Glanz ist, kann keinen großen Wert haben und ist wenig geeignet, im Kampfe zu dienen; wenn sie aber auch einen anderen Wert haben, dann ist es töricht gerade nur den Glanz so eifersüchtig zu hüten. Ein guter Mann mit gutem Schwert und Schild wird nicht schlechter, wenn die Waffen bestaubt sind und den Glanz verloren haben. Der Jude schätzt die Waffen nach ihrer Festigkeit und Tüchtigkeit und nicht nach ihrem Glanze, und ebenso beurteilt er die Menschen; das ist doch der vernünftigere Standpunkt. Bei einer Schauparade soll freilich Schwert und Schild fleckenlos glänzen; das Leben ist ja aber doch keine Schauparade, und ein Mann, der das Leben für eine funkelnde Schauparade nimmt, wird nicht nur von den Juden für einen gehaltlosen Mann gehalten. Die Europäer sagen, die Ehre liege in dem Werte, den die Leute dem Manne zuschreiben. Wie wenig muß ein Mann wert sein, wenn schon ein freches Wort eines Anderen diesen Wert vernichtet! Was müssen das für leere Leute sein, die einen Mann schon gering achten, weil ein Anderer gegen ihn ungezogen war! Da hat der Jude denn doch eine höhere Meinung vom Werte des Mannes und den beleidigten Mann verachtet er nicht, sondern er erhebt ihn und hilft ihm, den Beleidiger zu züchtigen. Der Jude schätzt den Wert, die Ehre des Anderen, höher, als der Europäer, denn der Europäer muß beim kleinsten Zwischenfall sein Leben einsetzen, um nicht ganz verachtet zu werden, während der Jude seiner Ehre sicher ist. Ein Beleidigter ist ein Verwundeter, und wir schulden ihm Alles, was wir einem Verwundeten schulden; daß ist der jüdische Standpunkt. Welch unentwickeltes Ding die europäische Edelmannsehre ist, zeigt schlagend der Umstand, daß in Edelmannskreisen, auch in ernsten Kreisen, kein Edelmann in seiner Ehre Einbuße leidet, wenn er Schulden macht, die er nicht bezahlen kann. Nach ernster jüdischer, überhaupt orientalischer Auffassung ist ein solcher Vorgang aber ehrlos, weil er Unschuldige und Hilflose in Schaden setzt, und in China ist auf Bankrott als ehrlosen Vertrauensbruch die Todesstrafe gesetzt. Wo blieb die Ehre vieler europäischer Adelskreise, wenn sie nach dem Ehrenkodcx der Juden gemessen würde! Wohl gibt es genug Juden, die Schulden machen, die sie nicht bezahlen; diese gelten aber auch in ernsten jüdischen Kreisen als ehrlos und mit ihnen verkehrt ein ernster Jude nicht. Nur eine Art Schulden nimmt der europäische Edelmann als absolut bindend, und sollte ein ganzes Geschlecht darüber zu Grunde gehen: die Spielschulden. Wie kann ein Mann, der auf so brutalem selbstsüchtigen Boden steht, noch ein Wort des Vorwurfs über das Börsenspiel wagen! Die Begriffe von Ehre sind heute in ganz Europa in Gärung und in Umwandlung begriffen. Immer lauter protestieren die Einsichtsvollen gegen den hohlen alt-europäischen Ehrbegriff, immer energischer wird das Duell verdammt, immer entschiedener stellen sich die einsichtsvollsten Männer aus dem Gebiete der Ehre auf den Standpunkt — der Juden. VII. Die Anklagen gegen die geschäftlichen Unsitten und das „betrügerische Gebaren" der Juden sind teils übertrieben, teils beruhen sie auf einer vollkommenen Verkennung der jüdischen Auffassung vom Geschäft. Zum Ausgangspunkt nchmen wir ein Gleichnis. Das Schachspiel ist doch auch nach strengster europäischer Auffassung kein unsittliches, sondern geradezu ein edles Spiel. Das Spiel beruht auf wenig, vollkommen unzweideutigen Regeln, die die Gangart der Figuren bestimmen, und alles ist erlaubt, was nicht dem strengen Wortlaut der Regeln widerspricht; es gibt keinen Zug, der beanständet werden könnte, weil er angeblich dem Geiste irgend einer Regel widerspricht. Das Spiel beruht auf dem raffiniertesten Täuschen und Hintergehen des Gegners; in Fallen locken, überfallen, Vorteile rücksichtslos, schonungslos mit äußerster Energie ausnützen, sind hohe Tugenden; dem Andern zu nützen, wäre eine Torheit und den Andern zu vernichten, ist das Ziel. Wer all das am besten kann, ist ein in der ganzen zivilisierten Welt hochgepriesenes Genie; wer aber all das in Europa im