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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 480 Dr. Wlocb's TKHocbenscbrift. Nr. 30 sie nur ja richtig verstanden werde und die rechte Wirkung nicht verfehle, waren die Worte, auf die es besonders ankommt, fett gedruckt. In diesem Kernfatze prägt sich ein so sinniger Zug zu dem Charakterbilde des Vergani'schen Blattes aus, daß es Unrecht wäre, chm nicht die ihm gebührende Beachtung zu schenken. Wahr ist, daß in dem Lokale eines Turnvereines in Triest, eines irredentistischen Turnvereines, Sprengmittel gefunden worden sind. Die Tatsache ist eine aufregende und die Aufregung steigert sich zur berechtigten Entrüstung, wenn man die einschlägigen politischen Verhältnisse ins Auge faßt. Trotz alledem wüßte das „Deutsche Vvlksblatt" mit der Nachricht nichts anzufangen uno ihr kein Interesse abzugewinnen, wenn es nicht gelingen sollte, ihr die rechte Pointe zu geben. Nichts leichter als das. Man bringt die ganze Geschichte in Beziehung zu dem Judentum, verbindet mit ihr eine der gebräuchlichen harmlosen Judenhetzen, und Alles ist gerettet. Im Handumdrehen wird aus einem national-italienischen, irredentistischen Turnverein ein jüdisch-irredentistischer gemacht, und nun geht die Uhr recht. Warum? Weil es ein national-italienischer Turnverein und überhaupt ein Turnverein ist? Wie kommen gerade da die Juden hinein? Die tieffinnige und sonst auch stramm antisemitische „Reichspost" lacht sich immer den Buckel — was sage ich den Buckel! — beide Buckeln lacht sie sich voll, so oft sie auf jüdische Turner zu sprechen kommt. Wie sollen die Juden überhaupt turnen können, — es gibt keine jüdischen Turner! Wenn man sie aber brauchen kann, schafft man sie sich. Und so ist es denn aufgekommen, daß der national-italienische Turnverein jüdisch ist. Damit ist's aber nicht genug. Auch die „jüdische Presse" muß bei dieser Gelegenheit etwas abbekommen. Es wird also frisch drauf los erfunden, daß sie nicht geneigt sei, den Vorgefundenen „Gegenständen" die volle wünschenswerte rasante Sprengwirkung zuzutrauen. Das ist eine kleine Infamie, die inan ruhig zu den andern legen kann, nur ist sie in diesem Falle womöglich noch unlogischer als sonst. Denn in diesem Falle sollte ja nicht der landläufige Vorwurf erhoben werden, daß die Juden überhaupt nur Pofelware erzeugen, sondern es sollten der entsetzten Welt die Augen darüber geöffnet werden, wie gefährliche Feinde des Staates die Juden seien. Wie können sie aber gefährliche Feinde sein, wenn sie so schlecht arbeiten? Allerdings — nur die Judenblätter stellen die Gegenstände als unschädlich hin, die antisemitischen wären sofort bereit, sie als höchst gefährlich anzuerkennen. Nun ist aber das den Judenblättern gar nicht eingefallen. Wir dürfen doch gewiß auf die Ehre rechnen, von Herrn Vergani der Judenpresse zugerechnet zu werden, und wir dürfen nach sorglicher Gewissenserforschung die Erklärung abgeben, daß bei uns keinerlei Tendenz besteht, die Sprengwirkung der Triestiner Funde in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Von uns aus dürsten die Bomben die Kraft haben, die EÄe gegen den Mond zu sprengen oder doch wenigstens jene dreißigtausend Japaner in die Luft fliegen zu lasten, die zum großen Leidwesen des „Deutschen Volksblatt" trotz der schönen Telegramme des russischen Generalstabes nun doch nicht geflogen sind. Wie erklärt sich aber all das ungereimte Zeug, das mit solcher Kunstfertigkeit in die wenigen Zeilen des „Deutschen Volksblatt" hineingestopft ist? Auf die allereinfachste Weise von der Welt. Es gibt kein Ereignis, insbesondere keine Kalamität und keine Katastrophe von Belang, die nicht so lauge gedreht und gewendet würde, bis sie sich zu einer Anklage und einer Brandmarkung der Juden verwenden läßt. Wir haben in der letzten Zeit eine katastrophale Epoche der Hitze zu überstehm gehabt, unter welcher die ganze Bevölkerung litt. Auch da hat ein antisemitisches Blatt — es ist allerdings die „Deutsche Zeitung" (!) — die Entdeckung gemacht, daß an den beklagenswerten Folgen dieser Hitze doch wieder nur die Juden schuld sind. Du brauchst nicht an die Stirne zu greifen, geehrte Leser. Ich habe ja schon erwähnt, daß es die „Deutsche Zeitung" ist, die diese Entdeckung gemacht hlll. Die Juden find es nämlich, die alle