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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 502 Dr. JBlocb's Mocbenscbrttr. Nr. 31 Wie«. (Ein L e h re rju b i l äu in.) Am Ende dieses Schuljahres wurde ein verdienstvoller jüdischer Schulmann, Herr Moriz Z e ck c n d o r f. der sich auch auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunte-Achtes große Verdienste erworben hat, anläßlich des Jubiläums seiner vierzigjährigen Lch'.tätigkcit von zwei verschiedenen Seiten gefeiert. Am Samstag den d. M. hob Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g in der Schlnßexhorte bei dem Jngcndgottesdienste der Volks- und Biirgerschüler im Gemeindetempel von Währing die großen Verdienste des Jubilars um die israelitische Schuljugend Währings als Religionslehrer hervor, der sie seil Jahren mit fester Hand und pädagogischem Geschicke leitete. Diesem erhebenden, doppelt feierlichen Schlußgottesdienste wohnten bei: der Vorstand der isr. Kultnsgen cinde von Währing wie auch der Ehewra-Kadischa desselben Bezirkes, ferner Herr Hans Teufclsbauer, Oberlehrer der Volksschule XVII., Kastnergasse 29, au welcher Schule der Jubilar seit dreißig Jahren wirkt, wie auch Herr Redl, Lehrer des Jugendhortes „Pestalozzi". Während diese Feier dem verdienten israelitischen Religionslehrer galt, feierten ihn am 14. d. M. seine christlichen Vorgesetzten und Kollegen, an deren Spitze oberwähnter Herr Hans Teufelbauer, sein Oberlehrer, stand, als den beliebten und bewährten Schulmann, der vor vierzig Jahren seine öffentliche Lehrtätigkeit begonnen und, wie erwähnt, seit dreißig Jahren an ein und derselben Anstalt zur vollsten Zufriedenheit aller feiner Vorgesetzten wirkte und noch immer wirkt. Herr Oberlehrer Teufelsbauer hob in seiner Ansprache den heiligen Ernst, den immergleichen Eifer, wie auch die Arbeitsfreudigkeit des Jubilars hervor, der trotz mancher Widerwärtigkeiten seines Lebens nie nachgelassen habe, und überreichte ihm zum Andenken an diese feierliche Stunde ein großes, in einen Nahmen gefaßtes Bild, das den ganzen Lehrkörper samt den beiden Herren Katecheten umfaßte. Hierauf sprachen noch Herr Franz Helbling. Ritter des Franz Joseph-Ordens, in Vertretung der Bezirksvorstehung von Hernals und Herr Kreischet, Obmann des Orlsschulrates. Der Feier wohnten außerdem bei, der Ortsschulinspektor Herr Soukal, Gewerbeschulinspektor Herr Wilfinger, der ehemalige Obmann des Ortsschulrakes Herr Vsieger, der ganze Lehrkörper zweier Schulen samt den beiden Herren Katecheten, wie auch die Herren Rcligionslehrcr M. Stengel und W. Toch. Unter herzlicher Beglückwünschung des Jubilars entfernte sich die Gesellschaft. Wien. (M e i st e r s ch w i m m c r.) Sonntag den 24. Juli gelangte durch den Ocsterreichischen Schwimmsport-Ausschuß das „Meisterschaftsschwimmen von Oesterreich im Donaustrom" auf der 9000 Meter langen Strecke Klosterneuburg-Wien zur Austragung. Im vorigen Jahre hatte diese Konkurrenz einen sensationellen Verlauf genommen, indem der scheinbar unbesiegliche Donaumcifter Milella von dem jüdischen Studenten Leopold Mayer in grandiosem Styl geschlagen wurde. Auch Heuer gab cs wieder eine große Uebcrraschung. Der altbewährte Schwimmer der „Austria" S. Orlik, (Sohn des jüdischen Fleischhauers) brachte in mächtigem Ringen den ersten Preis an sich, während Edmund Bernhardt, Mitglied desselben Klubs, als Zweiter, und der Arier Alois Änderte als Dritter aus Ziel kamen. Hier zeigte es sich neuerdings, daß unsere Jünglinge auf keinen: Gebiete des Sports und der körperlichen Hebungen ihren christlichen Konkurrenten gegenüber minderwertig sind. Als eine köstliche Episode verdient noch mitgeteilt zu werden, daß die für denselben Abend im „Hotelrestaurant Theresienhof" im Prater aubcraumtc Preisverteilung nicht vorgenommen werden konnte, weil die Gravierung der Medaillen einen argen orthographischen Schnitzer austvics. Ein arisches Mitglied des Oestcrr. Schwimmsport-Ausschusses hatte nämlich einen gleichfalls rassenreinen Graveur mit dieser Arbeit betraut und dieser Urtcutouc hatte „Strom" mit 2 m geschrieben. Jetzt müssen die Medaillen umgegoffen und neuerlich graviert werden. Ung.-Hradisch. Herr Leopold Herzog, Kassier der Brauerei in Göding. Sohn deS Herrn Jakob Herzog in Ung.