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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Mocb's Miocbenscbritt. Seite 489 Bewußtsein. Früher schämten sich die studierenden jungen Leute, als Juden zu gelten, später entfalteten sie in nationaler Begeisterung die jüdische Fahne. Auf die Männer, die in Galizien, in Rußland oder Rumänien unter Schrecken und Not leben, fiel ein Sonnenstrahl der Hoffnung: der Auszug aus den modernen Mizraims und der Wiedereinzug in das neugewonnene Land der Väter — weit weg von den Plehwes, dem wilden Heer der Kazapen und Panduren! Sehr oft, wenn die Wogen hochgehen und die Stürme sich erheben werden, wird das jüdische Volk Herzl's gedenken, der mitten in der Arbeit viel zu früh entschwunden! H. F. Boskowitz. (G e m e i n d e w a h l e n.) Bei den kürzlich stattgefundenen Neuwahlen in der hiesigen Jsraelitengemeinde wurde Herr Emil Ungar zum Bürgermeister und die Herren Israel Werner, Julius Weiß, Sigmund Beer und Bernhard Munk zu Gemeinderäten gewählt. Klattan. Die hiesige israelitische, zweiklassige, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Volksschule war im verflossenen Schuljahre von 85 Zöglingen besucht. An der Anstalt wirkten die Herren: Doktor Siegfried Bret, Moses Berka, Alexander Baum, Leo Kornitzer und Frl. Franziska Popper. Die Schule ward im Laufe des Jahres je zweimal von dem k. k. Bezirks-Schnlinspektor Professor H. Marek, von dem Kultusvorsteher Jur. Dr. I. Fleischer und von dem Ortsschul- Jnspektor Jur. Dr. I. Steiner inspiziert. Das Schuljahr schloß am 13. Juli mit einem feierlichen Gottesdienste, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Bret eine Ansprache an die Schulkinder hielt; hierauf erfolgte die Verteilung der Zeugnisse. Das neue Schuljahr beginnt am l September. An der Anstalt wird der Stoff der sechsklassigen Volksschule durchgenommen. Für die Unterbringung von Kostzöglingen wird beste Sorge getragen. Ledeö. Es sandten für die Witwe mit 5 kleinen Kindern: Herr Eduard Sgall, Leitomischl, K. 5.—, Herr Leopold Sgall, Leitomischl, K 10. -, Von „Ungennant seinwollenden". Hermann-Mestec, K 24 —, zusammen K 39.—. Hiezu die früher ausgewiesenen: L 96 75. In Summa K 135 75, wofür allen edlen Spendern der Dank ausgesprochen wird. — Ferner sind der armen Frau von Herrn Kaufmann Kraus in Nachod K 10.—, der Redaktion unter „Sehr wenig" K 4.— zugekommen. München. (Statistischer Lehrkurs.) Auf Veranlassung des Vereins für die Statistik der Juden wurde von Herrn Doktor Singer, Sekretär am städtischen Statistischen Amte, für die Mitglieder des Vereines ein Lehrkurs, „Einführung in die Arbeitsmethoden der Statistik", abgehalten, der etwa von zwanzig bis dreißig Teilnehmern, meist Studenten, Aerzten, Nationalökonomen rc., besucht wurde. Da der Stadtmagistrat in dankenswerter Weise den Bibliothekssaal des städtischen Statistischen Amtes zur Verfügung gestellt hatte, war es dem Vortragenden ermöglicht, die Veröffentlichungen und Formulare dieses Amtes als Demonstrationsmaterial zu benutzen. Der Vortragende erörterte in vier Stunden die „Vorstufen" statistischer Erhebung, die Organisation der amtlichen Statistik, die Volks- und Wohnungszählungen und den Arbeitsplan des genannten Vereines. Da Vorträge über Statistik noch immer als ein gewagtes Experiment gelten, sei auf diesen gelungenen Versuch hingewiesen. Feuilleton. Alle Zischte Vorbehalten Jüdische Knllnrbilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung und Schluß.) Doch das ist nicht mehr zu ändern und nach meiner Ansicht jede Hoffnung auf eine Fusion ausgeschlossen. Mußte sich nicht der liebe Gott ein neues Paar „Tefillin" machen lassen, da doch die alten, in welchem der Vers geschrieben steht: „Wer ist wie Dein Volk Israel — ein einiges Volk auf Erden!" unbrauchbar geworden sind? Am 15. Mai 1879 ist mir eine ganz besonders und unerwartete Ehre zuteil geworden. Erzherzog Johann Salvator hat mich durch einen anderthalb stündigen Besuch ausgezeichnet. