Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 516 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Rr. 33 mit lebenslänglicher Versorgung oder mit einem Begräbnis auf Staatskosten und einem Denkmal aus Erz belohnt worden sein; im Dienste einer Idee geübt, die den herrschenden Gewalten wider den Strich geht, wird sie zum ruchlosen Verbrechen. Bor allen Dingen keine Heuchelei! Die blutige Tat war ein Verbrechen, und jedes gewaltsam vernichtete Menschenleben bedeutet ein Unglück, das mit Recht alles Mitgefühl für sich in Anspruch nimmt, aber schließlich haben auch gewisse psychologische Antriebe ein Anrecht darauf, begriffen zu werden, und wenn die Entrüstung sich regt, so kann es wohl geschehen, daß sie sich gegen das Opfer richtet, das tausendmal mehr Unheil auf dem Gewissen hatte, als der Verbrecher, der von seinem Schicksale nun doch erreicht worden ist. Was Plehwe gesündigt hat an seinem Volke, an Finnland, das niedergedrückt ward von seiner erbarmungslosen Faust, an den Millionen von Juden im weiten russischen Reich; was er gesündigt wider jeglichen Gedanken der Frecheit und der Menschlichkeit, das wird ihm trotz seines tragischen Sühnetodes unvergessen bleiben in der Gesch chte des Kampfes um die höchsten Güter der Völker. Ein Wort mußte ihm auf der Seele brennen bis zu dem letzten unseligen Ende, ein furchtbares Wort: Kischeuew. Jeder Mordanschlag sinkt zur Bedeutungslosigkeit herab neben dem ungeheuren Verbrechen, das sich in jenem einzigen Worte ausdrückt. Plehwe ist gerichtet. Ein verzweifelter Kämpfer hat das Urteil an ihm vollstrcckt. Man weiß noch nichts Näheres über seine Persönlichkeit, noch nicht, ob es ein Russe oder ein Finnländer ist. Das Eine scheint sicher zu sein, daß es kein Jude war. Denn ansonsten wären die Folgen ja schon zu spüren gewesen. Gerade bei den Juden, und nur bei den Juden. Welchem Stamme er sonst auch angehören mag, man hätte die Tat hingenommen als die eines einzelnen Fanatikers und nicht sein ganzes Volk für sie verantwortlich gemacht. Nur bei den Juden wäre man von der alten Gepflogenheit nicht abgewichen, das ganze Judentum bluten zu lassen, bluten zu lassen im strengsten Wortsinne für den verzweifelten Wahnwitz eines Einzelnen. Welch' namenloses Unglück hätte das gegeben! Und so entsetzlich es auch gewesen wäre, es lag doch im Bereiche der Möglichkeiten, daß ein Jude, der die Schandtaten in Kischenew miterlebt, vor dessen Augen Männer und Greise gemartert, Frauen und Mädchen geschändet, Kinder wider die Wand geworfen wurden, schließlich so weit um den Verstand kam, daß er in wahnsinniger Verzweiflung, den blutroten Schein vor den Augen, den Anschlag wagte wider den übermächtigen Urheber all' dieser Greuel. Es wäre menschlich nicht weniger begreiflich gewesen, als bei den, der die Tat wirklich verübt hat, wie anders aber wären die Folgen gewesen! Sie sind nicht auszudenken. Es ist ja herkömmlich und nicht nur in Rußland: Die Guttat eines Juden, wenn sie überhaupt bekannt wird, wird als Einzelfall taxiert und so gut cs geht herabgesetzt; das Verbrechen oder das Unglück eines Einzelnen aber hat immer die Gesammtheit zu büßen und zu tragen, und so ist cs noch als ein Glücksfall zu preisen, daß das, was menschlich begreiflich gewesen wäre, nicht wirklich und entsetzcnvolles Ereignis geworden ist. Wie jammervoll die rechtliche Lage der Juden unter der Herrschaft Plehwe's in Rußland war, das erhellt gerade aus jenen seiner seltenen Entschließungen, für welche er noch ihre Dankbarkeit beanspruchen zu dürfen vermeint hat. Kurz vor seinem Tode hat er sich angeblich dem Zionismus gegenüber entgegenkommend verhalten. Es ist wahr, dieses Entgegenkommen ist von jüdischer Seite anerkannt worden, und es spricht nur für die tiefe, unaussprechlich demütigende Judennot in Rußland, daß diese seine Haltung dankbar hingenommen wurde. Er hatte die Erklärung abgegeben, daß er der Auswanderung der Juden keine Hindernisse in den Weg legen wolle. Es mögen ihrer nur gehen, so viele ihrer nur wollen, unter der einen selbstverständlichen Voraussetzung, daß der Regierung daraus keine Kosten erwachsen. Das war seine Gnade; so war er, wenn er weich war. Wie es ging, wenn er hart war, bas haben die Juden oft und schmerzlich genug erfahren. Nun ist er gerichtet und gehört der Weltgeschichte an. