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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. Bl Dr. Dlocb s Mocbenscbritt. Seite 501 Soweit der „Pester Lloyd". Die Mißhandlung des Knaben fand am 15. Mai statt und am 1. Juli starb der Knabe und bis zum 24. Juli haben Polizei und Magistrat in der „Untersuchung" kein Resultat erzielt. Auch die Presse schweigt. Wie würde da Verfahren, wenn der beschuldigte Lehrer zufällig ein Semit wäre? Berlin. (Der Anteil der einzelnen Konfessionen an dem Besuche der höheren Schulen in Preußen.) Zur Erlangung der Beamtenstellen im höheren und mittleren Staatsdienste, zur Ausbildung für viele hervorragende Posten im Privatdienste ist nun einmal die Grundbedingung eine abgeschlossene Bildung, deren Grundlage, abgesehen von einzelnen Ausnahmen, nur durch den Besuch höherer Lehranstalten erworben werden kann. Bei dieser Sachlage sind die von der „Köln. Ztg." den Statist. Mitt. über das höhere Unterrichtswesen in Preußen entnommenen Daten über die Anteilnahme der verschiedenen Konfessionen an dem Besuche dieser höheren Lehranstalten für das Schuljahr 1902—1903 von hohem Interesse. Wir geben folgende Einzelheiten aus der Fülle des Materials wieder: Die letzte Volkszählung vom 1. Dezember 1900 ergab für den preußischen Staat eine Gesamtbevölkerung von 34,462.696 Einwohnern. Hiervon waren 21,817.577 Evangelische, 12,113.670 Katholiken, 139.127 Dissidenten und 392.322 Juden. Die Evangelischen machten somit 63°31 "/» die Katholiken 35°15 u>, die Dissidenten 0 40 "'n und die Juden 1*14% der Bevölkerung aus. Die amtliche Statistik führt nun an, daß im Wintersemester 1902/03 im Ganzen 653 höhere Lehranstalten bestanden, welche insgesamt von 174.467 Schülern besucht wurden, und zwar von 120.010 Evangelischen, 41.800 Katholiken, 441 Dissidenten und 12.216 Juden. Die Reifeprüfung bestanden im Schuljahr 1902 03 insgesamt 5988 Schüler, davon 3933 Evangelische, 1625 Katholiken, 11 Dissidenten, 419 Juden. Von 5988 Abiturienten sind demnach 65'68"'o evangelisch, 27'14"/o katholisch, 0'18'^n dissidentisch und 7% jüdisch. Posen. Der Königliche Kommerzienrat Adolf Kantorowicz, der Begründer und Seniorchef der bekannten Eisengroßhandlung Adolf Kantorowicz in Posen, feierte am 1. d. M. sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum, und die Fülle der Ehrungen, die ihm, dem anspruchslosesten, bescheidenen und am liebsten im Hintergründe wirkenden Manne dabei erwiesen wurden, zeigte wohl am besten, wie sehr Herr K. so recht eigentlich im Mittelpunkte alles dessen steht, was uns hier bewegt. Alle die Gratulationen und Würdigungen waren wohl zunächst an den hochgeachteten Kaufmann, mehr aber noch an den ganz vorzüglichen Menschen gerichtet, an den Menschen mit dem offenen Auge und dem warmen Herzen, dem allezeit bereiten Ratgeber und Helfer, der dabei der überzeugteste, vorzüglichste Jude ist. Wollen wir von ihm reden, so können wir ihn als Vorbild nicht nur für viele, sondern für alle hinstellen. Er, der überall Worte fand und heute noch unentwegt findet für die mannigfachen Interessen des Judentums, der, ohne daß es an die große Glocke kam und heute kommt, unentwegt für die Rechte der Juden eintritt und dabei mehr Erfolge erzielt, als nur je einer, hatte schon so oft durch sein persönliches Eingreifen Not gemildert, Hilfe geschaffen, daß ihm heute dafür der Dank wohl gebührt. Das Vertrauen der städtischen Körperschaften dokumentierte sich darin, daß er zum Stadtrat gewühlt wurde, das Vertrauen der Gesamtheit darin, daß man ihn vor Jahren schon in den Provinziallandtag und gleich bei der Begründung in den Provinzialausschuß entsandte. Zahlreiche andere Ehrenämter wurden von ihm mit derselben Unermüdlichkeit wahrgenommen. Ueberall war er der verständnisvolle Mensch und last not least, der gute Jude. So ist es also verständlich, daß dieses Geschäftsjubiläum auch für weitere Kreise Interesse bot und zu einer Feier sich gestaltete, über die das konservative Posener Tageblatt wie folgt berichtet: „In den Morgenstunden wurde dem Jubilar ein Ständchen von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 46 dargebracht. Im Laufe des Tages begaben sich zahlreiche Deputationen nach der Wohnung