Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 507 die jüdischen Kleinhändler, die ohnedies den Samstag auf das Strengste feiern, durch die Sonntagsruhe auch noch einen zweiten Tag in der Woche für ihre Arbeit verlieren — kurz, die Juden werden umbarmherzig, geradezu systematisch ausgehungert. Tausende Existenzen wurden so vernichtet, tausende von Familien an den Bettelstab gebracht. Vom Hunger getrieben, wandern die Bejammernswerten, Erwerb suchend, in Scharen aus den Dörfern in die Städte, aber nur mit dem Erfolge, daß sie das Elend der dort ansässigen Juden vergrößern mtb schließlich mit diesen zusammen in Not und Krankheit verkommen. Eine derartige, zum Teil zielbewußt herbeigeführtc Verelendung so großer Menschenmassen kann in ihren schrecklichen Folgen nicht auf Galizien allein beschränkt bleiben. Die Gefahr, die es mit sich brächte, wenn sich diese verhungernden Menschen in Bewegung setzten, um in den Nachbarländern die Rettung zu suchen, die sie daheim nicht finden — diese Gefahr braucht nur angedeutet zu werden, um als eine furchtbare erkannt zu werden. Aber schon jetzt oder gar bald müssen es Industrie, Handel und Verkehr des ganzen Reiches am eigenen Leibe verspüren, daß eine halbe Million Menschen ihre Bedürfnisse an den Erzeugnissen der Landwirtschaft und der Industrie nicht ausreichend zu befriedigen vermag. Um dieser unerhörten Not Schranken zu setzen, hat sich bereits im Jahre 1901 der Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien mit dem Sitze in Wien gebildet. Er will nicht Almosen spenden; die augenblickliche Not zu lindern, muß er der Privatwohltütigkeit überlassen. Ihm gilt es, allen jenen, die durch ehrliche Arbeit ihr Leben zu fristen fähig sind, Gelegenheit zur Arbeit zu verschaffen. Er will allen, die arbeiten wollen, — und die galizischen Juden, welche auch die anstrengendsten Handwerke betreiben und die schwersten Berufe als Lastträger, - als Erdwachsarbeiter u. s. w. ausüben, scheuen wahrlich keine Arbeit — durch Erhaltung und Weiterentwicklung der vorhandenen Handwerke und der Ansätze zu solchen Hausindustrien, die dort von Juden betrieben werden oder durch Einführung neuer Industrien Erwerb vermitteln: er will insbesondere das Heranwachsende Geschlecht, die Jugend, dein Handwerke und womöglich dem Ackerbau zuführen. Sv soll den Juden in ihrem Elend beigesprungen, ihr wirtschaftliches und damit zugleich ihr geistiges und sittliches Niveau gehoben und ihnen, eine glücklichere Zukunft eröffnet werden. Schon hat der Hilfsverein seine Absichten zu verwirklichen begonnen. Er hat die Haarnetzindustrie in Galizien eingeführt, in der in fast 100 Ortschaften mehrere Tausend jüdische Frauen und Mädchen als Heimarbeiterinnen einen verhältnismäßig lohnenden Erwerb finden; andere Exportindustrien, die einer weiten Ausbreitung fähig sind, wurden bereits eingerichtet oder sind zur Einführung ins Auge gefaßt: gerade jetzt wird mit der Unterbringung von Absolventen der Baron Hirsch - Schulen in Galizien bei Handwerksmeistern angefangen und eine 'schriftliche Enquete über die Frage der Zuführung galizischer Juden zur Landwirtschaft ist im Zuge. Aber die Mittel des Hilfsvereines sind viel zu klein, als daß damit in absehbqxer Zeit ein fühlbarer Erfolg erzielt werden könnte. Wohl hat er derzeit 6 Wiener und 36 Provinzial-Ortsgruppen mit rund 3500 Mitglieder: allein, an seinen großen Aufgaben gemessen, ist die Zahl seiner Mitglieder und sind seine Einnahmen viel zu gering. Eine halbe Million verhungernder und verkommender Juden ruft um Arbeit, um Verdienst: darf es da einem Vereine, der sich die Aufgabe gestellt hat, diesen bejammernswerten Menschen Brot zu verschaffen, an Mitteln fehlen? Jede jüdische Kultusgemeinde, jeder jüdische Verein, dessen Satzungen es zulassen, jeder Jude, Inländer oder Ausländer, Mann oder Frau, Jüngling oder Mädchen, muß es als Pflicht erachten, dem Hilfsverein als Mitglied anzugehören: jeder Jude, dem Tatkraft innewohnt, muß sich gedrängt fühlen, falls in seinem Wohnorte eine Ortsgruppe schon besteht, im Kreise seiner