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. _ Whig. Nochmals: „Erkläret mir, Graf Oerindur, Diesen Zwiespalt der Natur." Unter obigem Titel sucht Herr Dr. Biach, Brüx, mich in Nr. 27 dieser Zeitschrift, Seite 430 zu überführen, daß ich ein Zweizüngler wäre in Bezug auf meine Anschauungen über das Judentum. Er tut dies, indem er einigen Stellen aus der Einleitung zu meiner Ausgabe von Swedenborg's theologischen Schriften einige andere aus meiner in „Ost und West" 1904 erschienenen Abhandlung über die Malerin Kaethe Münzer entgegenstellt. Ich nehme Herrn Dr. Biach als einen offenbar religiösen Juden seine Anschauung durchaus nicht übel, möchte mir aber doch wenigstens einige kurze Bemerkungen gestatten, die den mir gemachten Vorwurf entkräften dürften. Einigen von Ihnen dürfte es wenigstens bekannt sein, daß ich offiziell dem Zionismus angehöre und seit geraumer Zeit nicht ohne Begeisterung für ihn kämpfe. Der Vorwurf des jüdischen Antisemitismus ist also hinfällig. Nun bitte ich Sie, die von Herrn Dr. Biach meinen Werken entnommenen Zitate zu vergleichen. Sie werden dabei finden, daß die begeisterten sich ausschließlich auf die Juden als Rasse, die abfälligen sich ausschließlich auf die jüdische Religion beziehen. Ich bin fanatischer Rassenjude ohne jede Einschränkung, stehe hingegen der jüdischen Religion sogar mit Haß gegenüber, denn ich bin der Meinung, daß ein auf religiöser, anstatt auf ökonomischer Grundlage sich aufbauender Staat einfach ein Unding ist und schon vor seiner Geburt den Todeskeim empfängt. Es dürfte Ihnen nicht unbekannt sein, daß sich der zionistischen Bewegung auch eine Anzahl Wissenschaftler angeschlossen hat, die im jüdischen Dogma absolut kein Heil zu erblicken vermögen, ganz im Gegenteil, sich aber durchaus als Rassenjuden fühlen und bekennen. Zu ihnen erlaube auch ich mir, mich zu zählen. Im Rahmen einer kurzen Erwiderung dürste nicht der Raum sein, zu untersuchen, ob unserer Rasse ihre Religion nützlich oder schädlich ist. Darum handelt es sich ja auch hier nicht. Mir lag daran, mich von dem mir etwas unüberlegt wenn auch nicht direkt — gemachten Vorwurfe betrügerischer Vorspiegelungen in meinem literarischen Schaffen zu reinigen, und genügt es mir, dieser meiner Pflicht gegen mich selbst nachgekommcn zu sein. Lothar Brieger-Wasservogel, Weimar. Nachschrift der Redaktion: Herr L. Brieger-Wasservogel schrieb wörtlich: „In Christus wurde Gott, der alte unsichtbare Gott der Juden, welcher in Wahrheit nichts gewesen war als ein Rückfall, als der ins Unermeßliche erhobene Tiermensch, zu einem wahrhaften Gottmenschen." Von Spinoza sagte er: „Er hatte noch dazu das Pech, ein Jude zu sein, also der allermateriellsten Kirche anzugehören." Daß die zionistische Organisation solche Mitglieder „offiziell" als Genossen und Vorkämpfer bei sich duldet, finden wir unbegreiflich. Die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". Der Religionsunterricht in der Mittelschule. Von G. B. Die erwünschte und erwartete fachmännische Aeußerung auf meinen ersten gleichlautenden Artikel ist mit anerkennenswerter Promptheit erschienen und ich glaube keine Fehlbitte zu tun, wenn ich Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des Gegenstandes noch um fteundliche Aufnahme folgender Zeilen bitte. In meinem ersten Artikel hatte ich — nicht die „A nklage erhoben", sondern — die auch im Gegenartikel bestätigte Tatsache konstatiert, daß die Zeugnisverteilung alljährlich mit Bezug auf den Religionsunterricht am