großen Unternehmungen vechindern, und so waren auch sie es, welche die Ausgestaltung und ^Weiterung der Wasterleitung verhindert haben. Und so wird auch die Dürre fruchtbar für die geistvolle antisemitische Agitation! Wenn die „Deutsche Zeitung" die Leute, die ihr so schöne Sachen schreiben, wenigstens anständig bezahlte, daß sie nicht nötig hätten, die Juden um milde Gaben anzugehen. Da ist z. B. die literarische Größe Masaidek, einer der Klassiker der „Deutschen Zeitung", deren Lied er singt, obschon er deren Brot in einem nur für die Unterernährung ausreichenden Maße zu essen kriegt. Herr Masaidek gibt Aphorismen von sich, neben welchen die eines Larochefoucauld oder der Ebner-Eschenbach die reinen Banalitäten und Plattheiten sind. Neulich hat er seinen Honigseim sogar aus unseren bescheidenen „Glossen" gesogen. Er beging nur die kleine Perfidie dabei, daß er den Sinn der Worte, die wir geschrieben hatten, einfach fälschte, ja umkehrte, um sie zu unterschreiben. Das hat uns nicht gewundert und nicht in Entrüstung versetzt. Der Mann will auch leben, und wenn ihm keine Reflexionen mehr einfallen, muß er sich mit Reflexen behelfen. Wo das Originallicht nicht ausreichr, muß man zu Reflexen seine Zuflucht nehmen, und die Reflektoren werden ja schon fabriksmäßig erzeugt. Aber die „Deutsche Zeitung" müßte ihn besser bezahlen. Sie bezahlt seine „Geistesblitze" geradezu elend. Der Einwand, daß uns das nichts anginge, ist nicht stichhältig. Denn erstlich hat man sein kollegiales Standesgefühl, und zweitens müssen doch die Juden das Bad ausgießen. Wenn nämlich Herr Masaidek jahraus jahrein in der „Deutschen Zeitung" die Juden und die Judenblätter zur Genüge beschimpft hat, kommt er jahraus jahrein zur jüdischen „Concordia", um sich mit beweglichen Worten von ihr Jahressubventionen zu erbitten. Er erhält sie, und das ist ganz in der Ordnung. Nur kommt seine ersprießliche Mitarbeit an der „Deutschen Zeitung" der vielgeschmähten „jüdischen Concordia" ein wenig teuer zu stehen! Alles muß seinen Styl haben. Wie die Bomben nur interessant werden, wenn es jüdische Bomben sind, wie die Hitze sich nur verwerten läßt, wenn die Juden für ihre Folgen verantwortlich gemacht werden können, so hat nach wie vor auch der russisch japanische Krieg nur insofern seinen historischen Wert, als er den Anlaß bietet, den Juden eines am Zeuge zu flicken. Man weiß, die Juden haben Rußland verraten und der Krieg wider die Russen wird mit jüdischem Geld geführt. Gut. In diesen Tagen kam mir ein Aufruf zu, beizusteuern zur Linderung des Schicksals der russischen Verwundeten. Dem Ausruf lag ein gedrucktes Verzeichnis der schon geleisteten Spenden bei. Tausende waren schon gezeichnet. Ich prüfte das Verzeichnis. Es waren fast durchwegs Juden, Wiener Juden, welche — zum Teile mit bedeutenden Posten — auch da ein Werk der Menschlichkeit gefördert hatten. Eine ähnliche Liste zu Gunsten der japanischen Verwundeten, geschweige denn eine Liste, die von jüdischer Seite ausgegangen wäre, ist mir noch nicht zu Gesichte gekommen. So liegen die Dinge. Was hilft aber das alles? Deshalb wird man doch nach wie vor in allen antisemitischen Morgen- und Abendblättern zu lesen bekommen, daß die Juden ihr Geld hergeben, damit die russischen Armeen vernichtet werden und daß sie Gebete zu Gunsten eines Sieges der Japaner über die Russen in ihren Tempeln zum Himmel senden. Das ist zu lesen, und wenn es auch infam erlogen ist, so tut es doch seine gute Wirkung. Wenn es hundert- und tausendmal gesagt wird, dann glaubt es das arme Volk in Rußland vielleicht doch, und vielleicht gelingt es doch, es wieder insoweit aufzureizen, daß es in blindem Wahn wieder jüdische Siedelungen plündert, jüdische Männer, Greise, Frauen, Kinder verfolgt, verwundet, schändet, erschlägt. Weiter hat es keinen Zweck. Whig. Arische „Rassenstudien". Der von dem Antisemiten Th. Fritsch herausgegebene „Hammer" bringt in seiner Nr. 49 einen Auffatz „Zum Stand der Rassenforschung" von einem gewissen John in Berlin, in welchem von den Bewohnern der Alpenländer unter ausdrücklichem Hinweis auf die Süddeutschen gesagt wird: „Fälschlich nennt man neuerdings vielfach auch den brachycephalen homo alpinus, der eigentlich Prä-Kelte heißen sollte, einen „Turanier",

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