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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. BO Dr. Dwcb s Mocbenscoritt Sette 4SI Christ aber fühle ich d i e S ch a m r ö t e mir auf dem Gesichte brennen bei dem Gedanken, daß diejenigen, welche sich Christen nennen, so unmenschlich und entgegen der die Liebe gebietenden Christenlehre gegen die Bekenner jener Religion verfahren, auf deren Boden die Wiege des Christentums gestanden, welche Religion auch nur als auf die göttliche Offenbarung beruhend betrachten und bezüglich welcher der Heiland erklärt hat, daß er nicht gekommen, deren Gesetze abzuschaffen, sondern sie zu bekräftigen u. s. w. Der Aufruf erschien in einem hiesigen Lokalblatt, und er eröffnete die Sammlung mit zwanzig Gulden. Ich sorgte dafür, daß dieser Aufruf, diese „Urkunde echter christlicher Toleranz" allgemein Verbreitung finde. Alle Blätter der Welt reproduzierten denselben und brachten verherrlichende Leitartikel. Er aber, der gute Bischof, hatte hier heftige Angriffe von klerikaler Seite, ja sogar Beweise der Mißbilligung von seinen eigenen Pfarrkindern zu erdulden. Aus Amerika kamen von dortigen Klerikalen die schmutzigsten Pamphlete an ihn. Das hielt ihn aber nicht ab, für die Gleichberechtigung unserer Volksgenossen im buchstäblichen Sinne des Wortes sein Leben zu opfern. Im Oktober 1895 sollte die vom Abgeordneten hause bereits angenommene Rezeption der jüdischen Religion im Magnatenhause zur Verhandlung kommen. Von h o chari st okratische r Seite wurde eine rücksichtslose Agitation gegen das Gesetz inszeniert; ein ganzer Heerbann von exotischen Magnaten — aus Wien, welche bisher nie das Recht der Gesetzgebung ausgeübt hatten, wurde ausgeboten, und die Einnahme der Gesetzvorlage war sehr zweifelhaft. Da stand der Bischof als Mitglied des Oberhauses gegen das ausdrückliche Verbot seines Arztes, eines Juden, vomKrankenlag e r auf und reiste nach Budapest. Hier forderten ihn seine Freunde, beunruhigt durch sein leidendes Aussehen, auf, sofort nach Hause zu reisen; er aber wich nicht, und in der Tat war es nur ihm zu danken, daß die Vorlage zur Annahme gelangte, es war Stimmengleichheit, so daß der Präsident dirimieren mußte; — er entschied für das Gesetz. Wäre der Bischof nicht dort gewesen, so wäre die Vorlage mit einer Stimme Mehrheit gefallen. Der gute Bischof kam totkrank nach Hause und wenige Tage darauf hauchte er seine edle Seele aus. „D a s Andenken des Frommen sei zum Segen". Mit diesem Gedenkblatte, das ein Rabbi einem Bischof, einem wahrhaft „guten Hirten", in treuer Freundschaft und Pietät hier gewidmet, will ich die Erinnerungen aus meinem Leben, soweit ich sie. als kulturell vielleicht nicht ganz wertlos, festgehalten habe, abgeschlossen haben. Erinnerungen leuchten in die Schatten der Vergangenheit und verklären manchen herben Schmerz. Deshalb wollte ich die, ach, immer mehr verblassenden Bilder aus dem jüdischen Leben in der „KMlle“ und „Jeschiwah“ der Vergessenheit entrissen haben. . . . Wenn mir das gelungen ist, so bin ich reich gelohnt. Ein treu Gedenken, lieb Erinnern, Das ist die herrlichste der Gaben, Die wir von Gott empfangen haben; — Das ist der gold'ne Zauberring, Der auserstehen macht im Innern, Was uns nach außen unterging. Neue Bücher. Dr. Arnold Rosenvacher, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Prag. Moses und Hammurabi. Vortrag, gehalten im Zentralvereine zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Preis 40 h. Das Reinerträgnis ist für die Handwerkerabteilung des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag bestimmt. Verlag von I a k. B. B r a n d e i s, Prag 1904. Don S. Pascheles' Jllustr. israel. Dolkskalender ist soeben der 52. Jahrgang erschienen. Dieses von der bekannten Verlagsfirma Samuel W. Pascheles in Prag herausgegebene beliebte Jahrbuch erfreut sich ob seines gediegenen, und was den kalendarischen Teil, Märkte rc. betrifft, durchaus verläßlichen Inhaltes in jüdischen Familienkreisen und in der Kaufmannswelt einer fich von Jahr zu Fahr steigernden Wertschätzung und Verbreitung. Die rührige Verlagsbuchhandlung versteht es, dem Kalender alljährlich durch einen aktuellen Inhalt und interessante Erzählungen neuen Reiz zu verleihen. Auch der neue