Verwandten und Freunde neue Mitglieder zu werben, falls aber eine solche Vereinigung noch mangelt, deren Gründung mit allen Kräften anzustreben. Bei jeder Gelegenheit, sei's eine freudige oder traurige, muß des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien durch Spenden gedacht werden: Zuwendungen in Testamenten sind besonders willkommen. Und nicht bloß Unterstützung durch Geld erwartet der Verein von den jüdischen Glaubensgenossen, sondern auch die Mitteilung von Anregungen zur Einführung neuer Industrien in Galizien. Nur wenn alle zusammenwirken, wenn die gesamte Judenschaft mit Rat und Tat au dem großen Werke des Hilfsvereines mitarbeitet, kann und wird es gelingen, die galizischen Juden einer besseren Zukunft zuznführen, zum Woble der gesamten Judenschaft. Der .Hilfsverein für die notleidende indische Bevölkerung in Galizien. Die B e r e i n s l e i t u n g: Sigmund Mayer. Gottlieb Lederer. Vizepräsidenten: Adolf Baer, Wien. Dr Max Böhm, Mähr.-Ostrau. Dr. Einil Byk, Lemberg. Professor Tr. S. Ehrmann, Wien. Tr. Elias Fifchler, Stanislau. Dr. M. Hammerschlag, Prag. Tr Leon Horowitz. Krakau S. Edler v. Horowitz, Lemberg. Dr. Josef Jeinsalem. Wien. Dr. Adolf Kapralik, Wien. Tr. Edmund Kohn, Wien. Dr. Gustav Kohn, Wie». Kais. Rat Paul Lemberger, Wien Kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Wien. Dr. Ludwig Lustgarten, Krakau, Dr. Wilhelm Pappenheim, Wien. Adolf Pick, Wien Dr. Alois Pollak, Wien. Heinrich Pollak, Wien. Dr. Adolf Ringel hei m. Tarnow. David Rotier, Wien. Lndwig Samek, Wien. Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau. Banrat Wilhelm Stiaßny, Wien. Die Obmänner der Ortsgruppen: Aussig: Dr. Wilhelm Wittenberg Bielitz: Salomon Pollak. Arody: Hermann Landau. Brünn: S. Perlhefter. Budweis: Dr. Gustav Hesky, Friedek-Mistek: Hermann Löw. Gablonz a. N.: Dr. Hermann B ineth. Hermanu-Mestec: Theodor Pokorny. Jglau: Gustav HeUmann. Jungbunzlan: S Haas. Karlsbad: Ludwig Moier. Komotau: Dr. Karl Thieberger. Kön. Weinberge: Adolf Löwenbach. Krakau: Dr. Hermann Hirsch. Leipa: Dr. I. Krengel. Leinneritz: Dr. Heinrich Töpfer. Lemberg: S. Edler v. Horowitz Linz: Bernhard Taussig. Loboütz: Georg Dnbsky. Marienbad: Dr. Josef Steiner. Mährisch- Ostrau : Dr. Max Böhm. Melmk: David Stransky. Nachod: Dr. H. Brody. Olmütz: Dr. Jakob CSbeit Pardubitz: Wilhelm Hoch. Pilsen: Tr Josef Schanzer. Prag: Michael Beniiis. Reichenberg: Dr. Emil Hofmann. Salzburg: Leopold Siccard. Smichow: Richard Petschek. Stanislau: Kafsiel Kiesler. Tarnopol: Dr. Marek Parnaß. Teplitz - Schönau: Felix Bruck. Teichen: Dr. Joachim Kleinberg. Trautenau: Josef Pfefferkorn. Troppau: Dr. Theodor Sonnenschein. Wien. 1. Bezirk: Dr. Gustav Langstein, 2. Bezirk: Dr. Wilhelm Knöpfmacher, 3. Bezirk: Dr. Leon Fenichel, 4. Bezirk: Dr. Jakob Bauer, 5. Bezirk: Julius Granichstädten, 6 Bezirk: Max Eibuschitz. JConkurs. Bei der gefertigte» Kultusgemeinde geLiigt mit dem 16- S&piembef 1904 die Stelle eines —= Rabbiners der auch den Religionsunterricht an der hiesigen deutschen Volks- und Bürgerschule zu besorgen hat, zur Besetzung. Der Posten ist mit einem Jahresgehalt von Kl^OO.—, dem Ertrag der Stiftungen und Matrikenführung, nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten verbunden. Jene Herren Bewerber, die österreichische Staatsbürger sind, wollen ihre gehörig instruierten Gesuche bei dem gefertigten Vorstande bis längstens 20. ÄllQUSt 1904 eiubringen. Vorstand der israelitisch. Kultusgemeinde Mähr.-Kromau. Der Kultusvorsteher: Dr. Bernard Rein. Konkurs. Der Minjan-Verein In Kunowitz (Mähren) akzeptiert per 1. Oktober d J. einen rfs dev auch die hiesigen jüdischen Kinder in Religion und den für dieVolksschuleu vorgeschriebenen Disziplinen zu unterrichten hat. Gehalt K 800.—, freies Quartier und das Erträgnis der Sehechita. Ledige werden bevorzugt. Reisespesen werden unbedingt nur dem Akzeptierten vergütet. Mit Zeugnisabschriften belegte Offerte sind bis längtsens 15. Aug’iSt d. J. au den Voland Ü03 Vereines ZU richten. Israelitischer Minjan-(Gebet)Verein I65y Kunowitz hei Ung.-Hradiseb.