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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 32 Dr. Kwcv's MocbenscDritt. Seite 513 gilt das als löblich; wenn aber Juden auf deutschem Gebiete sich ebenso zusammentun, dann tadelt man es. In früheren Jahrhunderten gab es in Europa in jedem Lande nur Eine Sprache, Einen Glauben, Eine Sitte, und da war es natürlich, daß das Auftreten neuer, fremder Elemente sehr unangenehm empfunden wurde, etwa wie in Adelskreisen das Eindringen eines Bürgerlichen, in Bürgerkreisen das Eindringen eines Bauern, in Protestantenkreisen das Eindringen eines Katholiken in irgendwelchen Korporationen sehr unangenehm empfunden wurde, mochte der Neuling auch in jeder Beziehung mindestens ebenbürtig sein; man war gezwungen, gegen den neuen Mann Rücksichten zu nehmen, während man sich früher ungebunden gehen lassen konnte. Es liegt aber in der Natur der Entwicklung, daß immer und überall neue Elemente auftreten und die alten sich überleben. Heute gibt es keinen Kulturstaat, der nicht große Bevölkerungsteile ausgenommen hätte, die aus fernen Ländern zugewandert sind und die andere Sprache, anderen Glauben, andere Sitten haben. Es ist fast, als sollten die Staaten aus Familienhäusern zu Gasthöfen werden. Die Lage ist so neu, daß sich noch in keinem Staate eine feste Ansicht darüber ausgebildet hat, was der Staat den Zugewanderten, was die Zugewanderten dem Staate schulden, und zu den Stammfremden gehören auch die Juden, die fast in der ganzen Welt aus Deutschland stammen. Vorderhand begnügt man sich in den Kulturstaaten mit dem Grundsätze, daß kein Teil dem andern Aergernis gebe und daß die neuen Elemente dem Wohle des Gemeinwesens nicht entgegenwirken. In den-Staaten wiederholt sich heute im Großen, was im Mittelalter in den Städten im Kleinen geschah. Damals traten in den Städten der Altbürger, der Patrizier, die Handwerker, die Zünfte auf, neue Elemente, die zumeist aus Zugewanderten, aus Stadtfremden bestanden. Die Allbürger verlangten anfangs unbedingte Subordination, blinde Assimilation, und diese Forderung war keineswegs unvernünftig, denn Niemand konnte voraussehen, wohin es führte, wollte mau den neuen, fremden Elementen maßgebenden Einfluß oder gar Gleichberechtigung geben. Die Erfahrung zeigte aber, daß diese neuen Elemente mit ganz derselben Hingebung, mit ganz derselben Wucht, mit ganz demselben Verständnis dem Gemeinwesen dienten, wie die Altbürger, ja, oft diente es der Stadt nur zum Heile, wenn gelegentlich die Altbürger niedergerungen und der Wille der Zünfte znm Siege geführt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte fand ein Ausgleich zwischen Alt- und Neubürgern statt, es kam ein Gleichgewicht der Kräfte, das sowohl beiden Teilen, als auch dem Ganzen zum Heile diente und in dem jede Partei nur den besseren Teil ihrer Kräfte und Fähigkeiten dem Gemeinwohl widmete. - So dürfen wir denn hoffen, daß auch zwischen Juden und Nichtjuden einst ein Ausgleich der Kräfte eintreten werde, in dem jede Partei nur den besseren Teil ihrer Kräfte und Fähigkeiten dem Gemeinwohl widmet. Wir müssen der Zukunft vertrauen; heute wissen wir noch nicht, welcher Weg zum Ziele führen wird; daß aber die Forderung, der Jude müsse seine Eigenart preisgeben und sich blind assimilieren oder aber ausscheiden, gegen das elementare Naturrecht verstößt, das ist gewiß. IV. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß das Schicksal eines Menschen wie eines ganzen Volkes mindestens eben so sehr von seiner Schönheit, wie von seiner Tüchtigkeit abhängt. Schöne Erscheinung, gewinnendes Auftreten öffnen auch dem Menschen von geringem Werte weite Wege, die er nur zu betreten braucht, während eine unangenehme Erscheinung auch den Tüchtigsten fort und fort hemmt. Im Kampf ums Dasein ist die ästhetische Ausrüstung des Menschen eine mindestens ebenso mächtige Waffe, wie der sittliche oder intellektuelle Wert. Manche Völker werden weit überschätzt, weil die Natur sie mit ästhetischen Vorzügen überschüttet hat, und sie erreichen unter den Völkern eine Höhe, die ihnen nach ihrem inneren Werte nicht zukommt. Solche Völker sind die Polen, die Griechen, die Magyaren, womit aber nicht geleugnet werden soll, daß sie ja nachträglich