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, daß ein Prinz aus dem Hause Habsburg die bescheidene Wohnung eines Rabbiners aufsuchte. Die Veranlassung dieses Besuches war folgende: Am 24. April des genannten Jahres hatte ich zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten eine Festrede gehalten, welche gedruckt wurde. Als der Erzherzog um diese Zeit als Divisionär nach Komorn kam, machte ich ihm meine Aufwartung und übergab ihm ein Exemplar dieser Predigt. Meiner Bitte um gnädige Annahme und Würdigung derselben fügte ich aber hinzu: „Kaiserliche Hoheit, ich erlaube mir, eine Gnade zu erbitten." „Und die wäre?" „Auf dem Titelblatte steht die Bemerkung, daß der Reinertrag für die lieber schwemmten in Szegedin gewidmet ist — ich bitte um die Gnade, mir keine» Beitrag zukommen zu lassen; es soll die Ueberreichung der Predigt nichts anders als ein Zeichen meiner tiefsten Ergebenheit sein." Lächelnd erwiderte er: „Nun gut, wenn Sie es ausdrücklich wollen, werde ich mich darnach halten." Des andern Morgens um 10 Uhr kam er in Begleitung seinesObersthofmeistersdesBaron v. Mentszinger unangekündigt in meine Wohnung. Der Baron entfernte sich, und wir blieben allein. Der Erzherzog bezeugte mir so freimütiges Wohlwollen und so unendliche Liebenswürdigkeit, daß ich vollkommen vergaß, er sei ein Erzherzog. Ich kann den ganzen Inhalt unseres Gespräches nicht wiedergeben — wir sprachen aber über Religion im Allgemeinen und die einzelnen Religionen im Besondern, daher auch über das Alte und Neue Testament. Und da machte ich die Bemerkung: „Kaiserliche Hoheit! Das Dienstreglement ist gegen das Evangelium." „Wieso denn?" „Im Neuen Testament steht geschrieben: Wenn man Dich auf die eine Wange schlägt, so halte die andere Wange hin — darf das ein Offizier?" Er lachte. „Da haben Sie wirklich recht, das darf ein Offizier nicht. Das Dienstreglement ist wirklich gegen das Evangelium." Hochinteressant war folgende Erzählung, deren er mich würdigte: „Unmittelbar nach der Okkupation Bosniens war ich in Banjaluka. Kaum angekommen, wollte schon der Guardian des dortigen Franzisk»ner-Klosters mit auffallender Aufdringlichkeit von mir empfangen werden. Er glaubte, daß, nun das Land von Oesterreich besetzt sei, die Franziskaner die Herren im Lande seien. Ich ließ ihm aber melden, daß ich ihn nur gleichzeitig mit den Geistlichen der anderen Konfessionen empfangen werde. „Da kamen sie nun des andern Tages: der Guardian, der Pope, der Scheich und der Rabbiner. Als ich die Vertreter der vier Konfessionen so vor mir sah, da fiel mir die Parabel von den drei Ringen im „Nathan der Weis e" ein. Ich sagte es ihnen auch, aber keiner von ihnen hatte von einem Lessing und seinem „Nathan" jemals etwas gehört. Ich erzählte ihnen daher die Geschichte von den drei Ringen und beobachtete die Wirkung, welche diese Offenbarung der religiösen Duldsamkeit auf jeden einzelnen gemacht hat. Der Pope glotzte mich an und verstand mich einfach nicht. Der Mönch verstand mich nur allzugut und machte ein saueres Gesicht. Dem Moslim gefiel das Märchen aus dem Morgenlande als solches, die Pointe aber ließ ihn kalt. Nur der Rabbiner war entzückt, und seine Augen leuchteten vor Freude.

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