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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Dr. JSlocb’s Wocbenscbritt. Sette 495 er wolle als Heros sterben, als moderner Heros gefeiert werden. Was hat er da übrigens noch im Leben zu verlieren? .... Und nun stehen die armen, unglücklichen, bejammernswerten Eltern zerschmettert und vernichtet am Grabe ihres Kindes und fragen sich: Was haben wir unserem Kinde Böses getan, daß es uns einen solchen herben Schmerz bereitet, daß es so grausam uns das Herz verwundet? Wir haben es ja nie durch ein hartes Wort gekränkt. Wir haben ihm ja die Freuden des Lebens in reicher Fülle geboten. — Ja, die armen, verblendeten Eltern wissen es nicht, daß das, was sie sich als Verdienst anrechnen, eben die große Sünde bildet, die sie so bitter zu beklagen haben. Sie haben eben ihr Kind allzuviel von der Frucht des Lebens kosten lassen, bis zum Ueberdruß, bis daß es ihm Bedürfnis war, sie auszuspeien . . . Da waren unsere Vorfahren viel einsichtsvoller bei der Erziehung ihrer Kinder. Sie boten ihnen nichts von den geilen Süßigkeiten des Lebens, dafür aber nährten sie ihren Geist mit der gesunden Hauskost der Moral und der frommen Elternsitte. Sie gaben ihnen die Religion als Lebenskonscrve mit in die Zukunft hinüber. Sie pflanzten ihnen alle schönen Ideale und sich selber mit in das Herz hinein. Sie ließen sie oft ihre Strenge fühlen, aber dadurch klammerte sich ihr Herz nur um so liebevoller an das ihrige. Sie ließen nicht selten sie kämpfen und entbehren, aber dadurch entwickelte sich in ihnen zähe Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit. Sie versagten ihnen so manchen Genuß, dafür aber, wenn sie ihnen einmal einen gewährten, so wog er eine ganze Welt von wonnigen Seligkeiten aus. Sie bewahrten sie vor Begierde und Leidenschaften, dafür aber, wenn sich ihnen einmal eine ins Herz stahl, so war sie nicht von der Art, daß sie brennt und verzehrt, sondern vielmehr eine, die ihnen alle Lichter der Lebensfreude im Herzen entzündete. Sie flößten ihnen von Kindesbeinen die Lehre ein, daß der Lebensbaum, den Gott in uns gepflanzt, heilig und unantastbar bleiben muß, und sie ließen vor ihm jene Engel Wacht halten, die sich da nennen „Gottesfurcht, Glaube, Hoffnung und Liebe"; und wenn einmal in einer dunklen Stunde in Einem oder dem Andern der sündhafte Gedanke, wie ein böser Dämon erwachte und sie beredete, sich mit frevelhafter Hand an jenem Lebensbaum zu vergreisen, so waren bald die wachenden Engel bei der Hand, die mit ihren Flammenschwertern jenen bösen Dämon abwehrten und in die Flucht schlugen. O, wie schön wäre es, wenn wir das Gute und Nützliche unserer Gegenwart bewahren und sie zu einem Feststrauß verbinden würden mit dem Schönen, Erhabenen und Pietätvollen unserer Alten! Nathan S a m u e l y. Der Ginstuß des jüdischen Elementes auf die moderne oolirswirlschafttiche Entwicklung. Die Prager nationalökonomische Revue „0bi-or Närodohospodäfky", unter der Redaktion des Prof. Dr. I. Gruber, brachte im Maihefte 1904 einen kleinen, aber recht bedeutsamen Beitrag des volkswirtschaftlich in Praxis und Theorie gleich rührigen II. Sekretärs der Prager Handels und Gewerbekammer, JUDr. Wenzel S ch n st e r, über den Anteil derJuden am wirtschaftlichen Leben der Gegenwart. Dr. Schnster's Abhandlung lautet: „Ost und West" veröffentlicht in Nr. 1. des heurigen Jahrganges eine ausführliche Abhandlung vom Prof. Werner S o m b a r t über die Bedeutung und Einflüsse des jüdischen Elementes für das wirtschaftliche Leben Deutschlands in der Gegenwart. In der Einleitung weist S o m b a r t die günstigen Einflüsse des keltischen und s l a v i s ch e n Elementes nach, welche durch ihre Mischung mit dem germanischen Element erst jene Entwicklungsfähigkeit