Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021579--13778-3038449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 496 Dr. Mocb's Mocbenscbrift. Nr. 31 Die Juden waren gesetzlich durch viele Jahrhunderte auf die Geldgeschäfte beschränkt und vom Grundbesitz ausgeschlossen, sie waren (und sind es bis jetzt an manchen Orten, wenn auch nicht rechtlich, so doch faktisch noch) von gewissen Aemtern und Würden ausgeschlossen. So konnten sie im Gelde ein Mittel erblicken, welches ihnen zum großen Teile das ersetzte, was ihnen die gesetzliche Gewalt vorenthält: Einfluß und Achtung. Und dadurch stieg natürlich. nur noch die Bewertung des Geldes, welches alle Schmerzen linderte, alle Wunden heilte, das in Leiden und Kummer wunderbar tröstete. Der gerechte Beurteiler sollte niemals die unvermeidlichen Folgen des jahrhundertelangen, heroisch ertragenen Druckes vergessen! Die unermüdliche Energie des jüdischen Stammes fand ihr natürliches Gebiet zur Betätigung in dem Eifer, nur Geld zu gewinnen, recht viel Geld zu erwerben. Und ihr oben erwähnter Sinn für praktische Verwertung leitete diesen Eifer zeitig in die Sphäre wirtschaftlicher Tätigkeit hinüber. Der Eifer nach Gelderwerb wird zur Gewinnsucht, zur Profitsucht, welche allerdings keine s w e gs eine spezifische Eigenschaft des jüdischen Stammes ist, sondern in ihm bloß zum stärksten Ausdrucke gelangt. Und gerade die moderne kapitalistische Organisation des wirtschaftlichen Lebens zielt auf den Gelderwerb hin, in ihr kann also das jüdische Element alle natürlichen und durch jahrhundertelange Tradition erworbenen Fähigkeiten seines Stammes in reichstem Maße zur Geltung bringen. Der Antisemitismus, dessen Anhänger sich selbst den Anforderungen der modernen kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht anzupassen vermochten, wirft sich, statt das Wesen des Kapitalismus zu erfassen, blindlings auf die Juden und weicht dem innern Kern der kapitalistischen Gesellschaftsordnungaus. Die Juden schmiegen sich, indem sie tüchtig im wirtschaftlichen Leben Mitwirken, vor allem jenen wirtschaftlichen Berufen an, in denen ganz ausschließlich das reine, qualitätslose, abstrakte Geldverhältnis herrscht, also dem Geldgeschäfte und dem Warenhandel. Von 10.000 gewerblich tätigen Israeliten in Preußen entfallen bloß 106 auf die Landwirtschaft (gegen 3411 Protestanten und 3929 Katholiken), 2119 auf die Industrie (davon aber 885 auf die Konfektions-Industrie, welche ihrer Natur nach zur Hälfte Handel ist) gegen 3524 Protestanten und 3762 Katholiken, auf den Handel jedoch 5205 Israeliten gegen 522 Protestanten und 377 Katholiken. Und dies trotzdem, daß schon einige Generationen hindurch alle diese Berufsarten den Israeliten offen stehen! In der Landwirtschaft und Industrie, seien sie auch kapitalistisch organisiert, herrscht in weit größerem Umfange eine Wechselwirkung zwischen den konkreten Werten, die erworben werden, so auch den sie erwerbenden Menschen, während im Geldgeschäfte und zum großen Teil auch im Warenhandel diese konkreten Beziehungen verschwinden. Diese Erwägungen führen So mb art zur Erkenntnis, daß Deutschland seinen wirtschaftlichen Aufschwung im XIX. Jahrhundert, sofern dieser von der Stammes-Eigentümlichkeit der Einwohner bedingt ist, vor allem dem jüdischen Elemente verdankt. Und ohne diesen wirtschaftlichen Aufschwung gäbe es keine Weltmachtsiellung Deutschlands, noch die Möglichkeit, die wachsenden Bedürfnisse der zunehmenden Bevölkerung zu befriedigen! Das Verhältnis, in welchem die Juden der Bevölkerung des Deutschen Reiches beigemengt sind, findet Sombart ganz ausnehmend glücklich. In den Vereinigten Staaten Nordamerikas, die in der Neuzeit neben Deutschland den größten wirtschaftlichen Aufschwung aufweisen, besteht