Jahrgang reiht sich seinen Vorgängern nicht nur würdig an, sondern übertrifft dieselben noch an Reichhaltigkeit; nicht weniger als acht Illustrationen zieren ihn. Neben dem Bildnisse des verewigten Onerkantors Prof. Sulzer finden wir Porträts von David Popper. Alfred Grünfeld, Heinrich Grünfeld, Fürsten im Reiche der Musik, welche Prag ihre Vaterstadt nennen. Aus dem reichen literarischen Inhalte sei die spannende Erzählung „Nicht legitim" von Bernard Auerbach hervorgehoben. Im rituellen Teile dürften die „Konfirmations- Tabellen" als praktische Neuerung Vielen willkommen sein. So wird auch dieser neue Jahrgang nicht verfehlen, den Leserkreis des S. Pascheles' Jllustr. israel. Volkskalenders immer mehr zu erweitern. Die „Allgemeine Hebräische Enzyklopädie" schreitet in ihren Vorarbeiten, mit denen im November v. I. begonnen wurde, rüstig vor. In den Redaktionsabteilungen zu Warschau und Berlin wird neben anderem vorzüglich an der Herstellung eines erschöpfenden Stichwörter-Registers gearbeitet, was natürlich große Sorgfalt erfordert. Alle Zweige der Wissenschaften mit besonderer Berücksichtigung alles dessen, was Juden und Judentum betrifft, werden in den Kreis der aufzunehmenden Artikel einbezogen. Diese Arbeit geht nunmehr ihrer baldigen Vollendung entgegen. Die „Allgemeine Hebräische Enzyklopädie" soll ihrer Anlage und ihren: Hauptzwecke nach nicht bloß ein Nachschlagewerk bilden, sondern belehrend sein. Dementsprechend werden auch die meisten Gegenstände nach einer neuen Methode zusammenhängend und umfassend behandelt, ohne daß dadurch der Ueberfichtlichkeit Abbruch geschähe. Eine große Anzahl von hervorragenden Fachgelehrten in allen Kulturländern hat in dankenswerter Weise ihre Mitarbeiterschaft zugesagt. Für den sprachlichen Teil ist eine Kommission von Orientalisten eingesetzt, die den Redaktionen mit ihren fachmännischen Rat beisteht. In kurzer Zeit dürste ein umfangreiches Probeheft erscheinen, das einige größere und kleinere Artikel nebst einer Auswahl aus dem reichhaltigen Jllustrationsmaterial enthalten wird. Auch über Plan und Umfang dieses großen Werkes wird da ausführlich berichtet werden. Jüdischer Volks-Kalender für das Jahr 5665 (1904—1905) III. Jahrgang. Preis 70 Heller. Eigentum und Verlag: Jüdischer Buch- und Kun st Verlag, Brünn. (Inhaber: Max H i ck l). Dr. Herzlos Grab. Nachruf, gehalten von Dr. Ad. K u r r e i n. Preis 20 Heller. 50 Perzent des Reinertrages dem Nation^ lsonde zum Andenken an Dr. Herzl gewidmet. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Kriefkasterr. I. Adler in F „Maggi's Fleischextrakt" ist nicht koscher. K H. Was Sie von der Stellung des Weibes in Babel und Israel schreiben, zeigt deutlich den Einfluß des bekannten Profeffor Delitzsch, ist aber durch und durch unhistorisch. Sarah beherrscht nach der Bibel förmlich den Abraham» Rebetka das Hausregiment. Mirjam mit den Frauen singen im Wettkampf mit den Männern. Elkanah kennt keinen anderen Beruf, als kummervoll die weinende Hannah zu umschweben. Die Frau aus Thekoith spielt erfolgreich in die Politik hinein. Isabel, Athalja machen ihren unheilvollen Einfluß geltend. Auch kein einziger Satz der Bibel bekundet eine Minderwertigkeit deS Weibes. Selbst die bei den Christen so verpönte Ehescheidung kommt im historischen Teile der Bibel gar nicht vor. Einzig und allein die von der Keuschheit und Frauenwürde vorgeschriebenen Schranken beengen den sonst freien Verkehr der Frauen im öffentlichen Leben. Die Polvgamie erscheint verpönt, verurteilt, auf das Aussterbeetat gesetzt» wenn auch noch nicht völlig überwunden Nach Salomon erscheint auch schon das Königshaus sowohl in Judah wie in Israel darüber hinausgekommen zu sein. Und noch Eins War es Babel, das nach seinem Falle durch Cyrus seinen Monotheismus, seinen Dekalos aus der vernichteten Heimat hinaus in die Welten trug? Haben die Affyrer für ihre Erkenntnis ihr Blut hingegeben, die Scheiterhaufen bestiegen, der fanatischen, Herrschsüchten Bekehrungswut der Jahrtausende todesmutig widerstanden und unserer Welt, abgese'..en vom Monotheismus und Dekalog. auch noch zur beglückenden Idee der Gewiffens- und Gedankenfreiheit und der Wahrheitstreue verholfen?

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