des Jubilars, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die Angestellten der Firma überreichten dem Jubilar eine künstlerisch ausgesührte Ergebenheitsadresse, die von diesem in tiefster Bewegung entgegengenommen wurde. Hieran schloß fich eine große Gratulationskour. Die Spitzen der Behörden, nicht nur der Stadt und Provinz Posen, unter ihnen der Herr Polizeipräsident v. Hellmann, ließen es fich nicht nehmen, teils brieflich und durch Telegramme, teils persönlich zu gratulieren. Der Magistrat sandte in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters, der jetzt in Berlin weilt, Herrn Stadtbaurat Grüder und Herrn Stadtrat Schweiger. Ersterer hob in längerer Rede die Verdienste des Jubilars um die Stadt hervor. Die Handelskammer gratulierte durch ihren Vorsitzenden Herrn Geheimrat Herz, eine Anzahl Vereine hatte Deputationen gesandt. Gratulationen des jetzigen Oberpräsidenten und die ganz besonders herzliche und ergreifende des Grasen Zedlitz, des Oberpräfidenten von Schlesien, seien erwähnt, nicht minder die des Regierungspräsidenten, des Landeshauptmanns re. Nachmittags fanden fich bei einem Diner im „Hotel de Rome" im engsten Kreise die Angestellten und ihre Angehörigen mit dem Jubilar und dessen Familie zusammen, unter ihnen der erste Lehrling, der 1854 eintrat und heute ein angesehener Bürger unserer Stadt ist. Auch einige Kunden und Fabrikanten erschienen rc." Zu erwähnen wäre noch, daß Herr Kommerzienrat Kantorowicz Inhaber des Roten Adlerordens und des Kronenordens ist. Vermischtes. Wien. Herr Professor Doktor Salomon E h r m a n n wurde zum Primararzt der k. k. Wiener Krankenanstalten ernannt. Professor Ehrmann steht im 50. Lebensjahre und ist ein hervorragender Schüler Brücke's und I. Neumann's; 1884 bis 1888 war er Assistent des Letzteren. Seine zahlreichen Arbeiten über krankhafte Veränderungen der Gewebe, über Nervenendigungen in der Haut und über Hautkrankheiten werden von den Fachmännern sehr geschätzt. Auch literarisch ist Professor Ehrmann tätig. Er übernimmt als Primarius die Abteilung für Hautkrankheiten im Krankenhause Wieden, welche durch die Berufung des Professors Finger zum Leiter der Klinik für Hautkrankheiten vakant geworden ist. Professor E h r m a n n ist Mitglied des Wiener israelitischen Kultusvorstandes nnd saß viele Jahre in der Leitung der „Oesterr.-Jsrael. Union". Wien. (Verlobun g.) Fräulein Ludmilla Fuchs hat sich mit Herrn Robert Goldschmied, Rechnungs-Affistent im k. k. Finanzministerium, verlobt. Wien. (V e r l o b u n g.) Fräulein Franziska H e r z l. Tochter des Edelsteinhändlers Salamon H e r z l, hat fich mit Herrn Ignatz Tisch, Tuchfabrikanten aus Bielitz, verlobt. Aus diesem' Anlasse hat Herr Salamon H e r z l dem Verein zur Bekleidung armer alter Männer, 400 Kronen gespendet. Wien. (Jose f st a d t.) Zum Schulschluffe fand Samstag im neuen Tempel, VII ., Neudeggergasse Nr. 12 die Prüfung beider Abteilungen der Bibelschule im VIII. Bezirke statt. Zugegen waren Se. Ehrwürden Rabbiner Tr. Bauer, der Präses des Tempelvereines Herr Hermann Beck an der Spitze; die Tempelvorsteher Herr Josef Mittler, Herr Hermann Pollak, Herr Isidor Münz und Herr Dr. Weiß, sowie die Herren Religionslehrer Deutsch und Wiesner und viele geladene Gäste. Das Ergebnis war ein nach jeder Seite hin befriedigendes, die Schüler zeigten eine große Fertigkeit im Uebersetzen des Gebetbuches und des Pentateuchs, wie auch in der Grammatik. Herr Rabbiner Dr. Bauer dankte im eigenen Namen, sowie im Namen des Vorstandes der Bibelschule dem Herrn Lehrer Sprinzeles für seine schönen Leistungen und ermahnte die Zöglinge zu weiterem Fleiß. Im Aufträge des Präses der Bibelschule Herrn Hermann Beck wurden sämtliche Schüler mit schönen praktischen Geschenken beteilt. Um 11 Uhr 20 Minuten wurde dann der feierliche Schluß-Jugend-Gottesdienst abgehalten. Nach Verrichtung des Kaisergebetes wurde das Kaiserlied gesungen, woraus Herr Dr. Bauer die Schlußexhorte hielt. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Kwartin. Der Präses des Tempelvereines Herr Hermann Beck dankte den Lehrern für den das ganze Jahr den Schülern geleisteten Unterricht.

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