dasselbe Verhältnis der proportionalen Mischung. In Deutschland entfallen auf 10.000 Einwohner 111 mosaischen Glaubens. Diese Ziffer drückt fteilich das Perzent des jüdischen Elementes nicht vollständig aus, doch die Statistik kennt bloß die Konfessions-Ziffern. Bekanntlich wächst in Deutschland die Anzahl der gemischten Ehen, welche durch die Zivilehe erleichtert werden, von Jahr zu Jahr. — Die religiöse Gleichgiltigkeit, besonders bei den Juden früher ganz unbekannt, unterstützt vielleicht neben anderen Ursachen den Uebertritt zu anderen Konfessionen oder die Konfessionslosigkeit. Im Jahre 1901 allein fielen in W i e n 551 P e r s o n e n von der mosaischen Konfession ab, die getauften Neugeborenen gar nicht eingerechnet. Zu unserem Zwecke genügen jedoch die statistischen Angaben vollkommen. In Großbritannien entfallen auf 10.000 Einwohner 20 Juden, in Italien 15, in Frankreich 14, in Schweden 7, in Spanien 1. Es ist wirklich auffallend, wie die Wirtschaftliche Entwicklung in den zu wenig jüdischen Sauerteig aufweisenden Staaten zurückbleibt. Zu Ungunsten der wirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs fällt noch ins Gewicht, daß ein Teil der dortigen Juden im zivilen und militärischen Staatsdien st e beschäftigt ist und so der wirtschaftlichen Tätigkeit entfremdet wird, während in Deutschland die Armee und politische Verwaltung den Juden faktisch gänzlich, die Justiz, das Lehramt und andere Aemter zum großen Teile verschlossen sind. Dagegen weisen manche Länder des Orients verhältnismäßig zu viel Sauerteig auf zu wenig Mehl auf. So Rumänien, wo auf 10.000 Einwohner 450 Israeliten entfallen." Was Sombart von der Bedeutung des jüdischen Elementes für die nationalökonomische Entwicklung Deutschlands behauptet, das läßt sich ziemlich sicher auf die österreichischen und besonders böhmischen Verhältnisse applizieren. Der statistisch ermittelte Perzentsatz der Einwohner israelitischer Konfession in Deutschland beträgt, wie gesagt, 1'1l"/„, i n B ö h m e n l'b"/,,, in M ä h r e n 1'9°/g, in Schlesien ungefähr l'8"/0, in Cisleithani eit über 4°/,.. ' ' Damit ist freilich nicht das gesamte jüdische Element vollständig prschöpft, wie oben nachgewiesen wurde. Uebrigens handelt es sich hier gewiß nicht nur um den reinen Stammeseinfluß, sondern auch um den Einfluß der Erziehung und Tradition, welche unwillkürliche, oder absichtliche Nachahmung Hervorrufen. Der Perzentsatz der Juden in den b ö h m i s ch e n L ä n d e r n ist also nur um einen geringen Bruchteil höher als der in Preußen, und das Verhältnis der Mischung wäre demnach nach Analogie des Schlusses bei Sombart im Ganzen ein g ü n st i g e s, und das umso eher, als zu erwägen ist, daß für das hiesige Mehl vermutlich etwas mehr „Sauerteig" notwendig, ist, als für das reichsdeutsche. Wir fehlen also nicht zu sehr, wenn wir den Einfluß des jüdischen Elementes auf die volkswirtschaftliche Entwicklung in den böhmischenLändern (Böhmen, Mähren, Schlesien) wenig st ens mit demselben Maß st ab veranschlagen, wie ihn Sombart für Deutschland und namentlich für Preußen bewertet. Die Tatsache, daß sich das tschechische Element in den Sudetenländern vielmehr vom jüdischen Einfluß isolierte, als das deutsche Element, ist ganz zweifellos mit eine der Ursachen unseres allzu langsamen Fortschreitens und der charakteristischen Mängel auf den Gebieten des Handels und der Industrie. Die Deutschen der Sudetenländer, welche gerade in g ü n st i g e n Zeiten des volkswirtschaftlichen Gründungs-Aufschwunges eine eminente Assimilationssähigkeit bewiesen haben, die freilich von den Jahrhunderte lang in der jüdischen Bevölkerung herrschenden sprachlichen Traditionen und Familiengewohnheiten ausgiebig unterstützt wurde, verdanken ihren gewichtigen