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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 600 Dr. Llocb's MlocbenscbrM. Nr. 31 Mikado, der ihm zu Ehren für die Errettung einer Prinzessin aus lebensgefährlicher Krankheit eine Plantane pflegen ließ, deren Stamm auf silberner Platte den Namen Dr. Rothmann's trägt. Es ist dies eine Ehrung, die nur den verdientesten Männern zuteil wird. -p . * Wie den russischen Blättern aus dem Kaukasus berichtet wird, herrscht daselbst unter den jüdischen Gebirgsstämmen große Aufregung, weil die russische Regierung die Juden zwingen will, chre Kinder nicht mehr in der guten jüdischen Schule, sondern in einer russischen Volksschule unterrichten zu lassen. Ueber den Wert russischer Volksschulen gab der Sachverständige im Königsberger Prozeß ein sachliches und verständiges Urteil ab. das es begreiflich macht, daß die Juden gegen diese „Bildung" allerhand Abneigung haben. Die jüdischen Gebirgsbewohner, welche im Kaukasus wohnen, sind sehr kriegerisch und zugleich von großer Anhänglichkeit an das Judentum beseelt. Man besorgt daher, daß es zu ernsten Ausschreitungen kommen könnte. Plehwe in seiner wahren Gestalt. Den russischen Minister des Innern, von Plehwe, charakterisiert 'im „Neuen Montagsblatt" der Schriftsteller Dr. Hugo Ganz, ein sehr genauer Kenner Rußlands, folgendermaßen: Allen russischen Bevölkerungskreisen gilt danach Plehwe (wir zitieren wörtlich) als „Bösewicht ohne Skrupel, als politischer Sadist, als Bluthund und raffinierter Betrüger. Dabei als Zyniker ohne jede Gesinnung, als Vabanque- und Falschspieler, für den das politische Metier und das Spiel mit Menschenleben nichts ist als ein angenehmer Nervenreiz; kurz, als Tiger in Menschengestalt. Seine unglaubliche Falschheit ist das Nächste, worüber alle diejenigen klagen, die mit ihm zu tun hatten. „Jedes Wort, das er spricht, ist eine Lüge", ist die Bemerkung, die man am meisten über ihn hört. Das Verbrecherische seiner Taktik besteht nicht nur darin, daß er dem Zaren einredet, die Revolution stche vor der Tür, und ihn durch Drohbriefe, Proklamationen u. a., die er in die innersten Gemächer, ja, in die Rocktaschen schmuggeln läßt, in fortwährender nervenzerstörender Angst erhält, sondern noch mchr darin, daß er faktisch Unruhen provoziert, um sie als Argumente benützen und seine Position stärken zu können; daß er fortwährende Konspirationen entdeckt und die angeblichen Teilnehmer in der furchtbarsten Weise maßregelt, um seine Unentbehrlichkeit zu erweisen. Das ganze Arsenal der Polizeikunststücke, die je in Despotien verübt worden sind, um Autokraten in willfährige Werkzeuge ihrer Prätorianer zu verwandeln, ist von Plehwe geplündert worden, um sein System bis zur Vollkommenheit auszubauen. Insbesondere Polen und Juden müssen dazu herhalten, die Gefährlichkeit der Situation — lies: Die Unentbehrlichkeit des Herrn Plehwe — zu erhärten. Daß die Kischenewer Mordtaten in seinem Aufträge verübt wurden, bezweifelt in Rußland kein Mensch. Das Bezeichnendste, was ich über das System Plehwe hörte, war doch die Antwort, die ich erhielt, als ich einen recht hochgestellten Mann fragte, ob denn eine Besserung zu erwarten sei, wenn Plehwe einmal von seinem unausbleiblichen Schicksal ereilt worden sei. „Nein", lautete diese Antwort. „So wohlverdient auch jedes Schicksal für ihn sein wird, geholfen wird uns damit nicht. Ein anderer Mann, das ist alles. Plehwe ist nur in idealer Ausprägung, was das System verlangt. Der Polizeistaat braucht Polizeiseelen, und er findet sie immer. Plehwe ist mit allen Lastern außer dem der Bestechlichkeit behaftet, aber er ist durchaus kein Unikum in der russischen Beamtenwelt. Und es ist durchaus nicht wahrscheinlich, daß etwas Besseres Nachkommen würde. Wenn ganz Rußland hofft (wörtlich!), daß ihm bald der Garaus gemacht werde, so ist es nicht, weil man sich davon eine Befferung der Zustände verspräche, sondern weil man doch irgend eine Genugtuung erleben will, wenn das Maß einer dieser Bestien voll ist. Ein Philanthrop und Rechtsfreund wird aber so wenig je Minister des Innern unter dem Absolutismus werden, wie er das Bedürfnis hätte, Scharfrichter zu werden. Nur ein anderes System kann uns andere Männer bringen. Das Galgensystem verträgt nur Henkersknechte." Kaurim. Am 24. d. M. fand hier die Einweihung des