praktischen Leben üben wollte, für den verlangte die empörte allgemeine Meinung Zuchthaus und Galgen, und die Richter würden tief bedauern, der allgemeinen Empfindung nicht Rechnung tragen zu können, da der Wortlaut keines einzigen Gesetzesparagraphen verletzt worden sei. Wo die Börse in der Hand der Juden ist, dort saßt der Jude die Spekulation wie ein großes Schachspiel auf, nur daß nicht das Erwürgen eines Einzelnen, sondern das eigene Emporkommen das Ziel ist. Es ist stillschweigendes Uebereinkommen, die Spekulation innerhalb des Rahmens der Börse als grandiose Spielpartie aufzufassen, in der alles erlaubt ist, was den strengen Börsengesetzen und Börsenregeln nicht widerspricht, und an der die genialste Ausnützung der extremsten Möglichkeiten am höchsten bewundert wird. Der Millionär wird nicht wegen seinen Besitz bewundert, sondern weil die Millionen für die Genialität des Besitzers Zeugnis oblegen, und wo die Millionen ohne Genialität erworben sind, geben sie auch ihrem Besitzer durchaus kein Ansehen: „Der Lump glaubt was zu sein, weil er eine Millon hat". Diese jüdische Auffassung vom Geschäft als Spiel der Geisteskräfte steht im scharfen Gegensatz zur europäischen Auffassung. Die Europäer hatten in der Urzeit überhaupt keinen Handel. Der höhere Handel in Europa nahm seinen Anfang mit der Höflichkeit und Ritterlichkeit: der Gast brachte Geschenke, wie sie seine Heimat erzeugte, und der Wirt erwiderte sie mit Gaben, wie sie sein Land hervorbrachte, und diese uralte Form des Handels besteht in China heute noch als strenge Forderung des Anstandes. Die Geschenke wurden wohl gegeneinander abgewogen, aber es wurde nicht gefeilscht. Der Akt wurde immer wesentlich als Höflichkeitsakt aufgefaßt und galt nur gleichsam unter der Decke als Geschäftsakt. Wer da wie beim Schachspiele dem Andern hätte Fallen legen oder ihn hintergehen wollen, der wäre keineswegs wie beim Schachspiel als geistvoller Mann gepriesen worden, sondern er hätte lediglich bewiesen, daß er ein ehrloser Mann sei. mit dem ein Ehrenmann nicht mehr verkehren könne. In europäischer Auffassung, nach der Besitzer und Besitztum Ein Wesen sind, macht der tatsächliche Besitz an sich, der tote Besitz den Mann vornehm, und ein reicher Edelmann ist ein hoher Herr, mag er persönlich noch so unbedeutend und wertlos sein; er ist vornehm durch seinen Besitz. Nach europäischer Fiktion ist ein reiches vornehmes Haus reich, seit die Welt steht, und wird reich sein, so lange die Welt steht, etwa wie das Pferd immer Pferd war und immer Pferd bleiben wird; nach europäischer Fiktion ist Besitz etwas Ewiges und Besitzänderung etwas Abnormes, etwa wie in der Natur ein Erdbeben. Wenn nun zwei so diametral entgegengesetzte Ur-Ausfassungen vom Geschäfte aufeinander prallen, dann muß es zu argen Mißverständnissen kommen, und es kann oft lange dauern, bis zwischen den zwei Standpunkten eine Brücke geschlagen wird, die beide Teile beftiedigt. Den ersten Schritt haben die Juden getan. Nach ernster jüdischer Anschauung ist die Auffassung des Geschäftes als Spiel ausschließlich in dem kleinen Kreise der Standesgenossen gestattet, die über die zu befolgenden Spielregeln übereingekommen sind und die mit vollem Bewußtsein der Sachlage den Kampfplatz betreten. Dem Fremden, dem großen Publikum gegenüber, das nicht kämpfen, sondern seine Bedürfnisse befriedigen will, hat in ernsten jüdischen Kreisen Vertrauensmißbrauch immer als unehrenhaft gegolten und war es immer als Ehrensache, nichts zu tun, als zu geben was gesucht wird. Andererseits haben aber auch die Europäer gelernt, den Handel nackt als Handel zu nehmen und die Gerschale der Galanterie abzustreifen. So kommt es, daß seit Jahrhunderten ernste Christen und ernste Juden sehr wohl miteinander zufrieden sind. Das allerdings kommt häufig vor, daß beide Teile auf ihren extremen ursprünglichen Standpunkt zurückfallen und ihn anwenden, wo er nicht am Platze ist. Der Europäer schwelgt im toten Besitz in seinen überlebten Formen und verschließt sich den Fortschritten der Technik, der Industrie,