-Hradifch, hat sich mit Fräulein Emma Teller, Tochter des Herrn Leopold Teller in Watzenowitz, verlobt. Melnik a. d G. Bei voller geistiger und körperlicher Frische feierte Herr Aron K o h n im engsten Familienkreise seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar — ein hervorragender Talmudkenner — der sich wegen seines bescheidenen, biederen Charakters allseitiger Sympathie und Verehrung erfreute, wurde von der Kultusgemeinde in Anbetracht seiner vielen Verdienste um diese zum Ehrenmitgliede ernannt. Eine Deputation, bestehend aus Rabbiner Straus k y, Kultusvorsteher Doktor Treulich, Vorstandsmitglied Oplatka begab sich in die Wohnung des Jubilars, um die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdrucke zu bringen und die Ernennung zum Ehrenmitgliede bekanntzugeben. Ledev. Der armen Witwe mit 5 kleinen Kindern sind Von ei rem Ungenanntseinwollenden K 4.— zugekommen, mit den früheren Einläufen zusammen K 153 75, wofür allen edlen Spendern der Dank ausgesprochen wird. Prag. (Antisemitische S o m m e r f r i s ch e n.) Das „Prager Tagblatt" schreibt: Ein Herr, der in Mukarow bei R i e a n eine Sommerwohnung gemietet hatte, teilt uns mit, daß er die Wohnung in Folge antisemitischer Hetzereien und Demonstrationen Knall und Fall ansgeben mußte, trotzdem sein Hauswirt — ein katholischer Geistlicher war. Der geistliche Herr war der wüsten Bande gegenüber, die dort ihr Unwesen treibt, nicht im Stande, seinen Mieter zu schützen. — Aus Tschernoschi tz an der Westbahn wird uns mitgeteilt, daß es den Juden verwehrt wird, die dortige öffentliche Badeanstalt zu benutzen. Was sagt die Bezirkshauptmannschaft zu solchen Vorgängen? Akexotvrtz bei Eibenschitz. Am 25. d. fand in Brünn die Hochzeit des Herrn Alfred P l a tz e k, Sohn des mährischen Landesrabbiners Dr. Platze k, Mitkompagnon der Tuchfabrik Skene u. Komp., mit Frl. Mizzi P o l l a k, Tochter des Herrn Dr. P o l l a k, Landesadvokaten in Brünn, statt. Noch am Hochzeitstage zog das glückliche Brautpaar in ihr feenhaft schön eingerichtetes Heim ein. Am Abende veranstaltete die Beamtenschaft dieser Fabrik einen Fackelzug zu Ehren des Brautpaares: ihr schloß sich die Arbeiterschaft, die Feuerwehr re. an, so daß der Zug ein überaus imposanter wurde. Die Eibenschitzer Stadtkapelle besorgte zu dieser Feier die Musik und brachte in gefälliger Weise eine Serenade zum Vortrage. Feuilleton. . (Nachdruck verboten.) Die beiden Rothschild. Novellclte Hans Marterl. Es war schon spät am Abend, die Sonne sank hinter den Wald und die Bäume warfen bereits lange und immer längere Schalten. — Riesle, die Frau eines armen Handelsjuden in Preßburg, stand in dem Kämmerlein neben der Wohnstube an der alten Wiege, in die sie zwei Kinder gelegt hatte. Sie war bemüht, das eine Kind, welches nicht einschlafen wollte und sich immer unruhig hin- und herwars, mit freundlichen Worten zu beschwichtigen. „Der Vater bringt Dir auch etwas mit, wenn Du brav bist, Rebeckche, Du mußt ruhig liegen und schlafen, sonst weckst Du das Fromche auf. So, lieb' Kind, bleibe ganz ruhig liegen und mache Deine Aeuglein sein zu, da wirst Du bald schlafen; Deine Geschwister schlafen schon alle!" Die Mutter setzte sich neben die Wiege und sang mit leiser Stimme ein Wiegenlied, bis Rebeckchen endlich ebenfalls eingeschlafen war. Nun stand sie wieder auf, warf noch einen Blick auf das nebenanstehende kleine Bett, in welchem drei größere Kinder lagen und verließ dann das Kämmerchen, dessen Tür sie leise zumachte. Seufzend stieg sie die Treppen hinauf zun: Speicher und sah durch das Dachfenster nach ihrem Manne aus, der über Feld gegangen war und noch immer nicht kommen wollte. Die Dunkelheit hatte aber so zugenommen, daß sie kaum hundert Schritte weit zu sehen vermochte und schon nach einigen Minuten konnte sie nichts mehr auf der Straße unterscheiden. Sie ging wieder hinab in die Wohnstube, zündete die Lampe an, setzte sich an den Tisch, nahm ein Gebetbuch von dem Gesimse des Schrankes herab und las emsig darin, indem Tränen über ihre Wangen perlten. Joseph Rothschild, der Ehegatte der Frau, die wir eben in ihrer häuslichen Beschäftigung belauschten, hatte bei seiner Verheiratung nur ein geringes Vermögen; Riefke war ein braves und fleißiges Mädchen; sie brachte auch nur eine unbedeutende

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