neuerbauten Friedhofes statt. Vor der Feier fand ein Festgottesdienst statt, dem die Mitglieder der Gemeinde und Chewra- Kadischa beiwohnten. Nach Beendigung desselben begab man sich zum Friedhose. Es waren u. A. erschienen: der Stadtrat der kgl. Stadt Kaurim mit dem Bürgermeister Herrn Johann Svoboda an der Spitze, der k. k. Bezirks-Kommissär aus Kolin, Vertreter der hiesigen k. k. Behörden u. v. A. Die Feier begann mit der Uebergabe des Friedhofschlüssels an den Bürgermeister durch den Vorstand-Stellvertreter Herrn Emanuel Jedlinsk^. Nachdem das Friedhofstor durch den Bürgermeister geöffnet worden war, begaben sich die Festgäste auf den Friedhof. In Vertretung des am Tage der Einweihung erkrankten Vorstehers bestieg dessen Stellvertreter die Rednertribüne, um die Erschienenen zu begrüßen. Er wies auf die erfteuliche Erscheinung hin, daß zu dieser Feier nicht nur unsere Glaubensgenossen, sondern auch eine sehr große Anzahl Festgäste anderer Konfessionen erschienen fR.cn, was am besten von dem guten Zusammenleben zeuge, ein Verhältnis, das immer so bleiben möge. Hierauf hielt der Herr Neligionslehrer Leop. Neu die Weiherede, der er als Text den Psalm 116 zu Grunde legte. In den einleitenden Worten führte der Redner aus, daß dieser Psalm so recht die Gefühle und Stimmungen dieser ernsten Weihestunde zum Ausdrucke bringt. Nachdem der Redner noch namens der Gemeinde Allen, deren Tätigkeit zum Entstehen des Werkes beigetragen, gedankt, schloß er mit den Worten: „So möge dieser gute Ort ein Ort des Friedens für die Dahingeschiedenen und ein Ort des Friedens für die Lebenden sein, wo sie, losgelöst von dem alltäglichen Hasten und Treiben, den Frieden Ihres Herzens wiederfinden." Hierauf hielt Vorstandstellvertreter Herr Jedlinsk^ das Schlußwort, in welchem er den Festgästen für ihr Erscheinen dankte und mit Hochrufen auf Se. Majestät den Kaiser die würdige Feier schloß. Geistlicher Dippol-ismns. Budapest. Der „P e st e r Lloyd" vom Sonntag den 24. Juli meldet: „In der Josefstadt bildet seit einigen Wochen ein Vorfall, der sich in einer Volksschule im VIII. Bezirke ereignet haben soll, den allgemeinen Gesprächsstoff. Man spricht davon, daß mehrere Schüler der erwähnten Schule von einem Neligionslehrer in furchtbarer Weise mißhandelt worden seien; einer von diesen Schülern, ein neunjähriger Knabe,' der mit einem Stocke einen Hieb ans die Schläfe erhielt, soll an den Folgen dieser Verletzung gestorben sein. Der Knabe, ein gesundes, kräftiges Kind, wurde — so erzählt man — am 15 Mai in der Religionsstunde vom Katecheten aufgerufen und wegen eines geringen Fehlers zuerst mit der Hand gezüchtigt. Als das Kind dann zu weinen begann, nahm der Gelstliche einen Stock und schlug den Knaben ans die Schläfe, so daß an der Stelle des Hiebes eine große Beule entstand. Der Knabe mußte von einigen Mitschülern auf den Korridor geführt werden, wo sich bei dem geschlagenen Kinde heftiges Erbrechen einstellte. Von furchtbaren Schmerzen gepeinigt, wankte das Kind nachhause und der herbeigeholte Arzt konstatierte eine Gehirnerschütterung. Trotz aufopfernder Pflege gelang es nicht, den Knaben zu retten, er starb nach entsetzlichen Qualen am 1. Juli. In einem zweiten Falle bestellte der Katechet einen anderen Knaben in seine Wohnung, ließ ihn niederknieen und mißhandelte ihn mit einem Nohrstocke; der Knabe kam über und über mit blutunterlaufenen Striemen bedeckt in die elterliche Wohnung zurück. Das gleiche Schicksal hatte noch etwa ein Dutzend Zöglinge derselben Schule, so daß die Kinder gegen Ende des Schuljahres nur vor Angst zitternd in der Religionsstunde erschienen. Der Vorfall ist von den Eltern der mißhandelten Kinder sowohl bei der Polizei, als auch bei der Unterrichtssektion des städtischen Magistrats zur Anzeige gebracht worden. Die sofort eingeleitete Untersuchung ist bisher noch zu keinem positiven Resultat gelangt, so daß gegen den beschuldigten Katecheten behördlicherseits noch nicht vorgegangen werden konnte. Wir enthalten uns daher bis zur bevorstehenden Beendigung der Erhebungen jedweden Urteils und veröffentlichen auch nicht die uns bekannten Namen und Personen, die in der Angelegenheit eine Rolle spielen. Die mit großer Umsicht geführte Untersuchung wird die Affaire wohl bald klarstellen."

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