hervorbrachten, wodurch sich das germauische Volkselement auszeichnet. Einen ähnlichen günstigen Einfluß spricht er den französischen Emigranten zu, die aus religiösen Gründen Frankreich verlaffen mußten und sich in Deutschland anfiedelten. Ein bedeutender Perzentsatz der Rheinischen und Berliner Industrie ist französischen Ursprungs. Alle diese Einflüsse jedoch treten in den Hintergrund im Vergleiche zum Einflüsse des jüdischen Elementes, welcher von „riesigem Inhalt" aus das gesamte wirtschaftliche Leben Deutschlands ist. Wenn wir uns auf den Standpunkt der modernen wirtschaftlichen Entwicklung stellen, wenn wir Gewicht legen auf die Entwicklungsstufe, die irgend ein Land heute am Weltmärkte einnimmt, wenn wir die Entfesselung der . produktiven Kräfte als Fortschritt betrachten, dann können wir nicht umhin, die Existenz der jüdischen wirtschaftlichen Subjekte als den größten Vorteil anzuerkennen, über welchen ein Land in ethischer Beziehung verfügt. „81 le juif nöxistait pas, il faudrait l’inventer.“ Sombart forscht den Gründen und Ursachen dieses Einflusses nach und gelangt zur kritischen Erkenntnis einiger charakteristischer Eigenschaften des jüdischen S t a m m e s. Vor Allem ist es die zähe, u n e r s ch ü i t e r l i ch e W i l l e n s f e st i g k e i t, welche sich durch Nichts von der Verfolgung des gesteckten Zieles abwenden läßt. Ungebeugt durch Hindernisse und Schwierigkeiten, verfolgt der Jude seinen Weg aus zumeist unbedeutenden Anfängen immer höher und höher auswärts und nützt dankbar selbst die allerkleinsten sich darbietenden Vorteile aus; trifft ihn ein Unglück, so rafft er sich trotzdem immer wieder von Neuem auf und schreitet rüstig weiter. Sein lebhaft entwickelter Familiensinn, seine große Mäßigkeit in den Lebensbedürfnissen (solange er noch nicht am Ziele ist) unterstützen seine Bemühungen; was der Vater nicht erlangt, erreicht der Sohn, der Schwiegersohn, der Enkel. Die Zühigkoit, womit der Jude seine Absicht aussührt, befähigt ihn in hervorragendem Maße, im wirtschaftlichen Leben eine große dynamische Wirkung auszuüben. Ein echter und wahrer Sauerteig im Mehle! Eine weitere zweifellose Eigenheit des jüdischen Stammes ist sein Talent zum Eigennutze, zum „praktischen Bedürfnisse". Spinoza sagte: „Um das zu erreichen, was wir zu unserem Glück und zu unserer Ruhe wünschen, brauchen wir keinerlei andere Grundsätze, als die gebührende Bewertung dessen, was zu unserem eigenen Vorteile dient." Wenn es viele Juden von gerade entgegengesetzter Denkart gibt, viele sogar übermäßig altruistisch denkende I u d e n, so läßt sich gerade aus diesem Symptom der Reaktion auf den genannten charakteristischen Zug des Volkscharakters schließen. Was aber den Juden ganz besonders zur Führerrolle im wirtschaftlichen Leben berechtigt, das ist (nach S o m b a r t) seine Neigung zur Abstraktion. Seine Abstraktionsfähigkeit kann man dem jüdischen Stamme nicht absprechen; die jüdische Religion bildet einen gewichtigen Beweis dafür. Die abstrakte Denkart, welche die Gleichgiltigkeit gegen die qualitativen Werte bedeutet, welche die Unfähigkeit bedeutet, das Konkrete, Lebendige, das Individuelle, Persönliche zu bewerten, sie mußte — in der Welt der materiellen Kulturen angewendet — folgerichtig und naturgemäß ihr Symbol im G e l d e finden. Im Gelde verschwinden sämtliche Qualitäten der Werte, indem sie darin blos quantitative Bestimmung finden. Im Gelde gelangt zum Ausdrucke, was eine Sache gekostet hat, nicht aber was sie wert ist, wie sie ist. Es ist also kein historischer Zufall, wenn wir in jüdischen Kreisen bis heute einer großen Überschätzung eben des Geldes und seines Besitzes begegnen. Freilich waren dabei auch noch andere Umstände von Einfluß.

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