noch den inneren Wert wirklich erreichen können, den man ihnen schon jetzt zuschreibt. Andere Völker werden weit unterschätzt, weil die Natur sie nur kärglich mit ästhetischen Vorzügen ausgestattet hat, Und sie müssen langsam, in schwerem Kampfe Positionen erkänipfen, die jenen Völkern im Traume zufallen; hieher gehören die Deutschen, besonders die Norddeutschen, vor Allem aber die Juden. Gegen die Juden war die sonst Alles schmückende Natur eine schlimme Stiefmutter. Der Europäer ist leicht herrisch, anmaßend und gewalttätig, und die höfliche Anpassungsfähigkeit, ohne die der Orientale sich einen gebildeten Mann nicht denken kann, fehlt dem Europäer. Dennoch zeigt die Erfahrung, daß der gegen Seinesgleichen so anmaßende und herrische Europäer, wenn er dem Juden begegnet, unwillkürlich einen Schritt zurückweicht, und während er rücksichtslos Seinesgleichen aus guten Orten hinausekelt, weicht er sofort zurück, sobald der Jude erscheint, und er räumt dem Juden den Platz, selbst wenn der Jude sich tadellos korrekt zu verhalten bemüht. Das flinke Wesen, die eigentümliche Schlagsertigkeit des Juden und was damit zusammenhängt, scheut der schwerfälligere Europäer. Diese unwillkürliche Scheu, dieses unwillkürliche Zurückweichen vor der jüdischen Art wurmt den Europäer, es verletzt seinen Stolz und er rächt sich, indem er als Antisemit den Juden durch Gesetze von allen guten Orten fernzuhalten strebt. Er erklärt rundweg: „Der Jude ist unausstehlich." In dieser Richtung hat der Jude Leidensgefährten. Die Deutschen haben sich längst daran gewöhnt, von allen Nachbarn unterschätzt und als „deutsche Hunde", „blutige Germanen", „verfluchte Deutsche" mit dem Fuß getreten zu werden, besonders aber der Preuße trägt es ruhig, daß die Natur ihn so stiefmütterlich mit ästhetischen Vorzügen ausgestattet hat und daß er mit seinem Wesen immer und überall sehr unerwünschten Eindruck macht, der es ihm sehr erschwert, für seine innere Tüchtigkeit Anerkennung zu erringen. Was Bismarck darüber gesagt hat, wie viel überflüssige Mühe es dem Deutschen und insbesondere dem Preußen verursacht, bei jedem Schritte erst die übten Wirkungen seiner mangelhaften ästhetischen Ausrüstung wegräumen zu müssen, das mögen auch die Juden sich zum Tröste gesagt sein lassen. Die reichsdeutschen ernsten Blätter besprechen oft die Frage, tvarum das Auftreten des Deutschen die Ausländer so unangei'ehm berührt, daß sie ihn sich ferne halten, besonders seit der Gründung des Deutschen Reiches. Die Antwort ist immer dieselbe: Der Deutsche hat keinen feinen Sinn für gute Haltung; wenn ihm das aber ins Bewußtsein kommt, fällt er leicht mit einem unangenehmen Uebermaß in die entgegengesetzte Richtung. Seit dem Aufblühen des Reiches sind die deutschen Verhältnisse plötzlich so groß geworden, wie sie nie waren, und für diese neuen großen Verhältnisse haben die Deutschen keine Tradition; in dieser Unorientiertheit werden sie leicht protzig und parvenuartig. All das sprechen die deutschen Blätter ganz offen und ausführlich aus, damit die Betreffenden aufgeklärt werden; all das paßt aber auch in hohem Maße aus die Juden. Leider wird es in jüdischen Kreisen nicht eben so offen und ehrlich besprochen. Namentlich durch einen Umstand erregt der Jude leicht Mißfallen. Niemand sieht gerne sein eigenes entstelltes Bild. Den Magyaren berührt es unangenehm, wenn der Deutsche oder der Slave den Urmagyaren spielt: der Franzose, der Italiener lacht, wenn der Deutsche den Franzosen, den Italiener zu spielen sich bemüht; den Juden verletzt es, wenn ein Nichtjude sich als Jude gebärdet, im Jargon spricht, und ist durchaus nicht erfreut, wenn ein Nichtjude Jude werden will; so ist es auch den Deutschen nicht angenehm, wenn der Jude den Deutschen vorstellen will, denn er kann es ja nicht; der Jude versteht das dämmerige, ahnende deutsche Wesen ebenso wenig, wie der Franzose, weil die Juden wie die Franzosen die Welt außerordentlich scharf, bestimmt, verstandesmäßig beurteilen. Der Jude ist der Suggestion sehr zugänglich, und in der Jugend zeigt er eine wahre Leidenschaft, die Nichtjuden seiner Umgebung zu kopieren; sogar seinen jüdischen Namen legt er ab. Mit einem solchen Juden,

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